Fight Flight Freeze

Fight Flight Freeze

Eine sehr kleine Begebenheit hat mich zu ziemlich weitreichenden Erkenntnissen über Stress, Erstarrung, Hochsensibilität und Trauma geführt:

Endlich darf ich an den Schalter. Ich reiche dem Postbeamten mein federleichtes Päckchen. „Wollen Sie einen Nachweis? Dann müssen Sie es als Paket verschicken.“

Hochsensible Gedanken zum Internethandel

Image by Mohamed Hassan from Pixabay

Ich erstarre.

Eine ganze Kaskade von Gedanken und Emotionen prasselt auf mich ein, aus denen sich zwei herauskristallisieren. Eigentlich weiß ich, dass ein Nachweis erforderlich ist. Aber andererseits gibt es diesen Teil von mir. Dieser Teil ist vollkommen empört. 7,95 € soll ein Paket kosten, das nicht einmal 100 Gramm wiegt. Dabei ist es noch nicht einmal mein eigenes Päckchen, ich stehe hier für jemand anderen. Es kann mir eigentlich egal sein. Trotzdem komme ich nicht über meine Empörung hinweg. Zeit vergeht. Der Postbeamte wird langsam ungeduldig.

Ich muss mich entscheiden!

Schließlich gewinnt mein persönliches Wertesystem die Oberhand. Ich entscheide mich gegen den Nachweis. Das war natürlich noch nicht das Ende der Geschichte. Aber ich habe durch diese kleine Episode  neue Aspekte meiner Hochsensibilität entdeckt. Die Hochsensibilität habe ich erst vor relativ kurzer Zeit neu vor definiert als Hochsensitivität, gepaart mit belastenden, traumatischen Kindheitserfahrungen: mehr dazu findest du in diesem Artikel.

Jedenfalls ist mir erst durch dieses Erlebnis klar geworden wie sehr

mein Leben durch Reaktionen der Erstarrung geprägt ist.

Wie häufig das im Alltag vorkommt und wie verstörend das im Grunde genommen ist.

Um überleben zu können, haben Reptilien, Säugetiere und Menschen (die ja auch zu den Säugetieren zählen), drei verschiedene Verhaltensmuster:

Angriff, Flucht oder Erstarrung (Fight Flight Freeze)

die uns vielleicht aus dem Tierreich bekannt sind.

Stress, Erstarrung  und Dissoziation kommen auch bei Tieren vorAuf Immobilität (auch tonische Immobilität TI) genannt, wird erst zurückgegriffen, wenn die anderen Strategien von vornherein aussichtslos erscheinen.

Vermutlich hast du selbst schon einmal in einem Tierfilm gesehen, dass sich z. B. eine Gazelle einfach tot stellt, wenn sie weiß, dass sie der Verfolgung durch eine Löwin nicht entkommen kann.  Für die Gazelle macht das

biologisch und evolutionär gesehen Sinn,

weil es ihre Überlebenschancen erhöht.

Es kann z. B. sein, dass der Angreifer oder Verfolger davon absieht, das sich totstellende Tier zu fressen, weil einfach seine Angriffslust gedämpft wird oder er vor einem regungslosen Tier zurückschreckt. Es gibt dem Tier die Chance, sich später vielleicht doch noch mal davonzumachen.

Die Regungslosigkeit macht das sich totstellende Tier weniger sichtbar, wordurch die Chancen zu überleben steigen.

Es nützt der ganzen Gruppe, weil es vielleicht durch die Ablenkung zum Überleben der Gruppe beiträgt.

Außerdem löst das sich Totstellen einen

veränderten Bewusstseinszustand tiefer BetäubungIm Entwicklungstrauma befindet man sich oft in einem trauma zustand

aus. Dies beruht auf der Freisetzung von schmerzstillenden Hormonen, den Endorphinen. Dieser veränderte Bewusstseinszustand ist es, der

eine Dissoziation ermöglicht,

in der man die Situation erlebt, als wäre man jemand anderer, z. B. indem man alles von außerhalb betrachtet. Dies gehört also zu den Körperreaktion, die uns schützen.

Es ist weniger bekannt, wie sehr die Immobilitätsreaktion

die Entstehung und Behandlung von Trauma

beeinflusst.

Peter Levine beschreibt in seinem Buch Sprache ohne Worte* die folgenden Elemente unserer Überlebensstrategie:

  • erhöhte Wachsamkeit
  • Innehalten (um die Umgebungsbedingungen zu überprüfen)
  • Flucht (als erste Reaktion)
  • Kampf (wenn die Flucht nicht möglich ist)
  • Erstarren (vor Schreck und Angst) und
  • Zusammenbrechen (Kollabieren vor Hilfslosigkeit).

Dies bedeutet: das

wirklich wichtige Element eines Traumas

ist es, dass wir auf der einen Seite sehr verängstigt sind und auf der anderen Seite daran gehindert werden, uns zu bewegen, wozu auch das Gefühl gehört, in der Falle zu sitzen. Dies ist

der Moment der Erstarrung und/oder Überforderung.

Wenn wir erstarren, versteifen sich unsere Muskeln. Aber wenn wir uns auf einer existentiellen Ebene bedroht fühlen, also Todesangst ausstehen, kollabieren die Muskeln, werden sie vollkommen kraftlos. Es ist möglich, dass ein solcher Zustand sich chronifiziert und man dann im Leben allgemein

nicht genug Energie hat,

aktiv etwas in dem eigenen Leben zu verändern.

Dies liegt daran, dass Dissoziation trotz des Schutzes, den sie uns bieten soll, einen echten „Haken“ hat. Nämlich den, dass die Dissoziation nicht automatisch nach Beenden der stressauslösenden Situation zwangsläufig verschwindet. Vielmehr kann sie in einen chronischen Zustand übergehen. Offenbar ist sie auch verbunden mit einer ganzen Reihe psychosomatischer Symptome. Peter Levine zählt dazu die Unfähigkeit, wirklich in der Gegenwart zu leben. Die körperliche Lähmung mag verschwinden,

Depression, Zurückgezogenheit und Betäubtheit

können zurückbleiben. Es kann sein, dass wir im Alltag so einigermaßen funktionieren, aber nur mit halber Kraft. Die Lebensfreude bleibt dabei allerdings auf der Strecke.

Für mich war die kleine Post-Episode überhaus erhellend. Eine Zeitlang habe ich mich im Alltag beobachtet und war äußerst erstaunt, wie häufig ich in diese Situationen gerate. Und auch, wie elementar sich die Erfahrungen auf einer tiefen Bewusstseinsebene anfühlen.

Letzten Endes kam die Erkenntnis, dass für mich

die Situationen der Erstarrung mit anderen Menschen zusammenhängen.

Das muss aber nicht zwangsläufig so sein, es können sicherlich auch Tiere oder Naturereignisse, Unfälle oder sonstiges mit im Spiel sein.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass für hochsensible Menschen hauptsächlich soziale Kontakte davon betroffen sind. Belastende Lebensumstände in der Kindheit haben häufig ein Entwicklungstrauma zur Folge. Und ein Entwicklugnstrauma ist immer auch ein Bindungstrauma.

Noch etwas habe ich in den vergangenen Monaten gelernt: wir leben zwar in einer weitgehend technisierten Welt,

emotional ticken wir Menschen trotzdem noch nach dem Steinzeit-Bauplan.

Was bedeutet, dass Ablehnung und/oder Ausschluss aus einer Gruppe für uns absolut existentiell sind. Der Körper begreift dies als akute tödliche Bedrohung. Früher hat der Ausstoß aus dem Stamm bedeutet: ich kann alleine nicht überleben.

Für mich ist es so, dass ich häufig in Erstarrung falle, wenn

ich befürchte, abgelehnt  zu werden,

mit dem was und wie ich bin oder was und wie ich etwas mache. Interessanterweise betrifft dies ausschließlich mein Privatleben, mein Berufsleben ist davon überhaupt nicht betroffen. Es kommt z. B.  immer wieder mal vor, dass Menschen mich beschimpfen. Es ist mir natürlich nicht egal, aber in der Regel erhole ich mich ziemlich schnell davon.

Eine Zeitlang war ich recht erschrocken, wie häufig ich in solche Situtionen gerate. Jetzt ist das aber schon wieder vorbei. Es hilft mir sehr mich in Sachen

Trauma als Forschungsreise zu betrachten.

Ich sehe etwas und untersuche es gründlich. Dann lege ich es in das Kästchen meiner Fundstücke. Alles, was ich dort ablege, verändert sich dann allmählich, wird weniger traurig oder schrecklich. Es gehört einfach zu mir. Jetzt kann ich mich wieder anderen Dingen zuwenden, die ich für untersuchenswert halte.

Kennst dieses Phänomen auch? Wie immer freue ich mich, wenn du mir schreibst.

Von Herzen,

Unterschrift Monika Richrath

 

 

 

 

P.S. Wenn du noch mehr darüber wissen willst, empfehle ich dir meinen Blog Artikel Was bei Trauma im Gehirn passiert. Es ist natürlich auch eine Gelegenheit, dich auf meinen kostenlosen Mini-Kurs zum Loswerden von Überforderung hinzuweisen.

Image by Gerd Altmann from Pixabay (Beitragsbild)

Image by mohamed Hassan from Pixabay 

Heile dich selbst* – eine Rezension

Heile dich selbst* – eine Rezension

Heile dich selbst – Medical Detox* ist jetzt schon mein drittes Buch von Anthony William. Jedes Buch, das ich von ihm lese, erscheint mir besser und wichtiger als die vorangegangenen. Dieses Buch erscheint mir allerdings wirklich sehr besonders. Vor allem weil es wirklich eine große Hilfe ist für alle, die (vielleicht schon seit längerer Zeit) vergeblich versuchen, die Reinigungskuren von Anthony William umzusetzen. Aber es irgendwie einfach nicht schaffen.

Dazu zähle ich selbst mich übrigens auch.

Alle Bücher von Anthony William, die ich bis jetzt rezensiert habe: Die mediale Medizin* und Heile deine Leber*, waren auf die eine oder andere Weise revolutionär, weil sie mir (und vielen anderen Leser*innen) gezeigt haben, wo die Knackpunkte in Sachen Gesundheit sind: Im ersten Fall bei Viren wie Eppstein-Barr (damit bin ich – zumindest teilweise– fertiggeworden), im zweiten Fall bei einer übermäßigen Leberbelastung (damit bin ich noch nicht fertig geworden). Von daher ist es wunderbar, dass Heile dich selbst – Medical Detox* nahtlos an das Leberthema anschließt. Es geht in diesem Buch nämlich darum, wie eine Reinigung und Entgiftung individuell aussehen könnte.

Dabei stellt Anthony William nicht nur verschiedene Formen seiner 3-6-9 Reinigung

vor, sondern bietet auch noch minimalistischere Varianten zum Einstieg, indem er verschiedene Ebenen von Nahrungsmitteln einführt, die man weglassen kann, um sich ganz schrittweise zu nähern.

Wie immer erklärt er dabei ausführlich, warum bestimmte Nahrungsmittel ungeeignet, bzw. besonders geeignet sind. (Eine kleine Anmerkung am Rande: Mir hat es sehr gut gefallen, dass man hier tatsächlich mit einer Handvoll bestimmter Nahrungsmittel auskommt.)

Das Buch enthält sehr ausführliche Beschreibungen

der verschiedenen Formen der 3-6-9 Reinigung, von denen es jetzt die ursprüngliche, die vereinfachte und eine erweiterte Form gibt.

Neu ist (für mich jedenfalls) die Vorstellung einer sog.

Monodiät,

die sich für verschiedene gesundheitliche Probleme eignet, z. B., wenn man vieles nicht mehr essen kann. Oder aufgrund einer Dünndarm-Fehlbesiedlung. Ebenfalls vorgestellt werden eine Schwermetall-Detox-Kur, eine Morgen-Reinigung und eine Anti-Erreger-Reinigung (Die sich natürlich zum Teil gleichen oder überschneiden, das liegt in der Natur der Sache).

Kurzum, es ist wirklich für jeden etwas dabei, so dass es eigentlich keinen Grund mehr gibt, nicht damit anzufangen.

Wie immer, wenn ich ein Buch mit Rezepten in die Hände bekomme, habe ich sofort begonnen, die Rezepte auszuprobieren. Einiges hat sofort Eingang in meine Küche gefunden, z. B. das Porridge mit wilden Blaubeeren oder die Kartoffel Minipizza. Von daher kann ich Ihnen berichten bzw. versichern, dass alleine das gelegentliche Kochen der Rezepte aus dem Buch

äußerst leberentlastend

ist.

Wie alle Bücher von Anthony William ist auch dieses äußerst strukturiert aufgebaut. Der erste Teil „Entschlackung tut not“ beschäftigt sich mit aktuellen Ernährungstrends (Was mir supergut gefallen hat). Was ist z. B. von intermittierendem Fasten zu halten, von Paleo, Keto und so weiter? Man erfährt z. B. warum für die Leber Pflanzenmilch oder Kokosjoghurt nicht unbedingt eine gute Alternative zu Milchprodukten sind.

Im zweiten Teil werden die verschiedenen Formen der 3-6-9 Reinigung vorgestellt, die im dritten Teil um andere Medical Medium Reinigungskuren ergänzt werden. Abgerundet wird dies im vierten Teil, der nicht nur die Rezepte enthält, sondern auch

verschiedene Tipps und Tricks für die Durchführung der heilenden Reinigungskuren.

Hier werden z. B. Alternativen vorgestellt, für z. B. Selleriesaft oder Zitronen- oder Limettenwasser. Das finde ich sehr ansprechend. So experimentiere ich gerade mit Ingwerwasser mit Honig und Zitrone am Morgen, weil ich das Zitronen- oder Limettenwasser nicht gut vertrage.

Im fünften Teilgeht Anthony William besonders auf die emotionale Seite der Entschlackung ein und auf die Wichtigkeit,

das eigene Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Dazu gehört auch, sich nicht (mehr) auf andere zu verlassen, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Ich finde, dies ist ein äußerst guter Ratschlag. Ich „folge“ Anthony William ja schon eine ganze Weile. Allerdings eher locker. Mir ist jede Art von Anhängerschaft ein Gräuel. Aber interessanterweise habe ich gerade durch das Lesen der vielen Bücher von Anthony William und das Ausprobieren gelernt kritischer zu sein und mich selbst als oberste Instanz zu sehen. Die Heilung geschieht nicht, weil Anthony William sagt, das ist gut für mich, sondern, weil ich selbst merke und bestimme, dass einer seiner Vorschläge für mich passt. Jeder Körper ist ja anders, hat seine eigenen Stressthemen und Schwierigkeiten. Da ist es ganz klar, dass seine Vorschläge nicht für alle passen können. Es ist aber, wenn man mit Hochsensibilität zu tun hat, auch eine sehr gute Gelegenheit, eine tiefe Verbindung zum Körper aufzunehmen und zu gucken: Was geht, was ist gut für mich und was nicht?

Anthony William wird von vielen offenbar sehr kritisch gesehen. Dabei ist es im Grunde genommen supereinfach, seine Vorstellungen und Thesen zu überprüfen. Nämlich, indem Sie einfach einmal versuchen, etwas von seinen Vorschlägen über einen längeren Zeitraum umzusetzen.

Ich hatte vor kurzem übrigens ein Mega-Erfolgserlebnis.

Zur Vorgeschichte: bei mir wurde im Alter von 18 Jahren zum ersten mal eine chronische C-Gastritis (und äußerst mysteriöse Gastritis, da ich niemals Schmerzmittel oder andere Medikamente genommen habe) diagnostiziert, die mich durch mein ganzes Erwachsenenleben hindurch begleitet hat – mehr als 40 Jahre also. Vor kurzem hatte ich noch einmal eine Magen- und eine Darmspiegelung. Zum ersten Mal seit 40 Jahren bekam ich die Diagnose „Schleimhaut unauffällig“.

Die Entzündung ist verschwunden.

Wie schön! Das beweist, dass ich mit meiner Ernährung auf dem richtigen Weg bin. Dabei nehme ich nur ganz minimalistische Ernährungergänzungen zu mir. Aktuell täglich Selen*, Micro-C* einmal täglich, einen  B-Komplex* , der vor allem die aktiven Versionen enthält und hin und wieder Agaricus*, wenn ich das Gefühl habe, mein Immunsystem könnte einen Schub vertragen und natürlich flüssiges Zinksulfat*. Zuguterletzt trinke ich mehrmals wöchentlich einen Smoothie mit Gerstengrassaftpulver*. Für mich ist das der eindeutige Beweis, dass

die Vorschläge von Anthony William insgesamt gut funktionieren.

Auch wenn es immer wieder einmal Vorschläge gibt, die für mich nicht gehen.

Im sechsten Teil werden verschiedene körperliche Symptome mit ihrer Ursache vorgestellt und wie sich diese mit welchen Nahrungsergänzungsmitteln behandeln lassen. Eine ganze Reihe davon finden Sie in meinem Shop.

Als ich damals mit der Medialen Medizin begonnen habe, habe ich meine

wichtigsten Symptome nachgeschlagen

und mir eine Strichliste angelegt für die vorgeschlagenen Mittel. Die 5 mit den meisten Strichen habe ich mir dann angeschafft. Vielleicht werde ich das jetzt noch mal machen.

Und auf jeden Fall möchte ich eine der vorgestellten Kuren in Angriff nehmen. Ich weiß, dass es sich lohnt.

Wie geht es Ihnen mit der Medialen Medizin? Haben Sie Erfolge erreicht? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Von Herzen,

Ihre

Monika Richrath

Anthony William
Heile dich selbst – Medical Detox*
Die Antwort auf (fast) alle Gesundheitsprobleme

arkana
ISBN 978-3-442-34274-7
26 EUR

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