In ein paar Sekunden kann alles vorbei sein

In ein paar Sekunden kann alles vorbei sein

Alles geht ganz schnell. Innerhalb von Sekundenbruchteilen wechseln sich die unterschiedlichsten Emotionen ab: Schock, Ärger, Angst, Scham (Ich bin nicht allein), Verwunderung und – Beten (Bitte …

bitte, nicht der Kopf. Ich versuche noch, irgendwie mein Gleichgewicht zu halten, aber umsonst. Während meine inneren Prozesse im Zeitraffer ablaufen, sehe ich alles andere in Zeitlupe. Wie der Boden immer näher kommt, erst das eine, dann das andere Knie auf dem Boden aufschlägt, wie ich noch versuche, mich mit der rechten Hand abzustützen, dabei aber nur auf das Handgelenk aufschlage, und schließlich doch noch der Kopf.

Einen Augenblick bleibe ich noch liegen, überwältigt von Panik und Angst um meinen Kopf. Dann kommt der Ärger. Ausgerechnet! Alles hat so gut geklappt und jetzt das …

Schließlich lasse ich mir von meinen besorgten Freundinnen aufhelfen. Was gar nicht so einfach ist, in dem kleinen Bad ist eigentlich kein Platz für 3 Personen, erst recht nicht, wenn eine davon auf dem Boden liegt.

Kein schöner Abschluss

eines ansonsten äußerst erfolgreichen Tages. Liebe Freundinnen hatten sich bereit erklärt, mir beim Streichen meiner alten Wohnung zu helfen, alles hat supergut geklappt und nun das. Um den anderen beim Auswaschen meiner Pinsel nicht in die Quere zu kommen, habe ich diese Tätigkeit direkt in der Badewanne erledigt und bin anschließend mit den nassen Füssen auf dem Badezimmerboden ausgerutscht.

Am meisten Angst hatte ich vor einer Gehirnerschütterung. Aber nachdem mein Kopf offenbar ok ist und ich mir nicht mehr als ein paar blaue Flecken geholt habe, geht der Tag erstmal weiter. Ich merke allerdings schnell, dass es doch nicht so einfach ist. Den Rest des Tages bin ich sehr benommen. Ich muss mir schließlich eingestehen, ich bin nicht nur einfach gestürzt, sondern

ich bin erschüttert

bis ins Mark meiner Seele. Habe ich einen Schock? Vielleicht. Bin ich wegen meiner Hochsensibilität besonders erschrocken? Vielleicht. Die Erschütterung ist auch am nächsten Tag nicht vorbei. Vielmehr ist sie wie eine Art Schwelbrand, der sich nun auch in andere Teile meines Lebens ausbreitet. Ich traue mich kaum auf mein Fahrrad und bin dann ungewöhnlich ängstlich und besorgt.

ich bin geschockt über meinen sturzWas, wenn ich mit dem Fahrrad stürze?

Es ist jetzt so rutschig mit all den Blättern … vermutlich würde das nicht so glimpflich ablaufen …

Auch wenn das sich unnötige Sorgen ein ganz typisches Merkmal der Hochsensibilität ist, neige ich im Allgemeinen kaum zu Sorgen. Im Laufe der Jahre habe ich es geschafft, dem Leben gegenüber eine vertrauensvolle Haltung zu entwickeln und ich weiß ganz genau:

  • Ich bekomme was ich brauche
  • alles, was ich brauche, ist schon in mir
  • wenn ich etwas nicht bekomme, brauche ich es auch nicht
  • Ich bin behütet

Aber das ist einfach eine ganz andere Nummer. In den Tagen nach dem Sturz vergesse ich alles, was ich weiß. Dann allmählich schält sich für mich eine Art Botschaft heraus. So schnell kann es also gehen.

In ein paar Sekunden kann alles vorbei sein.

Ich habe keine Angst vor dem Tod. Und das sage ich nicht nur so dahin. Aber ich habe Angst davor, meine eigenen Möglichkeiten meiner menschlichen Erfahrung nicht genug gelebt zu haben, mir selbst nicht genug Raum zu geben, immer nur hinter der Arbeit zurückzubleiben (soviel Freude meine Arbeit mir auch macht!).

Der Sturz ist jetzt schon etliche Wochen her

die blauen Flecken sind längst verschwunden, die Knochen, auf die ich aufgeschlagen bin, schmerzen aber immer noch und zeigen mir auf eindrucksvolle Weise, wie alles, was uns widerfährt im Körper gespeichert wird. Denn jedesmal, wenn ich mich hinknie und die Stelle den Boden berührt, an der ich aufgeschlagen bin, ist sofort alles wieder da, der Sturz, der Schock, der Stress, die Verunsicherung. Zwar nicht mehr so intensiv wie vorher, aber vorhanden. Das will ich unbedingt mal auflösen lassen mit irgendeiner Form von Körperarbeit. Damit ich dieses Erlebnis als Erinnerung daran benutzen kann, dass ich vergänglich bin und mich auf keinen Fall selbst verpassen möchte.

Haben Sie schon etwas Ähnliches erlebt? Ich freue mich über Ihre Kommentare!

Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

5 Irrtümer über Schlaf

5 Irrtümer über Schlaf

Schlaf – oder besser gesagt, der Fehlen desselben – scheint sich zu einem immer größeren Problem auszuwachsen. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis haben viele mit Schlafstörungen zu tun, ebenso wie Kunden und Kundinnen, die zu mir kommen. Grund genug für mich, mich in Zukunft intensiver mit dem Thema Schlaf und Schlafstörungen auseinanderzusetzen.

Als erstes habe ich natürlich jede Menge Literatur gewälzt. Dabei sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die in praktisch jedem Buch auftauchen, die aber bei den Menschen nicht bekannt zu sein scheinen. Allen voran ein paar Irrtümer, denen wir offenbar heute in unserer modernen Welt aufzusitzen scheinen.

1. Nur eine durchschlafene Nacht ist eine gute Nacht

Früher hatten Menschen keine Zentralheizung, in ihren Häusern war es kalt, also schliefen die Menschen zusammen in einem Raum und gaben sich so Wärme und Geborgenheit. Auch das Vieh hielt sich im gleichen Raum auf wie die Menschen. Es liegt auf der Hand, dass Mensch und Tier einander im Schlaf gestört haben müssen, denn viele Menschen machen viele Geräusche und die Tiere sicherlich auch. Da war vermutlich auch nicht allzuviel mit die ganze Nacht durchschlafen.

Aber eine ganze Reihe anderer Dinge waren damals anders. Man ging bei Sonnenuntergang schlafen und stand mit dem Sonnenaufgang auf, es gab kein künstliches Licht, das unseren Schlaf- und Wachrhythmus, und damit auch die damit verbundene Hormonproduktion von Melatonin und Serotonin, durcheinanderbrachte.

Es ist also durchaus anzunehmen, dass viele Menschen immer wieder einmal während der Nacht aufwachten und wieder einschliefen und trotzdem am nächsten Tag ausgeruht waren – vielleicht haben Sie selbst ja auch schon einmal erlebt, dass es so sein kann – aber nur, wenn Sie nach dem Aufwachen nicht beginnen, sich wie verrückt Gedanken zu machen über Gott und die Welt. „Ich muss noch … und … muss ich auch noch …. und …. hat schon wieder …warum macht …?“ Lauter Stressgedanken, die den Körper im Nullkommanichts mit Adrenalin fluten und dann ist es natürlich vorbei und an Schlaf nicht mehr zu denken. Ist es erst einmal so weit, ist es schwer, den Körper wieder zur Ruhe zu bringen. Hochsensibilität bringt öfter solch nächtliche Denkattacken hervor …

So oder so, es soll normal sein, nachts bis zu 30 Mal aufzuwachen. Wenn Sie also merken, dass Sie aufgewacht sind, drehen Sie sich am besten einfach rum und versuchen, dahin zurückzugehen, wo Sie hergekommen sind.

2. Verlorenen Schlaf kann man nachholen

Milliarden von Menschen weltweit versuchen es seit Generationen, obwohl es nicht klappt. Im Gegensatz zu früheren Generationen wissen wir heute allerdings wie schädlich und gesundheitsschädigend zu wenig Schlaf ist. Was wir weniger im Blick haben ist, dass es für den Körper viel angenehmer ist, kurzfristig mit weniger Schlaf auszukommen, als seinen Schlafrhythmus durcheinanderzubringen, nur um etwas Schlaf nachzuholen.

Bis ich vor kurzem begonnen habe, mich mit den Erkenntnissen der Schlafforschung zu beschäftigen, habe ich selbst versucht, Schlaf nachzuholen. Wenn ich zum Beispiel aus war und erst spät ins Bett gekommen bin, sagen wir mal um zwei oder drei, habe ich am nächsten Morgen versucht, länger zu schlafen. Vermutlich kennen Sie selbst das Phänomen, dass man am Samstagabend ausgeht, am Sonntagmorgen lange schläft, am Sonntagabend dann nicht einschlafen kann (aufgrund des langen Schlafes am Morgen) und am Montagmorgen völlig unausgeruht ist. Dabei liegt das ganze Geheimnis einfach nur darin, auch am Sonntagmorgen zur gleichen Uhrzeit wie immer aufzustehen, ganz egal, wann man ins Bett gegangen ist. Das funktioniert wirklich, ich habe es ausprobiert. Für den Körper ist es am besten und einfachsten, dass Dinge regelmäßig geschehen, in diesem Fall also, dass man möglichst zur gleichen Zeit ins Bett geht und wieder aufsteht. Jedenfalls ist man am Montagmorgen ausgeschlafener.

3. Es ist egal, wann man ins Bett geht

Ist es nicht. Allerdings kommt es nicht darauf an, besonders früh ins Bett zu gehen. Wichtig ist, dass wir uns vor allen Dingen im Tiefschlaf erholen, in den ersten Stunden nach dem Einschlafen. Wichtig ist dabei jedoch, dass es gegen 3 Uhr morgens zu einer Art „biologischer Mitternacht“ kommt. Körper, Geist und Gemüt befinden sich dann in einer Art Leistungstief (bei der auch die Gedanken eher düster sind). Nach diesem Zeitpunkt wird der Schlaf leichter. Um erholsam zu schlafen, sollten wir also so zeitig ins Bett gehen, dass wir vier oder fünf Stunden Zeit für Tiefschlaf haben.

4. Es ist egal, was ich trinke und esse

Ist es leider nicht – sorry. Gerade falsche Getränke und Nahrungsmittel machen dem Körper in der Nacht zu schaffen und stören unseren Schlaf. Sie merken es daran, wenn Sie häufig gegen 2 Uhr morgens aufwachen. Die Leber ist das Organ für den Abbau von Stoffen, die für den Körper belastend sind oder nicht mehr benötigt werden, z. B. Stoffwechselendprodukte, Medikamente, Hormone, Alkohol usw. Die Leber arbeitet am intensivsten zwischen 1 und 3 Uhr in der Nacht.

Natürlich ist es auch nicht egal, wann ich etwas esse und trinke. Anregende Getränke wie Kaffee, schwarzer oder grüner Tee oder Softdrinks mit viel Zucker sollten nicht abends getrunken werden. Als hochsensibler Mensch lohnt es sich ganz unbedingt, hier einmal ein bisschen herumzuexperimentieren und seine ganz persönliche Grenzzeit herauszufinden. Es kann nämlich sehr gut sein, dass die von offziellen Stellen empfohlene Uhrzeit von 16 Uhr für HSP aufgrund der erhöhten Empfindsamkeit einfach nicht passt. Ich selbst bin ja eine Liebhaberin von grünem Tee und habe bis vor relativ kurzer Zeit diesen noch bis zum Abend hin getrunken. Eine ganz wesentliche Besserung ist eingetreten, als ich erkannte, dass meine persönliche Grenzzeit für anregende Getränke bei 14 Uhr, ganz maximal 15 Uhr liegt, also ca 7 bis 8 Stunden vor dem Schlafengehen!

Angeblich sollen hochsensible Menschen ja nicht soviel Kaffee trinken (das meinte jedenfalls Elaine Aron), ich habe das bislang aber noch nicht so bestätigt gefunden. Die TeilnehmerInnen meiner Seminare trinken in der Regel auch Kaffee … die Anzahl an Menschen, die ich persönlich kenne, die überhaupt keinen Kaffee trinken, lässt sich an einer Hand abzählen.

5. Es ist egal, womit ich meinen Geist füttere

Ist es auch nicht, sorry. Unser Körper braucht ungefähr zwei Stunden, um sich abends herunterzufahren und auf die Nachtruhe vorzubereiten, aber meistens gönnen wir ihm diese Ruhe nicht. Wir sehen fern, beschäftigen uns mit dem Computer, Handy oder Laptop (alles Geräte übrigens, die blaues Licht abstrahlen, was wach macht). Vielleicht sehen wir uns etwas Spannendes oder Aufwühlendes an, lesen oder arbeiten noch bis kurz vor dem Schlafengehen. Alles Dinge, die Stress bedeuten – für unseren Körper und unsere Psyche. Wenn wir in diesem aufgeregten Zustand ins Bett gehen, lässt der Schlaf natürlich auf sich warten, wir müssen uns zunächst ja wieder beruhigen. Ein Buch (kein Krimi) oder ein Abendspaziergang ist sicher besser geeignet zum Herunterkommen.

Die Frage der Frage: Wie gut schlafen Sie? Haben Sie besondere Tricks, die Ihnen helfen? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Warum kann das Lernen für sensible und schüchterne Kinder zum Problem werden?

Warum kann das Lernen für sensible und schüchterne Kinder zum Problem werden?

Sensible und schüchterne Kinder haben gemeinsam, dass sie große Angst davor haben, Fehler zu machen, aufzufallen. Sie haben Angst davor, den Erwartungen anderer nicht gerecht werden zu können und sind aus diesem Grund oft sehr passiv im Unterricht. Sie bleiben lieber stumm, wollen nicht auffallen, bleiben so hinter ihren Möglichkeiten zurück und werden oft verkannt.

Sensible und schüchterne Kinder haben feine Antennen für Kritik

Ein weiteres Problem ist, dass sie empfindlich für Kritik sind und sehr schnell an sich selbst zweifeln. Aber schauen wir doch mal genau in die Schule hinein, dann beginnt das Problem bereits mit den Bewertungen. Sobald die Kinder in die Schule kommen, werden sie bewertet und ernten im schlimmsten Fall fast täglich Kritik.

Vera Birkenbihl erklärte mit ihrem Lernberg, ab wann theroretisch Kritik, Bewertungen beim Lernen beginnen dürften:

Lerneinsteiger vertragen definitiv keine Kritik. Gerade in der Schuleingangsphase sind Spaß, Spiel, Spannung, und vor allem positive Bestärkung, notwendig. Die Fortgeschrittenen vertragen dann schon etwas Kritik, nur der Meister verträgt viel Kritik.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft

In unserem Schulsystem werden die Kinder ab dem ersten Tag in der Schule an ihrer Leistung gemessen. Kinder mit Lernproblemen ernten oft Kritik und haben irgendwann mehr oder weniger Angst vor schlechten Zensuren, vor der Kritik des Lehrers, dafür im Unterricht vielleicht an die Tafel gehen zu müssen, vor der ganzen Klasse vorlesen zu müssen… . Das erzeugt Angst – die Angst vor Fehlern. Diese Angst erzeugt oft genug auch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen … .

Wenn wir Angst haben, können wir nicht denken

Angst erzeugt Stress und beides gemeinsam blockiert den Bereich in unserem Gehirn, der für das Denken und Lernen verantwortlich ist. Tatsächlich erzeugt Angst immer einen Ausnahmezustand in uns – wir kennen das, wir schwitzen, sind nervös und wollen flüchten. So natürlich auch unsere Kinder. Nur mit dem Unterschied, dass sie noch nicht genau wissen, was mit ihnen geschieht und warum das so ist. Auf jeden Fall erschwert genau diese Angst den Kindern das Lernen, sie geraten schnell in einen Teufelskreis. Der wiederum führt dazu, dass die Kinder ihr Selbstvertrauen völlig verlieren können, sie sich deshalb auch nicht mehr anstrengen. Wer nicht an sich glaubt, gibt schnell auf.

Die Antennen der Kinder

Diese Kinder wissen genau, dass sie Probleme in der Schule haben, dass Lehrer hilflos sind oder verärgert oder denken, sie seien faul oder gar dumm. Und sie sehen auch in den Gesichtern der Eltern, dass diese sich Sorgen machen. Doch sie können die Sorgen nicht richtig interpretieren und denken schnell, dass die Eltern böse auf sie sind und vielleicht aufhören könnten sie zu lieben.

Deshalb sind die Gespräche und der Glaube an das Kind so wichtig

Wir Erwachsenen müssen also an unsere Kinder glauben, glauben, dass auch sie es schaffen und ihren Weg gehen werden. Es gibt heute viele Wege, um Schulabschlüsse zu machen oder nachzuholen.

Wichtig ist, den Druck herauszunehmen und den Stress zu lindern. Denn den haben die Kinder in der Schule schon ausreichend.

Stille Kinder haben es in der Schule besonders schwer

Stille und ängstliche Kinder haben es in der Schule oft besonders schwer, geraten oft in Schubladen, in die sie nicht hineingehören. In der Grundschule sind sie oft noch beliebt, da sehr still, sie fallen kaum auf. Es sei denn, sie versuchen ihre Probleme zu überspielen, indem sie zum Klassenkasper werden.

Aber in der weiterführenden Schule sind diese Schüler oft unbeliebt, weil sie missverstanden werden: Er meldet sich nie, also hat er nicht gelernt, ist faul oder dumm. Leider passiert es vielen sehr ruhigen Schülern, dass sie falsch eingeschätzt werden.

Hilfe leisten, so früh wie möglich!

Sobald Sie merken, dass Ihr Kind Probleme in der Schule hat, sollten Sie ihm jede Hilfe geben, die es braucht. Hat es Probleme mit Deutsch oder Mathe, dann suchen Sie bitte, wenn möglich, recht schnell eine gute Lerntherapie für Ihr Kind. So früh wie möglich, denn je mehr es verpasst, desto länger braucht es, um den Anschluss wiederzuerlangen. Und je früher dem Kind geholfen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sein Selbstbewusstsein schnell gestärkt wird.

Sabine Omarow

Sabine Omarow

Praxis für Lernstörungen

Ich wurde 1963 geboren und habe zwei Kinder. Meine Tochter hatte große Probleme in der Schule, hat diese aber mit einem Realschulabschluss beendet und das Abitur nachgemacht. Mein Sohn ist hochbegabt. Zu meinem Beruf kam ich über die Erlebnisse mit meinen Kindern. Ich studierte deshalb zwei  Jahre Psychologie und machte den Legasthenietrainer. 2003 gründete ich in Berlin meine erste Praxis für Lerntraining. 2016 zog ich aus privaten Gründen von Berlin nach Paderborn und gründete dort zum zweiten Mal meine Praxis für Lerntraining. Diese läuft inzwischen wieder gut an. Mein Beruf ist meine Berufung, denn ich habe einen wundervollen Beruf. https://www.xing.com/profile/Sabine_Omarow?sc_o=mxb_p
Ich persönlich arbeite seit vielen Jahren mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die eine Lese-Rechtschreib- und/oder Rechenschwäche haben. Um mehr über die Lernprobleme aufzuklären und zu zeigen, wie geholfen werden kann, führe ich vom 25.2.2018-4.3.2018 einen Onlinekongress zum Thema Lernprobleme – LRS oder Rechenschwäche durch. Die Teilnahme ist kostenlos! Möchten Sie mehr über Lernprobleme erfahren? Dann melden Sie sich hier an: https://lrs-kongress.com Vielen Dank! Sabine Omarow Fotos: Sputnik Eins Fotografie Sabine Hergemöller
Glauben Sie an eine höhere Macht?

Glauben Sie an eine höhere Macht?

Das Jahresende nähert sich langsam wieder und ich habe schon die ein oder andere Anfrage zu den Rauhnächten bekommen.

Wenn ich nicht schon vor Jahren begonnen hätte, an eine wie auch immer geartete höhere Macht zu glauben, hätten mich die Ereignisse der letzten Monate auf jeden Fall eines Besseren belehrt. Doch das war nicht immer so.

Zwei Lager

Hochsensibilität und Spiritualität schließt sich weder aus, noch bedingt das eine das andere. Ich glaube, dass sich hochsensible Menschen vor allem in zwei verschiedene Lager teilen: es gibt die einen, die sehr im Kopf leben, und nur an das glauben, was sie selbst sehen können oder was wissenschaftlich „erwiesen“ ist und es gibt das andere Lager der Menschen, die zu einer gewissen Form der Spiritualität gefunden haben. Natürlich mag es auch noch Menschen geben, die weder das eine noch das andere sind …

Ich selbst gehöre zu der Gruppe, die ihr ganzes Leben lang zwischen diesen beiden, unversöhnlich erscheinenden Positionen hin- und hergeschwankt ist.

Wo ist Gott?

Alles, was an Spiritualität heute in mir und meinem Leben vorhanden ist, habe ich mir selbst erarbeitet. Ich wusste und weiß nicht, ob ich Menschen beneiden soll, die von Haus aus eine religiöse Erziehung bekommen haben? Manchmal erschien mir das beneidenswert, vor allen Dingen in Zeiten, wo mir der Glaube abhanden gekommen war. Dann schielte ich neidisch auf die vermeintliche gute Grundlage, die so ein gesunder Glauben doch bieten könnte – obwohl ich gar nicht so weiß, ob es so ist.

Ich habe jedenfalls nur ein Minimum an religiöser Erziehung genossen. Und das lag daran, dass mein Vater aus dem katholischen Rheinland und meine Mutter aus dem protestantischen Hamburg eine sog. „Mischehe“ geschlossen hatten, die von den jeweiligen Müttern mit Misstrauen beäugt wurde. Meine Mutter versuchte sogar noch zum Katholizismus überzutreten, aber dazu ist es letztendlich nicht mehr gekommen, weil das junge Ehepaar vom Leben überrollt wurde und sich mit anderen praktischen Dingen beschäftigen musste.

Meine Eltern hatten sich wohl noch darauf geeinigt, dass die aus der Ehe stammenden Kinder katholisch sein sollten, danach wurde über Religion aber nicht mehr gesprochen und ich musste mich an das halten, was gerade anstand: sprich der Religions- und Kommunionsunterricht. Und ich entsinne mich, dass ich große Schwierigkeiten damit hatte, weil ich nicht wusste, wer oder was Gott ist. Wo Gott war. Wirklich in der Kirche? Die Schwierigkeit war übrigens nicht so sehr, dass ich Gott nicht sehen konnte, sondern dass ich Gott nicht spürte. Nirgendwo eigentlich. Vor allen Dingen in der Kirche nicht, wo es so viele Regeln und strenge Verbote gab, denen sich sogar die Erwachsenen beugen mussten … Völlig unklar blieb daher auch, was Gott mit Liebe zu tun hatte …

Gott geküsst

In der Pubertät habe ich dann ganz unvermutet Unterstützung bekommen in Sachen religiöser Unterweisung. Da war ein Mädchen – in das ich verliebt war, weil sie alles das war, was ich nicht war und gerne gewesen wäre. Während einer Bildungsreise durch die gothischen Kathedralen Frankreichs begann sie mit mir über Gott zu sprechen. Irgendwann stellte sie mir dann triumphierend die alles entscheidende Frage, auf die ich keine Antwort wusste: Woher kommt das Leben? Dass es vermutlich einfach aus sich selbst heraus entstehen könnte, erschien mir unwahrscheinlich.  Blieb also nur noch die eine Option übrig, dass etwas den Prozess in Gang gesetzt hatte …

Erstaunlicherweise fiel es mir danach relativ einfach, in eine Art von Glauben zu fallen. Ich vermute, ich wollte gerne glauben. Vielleicht habe ich instinktiv gespürt, dass das Leben leichter fällt, wenn man an eine höhere Macht glaubt …

Die Reise spielte sich um Ostern herum ab und wir hatten reichlich Gelegenheiten, religiöse Feste zu erleben. Hier, in diesen wundervollen, hohen Räumen konnte ich mir Gott auch vorstellen. Bei einem Fest habe ich sogar wie alle anderen Anwesenden einen Jesus am Kreuz geküsst und mich durchlief dabei ein Schauer religiöser Inbrunst …
Als hochsensibler Mensch habe ich mit Religion gekämpft

Ich will nicht firmiert werden

Die religiöse Inbrunst hielt nicht lange an. In der Pubertät begann ich jeden und alles in Frage zu stellen. Alles, was mit Religion zusammenhing, wurde hinterfragt. Ich hatte die „Glaubenszeit“ genossen, ohne Frage, aber ich konnte nicht länger daran festhalten. Wie konnte Gott denn all das Elend in der Welt zulassen? Wieso wurden Kriege im Namen von Religionen geführt? Und wieso waren so viele Menschen Religionsanhänger, obwohl Religion in der Geschichte hauptsächlich zur Unterdrückung des gemeinen Volkes und zur Bereicherung einiger weniger Kirchenleute benutzt wurde? Kurzum, mir wurde klar: Ich kann nicht firmiert werden. Ich schrieb meinem Pfarrer einen Brief, dass ich nicht an der kurz bevorstehenden Firmung teilnehmen könne, weil ich nicht mehr an Gott glaube. Dieser lud mich, glaube ich mich zu erinnern, zu einer Ferienfreizeit ein, an der ich aber ganz sicher nicht teilgenommen habe – aus Furcht vor Indoktrination.

Der Ekel

Wenn ich heute so zurückblicke, fürchte ich, dass ich direkt von der Pubertät in einer Art Depression gelandet bin, in der alle Werte, die ich hatte, nach und nach ihren Wert verloren, ihre Schönheit, ihren Glanz. Um mich herum wurde alles grau. Und den absoluten spirituellen Tiefpunkt erreichte ich, als wir im Französischunterricht das Buch „Der Ekel“ von Jean-Pierre Sartre lasen. Sartre beschreibt in diesem Buch einen Ekel vor der Welt und vor sich selbst, die vollkommene Isolation des Selbst in der Welt, ohne Verbindung nach draußen, ohne Verbindung nach drinnen. Der Supergau. Die vollkommene Einsamkeit. Und ich kannte dieses Gefühl ganz genau, ich hatte es selbst schon genau so erlebt …

Glauben hilft

Was die Wende herbeigeführt hat, vermag ich heute nicht mehr zu sagen. Vermutlich war es ein langer, schleichender Prozess, zu dem die Tatsache, dass ich verschiedene, extrem schwierige Situationen buchstäblich überlebte, sicherlich beitrug.

Irgendwann habe ich verstanden, dass es mir hilft, an eine Macht zu glauben, die größer ist als ich. Und dass es nicht die höhere Macht ist, die zulässt, dass es so viel Elend auf der Welt gibt, sondern die Menschen. Dass die Menschen diejenigen sind, die dafür die Verantwortung haben. Ich scheue mich zwar immer noch ein wenig davor, diese Macht „Gott“ zu nennen, weil der Begriff für mich assoziiert ist mit „Kirche“, der gegenüber ich immer noch äußerst zwiespältige Gefühle hege, aber ich habe im Laufe der letzten zehn Jahre meines Lebens doch eine Art Glauben entwickelt, der mir wirklich hilft. Es ist eher ein Glaube an eine große, ordnende Kraft (bei Geschenken bedanke ich mich stets beim Universum), die mich unterstützt, wobei auch immer.

Durch den Tod meiner Mutter im vergangen Jahr hat dieser Glaube noch einmal einen ordentlichen Schub erhalten, weil ich hautnah erfahren habe, wie alles miteinander zusammenhängt und einen Blick werfen konnte auf die großen Mysterien des Lebens und verschiedene Energiephänomene, so dass ich nun definitiv weiß, dass da etwas ist. Für mich ist da jedenfalls definitiv etwas.

Wie Magie

Eingangs habe ich ja geschrieben, dass ich das Glauben dieses Jahr hätte lernen können, wenn ich nicht schon glaubte. Soviel hat sich in diesem Jahr verändert, sich auf eine geradezu magische Art und Weise geordnet, mehr als in den anderen Jahren.

Eins hat dabei auf dem anderen aufgebaut: das Coaching bei Sonja Kreye hat mir geholfen, mein Angebot völlig neu zu strukturieren und es so zu gestalten, dass meine Klienten und Klientinnen tiefgreifende Veränderungen in ihrem Leben erreichen können. Das war definitiv mein erster Schritt. Dies führte ja auch zu Änderungen in meinem eigenen Leben.

Im Dunstkreis von Sonja Kreye habe ich Michaela Ortmeyer kennengelernt, deren Powertag mit dem Thema „Umsatzschallmauer …“ bei mir weitreichende Erkenntnisse ausgelöst hat. Zu den wirklich verblüffenden Ergebnissen des Powertages gehört für mich, dass ich kurz darauf ein einwöchiges Seminar auf Amrum mit Christel Smaluhn zu Vergebungsarbeit von Colin Tipping gewonnen habe. Was mir nicht nur dabei half, herauszufinden, wo meine tatsächliche Blockade liegt, sondern mich auch insgesamt so gedopt hat, dass ich eine extrem schwierige Wohnungssituation relativ gelassen bewältigen konnte: Eine scheinbar auswegslose Situation hat sich für mich wie durch ein Wunder gut gelöst … und dafür bin ich unendlich dankbar .

Darüber hinaus sind neue Menschen in mein Leben getreten, habe ich auf äußerst vielfältige (und manchmal vollkommen unerwartete) Art und Weise Unterstützung von anderen bekommen, so dass ich eher das Gefühl habe, auf einer riesigen Welle zu surfen, als mich auf dem harten Boden der Realität zu befinden. Aber wer weiß, vielleicht ist die Welle ja die Realität und nicht der harte Boden? Wer genau kann das schon sagen? Sicher ist aber, dass ich in diesem Jahr ganz besonders dankbar bin für all die Dinge, die ich in diesem Jahr geschenkt bekommen habe. (Das meiste davon ist übrigens mit Geld überhaupt nicht aufzuwiegen).

Natürlich freue ich mich, wenn Sie uns erzählen, wie Sie es mit den höheren Mächten halten. Haben Sie Glaubenskrisen durchlebt? An wen oder was glauben Sie?

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

 

Verhinderte Genüsse

Verhinderte Genüsse

Essen ist oft ein ziemlich schwieriges Thema für hochsensible Menschen. Die mit der Hochsensibilität häufig einhergehende besondere Reizempfindlichkeit auf problematische Substanzen lässt uns schnell überreagieren und sorgt für Unverträglichkeiten und Allergien. Jetzt geht es langsam wieder auf Weihnachten zu. Vielleicht geht es Ihnen ja auch so, dass es Ihnen megaschwer fällt, immer zu allem NEIN zu sagen, was Ihnen eigentlich nicht bekommt.

Wenn Sie diesem Blog schon länger folgen, wissen Sie bereits, dass ich selbst in Sachen Ernährung schon eine ziemlich lange Odyssee hinter mir habe. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich mich essenstechnisch wieder in meine Kindheit zurückgewünscht habe und immer noch wünsche …

 

Damals war Essen einfach

jedenfalls scheint es mir so (Meine Mutter hat mal gesagt, ich sei schon immer eine mäkelige Esserin gewesen, also ist dieser Eindruck vielleicht vollkommen subjektiv.) Aber essen hat mich damals glücklicher gemacht als heute. Wenn ich mich auf ein Essen gefreut habe, dann war das Essen auch die Freude wert. Heute kann ich mich auf etwas total freuen, muss dann aber, wenn ich es esse, feststellen, dass danach oft ein schales Gefühl zurückbleibt. Häufig frage ich mich dann, worauf habe ich mich eigentlich gefreut?

Neulich zum Beispiel hatte ich die Idee, einen bestimmten glutenfreien Kuchen zu backen, der zur Hausmarke meines örtlichen Supermarktes gehört. Diesen Kuchen habe ich vor ein paar Jahren einmal gebacken, als wir bei Freundinnen zu Besuch waren. Damals hatten wir ihn gemeinsam verputzt und alle sehr lecker gefunden.

Zwischenzeitlich versuche ich eigentlich, sogenannte glutenfreie Produkte nach Möglichkeit zu vermeiden, da ich überzeugt bin, dass sie meiner Gesundheit auch nicht wirklich zuträglich sind. Außerdem habe ich festgestellt, dass diese sehr häufig im Wesentlichen aus Mais bestehen, eine hohe Kaloriendichte haben und dafür sorgen, dass ich aufgehe wie ein Hefekloß (Meistens fühle ich mich dann auch genauso). Von daher habe ich auch um diesen Kuchen (eine Fertigteigmischung übrigens) erfolgreich einen Bogen geschlagen. Bis neulich.

Da war mir mal wieder so richtig nach Kuchen

einem Sandkuchen, je trockener, je besser, schön mit leckerer Butter bestrichen. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon schön auf dem Sofa sitzen, die dampfende Teetasse neben mir, den Kuchen in der Hand und einen schönen Schmöker dazu.

Sofort war es um mich geschehen

und ich konnte nicht widerstehen. Ich kaufte den Kuchen (wozu ich übrigens meine derzeitige Phase der Eierfreiheit noch durchbrechen musste), rührte alles zusammen, schob ihn in den Ofen. Allerdings musste ich noch warten, bis ich ihn dann auch essen durfte. Das ging erst am nächsten Tag, wegen der noch aufzubringenden Glasur und weil ich nicht mehr genug Zeit hatte an dem Tag.

Als hochsensibler Mensch kann man vielleicht kein Weihnachtsgebäck essenEgal, am nächsten Tag freute ich mich also wie eine Schneekönigin auf meinen schönen Kuchen und

das luxuriöse Gefühl des Michselbstverwöhnens.

Ich arrangierte alles so, wie ich es mir gewünscht hatte – aber dann schmeckte mir der Kuchen überhaupt nicht mehr! Der Geschmack war pappig, die Schokoglasur, die ich so lecker gefunden hatte schmeckte nur nach billigem Fett … Enttäuschung pur …

Ich hätte den Kuchen wegwerfen sollen

Biografiebedingt bin ich aber leider nicht in der Lage, Lebensmittel, die noch gut sind, einfach wegzuwerfen. Ich konnte ihn auch nicht anderweitig loswerden. Die schöne Selbstbelohnung geriet so eher zur Strafe (obwohl es natürlich auch mindestens einen inneren Anteil gibt, der sich immer über Kuchen freut!)

Etwas Ähnliches habe ich vor kurzem mit Schokolinsen erlebt, die eigentlich immer gingen und jetzt schmeckten, als hätte jemand übelriechende Chemikalien auf der Oberfläche aufgebracht. Natürlich habe ich darüber nachgedacht und

versucht mir darauf einen Reim zu machen.

Sicher ist: Mein Körper wird offenbar zunehmend empfindlicher und meine Wahrnehmung verfeinert sich. Bewusst habe ich keine diesbezüglichen Schritte unternommen, vielleicht liegt es daran, dass ich jetzt mit ziemlich vielen KlientInnen tiefgehende Themen auflöse … Von Yoga-Anwendern habe ich gehört, dass sich das Essverhalten nach einer Zeit ganz von alleine verändert, vielleicht ist es mit der Klopfakupressur ähnlich … vielleicht bedeutet es auch, dass mein Körper nach und nach gesünder wird, wer weiß? Nach dem Erlebnis mit den Schokolinsen habe ich mir gesagt, dass ich vermutlich jetzt in der Lage bin zu schmecken, wie sie wirklich schmecken … so, wie man, wenn man sich Chips abgewöhnt und ihr Genuss nicht irgendwelche emotionalen Bedürfnisse abdecken muss, in der Lage ist, herauszuschmecken, dass Chips eigentlich nur nach Pappe und Fett schmecken und sonst gar nichts. So gesehen ist das ja eine tolle Entwicklung.

Bleibt noch die Strategie für die Weihnachtstage

Ich bin da natürlich ohne konventionelles Weihnachtsfest fein raus, aber ganz sicher werde ich demnächst einen Haufen Weihnachtsgebäck und andere Leckereien kreieren, damit ich nicht das Gefühl habe, zu kurz zu kommen. Hm, hatte ich nicht vorhin ein Rezept für einen warmen Schokodrink auf Cashewbasis gesehen …?

Wie geht es Ihnen mit dem Genuss-Stress zum Jahresende? Haben Sie Strategien, um Ihren Körper zu schützen oder ergeben Sie sich einfach? Tricksen Sie Ihre Überempfindlichkeiten aus? Haben Sie leckere glutenfreie Rezepte zum Teilen? Wie immer, freue ich mich, wenn Sie mir schreiben.

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

Warum verliebe ich mich immer in den Falschen oder die Falsche?

Warum verliebe ich mich immer in den Falschen oder die Falsche?

Die Liebe ist für hochsensible Menschen ein wirklich schwieriges Stress-Thema. Die Hochsensibilität führt vielleicht dazu, dass wir vieles besonders schwer nehmen (z. B. Kränkungen), besonders viele Ängste entwickeln (z. B. bevor wir jemandem unsere Liebe gestehen) oder es vielleicht auch gar nicht wagen, auf jemanden zuzugehen. Und natürlich leiden wir unendlich, wenn es vorbei ist. Manchmal jahrelang (glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche)!

Kennen Sie diese Situation?

Sie lernen irgendwo jemanden kennen, den oder die sie sehr attraktiv finden und sie kommen zusammen. Aber es dauert nicht lange, bis erste Probleme auftauchen. Er oder sie zieht sich innerlich zurück, ist ausweichend, will sich meistens nicht festlegen. Aber es ist nicht immer so. Manchmal gibt es auch sehr intensive Momente, in denen sie einander offenbaren können. Davon oder dafür leben sie. Aber diese Momente werden immer seltener und hören irgendwann ganz auf. Oder Sie stellen fest, dass ihr Traumprinz oder Ihre Traumprinzessin das Interesse an Ihnen verliert oder sich womöglich jemand anderem zuwendet (was Sie vielleicht gar nicht wissen) oder Sie verlässt (manchmal von heute auf morgen) und Sie wissen nicht wohin mit sich vor lauter Liebeskummer.

Oder Sie sehnen sich ganz verzweifelt nach Liebe,

aber Sie finden einfach nicht die richtige Person, mit der Sie sich eine Beziehung vorstellen können? Oder Sie verlieben sich grundsätzlich nur in Menschen, die bereits anderweitig gebunden sind? Oder Sie interessieren sich grundsätzlich nur für den Typ „Bad Boy“ oder „Bad Girl“, wo Sie schon von vornherein wissen, dass es nur für eine Nacht, oder eine Woche ist? Oder Sie haben grundsätzlich nur Affairen, weil Sie Angst davon haben, dass jemand herausfinden, wie Sie wirklich sind und Sie verlassen könnte?

Irgendwann bekommt das ganze so eine Eigendynamik, Beziehungen haben dann überhaupt keine Chance mehr sich zu entwickeln, weil die Angst, dass es zu Beziehungsabbrüchen kommen könnte, immer größer wird  und die Beziehungsabbrüche sich mehren …

Permanent zurückgewiesen zu werden kann verflucht weh tun.

Dann zweifelt man an sich selbst und fragt sich vielleicht, ob man vielleicht nicht liebenswert ist in dem Sinne, ob man es wert ist, geliebt zu werden? Das produziert noch mehr Schmerz und Verzweifelung und treibt eineN in eine Art einsame Abwärtsspirale.

Ich möchte Ihnen dazu gerne einmal etwas sagen – was Sie vermutlich nicht gerne hören. (Aber glauben Sie mir, ich war zehn Jahre lang Single und weiß ganz genau, wovon ich spreche. Ich habe einmal fünf!!! Jahre (ich finde das selbst so unglaublich mittlerweile) in einer Art Nichtbeziehung ausgeharrt, in der ich überhaupt keinen festgelegten Status hatte – nur die Gewissheit, dass ich geliebt wurde. Meine Ex-Partnerin und ich haben über zehn Jahre gebraucht, um uns in einer festen Beziehung miteinander wirklich aufeinander einzulassen …)

Beziehungen sind schwierig für hochsensible Menschen

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Einsamkeit rufen Sie selbst hervor

Bevor Sie nun empört „Blöde Kuh“ schreien, Ihren Computer oder Ihr Handy an die Wand werfen, lesen Sie bitte einfach erst einmal weiter. Natürlich ist dies nicht im Sinne von „Sie sind es selbst schuld“ gemeint. Ganz im Gegenteil, Sie können überhaupt nichts dafür – jedenfalls nicht, solange Sie nicht wissen warum.

Es geht außerdem auch nicht darum, wie Sie sich eine Beziehung vorstellen oder wie Ihr Partner/Ihre Partnerin sein soll, damit Sie es schön miteinander haben. Es geht auch nicht darum, was Sie miteinander tun und lassen (das wird erst später wichtig!) Die einzige Frage, die Sie sich stellen können, wenn Sie da raus wollen ist:

Wie fühlt Liebe sich für Sie an?

Es ist völlig gleich, dass Sie eigentlich etwas anderes wollen. Maßgeblich ist in diesem Zusammenhang, wie Sie großgeworden sind, wie Ihre Beziehungspersonen sich Ihnen gegenüber verhalten haben.

Bindung

ist für Menschen genau so wichtig wie Nahrung, Schlaf, Bewegung usw. Bindungsforschern zufolge sind die ersten drei Lebensjahre bindungstechnisch entscheidend. Die Beziehungsregeln, die wir in dieser Zeit lernen, legen fest, wie wir später durchs Leben gehen, welche Beziehungen wir leben und wie gesund wir sind. Mittlerweile weiß man sogar um den Zusammenhang von Erkrankungen im späteren Leben und belastenden frühkindlichen Bindungserfahrungen (Mehr dazu an anderer Stelle auf diesem Blog).

Vier Bindungsstile

Vielleicht haben Sie schon einmal von den vier Bindungsstilen gehört, die der Psychiater und Psychoanalytikers John Bowlby entwickelte. Anfang der 60er Jahre wurden diese noch angezweifelt, was die Fachwelt aber zwischenzeitlich aufgegeben hat, da sie durch viele Studien bestätigt wurden.

1. Die sichere Bindung

In einer sicheren Bindung hat ein Baby das Gefühl, dass die Bindungsperson sich ihm gegenüber feinfühlig verhält, auf seine Bedürfnisse eingeht und Zuverlässigkeit bietet, so dass es sich emotional in Sicherheit fühlt. Ein sicher gebundenes Kind wird weinen, wenn die Mutter weggeht, lässt sich aber leicht nach ihrer Rückkehr beruhigen. Ein solches Bindungsmuster sollen 60 bis 65 % aller Kinder erleben. Es führt dazu, dass das Kind eine gewisse Widerstandskraft gegen psychische Belastungen entwickelt und Empathie empfinden kann.

2. Die unsicher-vermeidende Bindung

In einer unsicher-vermeidenden Bindung hat das Baby das Gefühl, dass es von den Eltern keinen Schutz und keine Sicherheit bekommt und dass es alleine zurecht kommen muss. Das Baby unterdrückt daraufhin sein Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung. Ein Kind, das so aufwächst, wird gar nicht darauf reagieren, wenn die Mutter weggeht, und auch nicht, wenn sie wiederkommt. Trotzdem reagieren sie körperlich sehr heftig. Dieses Bindungsmuster sollen 20 bis 25 % aller Kinder erleben. Kinder, die so aufwachsen, sind weniger widerstandsfähig gegen emotionale Belastungen.

3. Die unsicher-ambivalente Bindung

Diese ähnelt der unsicher-vermeidenden Bindung, beinhaltet aber, dass die Eltern chaotisch auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren, mal erfüllen sie diese, manchmal lehnen sie sie ab. Bei Problemen ziehen sich solche Kinder eher zurück und sind gestresst in Gegenwart ihrer Eltern, auch wenn sie sich an ihre Eltern klammern können. Diesen Bindungsstil sollen 10 bis 15 % aller Kinder erleben. Kinder, die so aufwachsen, können sich weniger gut in andere Menschen hineinversetzen.

4. Die Desorganisierte Bindung

Immerhin 5–10 % aller Kinder sollen in desorganisierten Bindungen aufwachsen. Da kann man sich auf überhaupt nichts mehr verlassen. Erregung und Anspannung der Mutter wechseln ab mit Vernachlässigung und Desinteresse. Im Zustand der Erregung kann die Mutter dann eher eine Bedrohung für das Kind darstellen. Desorganisiert gebundene Kinder laufen z. B. nach der Trennung auf die Mutter zu, aber drehen auf halbem Wege wieder um oder zeigen Zeichen von Stress, wenn sie mit ihrer Bindungsperson zusammenkommen.

Haben Sie sich dort irgendwo wiedererkannt?

Erkennen Sie das Muster Ihrer Beziehungen wieder? Verstehen Sie, dass, wenn das Verhalten Ihrer Eltern gegenüber eher vermeidend, ambivalent oder desorganisiert war, es für Sie einfach sehr schwierig ist, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, die sich durch Kontinuität, Nähe und Intimität auszeichnen? Sie ziehen dann Menschen an, die ebenso aufgewachsen sind und ein Problem mit Nähe, Intimität und Kontinuität haben. Das können dann Menschen sein, die sich im Kontakt mit anderen hauptsächlich auf Sexualität konzentrieren, Menschen, die sich zurückziehen, sobald es schwierig sind, Menschen, mit denen man einerseits sehr intensive Momente erleben kann, bei denen man andererseits aber auch öfter das Gefühl hat, dass es gar keine Nähe gibt. Gerade letzteres kann einen zur Verzweifelung treiben.

Wenn sich Ihnen nicht erschließt, worauf ich hinaus will, empfehle ich Ihnen den Film „Love Alien“ zu sehen. Ein junger Mann, Wolfram Huke, filmt sich selbst auf der Suche nach Liebe, das ist absolut herzzerreißend. Achten Sie vor allen Dingen auf die Szene mit der Mutter.

Hier können Sie sich ein Interview des SWR mit Wolfram Huke ansehen.

Wie können Sie es jetzt schaffen, Ihre Beziehungsmuster zu verändern?

Machen Sie sich bewusst, dass es einfach nicht ausreicht, sich andere Beziehungen zu wünschen – solange Sie auf das gepolt bleiben, was Sie zuhause erlebt haben, werden Sie immer wieder Menschen in ihr Leben ziehen, von denen Sie ganz genau das bekommen, was Sie zuhause auch bekommen haben. Menschen, die sich anders verhalten, finden Sie dann gar nicht attraktiv – das ist leider so. Nur ganz wenige Menschen haben einen so starken Willen, dass sie mit schierer Willenskraft etwas vollkommen Anderes in ihr Leben holen.

Aber es ist auf jeden Fall möglich, hier einen Schalter umzulegen! Die Klopfakupressur eignet sich wunderbar dazu, die bisherige Bindungsprogrammierung aufzulösen.

Erst einmal brauchen Sie Klarheit über das was war. Sie brauchen außerdem Geduld – wie immer.

Hier ist eine Übung für Sie

Schreiben Sie Antworten auf die folgenden Fragen auf.

  • Überlegen Sie doch einmal bitte, wie Sie zuhause groß geworden sind.
  • Was haben Sie bekommen, bzw. was haben Sie nicht bekommen?
  • Fällt Ihnen ein Wort ein, das das Verhalten Ihrer Eltern beschreibt?
  • Wie würden Sie das Verhalten Ihrer Partner oder Partnerinnen beschreiben?
  • Sehen Sie Parallelen?

Wenn Sie Ähnlichkeiten gefunden haben, versuchen Sie daraus einen Klopfsatz zu bilden und beklopfen Sie das Thema.

Sie können auch Sätze klopfen wie „Auch wenn ich nicht weiß, wie sich Liebe eigentlich anfühlt usw.“

Wie sind Sie großgeworden? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

de_DEDeutsch