Über Fehler

Über Fehler

Vielleicht haben Sie schon einmal gehört, dass hochsensible Menschen häufig fehlersensitiv sind. Das kann bedeuten, dass sie gut geeignet sind, Tätigkeiten auszuüben, in denen es darum geht, dass Fehler gefunden werden. Korrekturlesen ist zum Beispiel eine Tätigkeit, die dem sehr entgegenkommt.

fehlersensitiv kann aber auch bedeuten,

sich an Fehlern besonders zu stören

(an eigenen und denen der anderen). Vielleicht liegt es daran, dass jeglicher Fehler wie ein Makel oder Schmutzfleck die von HSP angestrebte Perfektion empfindlich stört? Jedenfalls gibt es eine Verbindung zwischen Hochsensibilität und Fehlern.

Ich finde Fehler auch nicht schön, obwohl ich mir die Perfektion schon lange abgeschminkt habe – glaube ich zumindest – wer weiß, wie es in den tiefen Schichten meines Bewusstseins aussieht? Ich versuche jedenfalls, nicht alles so schwer zu nehmen.

Jetzt ist mir aber ein richtig schlimmer Fehler unterlaufen

der sich nicht ignorieren oder korrigieren lässt. Ausgerechnet noch in Sachen Datenschutz. Ich habe mir viel Mühe gegeben, alles richtig zu machen: wochenlang habe ich Webinare besucht, Blogs zum Thema  gelesen usw. Grundsätzlich stehe ich der Datenschutzgrundverordnung wirklich positiv gegenüber. Es passiert sehr häufig, dass ich mit Menschen in Kontakt komme (manchmal über soziale Netzwerke, manchmal aber auch in anderem Rahmen) und plötzlich einen Newsletter bekomme, den ich gar nicht angefordert habe. Das ärgert mich. Die Person kann noch so viele heilerische oder sonstwie tolle Fähigkeiten haben, das ist einfach nicht ok und auch kein wertschätzendes Verhalten …

Was meine Webseite angeht, fühle ich mich gewappnet. Aber ausgerechnet das Einholen Ihrer Einverständniserklärung zur Datenverarbeitung ist in ein absolutes Fiasko ausgeartet. Vielleicht ist es besonders schlecht geworden, weil ich es besonders gut machen wollte. (Die Idee hinter allem war nämlich, dass ich eine Benachrichtigung bekomme, die ich ausdrucken und abheften kann. Tatsächlich habe ich bislang auch nur eine winzigkleine Ahnung, wo der Fehler liegen könnte und gar keine, was ich hätte anders machen sollen.)  Da ich meinen Kriegsfuß mit der Technik ja schon ganz gut kenne, habe ich verschiedene Probeläufe gemacht, die alle wunderbar funktioniert haben. Trotzdem habe ich den Karren voll vor die Wand gefahren. Offenbar habe ich irgendeinen Punkt in der Anleitung meines E-Mail Providers nicht verstanden (oder es war schlecht ausgedrückt) und so kommt es jetzt, dass Sie eventuell mehrere Aufforderungen zur Abgabe Ihrer Einverständniserklärung zur Verarbeitung Ihrer Daten von mir bekommen haben und möglicherweise auch noch mehrfache Erinnerungen, um dem ganzen die Krone aufzusetzen.

Nachdem das ganze Ausmaß dieser digitalen Katastrophe so langsam in mein Bewusstsein eingedrungen ist, hatte ich schon kurzfristig den Impuls, mich aus dem Fenster zu stürzen.

Das fühlte sich an wie eine Art Gesichtsverlust

als hätte ich eine komplette Idiotin aus mir gemacht. Habe ich vermutlich ja auch. Auch Minderwertigkeitsgefühle und Selbstzweifel waren mit im Gepäck (andere kriegen das auch hin, warum denn nicht ich?) Aber da ich dieses Wochenende zum ersten Mal zum Verbandstreffen des Verbandes für Klopfakupressur fahren wollte, fehlte mir einfach die Zeit, mich so richtig in diese Gefühle hineinzuvertiefen. Und das war auch gut so. Viele von Ihnen haben mir netterweise einfach eine E-Mail geschrieben, dass sie meinen Newsletter weiterhin bekommen möchten oder sich andere kreative Wege ausgedacht um mir mitzuteilen, dass sie weiterhin Interesse an  meinen Informationen haben.

Bevor ich mich jetzt hinsetze und mich wieder Ewigkeiten mit einem Formular beschäftige (von dem ich jetzt schon Angst habe, dass es vielleicht auch nicht klappen könnte), bitte ich Sie, mir einfach eine kurze E-Mail zu schicken, dass Sie mit der Verarbeitung Ihrer Daten einverstanden sind und den Newsletter weiter bekommen möchten. Das ist fürs erste der am wenigsten komplizierteste Weg.

Es ist mir schon klar, dass einige von Ihnen mir vielleicht nicht mehr folgen mögen, weil sie das zu nervig oder anstrengend finden. Aber ich kann das nun nicht mehr ändern oder aufheben. Das Kind ist in den Brunnen gefallen und für mich eine ganz schön harte Nuss in Sachen Gelassenheitsübung. Aber ich kann nicht umhin zu bemerken, dass ich hier auf jeden Fall Fortschritte gemacht habe. Früher hätte ich vielleicht eine Blogpause einlegen wollen, um Gras über die Sache wachsen zu lassen …

Mir bleibt nur, mich für das Chaos zu entschuldigen und den Stress und die Selbstzweifel (einige von ihnen haben gedacht, es läge an ihnen, dass das Formular nicht funktioniert hat), den ich Ihnen völlig überflüssigerweise beschert habe

und Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Treue, Ihr Interesse und Ihre Nachtsicht zu danken.

Es ist mir bewusst, dass dieser Blogbeitrag extrem kurz ist für meine Verhältnisse. Ich muss mich jetzt erst einmal mit meinem sicherlich überquellenden Posteingang beschäftigen  …

Am Wochenende habe ich übrigens sehr interessante Klopfer und Klopferinnen kennengelernt, von denen ich demnächst die ein oder andere auf diesem Blog vorstellen werde, darauf können Sie sich jetzt schon freuen.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

 

Bildquelle:Geralt, pixabay

Die Kraft der Wahrnehmung – Unbekannte Potenziale erkennen und sinnvoll nutzen

Die Kraft der Wahrnehmung – Unbekannte Potenziale erkennen und sinnvoll nutzen

Wenn wir feinfühlig sind und sich unsere Wahrnehmung zunehmend vertieft, dann ist ein Leben in festen, fremdbestimmten Strukturen fordernd. Dann üben die komplexen, auf Effizienz getrimmten Anforderungen Druck aus. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir uns irgendwie durchquälen. Das Gefühl haben, nicht mehr bei uns zu sein. Nur noch genügen müssen… und einen wichtigen Teil von uns schlichtweg nicht zum Ausdruck bringen können.

Das habe ich in meiner eigenen Tätigkeit als Angestellte in einem fraglos tollen Team und mit einer in den ersten Jahren auch zu mir, für mich passenden Tätigkeit, erlebt. Je mehr jedoch mein „Gespür für die Dinge“ und der Blick fürs große Ganze wuchsen, als umso herausfordernder habe ich die Situation erlebt. Das einzubringen, was ich geben konnte, war an dieser Stelle nurmehr noch schwer möglich.

Zu erkennen, dass ich weit mehr kann (und bin) als das, was in meinem damaligen Job gefragt war, hat über einen langen Zeitraum erst einmal dazu geführt, dass ich versuchte, mich passend zu machen. Dabei jedoch trennte ich mich von einem essenziellen Teil ab. Dass dies nicht wirklich funktionierte, ist einerseits klar, hat mir letztendlich den nächsten Schritt meines Werdegangs ermöglicht. Ich gebe gerne zu, dass ich über diesen Schritt sehr lange nachgedacht und geflissentlich erst einmal einige Signale meines Körpers ignoriert habe.

Doch diese waren, ebenso wie mein Wunsch nach einem selbstbestimmten freien Leben, in dem ich auch andere Menschen auf ihrem Weg in ein solches, ihrem Wesen entsprechendes Leben begleiten kann, irgendwann so stark, dass ich ihn gewagt habe – zum Glück.

Inneres Wissen zugänglich machen

Mein individuelles Mentoring-Programm für innere Klarheit und Kraft setzt nun dort an, wo die verbesserte Selbst-Wahrnehmung helfen kann, ein neues Selbst-Bewusstsein zu entwickeln und eigene Wege zu gehen: für eine neue Leichtigkeit, mehr Freude und Energie und vor allem das guten Gefühl, ganz einfach „man selbst“ zu sein.

Ich erlebe in meiner Arbeit als Mentorin und Wegbegleiterin oft, dass es vielen Menschen gerade deshalb häufig schwerfällt, gelassen zu bleiben, weil sie eben selten so gelassen werden, wie sie sind. Stattdessen sind sie häufig nur in Teilen „gefragt“. Oder trauen ihren Wahrnehmungen zunächst nicht recht, machen sich immer wieder passend, bis sie ein tieferes Verständnis für sich selbst entwickeln, und sich die Erlaubnis geben, sie selbst zu sein. Nicht als Defizit sehen, was ist. Um schließlich die im wahrsten Sinne „unfassbare“ Qualität ihrer Sinneseindrücke zu schätzen lernen.

Natur, Stille und Bewegung sind für mich die Schlüssel zu einem Raum, in dem wir uns selbst erkennen können. Individuell gestaltet unterstütze ich mit meinem Programm meine Klienten dabei, unabhängig von der Meinung anderer, frei in ihren Entscheidungen und vor allem verbunden mit ihrer inneren Stimme und ihrem inneren Wissen ihren Weg neu zu gestalten. Dabei zeige ich keine Methoden oder Strategien, wie das Leben mal rasch optimiert werden kann. Vielmehr erinnere ich mein Gegenüber durch gezielte Impulse an das, was schon immer in ihm steckt und unterstütze dabei, dieses innere Sein auch zum Ausdruck zu bringen.

Wahrnehmungen als wahr erachten

Mein Blick auf die Welt und die Menschen ist umfassend, von hoher Wahrnehmungskraft und Sensitivität geprägt. Und er erstreckt sich weit über das Sichtbare hinaus. Ich habe im Laufe meiner Tätigkeit als Angestellte oft versucht, das zu erklären, gerade dann, wenn ich wieder einmal „auf den Punkt“ getroffen hatte, wonach andere schon lange gesucht hatten, oder sehr bemüht darum waren, gerade auf jenen Aspekt nicht zu sprechen zu kommen, der mir sofort ins Auge sprang.

Ich geriet immer dann in „Erklärungsnot“, wenn meine Erkenntnis sich nicht sofort aus einem erworbenen Zertifikat oder einer Ausbildung ableiten ließ. Wirkende Mechanismen in Teams zur Sprache bringen, hinter das Gesagte zu schauen und zu wissen, welche Motivationen dahinter liegen oder strategische Empfehlungen im Sinne zu haben, ohne Organisationspsychologie zumindest noch nebenbei studiert zu haben? Gar eine Vision zu entwickeln, ohne Manager-Seminar (oder die entsprechende Position)? Neue Bildungswege eröffnen und Lernräume kreieren, ohne Pädagoge zu sein? Die Liste ließe sich fortsetzen, beliebig wäre sie nicht.

Mein hohes Organisationsverständnis und mein Weitblick entstammen zum Teil meiner Berufserfahrung, zum großen Teil aber auch tatsächlich dem, was ich „sehe“ bzw. spüre. Die meiner hohen Empathie und Sensibilität entstammenden Wahrnehmungen integriere ich inzwischen erfolgreich in meine Arbeit als Beraterin, Wegbegleiterin und Impulsgeberin. Heute habe ich das Wissen um ihre Wahrhaftigkeit und bin selbst-bewusst genug um zu sagen: Das, was ich wahrnehme, ist wahr.

Und ich bin meinem Mentor sehr dankbar, der ganz selbstverständlich zu mir sagte: „Es kommt doch aus Ihnen heraus. Da braucht es keine weitere Legitimation.“ Ich hätte ihn in diesem Moment allein für die Gewissheit, mit der er das aussprach und die mich seither begleitet, umarmen können.

Er war es auch, der mich auf meine Hochsensibilität ansprach, davon ausgehend, dass ich längst um sie wusste – mich hingegen hat diese Erkenntnis erst einmal durchgeschüttelt und aufgerüttelt. Und mir geholfen, vieles neu zu sortieren. Ich habe mich erkannt – in allen Situationen, die ich bis dato als eigenartig empfunden hatte und mit allen Momenten, in denen ich eben mehr gesehen und gespürt hatte, aber nicht wirklich hatte einordnen können. Mich selbst zu verstehen, hat mich auch milder auf vieles blicken lassen.

Die aufgeschlossene Organisation

Heute bin ich zutiefst dankbar für diese Gabe, auch wenn sie fast täglich besondere Anforderungen an mich richtet und ich sehr sorgsam mit mir selbst umgehen darf. Was ich im Übrigen ohnehin für einen sehr guten Ansatz halte. Doch ich empfinde auch eine Verantwortung für diese Gabe. In meiner Arbeit, die ich nun weit gehend frei gestalte, darf ich erkennen, benennen und diese Impulse weitergeben. Menschen den Zugang zu ihren ureigenen Talenten und Fähigkeiten eröffnen, Mut machen, neue Wege sichtbar machen und sie ein Stück dieser Wege begleiten.

Zugleich ist es mein Anliegen, neue Räume in unserer Wirtschafts- und Berufswelt dahingehend zu gestalten, dass Wahrnehmungen ganz selbstverständlich ihre absolute Berechtigung erhalten und als wertvoll anerkannt werden. Ich wünsche mir sehr, dass sie viel stärker und viel selbst-verständlicher Eingang in den persönlichen und unternehmerischen Alltag finden. Denn hier liegen jene Antworten auf die Frage nach Zukunftsfähigkeit, die auf rational-analytischem Wege allein nicht zugänglich sind.

Mit anderen Worten: Wenn wir auf der Suche nach neuen Lösungen sind, kommen wir angesichts der verflochtenen Systeme und ihrer jeweiligen Eigendynamik mit alten Mustern und Wissen nicht mehr sehr weit. Ich bin überzeugt davon, dass ein guter Teil des heutigen Getriebenseins auch daher rührt. Kreativität hingegen braucht Freiraum.

Erkennen gibt Orientierung

Persönliche aber auch Unternehmensführung heute heißt mehr denn je Navigieren ins Unbekannte. So hat es für mein Empfinden einen guten Grund, dass immer mehr Menschen tiefer liegende Zusammenhänge und wirkende Kräfte auf verschiedenen Ebenen wahrnehmen können, die anderen (noch) verborgen bleiben.

Diese Beobachtungen, Eindrücke und die daraus resultierenden Impulse und Lösungsansätze sinnvoll zu nutzen, heißt Entwicklungsräume gestalten und schöpferisches Potenzial nutzen.

Sie in unternehmerische Arbeit einzubeziehen, ermöglicht eine neue Orientierung. Bislang unbekannte Ressourcen können bewusst und damit nutzbar zu machen. Zum anderen gestattet dies auch, das ganz individuelle Know-how und Potenzial einer Organisation und der ihr angehörenden Menschen umfassend zum Ausdruck zu bringen.

Birgit Brauburger

Seit über 20 Jahren als „Frau der Worte“ in der Kommunikationsbranche für unterschiedliche Unternehmen und Branchen tätig, liegt ihr Fokus inzwischen auf der umfassenden Potenzialentfaltung von Menschen und Organisationen sowie der Schaffung neuer Entwicklungsräume.

Sie versteht sich als Wegbegleiterin und Mentorin. Durch die Verbindung von vertiefter Selbstwahrnehmung und der individuellen Schulung des Ausdrucksvermögens unterstützt sie Menschen und Organisationen auf dem Weg zu ihrer individuellen Ausdruckskraft, neuer Souveränität und mehr Gelassenheit.

Ihr Auffassung von Meditation ist einfach und pragmatisch: Meditation ist eine Haltung, eine Lebensart. Es geht um die Präsenz im Augenblick, darum, zu sich selbst in Beziehung zu treten und dadurch auch zu dem, was uns umgibt. Ganz bei sich zu sein. Innezuhalten. Und sich jedes Mal aufs Neue zu öffnen für das, was werden will. Weil in diesem Erleben und Einlassen eine große persönliche Freiheit liegt.

„Jeder von uns ruft in der Welt etwas hervor, was kein anderer zu erschaffen vermag. Wenn wir beginnen, unsere wahre Bestimmung zu ahnen, dann ist es hilfreich, in dieser Entwicklung gesehen und gehört zu werden – um diese ins Leben zu bringen. Für dieses Erkennen gebe ich den Raum und die passenden Impulse.“

Birgit Brauburger

Birgit Brauburger

Birgit Brauburger

Nach vielen Jahren als Kommunikationsspezialistin in der Bankenbranche arbeite ich seit 2018 als selbstständige als Kommunikations- und Meditations-Trainerin. Ich  begleite Menschen und Organisationen bei der Entwicklung ihrer Potenziale und schaffe gemeinsam mit ihnen Entwicklungsräume – für mehr Klarheit, neue Wege und vor allem eine gesunde Leichtigkeit. Xing
Wu Wei – die Kunst nichts zu tun

Wu Wei – die Kunst nichts zu tun

Kennen Sie auch das Gefühl von totalem Stillstand in Ihrem Leben? Der absolute Frust, auf der einen Seite die Dinge, die Sie nicht mehr wollen, die Sie SO nicht mehr wollen, auf der anderen Seite eine nebulöse Zukunftsvision davon, wie die Dinge Ihrer Meinung nach sein sollten. Aber es geschieht NICHTS.

Das kann sich furchtbar anfühlen,

wie in einem Sumpf zu stecken, aus dem man sich einfach nicht befreien kann. Erst recht nicht, wenn Sie aktiv versuchen, etwas an Ihrer Situation zu verändern. Da eines der Merkmale der Hochsensibilität eine erhöhte Stressempfindlichkeit ist, kann es natürlich sein, dass Sie anfangen innerlich zu rotieren. Vielleicht fangen Sie an, fieberhaft zu überlegen, was Sie noch probieren können und was auch noch … Aber was immer Sie auch probieren, es funktioniert nicht. Es gibt keine Veränderung – oder wenn, dann nur zum Schlimmeren. Jetzt wissen Sie nicht weiter.

Eines haben Sie vielleicht noch nicht probiert: gar nichts zu tun. Loszulassen, die Hände in den Schoß zu legen und die Angelegenheit sich selbst zu überlassen.

In China hat man dafür sogar einen Begriff:

Wu Wei

Dieser Begriff stammt aus dem Daoismus. Das Dao wird als Wirkprinzip für den Kosmos angesehen – eine Art schöpferische und ordnende Kraft, die allem zugrunde liegt und in die man möglichst wenig eingreifen sollte. Handlung soll erst dann erfolgen, wenn sie leicht und mühelos ist, blinder Aktionismus führt meistens nicht viel weiter (außer dass man sich beschäftigt hält).

Das Gras wächst nicht schneller,

wenn man daran zieht, lautet ein Sprichwort, das mir ausgesprochen gut gefällt und das ich mir tatsächlich dann und wann selbst aufsage. Theoretisch bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es für alles eine richtige Zeit gibt. Praktisch ist das mit dem Nichtstun natürlich manchmal schwierig auszuhalten. Gerade, wenn man als hochsensibler Mensch schnell in Stress gerät und zu Kopfkino neigt.

Ich glaube auch daran, dass sich Dinge in Stille entwickeln, in dem unendlichen Raum des scheinbaren Stillstands. Jedenfalls habe ich schon häufig die Erfahrung gemacht, dass sich nach Zeiten des gefühlten Stillstands plötzlich neue Türen öffnen und es weiter geht. Vermutlich haben Sie selbst das auch schon erlebt. Mir fällt gerade ein, dass ich einmal gehört  habe, dass bei den Aborigines Menschen nach einer Krankheit einen neuen Namen bekommen, weil sie sich dadurch verändern und entwickeln. Das hat mir sehr gefallen.

Alles entsteht in Stille

Vielleicht brauchen unsere inneren Funken diesen vermeintlich leeren Raum um in uns zu wachsen und langsam, langsam und an die Oberfläche unseres Bewusstseins zu steigen?

Obwohl ich wirklich absolut dafür bin, täglich in dem minimalistischen Rahmen von zwei bis fünf Minuten über einen längeren Zeitraum zu klopfen, habe ich doch auch schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass es gut sein kann, eine Klopfpause einzulegen, einen Schritt zurück zu machen und dem Körper und Geist die Zeit zu geben, die Veränderungen zu integrieren. Das geschieht nämlich nicht über Nacht. Wenn ich dann wieder mit dem Klopfen anfange, habe ich bislang immer das Gefühl gehabt, dass sich meine Ausgangsbasis verändert hat, ich quasi auf einem höheren Level starte. Auch, wenn ich die Veränderung nicht immer konkret benennen kann (Das kommt auch hin und wieder vor). Etwas hat sich verändert, das reicht.

Loslassen

Nichts tun, bedeutet auch loszulassen, was immer gerade ist. Zu vertrauen, dass das richtige geschieht (auch wenn ich den Sinn gerade nicht sehe oder verstehe), egal wie schrecklich die Erfahrung ist, die ich gerade mache. Letzten Endes helfen uns alle Erfahrungen dabei, uns weiterzuentwickeln und zu wachsen, herauszufinden, wer wir sind und was wir eigentlich wollen – was häufig vielleicht gar nichts mit dem Leben zu tun hat, das wir tatsächlich führen.

Loslassen können hat auch immer etwas mit Vertrauen zu tun. Vertrauen darin, dass es etwas oder jemanden gibt, der mich unterstützt und mir beim Wachsen hilft.

Das kann eine wirkliche Herausforderung sein, vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass

einem gerade alles um die Ohren fliegt.

Dieses Jahr ist in dieser Hinsicht äußerst anstrengend und hält viele Lernaufgaben bereit :-/ Geht Ihnen das auch so?

Wenn Ihnen das Hände in den Schoß legen schwer fällt, probieren Sie es doch einmal mit einem Mittelweg:

Beobachten Sie die Situation

schreiben Sie Ihre Beobachtungen vielleicht sogar auf. Wer macht was wann warum? Was belastet Sie? Was möchten Sie eigentlich tun? Warum? Warum geht es nicht? Vielleicht kommen Sie so zu ganz neuen Erkenntnissen oder entwickeln einen Klopfsatz.

Oder probieren Sie einmal die Switchwords

LÄCHELN-LEUCHTEN

GÖTTLICHE ORDNUNG-STILL

zu klopfen. Das können Sie machen, so oft es Ihnen in den Sinn kommt.

Ich bin gespannt, was Sie mit diesen Worten erleben. Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

 

Bildquelle: Gotti1979, pixabay

Wie ich meine Seelenwünsche entdeckt habe

Wie ich meine Seelenwünsche entdeckt habe

Noch vor wenigen Jahren wäre ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen, mich mit meiner Seele zu beschäftigen. Erst recht nicht mit ihren Bedürfnissen. Das hatte für mich einen abgehobenen und esoterischen Beigeschmack, damit wollte ich lieber nichts zu tun haben. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es vielen hochsensiblen Menschen ähnlich geht, weil viele von uns  sehr kopfgesteuert sind und sich nur auf „Beweise“ verlassen (am besten auf solche, die von der Wissenschaft erbracht werden).

Für mich hat sich in den letzten Wochen viel verändert. Ganz besonders in Sachen Seelenbedürfnisse.

Als Kind hatte ich den innigen Wunsch zu zeichnen

und ich hatte meistens auch eine genaue Ahnung davon, wie das, was ich zeichnen wollte aussehen sollte. Leider sah es nie so aus. Meine Zeichnungen sahen eben wie Kinderzeichnungen aus. In meiner Parallelklasse, die mit uns zusammen Kunstunterricht hatte, gab es einen Jungen, der Wahnsinnsportraits zeichnen konnte. So, wie ich hätte gerne zeichnen wollen. Menschen. Menschen, die so aussahen wie wirkliche Menschen. In jeder Kunstunterrichtsstunde bin ich fast gestorben vor Stress, Bewunderung und Neid. Wahrscheinlich hat sich bei mir da auch der Glaubenssatz eingenistet, dass man Talent haben muss, um gut zeichnen zu können. Daran mangelte es mir ganz offensichtlich. Ich begrub diesen Wunsch und wandte mich anderen Dingen zu.

Erste Zeichnung von Monika RichrathAb und zu tauchte dieser Wunsch wieder auf

und ich erinnere mich daran, dass ich später noch verschiedene Zeichenversuche unternahm, aber mit anderen Objekten. Zum Beispiel habe ich im Rahmen eines Kurses für Kinder Statuen gezeichnet, Kapitelle in einer Kirche und Säulen und ein paar Jahre während eines Urlaubes auf Sylt ein paar Landschaftsaufnahmen von Fotos abgezeichnet. Ich fand sie selbst ganz gelungen, erinnere mich aber nicht mehr ob ich mich getraut habe, die letzteren überhaupt anderen Menschen zu zeigen. Danach ging unglaublich viel Zeit ins Land. Jahrzehnte über Jahrzehnte, in denen meine Beziehung zu Kunst hauptsächlich darin bestand, in Ausstellungen zu gehen und mir die Kunst anderer Menschen anzusehen. Und in all dieser langen Zeit ist in mir immer wieder der Wunsch aufgetaucht

Ich will Menschen zeichnen

sehr, sehr hartnäckig. Immer wieder fielen mir jene letzten Zeichnungen ein, die ich gemacht hatte und die mir selbst gefallen hatten. Vielleicht war ich gar nicht so talentlos wie ich glaubte? Vielleicht brauchte ich einfach nur Übung? Also kaufte ich mir ein dickes Buch darüber, wie man Menschen zeichnet und legte voller Enthusiasmus los. Schon bald musste ich aber feststellen, das es trotzdem immer noch nicht so einfach war. Das erste Bild gefiel mir. Alle anderen nicht. Ich war nicht in der Lage, meinen Zeichnungen einen Ausdruck zu verleihen, sie erstarrten in grässlichen Fratzen …

Entmutigt gab ich auf

– aber nur halbwegs. Vielleicht brauchte ich so etwas wie Unterricht? Hatte ich denn nicht neulich im Supermarkt auf dem schwarzen Brett eine Telefonnummer gesehen? Die hing da auch noch. Und ich trug sie ein volles halbes Jahr mit mir herum, weil es mir nicht sicher erschien, zu einer mir unbekannten Person nach Hause zu gehen. Dann lernte ich die Künstlerin Johanna Kinast auf einem Event persönlich kennen. Ich glaube auch, dass der Tod meiner Mutter im Februar 2016 eine Rolle gespielt hat. Mein Bedürfnis zu zeichnen wurde irgendwie immer dringender. Im November 2016 ging ich zum ersten Mal recht nervös zu meinem Kunstkurs, der sich für mich als ideal herausgestellt hat, weil er mir alle Freiheiten lässt. Ich entscheide selbst, was ich wie zeichne und nur, wenn ich nicht weiterkomme mit einer Sache, frage ich die Künstlerin um Rat. Im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt

Menschen zu zeichnen macht mich einfach glücklich.

Das ist für mich Auszeit pur. Ich als Mensch löse mich vollkommen auf im Prozess der Kreativität, tauche ab oder verbinde mich mit oben und das ist einfach herrlich. Meistens zeichne ich Portraits von Postkarten von Gemälden ab. Das ist ungemein spannend. Manchmal tauchen auf meinem Papier Menschen auf, von denen ich weiß, das ich sie von irgendwoher kenne oder die mir bekannt vorkommen. Das Buch ziehe ich übrigens nur noch dann und wann zu Rate. Wie sich zeigt, ist das Zeichnen auch eine Sache der Übung. vor zwei Wochen ist es mir zum ersten Mal gelungen, der Person auf meiner Zeichnung das gleiche Alter zu verleihen wie der Person meiner Vorlage. Yippieh! Die anderen Menschen in dem Kurs malen übrigens zum meistens Aquarelle. Daran habe ich mich auch einmal versucht, das hat mir auch Spaß gemacht, aber ich habe gemerkt, das ist es einfach nicht für mich. Diese sehr innige Verbindung nach irgendwohin hat sich nicht eingestellt. Natürlich wollte ich es auch probieren, weil ich mal wieder Schwierigkeiten damit hatte, anders zu sein als die anderen, aus dem Rahmen zu fallen. Hochsensibilität lässt grüßen. Ich habe dann aber ganz vernünftig mit mir gesprochen. Mein Wunsch ist es, Menschen zu zeichnen – und später mal (wenn ich von den Menschen die Nase voll habe), Landschaften. Das steht schon fest. Wenn ich in diesen Kurs gehe, dann um zu zeichnen. Sonst hat es keinen Zweck. Es ist übrigens gar nicht wichtig, dabei ob ich nun wirklich jede, jede Woche zu meinem Kurs gehe und eine Zeichnung mache oder nicht. Das wichtige ist es, langfristig dran zu bleiben, dafür zu sorgen, dass mein Wunsch einen Rahmen hat. Denn wenn ich es zuhause alleine machen möchte, mache ich es eben doch nicht. Das kennen Sie bestimmt selbst auch.

Warum ist das Zeichnen nun ein Seelenwunsch?

In den letzten Monaten war bei mir einiges los, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich ging es ganz schön hoch her. Durch die Arbeit mit meinen Klienten und Klientinnen und meine eigene Auseinandersetzung mit mir habe ich verstanden, dass

das wichtigste am Menschsein ist der Ausdruck unserer selbst.

Ok, das klingt jetzt ein bisschen gestelzt. Einfacher: Wir müssen einfach nach außen bringen, was in uns ist.

Das ist unsere Lebensaufgabe

oder zumindest ein Teil davon. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Wir müssen uns ausdrücken. Wenn wir das nicht tun, zum Beispiel unsere Gefühle nicht ausdrücken,  werden wir krank oder entwickeln chronische Schmerzen usw. Es wäre natürlich auch eine ganz spannende Frage, ob sich Hochsensibilität in Seelenbedürfnissen ausdrückt, bzw. ob hochsensible Menschen besondere Seelenbedürfnisse haben? Was mich selbst angeht, arbeite ich gerade an einem neuen Buch zum Thema Schlafstörungen. Im Zuge meiner Recherchen habe ich dabei mein Leben zwar nur in wenigen Dingen, dafür aber ganz entscheidend verändert, so dass ich wieder einen besseren Blick auf meine eigenen Bedürfnisse habe und mir selbst wieder näher gekommen bin. Und so ist mir klar geworden, dass dieses innige Bedürfnis zeichnen zu wollen, ein Seelenbedürfnis sein muss, denn es begleitet mich schon fast mein ganzes Leben. Und dass auch meine Tanzlust ein Seelenbedürfnis ist, dem ich jetzt mehr und mehr wieder nachgehe. Und je mehr ich tanze, umso mehr Lust zum Tanzen habe ich und umso glücklicher bin ich. Genauso, wie ich immer mehr Lust zum Zeichnen habe, je mehr ich zeichne. Ich glaube übrigens,

Seelenbedürfnisse sind nur für einen selbst

wichtig. Ich denke, es ist gerade die Hingabe an die Selbstentfaltung, die uns so glücklich macht. Ganz ohne Stress. Wenn Sie nicht wissen, was Ihre Seelenbedürfnisse sein könnten, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich Gedanken darüber zu machen, was Sie vielleicht schon als Kind geliebt, aber begraben haben. Es gibt ja den wunderschönen Spruch, dass man nie zu alt ist für eine glückliche Kindheit …

Welche Seelenbedürfnisse haben Sie? Gehen Sie Ihnen nach? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare. 

Herzliche Grüße,

Ihre Monika Richrath

Wenn der Postmann …

Wenn der Postmann …

Von vielen hochsensiblen Menschen höre ich öfter, dass das Einkaufen für sie einen echten Horror bedeutet und Überforderung pur ist. Gottseidank gibt es das Internet, wo man sich alles Benötigte liefern lassen kann. Das ist doch bequem, oder?

Ich persönlich stehe Internetbestellungen äußerst zwigespalten gegenüber.

Meine Hochsensibilität läuft bei dem einen oder anderen Aspekt gerne mal zur Hochform auf, in Form von Befürchtungen, Stress-Ausbrüchen und Herumgrübeln. Im Gegensatz zu (offenbar) vielen anderen hochsensiblen Menschen ist Einkaufen bei mir absolut positiv besetzt. (Ich bin in ärmlichen Verhältnissen groß geworden und es war selten, dass ich etwas ganz Neues „nur für mich“ bekam. Diese besondere Freude etwas  nur für mich zu bekommen habe ich mir bewahrt.) Von daher gehe ich gerne einkaufen – Shoppen hat mir früher sogar dabei geholfen Ängste in Schach zu halten, weil ich mich dann gut fokussieren kann. Im Laufe der Zeit bin ich aber natürlich nicht umhingekommen, festzustellen, dass das Warenangebot vor Ort häufig beschränkt ist. Also habe ich doch einmal das eine oder andere online bestellt und damit auch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Bis ich auf die Idee kam, etwas in einer Internetapotheke zu bestellen.

Das war ein Reinfall ohnegleichen.

Ich bestellte ein Produkt, dessen Produktbild genau dem von mir gewünschten Erzeugnis entsprach. Bekommen habe ich dann aber eine ältere Version dieses Produktes, die zwar nicht abgelaufen war, aber trotzdem den Zusatzstoff nicht enthielt, auf den es mir ankam. Reklamation quasi unmöglich. Am Ende musste ich noch zusätzliches Versandporto zur Rücksendung ausgeben zuzüglich der Postgebühr, die bei der Verweigerung der Annahme des Empfängers entstanden war. „So kommen Internet-Apotheken also zu ihrem Geld“, habe ich mir grimmig gedacht und mir geschworen „Das machst du nie wieder!“ Natürlich gibt es einen Teil in mir, der sofort an einen Shitstorm gedacht hat, um sich zu rächen. Obwohl ich mir schon lange den Kopf darüber zerbreche, ob ich besagte Apotheke namentlich nennen soll, habe ich mich dagegen entschieden. Zum einen kann ich einfach nicht absehen, was für Konsequenzen das hat – womöglich schade ich mir damit selber? – zum anderen möchte ich gerne ein gewisses Mass an Reflektiertheit in meinem Leben hochhalten. Es ist zwar nicht immer sinnvoll, dem Kopf das Sagen zu überlassen, in dieser Sache aber schon – glaube ich jedenfalls. Vor einiger Zeit hatte ich auch einen Artikel gelesen über die miserablen Arbeitsbedingungen von Zustellern und es war mir sofort klar, warum mein Zusteller immer so hohläugig und ausgezerrt wirkte. Die Zusteller von heute sind die die modernen Sklaven unserer Gesellschaft. Der Konkurrenzkampf zwischen den großen Paketdiensten ist hart. Die einzige Stellschraube für mehr Gewinn sind offenbar die Lohnkosten. Manche Zustelldienste verlagern das Ausliefern an Subunternehmer, die wieder Subunternehmer haben, was letzten Endes dazu führt, dass die eigentlichen Zusteller als selbstständige Unternehmer tätig sind (aber eher im Sinne von scheinselbstständig) und die Pakete mit ihren privaten Wagen ausfahren und dabei so wenig verdienen, dass sie noch Geld vom Jobcenter bekommen müssen.  Ich habe hier einen kurzen Clip vom NDR gefunden, der aus dem letzten Jahr stammt, aus dem hervorgeht, dass sich nicht sehr viel getan hat. In dem Artikel, den ich seinerzeit gelesen habe, hatte gestanden, dass diese selbstständigen Zusteller zum Beispiel den Wagen selbst beladen müssen, was 1–2 Stunden in Anspruch nimmt und für diese Tätigkeit überhaupt nicht entlohnt werden, Geld erhalten sie offenbar nur für die Zustellung selbst. (In einem neueren Artikel habe ich gelesen, dass es sogar eine Strafe gibt für nicht ausgelieferte Pakete!) Schauen Sie sich doch das nächste Mal wieder ein wenig bewusster um, wenn Sie nach draußen gehen. Sie werden vielleicht schockiert sein, wieviele Menschen in einer Kurier-Uniform in alten Wagen unterwegs sind.

….. Daran wollte ich mich nicht beteiligen.

Meine Ruhe hatte ich aber trotzdem nicht. Ab und an bekam ich etwas von anderen Menschen geschickt und nachdem der Fahrer begriffen hatte, dass ich tagsüber auch zu erreichen bin, klingelte es häufiger bei mir. Meine Hausnachbarin war offenbar eine eifrige Bestellerin.

Häufig habe ich mich richtig blöd gefühlt

schlecht geradezu, weil ich nicht immer aufmachte, wenn es klingelte. Blöd, weil ich wusste, dass es für den Zusteller sehr ärgerlich ist, wenn niemand aufmacht und er Zeit verliert auf der Suche nach einer Möglichkeit, sein Paket abzugeben. Natürlich möchte ich alles Mögliche tun, um Zustellern an sich ihre schwere Arbeit zu erleichtern. Irgendwie auch wieder ganz typisch, dass ich denke, ich muss anderen Menschen helfen, ihre schwierige Lebenslage (die andere verbockt haben) zu verbessern. Aber ich hatte und habe etwas zu verlieren. Meine Ungestörtheit verteidige ich mit Händen und Füßen, umso mehr, als ich mittlerweile mit Klienten arbeite und häufig am Telefon bin. Die leise Furcht, dass ein Zusteller klingeln könnte, wenn ich gerade mitten in einer Sitzung bin, begleitet mich häufig. Obwohl ich mittlerweile umgezogen bin und die Nachbarin nicht mehr da ist, ist

das Versandgeschäft nach wie vor ein ziemlicher Stressfaktor

für mich. Natürlich bestelle ich doch dann und wann etwas online. Kürzlich erst bekam ich einen Karton mit neuen Flyern (die in der Internetdruckerei nur einen Teil dessen kosten, was ich in einer Druckerei vor Ort bezahlen würde). Das Versanddatum konnte ich mir nicht aussuchen. Am Abend bekam ich die Nachricht mit der Zustellung am nächsten Tag. Das trieb meinen Stresspegel gewaltig in die Höhe. Der nächste Tag war mein Praxistag und ich war folglich gar nicht zuhause. Schnell habe ich noch versucht, mich in das DHL-Portal einzuloggen um den Zustellungstag zu ändern. Unmöglich, meine E-Mail gab es schon, das Passwort klappte aber nicht … Sie wissen sicherlich selbst, dass man mit diesen technischen Herausforderungen locker eine halbe Stunde vor dem Computer verbringen kann. Die nächste Postfiliale, wo die Pakete üblicherweise dann abgegeben werden, ist ziemlich weit entfernt und 1000 Flyer haben ein beachtliches Gewicht, so dass ich also sicher sein konnte, diesen Karton unter keinen Umständen alleine nach Hause bringen zu können. Von daher gab ich mein Bestes. Aber es war nichts zu machen. Irgendwann musste ich es einsehen und aufgeben. Also habe ich die Angelegenheit „nach oben“ abgegeben. Am nächsten Tag habe ich mich sehr beeilt, nach Hause zu kommen. Keine Benachrichtigung im Briefkasten, das war schon mal sehr vielversprechend. Das Paket lag dann vor meiner Haustür … Danke! Danke!

Bild: Mohammad Hassan, Pixabay

 Das war definitiv eine sehr schöne Erfahrung – aber sofort regte sich bei mir wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht die Absicht habe, Pakete für meine Nachbarn anzunehmen, um meine Ungestörtheit zu verteidigen.

8,– EUR weniger pro Packung

Vor kurzem habe ich übrigens nach Einsparungsposten in meinem Haushalt gesucht und bin darauf gestoßen, dass das Nahrungsergänzungsmittel, das ich gegen meine Nebennierenschwäche nehme, in einer Internetapotheke 8,- EUR weniger pro Packung kostet. Das wollte ich nicht so hinnehmen, zumal ich einen ziemlichen Verbrauch an diesem Produkt habe. Also doch noch einmal zurück zum Internetversand. Mittlerweile habe ich eine Apotheke gefunden, mit der ich zufrieden bin. Meine  Päckchen lasse ich jetzt immer an eine Poststation senden. Das ist für den Zusteller (hoffentlich) gut und ich kann zumindest selbst über meine Zeit verfügen, um es mal halbwegs neutral zu formulieren. Für mich hat sich als das Ärgerlichste an der ganzen Angelegenheit herausgestellt, dass ich letzten Endes sehr viel mehr Zeit investieren muss, als wenn ich in einen Laden gehe, weil ich nach erfolgter Ankündigung einfach ans Haus gebunden bin. Ich muss auf den Fahrer warten, obwohl heute vielleicht der einzige schöne Tag in der Woche ist und ich ihn nutzen könnte, um im Garten zu arbeiten … Auch sonst versuche ich jetzt kreativer umzugehen mit meinem Zwispalt zwischen Geschäft und Online-Handel. In meiner kleinen Stadt schließen immer mehr Geschäfte wegen des Internets. Einzig Klamottenläden, Nagelstudios, Imbisse, Friseure und Handyläden scheinen sich ganz gut zu halten.

Kürzlich war ich in einem Laden vor Ort

wo es Biomode gibt und habe dort ein paar Sachen anprobiert, auf die ich im Katalog schon ein Auge geworfen hatte. Das fand ich richtig cool. Da hat sich nämlich gleich herausgestellt, dass die Sachen, die ich haben wollte, mir nicht passten und standen, aber andere, die ich im Katalog nicht sehr attraktiv fand, richtig gut ausssahen … Wie gehen Sie mit Online-Bestellungen um? Gehen Sie gerne einkaufen? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.  

Herzliche Grüße,

Ihre Monika Richrath

Stressfalle Aufschieberitis

Stressfalle Aufschieberitis

Kennen Sie das auch? Eigentlich ist Ihr Schreibtisch pickepackevoll und Sie haben total viel Dinge zu erledigen. Aber irgendwie mögen Sie sich gar nicht an den Schreibtisch setzen. Plötzlich fallen Ihnen lauter Dinge ein, die Sie vorher noch ganz unbedingt erledigen müssen – selbst wenn es sich um Tätigkeiten handelt, die Sie sonst auch gerne mal aufschieben. Hauptsache, Sie kommen um den Schreibtisch herum …

 

Erst, wenn es sich überhaupt nicht mehr vermeiden lässt, nehmen Sie nur zögerlich am Schreibtisch Platz und beginnen sich, mit den Aufgaben zu beschäftigen, die vor Ihnen liegen. Vielleicht gibt es E-Mails, die beantwortet werden müssen. Aber keine davon ist einfach. Es muss immer etwas zusätzlich erledigt werden, vielleicht müssen Sie etwas nachsehen, erst mit einer anderen Person sprechen oder vielleicht eine innere Entscheidung treffen, wie Sie zu der Angelegenheit stehen. Sie starren Ihre E-Mail an und fühlen sich gelähmt. Überfordert mit der Angelegenheit. Und dann – welch eine Erleichterung – fällt Ihnen ein, dass Sie sich gar nicht heute entscheiden müssen. Morgen ist auch noch ein Tag. Vielleicht fällt Ihnen morgen die Entscheidung leichter.

Schon schlägt sie wieder zu – die Aufschieberitis

Eine Last fällt von Ihren Schultern. Erleichtert machen Sie die E-Mail wieder zu und schieben Sie bildlich gesehen wieder zurück auf den Stapel der unerledigten Dinge.

Am nächsten Tag das gleiche Spiel.

Das geht so lange, bis die Deadline nun wirklich dringend wird oder vielleicht noch überschritten wird. Prompt stehen Sie als jemand da, der unzuverlässig ist. Irgendwie scheinen Sie offenbar den Druck von außen zu brauchen, um wirklich in die Gänge zu kommen, sagen Sie sich vielleicht. Vielleicht beschleicht Sie sogar das Gefühl grundsätzlich einfach faul zu sein, nicht in der Lage zu sein, von sich aus initativ zu handeln? Ich kenne Sie ja nun gar nicht – und natürlich hat Aufschieberitis mit Hochsensibilität an sich gar nichts zu tun, sondern ist ein Problem, das viele Menschen haben. Aber denn noch glaube ich, dass das Thema für Supersensible besonders interessant ist.

Sich entscheiden zu müssen ist Stress pur für viele HSP.

Vielleicht ist die Prokrastination (so der wissenschaftliche Name) deshalb besonders attraktiv, weil wir so ungern Entscheidungen fällen. Ich glaube das liegt an mehreren Faktoren:

  1. Hochsensible Menschen ziehen Konsequenzen immer in ihre Überlegungen mit ein. Sei es, dass ihnen entweder bewusst ist, welche Konsequenz(en) eine Handlung mit sich zieht, sei es, weil sie um die Konsequenzen wissen und diese nicht abschätzen können, sie aber fürchten.
  2. Wir wollen so gerne immer alles perfekt machen. Die meisten von uns mögen keine Fehler, weder die eigenen, noch die der anderen. Es könnte also gut sein, dass unsere Entscheidung sich als nicht richtig erweist. Möglich, dass wir das viel schlimmer bewerten, als es für andere tatsächlich zu sein scheint. Außerdem kratzt es sehr an unserem Perfektionanspruch.

Ich selbst habe übrigens auch eine ausgesprochen lästige Aufschiebeangelegenheit, die ich kaum in den Griff bekomme. Meine wunderbare neue Wohnung hat eine Schwachstelle: die winzige Küche, in der richtiges Kochen eigentlich nur dann möglich ist, wenn man peinlich Ordnung hält. Und es muss nur einmal geschehen, dass ich keine Lust habe, das Geschirr gleich nach dem Kochen und Essen zu spülen, dann sieht es sofort so überwältigend unordentlich aus, dass ich überhaupt keine Lust mehr habe, überhaupt in die Küche zu gehen – was dann bedeutet, dass ich dann auch nicht koche  (was wiederum nicht gut ist für mich, weil ich mein eigenes Essen am besten vertrage) und die Küche immer unordentlicher wird, weil ich einfach alles immer nur abstelle. Dabei weiß ich theoretisch natürlich ganz genau, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt für mich und meine Küche: immer sofort nach dem Essen zu spülen. Damit die Küche immer ordentlich ist und von mir gerne betreten wird.

Am meisten ärgert mich dann der total unnötige Stress,

den ich mir selbst bereite. Denn das ist im Grunde genommen das Schlimmste an der Aufschieberitis, dass man sich selbst so unter Druck setzt. Und den Druck mit jedem Mal weiter erhöht. Denn jeder Blick in die Küche zeigt mir ja „Oh, da wartet diese Unordnung auf mich. Das muss ich noch erledigen.“

Das ist so was von überflüssig.

Kürzlich habe ich in einem Bücherschrank  das Buch „Simplify your Life“ von Werner Tiki Küstenmacher gefunden und darin herumgeschmökert. Und ich habe einen Tipp gefunden, den ich schon öfter gelesen habe (allein dieses Buch habe ich bestimmt schon 2–3 Mal gelesen), aber diesmal ist er auf besonders fruchtbaren Boden gefallen – vielleicht, weil ich endlich verstanden habe, dass ich mir mit der Aufschieberitis das Leben selbst vermiese. Der Rat lautet: nehmen Sie etwas nur einmal in die Hand und entscheiden Sie sofort, wie Sie die Angelegenheit lösen. Das ist schon alles.

hochsensible Menschen brauchen Ordnung

chaos-ordnung-chaostheorie-tafel-1536612/Geralt/Pixabay

Und ich habe eine Entscheidung getroffen

Die Entscheidung, auf meinem Schreibtisch nicht mehr alles bloß von links nach rechts zu räumen und einen Zettel nicht öfter als 2mal in die Hand zu nehmen. Immer gleich zu entscheiden, was ich in einer bestimmten Sache tun möchte. Denn ich muss es ja sowieso machen, früher oder später. Früher bedeutet: mit weniger Druck. Und schon am Tage der Einführung ist mir bewusst geworden, was für eine Erleichterung dieses Vorgehen ist, einfach, weil der Druck auf einen selbst entfällt, den man sich macht, weil etwas noch zu erledigen ist.

Der Selbstabwerter

Bei vielen hochsensiblen Menschen ist der Selbstabwerter (gibt es eine Selbstabwerterin?) sehr aktiv. Der hat bei solchen Gelegenheiten nämlich Oberwasser, weil er Ihnen Gelegenheit gibt, Sie so richtig schön runterzuputzen. Ihm (oder ihr?) kann man damit wunderbar das Wasser abgraben, wenn man sich immer gleich entscheidet. Noch was geschieht dann:

Sie haben viel mehr Zeit!

Weil Sie weniger Zeit mit unnötiger Räumerei verbringen, weniger Zeit mit unnötigen Ausweichtätigkeiten und weniger Zeit sich selbst zu beschimpfen. Da wird Energie frei, die Sie mit anderen, schönen Dingen und Tätigkeiten füllen können. Der beste Effekt kommt zum Schluss:

Sie erleben sich selbst als eine kraftvolle Persönlichkeit

die Ihr Leben aktiv gestaltet. Und das ist wirklich unbezahlbar. Leiden Sie auch unter Aufschieberitis? Was unternehmen Sie um dagegen anzugehen? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.  

Herzliche Grüße,

Ihre Monika Richrath

copyright: Bru-NO-1981758 Pixabay

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