Was Sicherheit uns bedeutet

Was Sicherheit uns bedeutet

Ich glaube, dass die Bedeutung der Sicherheit für unser eigenes Leben allgemein ziemlich unterschätzt wird. Wenn gesagt wird, dass jemand “ in Sicherheit“ ist, gehen wir erst einmal von körperlicher Unversehrtheit aus, bzw. von einem Schutz, der der Erhaltung der körperlichen Unversehrtheit dient. Wir haben dabei weniger im Blick, dass „Sicherheit“ fast unser gesamtes Denken und Handeln bestimmt und die Grundmotivation allen Handelns ist.

Vermutlich haben Sie schon einmal von der Bedürfnispyramide, bzw. der Maslowschen Bedürfnishierarchie gehört, ein Modell, das von dem amerikanischen Psychologen Abraham Maslow stammt und in dem er versucht, eine Rangfolge menschlicher Bedürfnisse und Motivationen zu beschreiben. Die Pyramidenform, in der dieses Modell hauptsächlich bekannt ist, stammt übrigens nicht von ihm selbst, was uns aber nicht weiter beschäftigen muss, ebensowenig, dass dieses Modell seit seiner Entstehung vielkritisiert wurde.

Die Bedürfnispyramide erklärt unser Sicherheitsbedürfnis

Wie Sie sehen können, kommt die Sicherheit dabei direkt hinter den physiologischen Grundbedürfnissen wie essen, trinken und schlafen.

Sicherheit das bedeutet nicht nur körperliche Unversehrtheit, es bedeutet auch z. B. materielle Sicherheit, wie es uns ein geregeltes Einkommen bieten kann oder finanzielle Unabhängigkeit.

 

Wie würden Sie „Sicherheit“ für sich definieren?

Wenn ich so in mich hineinhorche, dann wäre meine Definition von Sicherheit das Gefühl, dass es keine Bedrohungen irgendwelcher Art gibt. Hochsensibilität könnte in diesem Zusammenhang natürlich dazu führen, dass wir uns schneller bedroht fühlen als andere. Dabei geht es um wesentlich mehr als nur den finanziellen Rahmen. Nahezu alles kann sich bedrohlich anfühlen.

Wir können uns z. B. bedroht fühlen, wenn

  • unser Selbstbild ins Wanken gerät
  • wir unsere Komfortzone verlassen sollen
  • wir erfolgreich sind (nicht nur, aber auch in finanzieller Hinsicht)
  • sich das Gefüge unserer sozialen Beziehungen verändert
  • wir für uns selbst einstehen sollen
  • wir unsere Gefühle zeigen sollen
  • wenn wir unsere Gefühle als unkontrollierbar erleben
  • wenn wir das Gefühl haben, uns gegen die Eltern zu wenden
  • wir uns verlieben oder uns in anderer Weise gefühlsmäßig auf einen Menschen oder eine Gruppe einlassen

etc. um nur ein paar Möglichkeiten zu benennen. Zu dem Thema Sicherheit hatte ich schon einmal einen Artikel geschrieben, über Dinge, die sich nicht sicher anfühlen können.

Unsere Sicherheitsbedürfnisse haben sehr viel zu tun mit unseren Grundüberzeugungen und Glaubenssätzen, darauf, wie wir die  die Welt sehen, damit, was wir über die Welt gelernt haben. Als Säugling und Kleinkind (vermutlich schon seit der Zeugung) wissen wir instinktiv, dass unser Überleben von unseren Eltern abhängt. Wir sind in diesem Alter jedoch nicht in der Lage, Situationen objektiv zu beurteilen, da wir uns selbst als Mittelpunkt erleben und alles, was passiert, auf uns selbst beziehen.

Wenn sich also ein Elternteil unerwartet von uns abwendet,

kann dies durchaus einen lebensbedrohenden Charakter haben. Wir wissen ja nicht, ob es vorübergehend ist und dass es gleich anders sein kann, weil es für uns nur das Jetzt gibt und sonst nichts. Das Unterbewusstsein versucht mit seinen beschränkten Mitteln die Situation zu erklären (denn es muss ja dafür sorgen, dass uns nicht geschieht). Oft zieht es dann Schlussfolgerungen wie: Ich bin nicht gut genug, ich bin es nicht wert, geliebt zu werden usw.

Eine einzige Situation kann durchaus ausreichen,

um eine Grundüberzeugung zu entwickeln, die sich auf das ganze Leben auswirkt. Sicher ist jedenfalls, dass wir im Laufe unseres Lebens einen ganzen Katalog an Glaubenssätzen entwickeln, die eins gemeinsam haben: sie sollen für unsere Sicherheit sorgen, bzw., jedes Mal, wenn wir in eine Situation geraten, die der ursprünglichen Situation in irgendeiner Form ähnelt, können wir uns existentiell bedroht fühlen, ohne uns vielleicht erklären zu können, wo dieses massive Gefühl der Bedrohung herkommt. Auch dies dient unserem Schutz, das Unbewusste möchte  vermeiden, dass wir eine ähnliche lebensbedrohliche Situation wieder erleiden müssen und reagiert daher mit Stress.

Besonders wichtig ist dabei:

Manche Situationen können sich so bedrohlich anühlen (ohne dass es uns bewusst ist), dass wir nicht in der Lage sind, sie zu verändern, solange wir uns nicht mit dem Sicherheitsaspekt beschätigen. Zum Beispiel könnte eine Person unbedingt abnehmen wollen. Sie strengt sich an wie verrückt, aber es funktioniert einfach nicht. Dabei kann die Motivation durchaus sein, sich selbst als attraktiver zu erleben. Aber die Konsequenz aus der gesteigerten Attraktivität kann sich grauenvoll anfühlen für das Sicherheitsbedürfnis dieser Person. Vielleicht wird sie dann als möglicheR SexualpartnerIn wahrgenommen, und entsprechende Angebote werden an sie herangetragen. DAS will sie auf keinen Fall. Und weil das so ist, wird es mit dem Abnehmen nichts werden, dafür sorgt das Unbewusste dieser Person, denn es möchte sie ja schützen. Denken Sie daran: alle Ihre Systeme arbeiten für, nicht gegen Sie!

Glaubenssätze kann man zum Glück verändern

z. B. durch die Klopfakupressur. Gerade bei Sicherheitsthemen kann das Klopfen Wunder wirken, z. B., indem man statt „liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz“ sagt „bin ich sicher“ oder „bin ich in Sicherheit“ oder „bin ich behütet und beschützt.“

Manchmal können sich Grundüberzeugungen aber auch ganz von allein verändern, oder Huckepack im Gepäck anderer Glaubenssätze.

In den vergangenen Wochen wurden meine Sicherheitsbedürfnisse wegen der Eigenbedarfskündigung, die ich bekommen habe, auf eine ziemlich harte Probe gestellt … Alle möglichen Glaubenssätze tauchten auf, nicht nur meine eigenen. Angefangen von: „Du wirst unter der Brücke schlafen“ (von meiner Mutter), über „Sie sollten das annehmen“ (meine Vermieterin) bis hin zu „Kein Vermieter will mich“ (mein eigener).

Diese Woche habe ich selbst so eine Art Erleuchtung gehabt, was meine eigenen Glaubenssätze angeht. Bislang habe ich fast nur in eher kleinen Wohnungen gelebt, meistens in 1-Zimmer-Wohnungen. In größeren Wohnungen fühlte ich mich nicht wohl. Ich habe mir das immer erklärt mit: zuviel Platz.

Nun bin ich ja in eine größere Wohnung gezogen, in der ich mich sehr wohl fühle – so, als wäre ich schon immer dort gewesen. Am Anfang war der viele Platz tatsächlich verwirrend. Kurzfristig tauchte auch das Gefühl existentieller Bedrohung auf, aber nach ein bis zwei Tagen war es verschwunden. Vielleicht wegen meines Wohlgefühls. Jedenfalls wurde mir an einem Tag schlagartig klar, woher das Gefühl der Bedrohung kam: Es hat natürlich einen Zusammenhang mit der Wohnung, in der ich aufgewachsen bin (3 Zimmer).

Es ist eigentlich ganz einfach: wenn ich in einem Zimmer bin, kann ich nicht wissen, was in den anderen Zimmern vor sich geht. Offenbar meint mein Unbewusstes, dass ich das wissen sollte. Es erklärt sehr gut meine bisherige Vorliebe für 1-Zimmer-Wohnungen: Da habe ich immer alles im Blick und unter Kontrolle. Das ist in der neuen Wohnung offenbar nicht mehr notwendig. Wunderbar, zumal ich dieses Thema meines Wissens nach niemals bewusst bearbeitet habe, hat es sich dennoch erledigt, das finde ich klasse.

Dies ist nur ein klitzekleiner Ausschnitt aus dem Thema Sicherheit.  Was bedeutet Sicherheit für Sie? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bildnachweise: Pixabay

Wie ich meine Seelenwünsche entdeckt habe

Wie ich meine Seelenwünsche entdeckt habe

Noch vor wenigen Jahren wäre ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen, mich mit meiner Seele zu beschäftigen. Erst recht nicht mit ihren Bedürfnissen. Das hatte für mich einen abgehobenen und esoterischen Beigeschmack, damit wollte ich lieber nichts zu tun haben. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es vielen hochsensiblen Menschen ähnlich geht, weil viele von uns  sehr kopfgesteuert sind und sich nur auf „Beweise“ verlassen (am besten auf solche, die von der Wissenschaft erbracht werden).

Für mich hat sich in den letzten Wochen viel verändert. Ganz besonders in Sachen Seelenbedürfnisse.

Als Kind hatte ich den innigen Wunsch zu zeichnen

und ich hatte meistens auch eine genaue Ahnung davon, wie das, was ich zeichnen wollte aussehen sollte. Leider sah es nie so aus. Meine Zeichnungen sahen eben wie Kinderzeichnungen aus. In meiner Parallelklasse, die mit uns zusammen Kunstunterricht hatte, gab es einen Jungen, der Wahnsinnsportraits zeichnen konnte. So, wie ich hätte gerne zeichnen wollen. Menschen. Menschen, die so aussahen wie wirkliche Menschen. In jeder Kunstunterrichtsstunde bin ich fast gestorben vor Stress, Bewunderung und Neid. Wahrscheinlich hat sich bei mir da auch der Glaubenssatz eingenistet, dass man Talent haben muss, um gut zeichnen zu können. Daran mangelte es mir ganz offensichtlich. Ich begrub diesen Wunsch und wandte mich anderen Dingen zu.

Erste Zeichnung von Monika RichrathAb und zu tauchte dieser Wunsch wieder auf

und ich erinnere mich daran, dass ich später noch verschiedene Zeichenversuche unternahm, aber mit anderen Objekten. Zum Beispiel habe ich im Rahmen eines Kurses für Kinder Statuen gezeichnet, Kapitelle in einer Kirche und Säulen und ein paar Jahre während eines Urlaubes auf Sylt ein paar Landschaftsaufnahmen von Fotos abgezeichnet. Ich fand sie selbst ganz gelungen, erinnere mich aber nicht mehr ob ich mich getraut habe, die letzteren überhaupt anderen Menschen zu zeigen. Danach ging unglaublich viel Zeit ins Land. Jahrzehnte über Jahrzehnte, in denen meine Beziehung zu Kunst hauptsächlich darin bestand, in Ausstellungen zu gehen und mir die Kunst anderer Menschen anzusehen. Und in all dieser langen Zeit ist in mir immer wieder der Wunsch aufgetaucht

Ich will Menschen zeichnen

sehr, sehr hartnäckig. Immer wieder fielen mir jene letzten Zeichnungen ein, die ich gemacht hatte und die mir selbst gefallen hatten. Vielleicht war ich gar nicht so talentlos wie ich glaubte? Vielleicht brauchte ich einfach nur Übung? Also kaufte ich mir ein dickes Buch darüber, wie man Menschen zeichnet und legte voller Enthusiasmus los. Schon bald musste ich aber feststellen, das es trotzdem immer noch nicht so einfach war. Das erste Bild gefiel mir. Alle anderen nicht. Ich war nicht in der Lage, meinen Zeichnungen einen Ausdruck zu verleihen, sie erstarrten in grässlichen Fratzen …

Entmutigt gab ich auf

– aber nur halbwegs. Vielleicht brauchte ich so etwas wie Unterricht? Hatte ich denn nicht neulich im Supermarkt auf dem schwarzen Brett eine Telefonnummer gesehen? Die hing da auch noch. Und ich trug sie ein volles halbes Jahr mit mir herum, weil es mir nicht sicher erschien, zu einer mir unbekannten Person nach Hause zu gehen. Dann lernte ich die Künstlerin Johanna Kinast auf einem Event persönlich kennen. Ich glaube auch, dass der Tod meiner Mutter im Februar 2016 eine Rolle gespielt hat. Mein Bedürfnis zu zeichnen wurde irgendwie immer dringender. Im November 2016 ging ich zum ersten Mal recht nervös zu meinem Kunstkurs, der sich für mich als ideal herausgestellt hat, weil er mir alle Freiheiten lässt. Ich entscheide selbst, was ich wie zeichne und nur, wenn ich nicht weiterkomme mit einer Sache, frage ich die Künstlerin um Rat. Im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt

Menschen zu zeichnen macht mich einfach glücklich.

Das ist für mich Auszeit pur. Ich als Mensch löse mich vollkommen auf im Prozess der Kreativität, tauche ab oder verbinde mich mit oben und das ist einfach herrlich. Meistens zeichne ich Portraits von Postkarten von Gemälden ab. Das ist ungemein spannend. Manchmal tauchen auf meinem Papier Menschen auf, von denen ich weiß, das ich sie von irgendwoher kenne oder die mir bekannt vorkommen. Das Buch ziehe ich übrigens nur noch dann und wann zu Rate. Wie sich zeigt, ist das Zeichnen auch eine Sache der Übung. vor zwei Wochen ist es mir zum ersten Mal gelungen, der Person auf meiner Zeichnung das gleiche Alter zu verleihen wie der Person meiner Vorlage. Yippieh! Die anderen Menschen in dem Kurs malen übrigens zum meistens Aquarelle. Daran habe ich mich auch einmal versucht, das hat mir auch Spaß gemacht, aber ich habe gemerkt, das ist es einfach nicht für mich. Diese sehr innige Verbindung nach irgendwohin hat sich nicht eingestellt. Natürlich wollte ich es auch probieren, weil ich mal wieder Schwierigkeiten damit hatte, anders zu sein als die anderen, aus dem Rahmen zu fallen. Hochsensibilität lässt grüßen. Ich habe dann aber ganz vernünftig mit mir gesprochen. Mein Wunsch ist es, Menschen zu zeichnen – und später mal (wenn ich von den Menschen die Nase voll habe), Landschaften. Das steht schon fest. Wenn ich in diesen Kurs gehe, dann um zu zeichnen. Sonst hat es keinen Zweck. Es ist übrigens gar nicht wichtig, dabei ob ich nun wirklich jede, jede Woche zu meinem Kurs gehe und eine Zeichnung mache oder nicht. Das wichtige ist es, langfristig dran zu bleiben, dafür zu sorgen, dass mein Wunsch einen Rahmen hat. Denn wenn ich es zuhause alleine machen möchte, mache ich es eben doch nicht. Das kennen Sie bestimmt selbst auch.

Warum ist das Zeichnen nun ein Seelenwunsch?

In den letzten Monaten war bei mir einiges los, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich ging es ganz schön hoch her. Durch die Arbeit mit meinen Klienten und Klientinnen und meine eigene Auseinandersetzung mit mir habe ich verstanden, dass

das wichtigste am Menschsein ist der Ausdruck unserer selbst.

Ok, das klingt jetzt ein bisschen gestelzt. Einfacher: Wir müssen einfach nach außen bringen, was in uns ist.

Das ist unsere Lebensaufgabe

oder zumindest ein Teil davon. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Wir müssen uns ausdrücken. Wenn wir das nicht tun, zum Beispiel unsere Gefühle nicht ausdrücken,  werden wir krank oder entwickeln chronische Schmerzen usw. Es wäre natürlich auch eine ganz spannende Frage, ob sich Hochsensibilität in Seelenbedürfnissen ausdrückt, bzw. ob hochsensible Menschen besondere Seelenbedürfnisse haben? Was mich selbst angeht, arbeite ich gerade an einem neuen Buch zum Thema Schlafstörungen. Im Zuge meiner Recherchen habe ich dabei mein Leben zwar nur in wenigen Dingen, dafür aber ganz entscheidend verändert, so dass ich wieder einen besseren Blick auf meine eigenen Bedürfnisse habe und mir selbst wieder näher gekommen bin. Und so ist mir klar geworden, dass dieses innige Bedürfnis zeichnen zu wollen, ein Seelenbedürfnis sein muss, denn es begleitet mich schon fast mein ganzes Leben. Und dass auch meine Tanzlust ein Seelenbedürfnis ist, dem ich jetzt mehr und mehr wieder nachgehe. Und je mehr ich tanze, umso mehr Lust zum Tanzen habe ich und umso glücklicher bin ich. Genauso, wie ich immer mehr Lust zum Zeichnen habe, je mehr ich zeichne. Ich glaube übrigens,

Seelenbedürfnisse sind nur für einen selbst

wichtig. Ich denke, es ist gerade die Hingabe an die Selbstentfaltung, die uns so glücklich macht. Ganz ohne Stress. Wenn Sie nicht wissen, was Ihre Seelenbedürfnisse sein könnten, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich Gedanken darüber zu machen, was Sie vielleicht schon als Kind geliebt, aber begraben haben. Es gibt ja den wunderschönen Spruch, dass man nie zu alt ist für eine glückliche Kindheit …

Welche Seelenbedürfnisse haben Sie? Gehen Sie Ihnen nach? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare. 

Herzliche Grüße,

Ihre Monika Richrath

„Das hat mir eigentlich ganz gut geholfen …

„Das hat mir eigentlich ganz gut geholfen …

… aber dann ging es mir besser und ich habe nicht mehr so oft geklopft.“ Das ist eine der Aussagen, die ich am häufigsten höre, nicht nur von meinen Klienten und Klientinnen, sondern auch von Menschen, die die Klopfakupressur im Rahmen meines kostenlosen E-Mail-Kurses ausprobieren.

Häufig bekomme ich geradezu euphorische Reaktionen,

wie zum Beispiel diese:

„Ich bin ja so dankbar für die Erfahrung, klopfakkupressur ausprobiert zu haben! … Ich bin immer noch erstaunt und verblüfft und kann es kaum glauben, aber der Stress,die Selbstvorwürfe und die Traurigkeit sind einfach weg! Ich ertappe mich dabei wie ich singe oder pfeife, ich schlafe tief und wache erholt auf (und das trotz nächtlicher Störungen unseres jüngsten) und habe wieder Geduld mit den Kindern und bin einfach viel mehr „da“!“

Diese Person schrieb mir später noch einmal, dass sie nach einigen Tagen klopfen ruhiger und gelassener sei und daraufhin einfach das Klopfen vergesse. Erst, wenn die Lage sich wieder verschlimmere, erinnere sie sich daran und würde wieder mit dem Klopfen beginnen.

Ich denke, so geht es sehr vielen Menschen, die die Klopfakupressur ausprobieren. Ich hatte mir schon länger vorgenommen, hierzu einmal einen Beitrag zu verfassen.

Mein Lebenslauf motiviert offenbar viele Menschen

Auf diesem Blog erzähle ich viel über mich selbst und das Erleben meiner Hochsensibilität. Das tue ich bewusst, es ist mir schließlich ein Herzensanliegen, Sie davon zu überzeugen, dass es möglich ist, leichter oder besser mit Hochsensibilität umzugehen und es einen Weg aus ständiger Überforderung und chronisch erhöhtem Stresslevel gibt. Und was könnte überzeugender sein als meine eigene Lebensgeschichte?

Ich habe mich um 180° gedreht

  • von der sozialen Katastrophe, mit der der Umgang schwierig war zu jemandem, mit dem andere Menschen (bestimmt nicht alle!) gerne zusammen sind,
  • von jemandem, der so schüchtern war, dass er Augenkontakt mit Fremden vermied zu jemandem, der Spaß daran hat, Seminare vor fremden Menschen zu halten,
  • von jemandem, der depressiv und chronisch niedergeschlagen war zu einem fröhlichen Menschen,
  • von jemandem, der nichts und niemandem vertraute in eine äußerst vertrauensvolle Person (tatsächlich muss ich mir heute manchmal sagen lassen, dass ich naiv sei)

Aber das ging natürlich nicht über Nacht

Obwohl die Zeit, die es dauerte, natürlich sehr kurz war gemessen an der Spanne meines Lebens. Klienten und Klientinnen, die über einen langen Zeitraum klopfen, erreichen häufig ebenso spektakuläre Verwandlungen – schließlich bin ich nichts Besonderes. Nur eine Sache unterscheidet die langjährigen KlopferInnen nämlich von den anderen:

Beharrlichkeit

Beharrlichkeit ist das A und O beim Klopfen, jedenfalls wenn Sie grundlegende Veränderungen Ihres Lebens anstreben. Im Prinzip kann jedeR ja erreichen, was ich erreicht habe (außer es liegen sehr schwerwiegende Traumata vor, oder Ihnen ist das Klopfen grundsätzlich unangenehm oder Sie mögen diese Methode einfach nicht).  Für kurzfristige Verbesserungen mag ein gelegentliches oder kurzfristiges Klopfen ausreichen (Sie sehen ja an dem oben erwähnten Feedback, dass es auch so funktioniert) – es ist allerdings davon auszugehen, dass Sie dann immer eher an der Oberfläche bleiben, statt wirklich etwas aufzulösen. Aber vielleicht soll das auch so sein, denn

Veränderung kann Angst auslösen

vor allen Dingen, wenn man seine eigene Identität schon mit den gegenwärtigen Zuständen verknüpft hat. Wenn ich von mir denke, dass ich die Person bin, die immer überfordert ist und mich unmöglich mit der Welt befassen kann, weil ich permanent auf dem Rückzug bin, kann der Gedanke an Veränderung sehr viel Stress auslösen. Wenn ich nicht mehr diese Person bin, wer bin ich denn dann überhaupt? Und will ich eigentlich wirklich in der Welt erscheinen?

Was Klopfakupressur bewirken kann,

also, die wahre (wirkliche) Veränderung, die durch langfristiges Klopfen entsteht, ist die (Rück)eroberung der Selbstbestimmung – was sehr viel damit zu tun hat, wie Sie sich der Welt zeigen und wie die Welt Sie wahrnimmt. Allein der Gedanke, seine Bedürfnisse bestimmt gegenüber anderen zu äußern kann sich bedrohlich anfühlen und natürlich tatsächlich auch im Außen durchaus zu Schwierigkeiten führen. Das möchte ich an dieser Stelle nicht verheimlichen. Schließlich sind die anderen von Ihnen gewohnt, dass Sie immer zurückstecken und nehmen Ihre Bedürfnisse darum vielleicht nicht ernst. Aber es ist u. a. ja gerade dieses Gefühl, dass Ihre Bedürfnisse nicht gesehen werden, das Ihnen Stress bereitet. Unter anderem. Manchmal mehr, manchmal weniger. Und wenn man es schafft, seine Bedürfnisse (ruhig!) auszudrücken, dann hat man schon sehr viel geschafft und erlebt sich weniger als Opfer oder Spielball anderer, ist weniger ohnmächtig.

Das kann den ganzen Blick auf die Welt ändern

und auch den Blick auf sich selbst. Ich selbst habe ganz ganz ganz lange Zeit gedacht, ich gehöre gar nicht zur Gesellschaft, ich stehe vollkommen außerhalb, weil ich so anders bin. (Viele hochsensible Menschen erleben etwas Ähnliches). Das war Isolation pur. Dieses Gefühl habe ich vollkommen hinter mir gelassen. Mittlerweile denke ich, dass ich ein Teil der Gesellschaft bin, ein Teil sogar, der etwas Wichtiges zur Gesellschaft beiträgt und habe ein Gefühl für meinen eigenen Wert entwickelt.

Wie können Sie das nun schaffen?

Am einfachsten ist es wirklich, sich ein Klopfritual zu schaffen, eine kleine Auszeit für sich selbst. Die 2–5 Minuten am Tag haben Sie immer übrig, ganz egal, ob Sie Kinder haben, kranke Eltern pflegen oder beruflich sehr eingebunden sind. Es ist vollkommen egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit Sie das machen, ob Sie dabei sitzen, liegen oder laufen …Nur eine Einschränkung gibt es: wenn Sie das Klopfen grundsätzlich belebt, sollten Sie es nicht vor dem Schlafengehen machen, das wäre dann kontraproduktiv.

Sie haben noch nie von Klopfakupressur gehört, sind aber neugierig? Dann probieren Sie sie einfach einmal aus. Wenn Sie sich hier eintragen, können Sie  an meinem kostenlosen E-Mail-Kurs teilnehmen. Das ist vollkommen unverbindlich und verpflichtet Sie zu nichts.

Fällt es Ihnen auch schwer, am Ball zu bleiben? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

Bild: Uschi_Du, Pixabay

Die 5 Grundbedürfnisse Ihres Körpers

Die 5 Grundbedürfnisse Ihres Körpers

Die Grundbedürfnisse unseres menschlichen Körpers sind nicht anders als die anderer Lebewesen. Allerdings haben wir Menschen im Gegensatz zu diesen jedoch die Tendenz, unsere Bedürfnisse nicht zu achten und auszuleben. Für den Körper bedeutet das Stress. Für hochsensible Menschen, die per se häufig mit dem Körper auf Kriegsfuß stehen, ist es besonders wichtig, auf die Erfüllung dieser Grundbedürfnisse zu achten. Grund genug für mich, mir in diesem Artikel Gedanken über diese fünf Grundbedürfnisse zu machen.

1. Grundbedürfnis: Atmung

Um zu leben zu können, braucht unser Körper Luft. Beim Einatmen nehmen wir Sauerstoff aus der Atemluft auf, der über das Blut in das Gewebe und zu den Zellen transportiert wird und für Stoffwechselprozesse notwendig ist. Dabei entsteht Kohlendioxid, das durch das Blut zur Lunge transportiert und dort abgeatmet wird.

Die Mitochondrien

Vielleicht haben Sie schon einmal von den Mitochondrien gehört. Die 70 bis 100 Billionen Körperzellen des menschlichen Körpers enthalten eine Zellmembran, einen Zellkern und verschiedene sog. Zellorganellen. Darunter versteht man eine kleine, abgeschlossene Funktionseinheit in der Zelle, die eine ganz spezifische Aufgabe hat. Die Aufgabe der Mitochondrien ist es in erster Linie, unsere Lebensenergie zu produzieren (die man auch ATP nennt). Deswegen werden die Mitochrondrien auch „Kraftwerke der Zelle“ genannt. Um wie vorgesehen Energie produzieren zu können, brauchen die Mitochondrien u. a. Sauerstoff, den wir durch die Atmung mit der Luft aufnehmen. Und da wird es schon schwierig, denn sehr, sehr viele Menschen atmen eher flach, in die Brust hinein. Unser Körper lernt, mit wenig auszukommen.

Tiefe Bauchatmung

Zwar kommen wir auch so „über die Runden“, besser ist es jedoch, tief in den Bauch hinein zu atmen. Das Zwerchfell (ein Muskel zwischen Bauch- und Brustraum) zieht sich zusammen, wenn wir tief einatmen, die Lungenflügel können sich weiter nach unten ausdehnen und wir können bis zu 80 % mehr Sauerstoff aufnehmen. Der Körper wird also insgesamt mit sehr viel mehr Sauerstoff versorgt und kann mehr Energie bereitstellen.

Ich hatte in diesem Zusammenhang mal ein etwas denkwürdiges Aha-Erlebnis. Vor einigen Jahren habe ich einen Kurs besucht zum Thema „Auftreten in der Öffentlichkeit“, bei dem es auch um Atmung ging. Ich habe an einem Tag sehr bewusst und tief geatmet und war vollkommen verblüfft, dass ich plötzlich mehr Energie hatte als vorher. Ich atmete offenbar sehr schlecht.  Als ich darüber nachdachte, warum das so war, ist mir eingefallen, dass meine Mutter zu mir als Kind sehr häufig sagte,

ich solle den Mund schließen, weil das nicht schön aussehe,

wenn mein Mund offen sei. Ich habe mir also Mühe gegeben, meinen Mund nun immer zu schließen und ich habe mir gleichzeitig angewöhnt, nur noch flach zu atmen, mich mit dem Atem abzufinden, den ich mit einem geschlossenen Mund erzeugen konnte. Und das mache ich immer noch so, wird mir beim Schreiben dieses Artikels klar … Puh …

Das Atmen an sich hat natürlich auch eine Komponente, die über das rein biologische hinausgeht. Zu atmen, bedeutet auch, das Leben selbst aufzunehmen …

2.  Grundbedürfnis: Wasser und Nahrungsmittelaufnahme

Unser Körper braucht Wasser und Nährstoffe um zu funktionieren. Der menschliche Körper besteht zu 65 % aus Wasser. Ohne ausreichend Wasser funktioniert der menschliche Stoffwechsel nicht richtig. Wasser regelt nicht nur die Herzkreislauffunktion, den Wärmehaushalt und die Verdauung, löst Salze und Mineralstoffe, es dient auch als Transportmittel für Nährstoffe und Abbauprodukte. Ca. 2–3 l Wasser verliert der Körper in etwa im Laufe eines Tages durch schwitzen, atmen und Ausscheidungen – dieser Verlust muss über Nahrung und vor allem über Getränke wieder ausgeglichen werden.Wasser ist unverzichtbar für hochsensible Menschen

Obwohl ich selbst ganz genau weiß, wie es geht, finde ich es immer wieder schwierig, hier auf einem ganz konstanten Level zu bleiben. Eigentlich weiß ich ja, dass abgekochtes, warmes Wasser für meinen Körper absolut paradiesisch ist, schaffe es aber leider immer nur anfallsweise dem zu entsprechen. Da muss ich für mich selbst auch noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Das abgekochte warme Wasser wird z. B. in China verwendet. Wenn Sie es einmal probieren wollen: kochen Sie Wasser ca. 10–20 Minuten, füllen Sie es in eine Thermoskanne und trinken Sie es über den Tag verteilt. Ich finde es ausgesprochen wohlschmeckend (leicht süßlich), umso unverständlicher ist mir mein eigener innerer Widerstand …

Was die Nahrungsmittelaufnahme angeht ist es noch schwieriger. Es hat sich als äußerst kompliziert erwiesen, sich einen Weg zu bahnen durch die vielen Ernährungsstile und Angebote, bei dem einen darf ich dieses essen, was bei einem anderen absolut tabu ist.

Bei gluten- und laktosefrei war ich ja schon angekommen.

Kürzlich habe ich versehentlich bei einem Systemneustart meine umfangreiche Rezeptsammlung aus dem Computer gelöscht. Ich bin geneigt, darin ein Zeichen zu sehen, dass neue Wege gefragt sind. Mich weniger an Ernährungsdogmen zu orientieren, sondern an meiner individuellen Verträglichkeit, die vermutlich auf gluten-, und laktosefrei hinauslaufen wird, fettarm und low carb. Als neue Herausforderung wird noch „zuckerfrei“ hinzukommen. Als hochsensibler Mensch hat man ja sehr häufig mit Unverträglichkeiten usw. zu tun, ich denke, der einzige Weg ist es, diese auch zu beachten, um in irgendeiner Weise voran zu kommen.

Auch hier gilt wieder, dass auch auf einer höheren Ebene wichtig ist, sich anzusehen, was wir uns eigentlich einverleiben und ob uns das wirklich nährt?

3. Grundbedürfnis: Verdauung

Verdauung bezeichnet den Vorgang der Zerkleinerung und Aufspaltung der aufgenommenen Nahrung in ihre Bestandteile, die dann über das Blut zu den Zellen transportiert werden. Diese beginnt bereits im Mund (bzw. sollte im Mund beginnen), durch gründliches Kauen wird die Nahrung zu einem Brei zerkleinert und mit Speichel gemischt, das dabei entstehende Enzym Amylase ist zuständig für die Verdauung der aufgenommenen Kohlenhydrate.

Nächste Station ist der Magen: hier wird der Nahrungsbrei mit Magensäure vermischt, Keime und Bakterien in der Nahrung werden durch die aggressive Magensäure abgetötet. Im Magen wird die Verdauung der Eiweiße eingeleitet, durch Freisetzung bestimmter Enzyme.

Weiter geht es in den Dünndarm. Der erste Abschnitt des Dünndarms wird Zwölffingerdarm genannt, Verdauungssäfte und Enzyme aus der Leber und Bauchspeicheldrüse fließen in den Zwölffingerdarm, wo sie für eine Aufspaltung der Nahrung in kleinste Bestandteile sorgen. Die Nährstoffe werden durch die Wand des Dünndarms in die Blut- und Lymphgefäße transportiert, von wo aus es weiter zur Leber geht.

Übrig bleiben nur noch unverdauliches und Flüssigkeit. Die Flüssigkeit wird im Dickdarm entzogen und der unverdauliche Rest an den Enddarm gegeben und wieder ausgeschieden. Soweit die Theorie.

Leider ist es in der Praxis oft schwierig, viele Organe sind an diesem Vorgang beteiligt.  Außerdem ist das ganze System äußerst störanfällig.

Vor allen Dingen Stress kann dafür sorgen, dass

der Verdauungsvorgang entweder zum Erliegen kommt,

sich beschleunigt oder verlangsamt (je nach Typ). Ich kann wirklich selbst ein Lied davon singen, mit einer mehr als 30 Jahre alten chronischen Gastritis, dem Zwölffingerdarmdurchbruch usw. Alleine das gründliche Kauen fällt mir unendlich schwer (obwohl ich natürlich sehr genau merke, dass es mir gut tut).

Schwierigkeiten mit der Verdauung hat auch wieder eine seelische/emotionale Komponente: Wie gut kann man Neues verdauen? Bei Louise Hays fand ich den Hinweis, dass Verdauungsstörungen mit Furcht und Ängstlichkeit zu tun haben, mit einer Unfähigkeit, Neues freudig aufzunehmen …

4. Grundbedürfnis: Ausscheidung

Ausscheidung bedeutet in der Biologie und Medizin übrigens nicht einfach nur die Abgabe unverdaulicher Nahrungsbestandteile, sondern grundsätzlich den Prozess der Abgabe von Stoffen aus dem Körperinneren an die Körperoberfläche um sie aus dem Körper zu entfernen. Es gibt verschiedene Mechanismen der Ausscheidung, dazu gehören neben der Defäkation auch das Wasserlassen, Erbrechen, ja sogar die Atmung.

Fehler, oder Probleme, die bei den vorherigen Bedürfnissen aufgetreten sind, treten hier noch einmal zu tage, zum Beispiel, wenn man falsche Dinge isst, die der eigene Körper nicht richtig verarbeiten kann, nicht gut genug kaut und die Nahrung nicht richtig verdaut wird, oder die Ballaststoffe fehlen, wird es vermutlich auch mit der Ausscheidung Probleme geben. Verstopfung, Hämorrhoiden, Blasenkrankheiten usw können die Folge sein.

Die seelisch-emotionale Komponente dabei sind Schwierigkeiten mit dem Loslassen grundsätzlich.

Oh je, da bin ich wieder bei der Hochsensibilität angelangt.

Ein Merkmal der Hochsensibilität ist es ja z. B., dass man Reize besonders schnell aufnimmt, aber schwerer wieder loslassen kann. Dabei kann es sich um alles Mögliche handeln: Ideen, Denkweisen, Vorstellungen über sich selbst und die Welt …

Sehr interessant fand ich die Idee, Hämorrhoiden seien auf das Gefühl von Überforderung der Ereignisse des eigenen Lebens zurückzuführen, die ich in einem Buch gefunden habe. Vielleicht gestalte ich hierzu demnächst mal eine kleine Umfrage 😉

5. Grundbedürfnis: Bewegung

Über die Bewegung habe ich schon einmal einen Blogbeitrag geschrieben. Aber dass wir einfach mehr Bewegung brauchen, kann wohl nicht oft genug gesagt und betont werden. Wir sind einfach nicht für das Leben gemacht, das wir heute führen: mit stundenlangem Herumsitzen, erst im Büro, dann vor dem Fernseher und relativ wenig Bewegung zwischendurch. Vielleicht sollten wir überhaupt nicht sitzen, und uns nur dann und wann einfach hinlegen?

Die Bewegung rundet übrigens die anderen Bedürfnisse mit ab: denn wenn wir uns viel bewegen, kann dies auch Schwierigkeiten in den anderen Bedürfnissen etwas ausgleichen – vermutlich haben Sie diese Erfahrung selbst schon einmal gemacht.

So, ich habe hier nun schon verschiedlich meine eigenen Schwierigkeiten mit der Erfüllung dieser Grundbedürfnisse anklingen lassen und freue mich wie immer, wenn Sie uns erzählen, wie gut oder schlecht Sie mit diesen Grundbedürfnissen zurecht kommen.

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

Katastrophale Pflege

Katastrophale Pflege

Pflege ist ein Thema, das mir schon lange unter den Nägeln brennt, ich halte es für ziemlich bedeutsam im Zusammenhang mit Hochsensibilität. Am frappierendsten fand ich:

Die Welt der Pflege ist eine Parallelwelt

Früher starben Menschen an den unterschiedlichsten Ursachen. Manchmal legten sie sich einfach hin und wachten nicht mehr auf. Heute werden Menschen älter, irgendwann häufig in irgendeiner Form krank (häufigste Todesursachen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs). Oft dauert es  Jahre, bis sie  sterben. Aber in der Zwischenzeit müssen sie leben, gepflegt und versorgt werden und dann ist erst einmal guter Rat teuer.

In der Regel (wenn man nicht gerade elternlos oder in anderen Umständen aufgewachsen ist) hat man zu diesem Zeitpunkt ein eigenes, ausgefülltes Leben, sich innerlich mehr oder weniger von den Eltern distanziert, emanzipiert oder eine andere Art von Befreiungsarbeit geleistet und dann kommt plötzlich alles zurück. Bei der Recherche, welche Möglichkeiten es zur Versorgung unserer Mutter gab, stellte ich fest, dass von Seiten des Staates erwartet wird, dass man sich um seine Eltern kümmern soll. Nichts, absolut nichts, hatte mich darauf vorbereitet. Es war auch gar keine Frage, ob ich und meine Geschwester unsere Mutter unterstützen wollten. Natürlich haben wir das gerne gemacht, es war wie ein letzter Liebesdienst und eine Gelegenheit, unserer Mutter, die uns fünf Kinder alleine großgezogen hat, etwas zurückzugeben.

Das Leben verändert sich

Man betritt ein Universum, das äußerst stressig, reglementiert und begrenzt ist, begrenzt an Zeit, begrenzt an Geld. Interessanterweise werden Sie, wenn Sie in eine solche Situation geraten, sehr schnell feststellen, dass man zwar von Ihnen erwartet, sich um Ihre Eltern zu kümmern, dieser Einsatz aber in keiner Weise honoriert wird.

Wenn eine Pflegeleistung von einem Familienangehörigen erbracht wird,

gibt es dafür nur die Hälfte des Geldes, das eine Pflegeorganisation bekommen würde. Der Beitrag zur Entlastung durch andere Personen ist geradezu lächerlich (aktuell 104,- EUR im Monat, das bedeutet für Sie mal gerade ca. 4 Stunden, die Sie sich nicht kümmern müssen). Der Staat zieht sich auf diesem Wege eine neue Burnout-Generation heran, die noch dazu unter einer Art Pflege-Armut leidet …

Pflege ist oft ein Vollzeitjob

Einschätzungen und Gutachten anderer Menschen werden wichtig. Rezepte müssen von Ärzten abgeholt werden (manchmal nur gegen Vorlage einer Vollmacht). Hilfsmittel werden erforderlich und damit ein nicht endendes Tauziehen mit den Krankenkassen um die Bewilligung derselben. Neue Ärzte müssen ausfindig gemacht und die Kranken zum Arzt begleitet werden. Kleine Alltagserledigungen können sich zu großen Problemen ausweiten. Was ist, wenn die Kranken in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und sich nicht mehr selbst waschen oder nicht mehr kochen können? Gerade die Nahrungsmittelversorgung für Pflegebedürftige ist eine absolute Katastrophe. Es erwies sich in unserem Fall als absolut

unmöglich, gutes, laktosefreies, püriertes Essen zu bekommen.

Meine  Mutter versuchte es durchaus mit verschiedenen Lieferdiensten, das Essen war immer labbrig, schmeckte nach Kantine und es musste jemand kommen, der das Essen zerkleinerte. Wir haben dann schließlich selbst gekocht – aber es musste immer noch jemand kommen, der das Essen warm machte …

Sie selbst verändern sich

Obwohl die Grundversorgung meiner Mutter von medizinischen Dienstleistern übernommen wurde, blieben noch genug Aufgaben für mich und meine Geschwister übrig. JedeR übernahm etwas anderes. Nun erwies es sich als vorteilhaft, dass wir so viele sind. Nichtsdestotrotz bemerkte ich schon nach relativ kurzer Zeit, dass die Welt sich zusammenzurrte, ich mich ganz automatisch auf meine Mutter und ihre Bedürfnisse fokussierte. Wie früher eigentlich, als ich noch nichts von meiner Hochsensibilität wusste und mich IMMER zuerst um andere kümmerte und dann erst um mich. Vor mir selbst hatte ich es so rechtfertigt, dass ich mich nicht wohlfühlen kann, wenn andere sich nicht wohlfühlen. Puhhh …

Zwar waren nun die Grundvoraussetzungen andere, aber irgendwie war es doch gleich. Selbst, wenn ich mich um mich selbst und meine Belange kümmern wollte, hatte ich oft einfach nicht mehr die Energie dazu. In den zwei Jahren, in denen wir meine Mutter bei ihrer ALS begleitet haben, stand ich oft mit mehr als einem Bein in einem weiteren Burnout.

Am schwierigsten war es, wenn ich versuchte, mich selbst und meine Bedürfnisse durchzusetzen (Mit zunehmender Überforderung habe ich natürlich versucht, mich mehr an meinen eigenen Bedürfnissen auszurichten, weil mir ganz klar war, dass es dringend erforderlich ist). Allerdings lief ich damit häufig gegen Mauern. Mein Bedürfnis wurde zwar anerkannt, aber trotzdem nicht erfüllt. Und jedesmal, wenn das passierte, wurde ich ein bisschen depressiv. So als hätte ich kein Recht auf eigene Bedürfnisse.

Hochsensibles Pflegepersonal

Ich habe keine Statistiken zur Untermauerung vorzuweisen, aber ich bin davon überzeugt, dass gerade im Pflegebereich sehr viele hochsensible Menschen zu finden sind, einfach wegen ihrem Idealismus, ihrem unverbrüchlichen Interesse an anderen Menschen, an ihrer Lust, andere zu unterstützen. Ich finde, es ist eine Schande, dass ausgerechnet diese Menschen so wenig Unterstützung erfahren und regelrecht verbraten werden in einem völlig unzulänglichen Pflegesystem, das weder den Pflegebedürftigen, noch dem Pflegepersonal gerecht wird. Menschlichkeit und Herzlichkeit bleiben auf der Strecke.  Von einer guten finanziellen Entlohnung kann man wohl auch nicht sprechen, denn insgesamt wollen immer weniger Menschen andere pflegen, was zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Lage führt.

Gelegentlich gebe ich Klopfakupressur-Workshops zu wohltätigen Zwecken und der bislang schwierigste Workshop, den ich je gegeben habe, war mit Pflegepersonal einer Behinderten-WG. Die Verzweifelung der Teilnehmer hat mich noch Wochen verfolgt …

Im Netz habe ich einen kurzen Clip gefunden, in dem diese Zustände ganz anschaulich beschrieben werden.

Es war mir ein bisschen komisch, über ein so schweres Thema an einem so schönen, sonnigen Tag zu schreiben, aber, nun ja, es ist Muttertag, und ich denke an meine Mutter …

Wie ist es mit Ihnen? Ist Pflege ein Thema für Sie? Haben Sie Vorschläge, Empfehlungen, Lösungen?

Herzlichst, Ihre
Monika Richrath

Pflege am Boden

Ein kuzer, aber sehr aussagekräftiger Ver.di Clip über die Zustände in der Pflege
de_DEDeutsch