2 ZKDB – Umzüge und ihre Widrigkeiten

2 ZKDB – Umzüge und ihre Widrigkeiten

Zwei Wochen nach meinem 18. Geburtstag bin ich von Zuhause ausgezogen und dann lange Zeit alle 1–2 Jahre von einem kleinen Zimmerchen ins nächste. Zwischen 30 und 40 wurden die Wohnungen größer und komfortabler und das Umzugstempo hat sich verlangsamt.
Umziehen an sich macht mir immer noch Spaß – auch wenn HSP-Pionierin Elaine Aron meint,

dass viele hochsensible Menschen Veränderungen fürchten.

Ausmisten und mich einzurichten finde ich herrlich! Aber erst nach dem letzten Umzug wurde mir so richtig klar, wie stressig das ist, vor wie vielen Herausforderungen ich dabei stand: In einer Stadt mit einer katastrophalen Wohnungslage eine Wohnung in einem ganz bestimmten Stadtteil zu finden (die zudem noch einige besondere Anforderungen erfüllen sollte). Früher hatte ich das immer ein wenig aufs Geratewohl gemacht.

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Mittwoch um eins

Mittwoch um eins

Je mehr ich mich mit dem Thema Körper und Hochsensibilität beschäftige, umso wichtiger scheint es mir zu sein, mit meinem (häufig vernachlässigten) Körper in Kontakt zu treten und ihm in vielfältiger Form Gutes zu tun. Bislang habe ich das nicht aktiv bearbeitet, weil mir anderes immer wichtiger schien. Allerdings gibt es in meinem EFT-Seminaren und Workshops nicht nur eine Anleitung für die Klopfakupressur, sondern auch immer einen Reframing Part, der sich mit der Umsetzung einer positiven Neubewertung und -ausrichtung befasst. Dies habe ich in der letzten Zeit nicht nur für HSP getan, sondern auch für andere Menschen in akuten Stress-Situationen, wie Pflegekräfte z. B.

Offensichtlich hat mein Körper einfach die für andere bestimmten Neuorientierungen aufgegriffen und umgesetzt. Für mich fühlt es sich jedenfalls so an, als hätte mein Körper die Regie übernommen – und so kommt es, dass ich seit Anfang des Jahres zweimal in der Woche ins Schwimmbad gehe (wohin ich es im vergangenen Jahr nicht ein einziges Mal geschafft habe!). Für mich ist das wie Magie – aber es zeigt auch wieder mal sehr schön die wunderbaren Nebeneffekte, die die Klopfakupressur haben kann.

Mittwoch um eins ist ein Termin, der sich bei mir schon fest eingebürgert hat und den ich nur ausfallen lasse, wenn eine Krankheit im Anflug ist. Schon den ganzen Morgen über bin ich freudig beflügelt beim Gedanken an das Schwimmbad. Um eins steige ich dann ins Becken zu den anderen. Das Durchschnittsalter der TeilnehmerInnen dürfte zwischen 60 und 70 liegen. Mit meinen 51 Jahren gehöre ich eher zu den Youngstern. Einige hüpfen sich schon einmal warm und auch ich plantsche erwartungsvoll im Wasser herum. Jeglicher Stress fällt von mir ab. Jetzt gehts gleich los!

Da kommt der Trainer mit dem Equipment, es ist immer das gleiche: erst die Hanteln, dann die Nudeln, dann Scheiben. Auch die Choreographie der Übungen ist immer die gleiche, nur die Musik nicht. Heute hatten wir Prince und Frieda Gold. In der Woche vor Karneval die Höhner, da wurde ein wenig mitgesungen (soweit das während der Wassergymnastik möglich war). Jetzt geht es los: Es wird gerempelt und gekichert und mit dem Trainer geflirtet …

Mit mir geht jedenfalls im Wasser eine sonderbare Metamorphose vor sich: ich werde nicht nur leichter, ich verjünge mich auch, ich werde fünf oder 12 oder 18, wenn die Musik losgeht. Das fühlt sich ein bißchen wie Disco an (Nur dass ich beim Bewegen schon mal den Boden unter den Füßen verliere oder abgetrieben werde ins tiefere Wasser). Plötzlich bin ich nur noch Bewegung, Musik und Rhythmus. Alles ist perfekt. Ich höre meinen Körper förmlich vor Wonne seufzen. Heute schien die Sonne ins Becken und zauberte silbrige Reflexe aufs Wasser, zauberhaft. Ich wollte das Becken gar nicht mehr verlassen.

Ich verstehe selbst nicht mehr, wieso ich mir das jahrelang selbst vorenthalten habe? Egal, es ist nie zu spät dafür, neue Akte und Zeichen der Selbstliebe zu finden, schon gar nicht, wenn man hochsensibel ist 😉

Wie halten Sie es denn mit dem Sport? Ich freue mich, wie immer, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit
Ihre Monika Richrath

Bild von StockSnap auf Pixabay 

Grenz-Erfahrungen: Boarderlines

Grenz-Erfahrungen: Boarderlines

 

Eher zufällig bin ich im Netz auf den Kölner Autor Andreas Brendt  gestoßen. Sein Buch Boarderlines für Junge Wilde, Sinnsucher und andere hat sofort mein Interesse geweckt. Sinn scheint für die meisten hochsensiblen Menschen etwas sehr Essentielles zu sein. Daher habe ich mit dem Autor ein (wie ich finde) spannendes Email-Interview geführt. Aber lesen Sie selbst:

 

Andi, worum geht es in Boarderlines?

Boarderlines ist ein autobiografischer Reise-Abenteuer Roman und viele Leser sprechen von einem besonderen Buch, von einer eigenen Gattung, weil man so hautnah dabei sein kann.
Die Geschichte baut sich über verrückte Erlebnisse aus allen Ecken und Enden der Welt auf. Es wird urkomisch, fies gefährlich, skurril und liebenswert, weil jede Reise ihren eigenen Charme mitbringt – besonders, wenn der Reisende genug Naivität im Gepäck hat 🙂
Darüber hinaus findet eine Entwicklung statt. In der 10 Jahre dauernden Rahmenhandlung geht es darum, wie das Reisen oder das Leben einen Menschen verändern kann. Es tauchen die typischen Sehnsüchte und Dilemmas auf, die uns alle verbinden. Was soll ich mit meinem Leben anfangen? Tue ich das, was die gesellschaftlichen Konventionen von mir verlangen oder gehe ich andere Wege. Was muss ich aufgeben, wenn ich meinen Träumen folge und wird mich das zum Glück führen?
Die Antwort ist klar: Nein 🙂
Bzw. über Umwege, denn die schwierigen Momente können die lehrreichsten sein. Das Buch bekommt eine gefühlvolle Seite und zeigt die Höhen und Tiefen, mit denen wir alle zu kämpfen haben. Hier wird es dann auch philosophischer, denn der Protagonist ist schon längst und ohne das zu ahnen auf einem suchenden, fast spirituellen Weg. Dabei habe ich versucht die Bedeutung der fernöstlichen Weisheiten auf eine neue, mehr erlebbare Weise näher zu bringen.

Was meinst Du mit nein: Du möchtest nicht tun, was die gesellschaftlichen Konventionen verlangen oder nein: Das wird mich nicht zum Glück führen?

Also das Nein bezog sich nicht auf die gesellschaftlichen Konventionen sondern, ob bzw. wann ein Weg zum Glück führt.

Man kann verschiedene Lebenswege einschlagen und ein gesellschaftliches Umfeld erwartet meist einen mehr oder weniger vorgezeichneten Werdegang. Zum Beispiel Schule, Studieren und Karriere machen. Oder Gesellenprüfung und früher arbeiten. Aber natürlich gibt es auch Möglichkeiten, etwas ganz anderes zu machen. Zum Beispiel ganz viel Reisen und einer Leidenschaft folgen (egal ob Surfen, Klettern, Fahrradfahren). Für manche Menschen ist das ein Weg voller Unsicherheit und ohne Weitsicht, nach dem Motto: Was soll denn in der Zukunft aus Dir werden? Für andere scheint der Weg, einfach seinem Freiheitsdrang zu folgen, als Selbstverwirklichung und Weg zum Glück.
Meiner Meinung nach macht aber keiner dieser Wege von alleine glücklich. Ich glaube momentan, dass es ganz egal ist, was man tut. Ob man als Supermarktkassierer 9–5 arbeitet oder Extrembergsteiger durch den Himalaya tourt. Es geht nicht darum, was man tut, sondern wie man es tut. Ist man seinen Gefühlen gegenüber aufmerksam, ist man offen für das Wunder des Lebens, was einem überall begegnen kann. Lässt man sich von einer subtilen Intuition lenken und kann man Freude in alles fließen lassen, was ist.

Das klingt sehr gut. Ich fand die Momente von Einssein mit der Natur sehr schön beschrieben. War das etwas, was Du erst beim Surfen entdeckt hast, oder war das auch vorher schon ein Teil Deines Lebens?

IMGP1752Ich war immer gerne draußen, aber die Intensität des Naturerlebnis hat stark mit dem Wellenreiten zugenommen. Und wenn man bewusster erlebt, erlebt man auf einmal immer mehr. Gezeiten, Wind, Sonne, Mond und Sterne und mittlerweile bemerke ich selbst in der Großstadt Wolkenformationen und höre die Vögel – auch das habe ich ja quasi in Sri Lanka gelernt 🙂

Mich interessiert auch, welche Bedeutung der Titel „Boarderlines“ für Dich hat?

Boarderlines ist ein vielschichtiges Wortspiel. Eine Freundin hatte die Idee bei einer Menge Rotwein und einem Haufen Leute in meiner Küche. Sie meinte das muss irgendwie mehr knallen, erschrecken 🙂 wie Borderline. Dann war es eine kurze Weile sehr still. Und jeder hatte andere Assoziationen. Manche dachten an das hin- und hergerissen sein. Der Konflikt zwischen Heim- und Fernweh. Andere sahen die Linien, die ein Surfer oder Boarder in der Welle (oder dem Schnee) zurücklässt. Natürlich war für die meisten Grenzen sowohl in geographischer wie auch in mentaler Art und Weise sehr naheliegend oder eben die Krankheit. Mir kam allerdings eine andere Verknüpfung: Ich dachte an Zeilen (lines), die ein Brettsportler (Boarder) schreibt und fand das super passend. Vor allem in der Verbindung mit Grenze oder Grenzbereich.
Dann habe ich eine Weile mit mir gerungen, ob ich einen so heftigen Titel nehmen kann oder lieber einen braven nehmen soll. Aber irgendwie hatte ich schon längst, in diesem Moment der Stille, eine Entscheidung getroffen.

In Grenzbereiche und -erfahrungen bist Du während Deiner Reisen ja öfter gestoßen. Ich denke dabei nicht nur an Grenzerfahrungen mit der Natur, bzw. den Naturgewalten, sondern ich fand Deine Erfahrungen in den Begegnungen mit anderen Menschen oft auch sehr krass, z. B., dass die freundlichen Menschen am Strand sich plötzlich als befremdende Rassisten entpuppen … Ich habe eine Passage im Buch, die mir ganz besonders gefällt – welche, verrate ich Dir später. Welche Erfahrung, die Du in den zehn Jahren gemacht hast, hat Dein Leben rückblickend am meisten verändert?

Ach das sind so viele. Jede Reise hat einen anderen Charakter, jede Begegnung ihren Charme. Manchmal sind es kurze Begegnungen, von denen ich ewig zehre und die mir Jahre später wieder in den Sinn kommen. Ich glaube, was mich geprägt hat, ist zu erkennen, wie unterschiedlich das Leben in der Welt ist und damit, wie unterschiedlich das Leben sein darf. Und das absolut wertfrei. Ich bewundere einen Busfahrer genauso wie einen Karrieremenschen, einen Genügsamen genauso wie jemanden, der hinter einer Leidenschaft herjagt und einen einsamen Typ ebenso wie den Geselligen. Das kann dann auch die eigenen Situation etwas entspannen. Wir haben ja alle Vorstellungen, wie wir sein sollten, wie unser Leben aussehen könnte. Der Blick zurück zu all den Begegnungen nimmt mir dann den Druck, irgendetwas sein zu müssen (ein Surfer, ein Reisender, ein erfolgreicher Schriftsteller oder was auch immer ich mir gerade so ausmale).

Wann hattest Du die Idee, deine Erfahrungen in einem Buch zu verarbeiten? Kannst Du Dich noch an diesen Moment erinnern?

Das war kein Moment, sondern eine Entwicklung.
Ich habe früher häufig Reise-Emails nach Hause geschrieben, um den Kontakt zur Heimat nicht ganz zu verlieren. Und dann meinten alle immer: Das ist so witzig, so abgefahren, da musst du unbedingt mal ein Buch draus machen. Und in den Surfcamps wollten die Leute auch immer Geschichten aus der weiten Welt hören und 🙂 ich erzähle halt auch gerne. Andi_Lama_swSo wuchs die Idee in meinem Kopf ein paar Jahre heran. Irgendwann wusste ich, dass ich das mal machen werde. Es fehlte nur noch der Anlass. Und dann kam eine sehr schmerzhafte Trennung, die viel Energie freigesetzt hat und den Startschuss markiert hat.

Apropos Entwicklung: Das Buch endet 2005 mit Deiner Vereidigung als Lehrer. Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren davor ist das eine völlig konträre Lebensform. Wie ist es Dir in diesem Gegensatz ergangen – konntest Du Dich darin einrichten oder machst Du heute etwas Anderes?

Zunächst mal wurde mein Leben spannender als je zuvor. Aber das steht im zweiten Buch, mit dem ich aller Voraussicht nach im Sommer beginnen werde, weil ich dann wieder 13 Monate frei habe. Das Zurechtfinden war natürlich ein interessanter und zuweilen lustiger Prozess. Ganz einfach, weil mir einige „Grundkenntnisse“ für das Leben in Deutschland fehlten 🙂 Dies galt insbesondere für den Umgang mit einem Beamtenapparat, der ab und an deutlich weniger Spaß versteht als ich, und auch für meine erste richtige Beziehung. Woher sollte ich denn wissen, dass man sich meldet, wenn man ein paar Wochen auf einen Surftrip fährt 🙂
Grundsätzlich habe ich versucht, mir weiter Auszeiten zu schaffen. So habe ich nach dem Referendariat nochmal 1,5 Jahre in die Reiserei investiert und dann sofort (auch hier gab es interessante Blicke) ein Sabbatjahr angemeldet. Der Wechsel zwischen etwas mehr Heimat und wieder einem (wunderbaren) sozialen Umfeld und der weiten Welt hat mir in den vergangenen Jahren super gut gefallen. Mittlerweile liebe ich Beides: ein Zuhause und die Möglichkeit den Planeten zu erkunden. Müsste nur noch dieses „Arbeiten-und Geld-Verdienen-müssen“ aufhören, weil das stört einfach beim Leben.

Dann bin ich mal sehr gespannt auf das neue Buch. Hast Du Dich eigentlich schon einmal mit dem Thema „Hochsensibilität“ beschäftigt?

Mmh, ich bin hochsensibel, aber in einem wissenschaftlichen Kontext noch nicht. Der Begriff als solches ist mir auch nicht geläufig. Ich vermute aber, dass jedes Wesen, dass in der westlichen Welt aufwächst, hochsensibel ist, aber alle Gefühle unterdrücken muss. Wir müssen funktionieren und da soll man nicht zwischendurch vor Wut schreien oder Tränen kommen lassen, wenn man traurig ist. Mir gefällt die Arbeit im Osho Zentrum in Köln sehr gut, weil es genau darum geht. Gefühle sein lassen zu dürfen in einem sicheren Raum. Das ist sehr intensiv und fühlt sich irgendwie richtig und vor allem menschlich an.

Ich meine hochsensibel als „besonders empfindsam“, mit einer besonderen Empfänglichkeit für innere und äußere Reize. Wissenschaftlich belegt ist diese besondere nervliche Disposition tatsächlich nicht, empirisch aber schon. Ja, ganz bestimmt sind die meisten Menschen viel empfindsamer, als sie es zeigen, ich meine hier aber eher die ganz besonders Empfindlichen. Hast Du dafür eine andere Bezeichnung?

Nein, ich verwende auch das Wort sensibel. Ich weiß nicht, ob es Menschen gibt, die mehr und andere, die weniger sensibel sind. Vielmehr scheint der Umgang mit unseren Gefühlen sehr unterschiedlich zu sein. Manche verdrängen, manche suchen danach. Und die Reaktion auf das Fühlen ist ebenfalls sehr verschieden. Manche nennen es Einbildung, andere Hokuspokus, der in unserer rationalen Welt nichts zu suchen hat. Wieder andere „sind nah am Wasser gebaut“ und andere flippen einfach aus.

Ich habe in den letzten Wochen zweimal die AUM besucht.
Das ist eine dynamische und soziale Meditation, die uns durch 13 Phasen führt. Dabei werden alle Möglichen Gefühle ausgelebt. Wut, Trauer, Lachen, Euphorie, Sinnlichkeit usw. Das Wichtige scheint zu sein, dass alle Gefühle da sein dürfen und, dass wir nicht diese Gefühle sind (was wir erkennen, wenn wir Gefühle beobachten und besonders, wenn wir gegensätzliche Gefühle direkt nacheinander erleben und beobachten). Diese knapp 3 Stunden haben eine enorme Kraft und verbinden die Teilnehmer sehr. Es zeigt auch, dass in jedem Menschen alle Gefühle schlummern. Wer behauptet, er hätte einfach keine Wut in sich, hat Wut mehr verlernt und unterdrückt. Wut ist ein wunderbares und kraftvolles Gefühl, was bei uns nur deshalb eine negative Assoziation bewirkt, weil viele nicht mit Wut umgehen können und dann beginnen zu zerstören. Dabei kann Wut auch einen enormen Schaffensprozess einleiten. Ähnliches gilt für die anderen Gefühle. Ich fühle mich mittlerweile richtig geehrt, wenn ich Gefühle miterleben darf. Diese Öffnung ist ein Zeichen von Vertrauen und das ist wunderbar. Verrückt, dass dem Fühlenden das dann peinlich ist.

Ja, ich bin ganz und gar mit Dir einverstanden, dass das Wahrnehmen der Gefühle super wichtig ist, weil die meisten Menschen ihre Gefühle einfach immer nur verdrängen und dadurch krank werden. Mein Tool der Wahl ist ja die Meridian-Klopftechnik EFT. Letzten Endes geht es dabei aber (wie bei der AUM) darum, Gefühlen Raum zu geben. Mir geht es heute (auch obwohl ich schon ganz viel „losgelassen“ habe) manchmal so, dass ich ein Gefühl habe und nicht weiß, was es bedeutet – nur das es sich nicht gut anfühlt.

Aber jetzt nochmal zurück zu Deinem Buch: ich habe ja schon erwähnt, dass ich eine Lieblingspassage habe. Als ich „Freak Set“ gelesen habe, hatte ich richtig Herzklopfen. Zum einen, weil ich selbst schon einmal in der Bretagne in einer Welle untergegegangen bin und dachte, ich komme NIE mehr hoch. Zum anderen fand ich es ein unglaublich starkes Bild für Situationen, in die man im Laufe des Lebens immer wieder gerät: Man sieht etwas auf sich zurollen, was sehr riesig ist und glaubt, jetzt geht man unter, das kann man unmöglich überleben, aber man kommt doch immer wieder hoch und überlebt und dann geht das Leben weiter …
Du hast Dein Buch, glaube ich, selbst verlegt? Wo und wie kann man es denn kaufen? Und was kostet es?

In erster Linie kann man das Buch im Internet kaufen. buch_andibrendt
Es gibt drei Möglichkeiten:
1. Über meine Verlagsauslieferung die Dhlog (einen Link gibt es auf meiner Seite: http://www.boarderlines-buch.de/bestellung.php)
man zahlt 15,95 Euro versandkostenfrei, das möchte ich jedem empfehlen
2. Bei Amazon, aber da kostet das Buch 18,95 Euro und die Bestellung dauert auch ein paar Tage länger
3. Als Ebook bei Amzon oder Kobo für 8,77 Euro

Vielen Dank, Andi und viel Erfolg!

Hunger

Hunger

Als Kind habe ich immer davon geträumt, „erwachsen“ zu sein und fieberte meiner Volljährigkeit entgegen. Der 18. Geburtstag kam und ging. Gut, jetzt konnte ich meine eigenen Entschuldigungen schreiben und in ein eigenes Zimmer ziehen, aber gegen viele (sehr viele) Dinge war ich vollkommen machtlos. Nie hätte ich mir als Teenager träumen lassen, dass die so lang ersehnte Unabhängigkeit schon bald verblassen würde neben einem sonderbaren, unerklärlichen Phänomen: Mir war immer schlecht. Morgens mittags abends. Immer. Es gab nur graduelle Abweichungen – gelegentlich gelang es mir, diesen Zustand kurzfristig zu vergessen. Natürlich habe ich sehr viel über die Ursache dieses sonderbaren Phänomens nachgegrübelt – herausgekommen ist dabei aber nicht viel – außer vielleicht der vagen Erkenntnis, dass ich besser aufhören sollte zu rauchen – was einfach nicht möglich war.

Medizinische Untersuchungen blieben übrigens auch relativ ergebnislos. Stets wurde mir eine kleine Rötung der Magenschleimhaut bescheinigt, was zur Folge hatte, dass ich mich wie eine Hypochonderin fühlte. Auch wurde mir stets geraten, doch kein Aspirin mehr zu mir zu nehmen. Der Clou war, dass ich noch nie Aspirin genommen hatte, in meiner Familie war das nicht üblich. „Psychosomatisch“ war das Etikett für unerklärliche Leiden, das die Ärzte einem in den 80er und 90er Jahren gern verpassten, wenn sie nicht weiter wussten. „Psychosomatisch“, das klang für mich so, als sei ich es selbst irgendwie schuld, jedenfalls fühlte ich mich auf vage Weise schuldig an meinem Zustand.

Meiner Mutter zufolge bin ich immer eine „schwierigere Esserin“ gewesen. Die Übelkeit machte alles noch schlimmer. Meistens hatte ich gar keine Lust, etwas zu essen. Wenn ich gestresst war, hatte ich einen Kloß im Hals und einen Knoten im Magen und empfand einfach keinen Hunger. Am Ende war ich so dünn, dass meine Freundin begann, sich Sorgen zu machen und mich öfter zum Essen einlud. Therapie- und Selbsthilfegruppen waren damals nicht verfügbar. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob mir „so etwas“ genutzt hätte, denn ein Bewusstsein für eine Essstörung hatte ich nicht. Viele Ärzte haben sich mit der leichten Rötung meiner Magenschleimhaut beschäftigt. Am Ende waren es alle leid, sich mit meinem Magen auseinander zu setzen – mich eingeschlossen. Ich hatte mich letztendlich für konsequentes Ignorieren der Signale meines Körpers entschieden (eine Vorgehensweise, die ich mit vielen anderen hochsensiblen Menschen teilte) und dies führte dazu, dass niemand entdeckte, dass ich in aller Stille ein Magengeschwür entwickelt hatte, an dessen Perforation ich 1996 fast gestorben wäre. Es ging noch gerade eben so.

Für mich war das Gefühl „gerade eben noch davon gekommen zu sein“, ein entscheidender Wendepunkt. Ich verstand, dass ich für mich selbst verantwortlich war, für mein Leben und dafür, dass es mir gut ging. Ich begann besser auf mich zu achten, darauf, was ich aß und wie es mir ging, in winzigen und kleinen Schritten kam ich so vorwärts. Irgendwann entdeckte ich meine Hochsensibilität. Eines Tages lieh mir jemand das Buch: „Die Frau, die im Mondlicht aß (Ess-Störungen überwinden durch die Weisheit uralter Märchen und Mythen von Anita Johnston)“. Ich war wie vom Donner gerührt. Zwar fiel der Begriff „Hochsensibilität“ nicht ein einziges Mal, aber ich hatte das Gefühl, das es genau darum ging: seiner feinen Wahrnehmung zu vertrauen, egal, was andere dazu sagen. Dieses Buch zu lesen war für mich ein nachdrückliches Erlebnis, auch, weil die Autorin sehr schön beschreibt, wie der Zugang zu den eigenen Gefühlen (wieder) leichter wird.

Im Rückblick denke ich, dass ich mir als junger Erwachsener immerzu schlecht war, weil ich das, was da war, nicht wollte. Vor allen Dingen wollte ich selbst mich nicht. Ich hatte eine sehr genaue Vorstellung davon, wie ich sein wollte oder wie ich sein könnte – aber wie ich es schaffen könnte, so zu sein, das wusste ich nicht.

Jetzt, viele, viele Jahre später, verfüge ich auch über Erfahrungen mit der Kehrseite der Medaille: Essen als Ersatz, Essen als Trost, Essen aus Frust, Essen aus Stress. Essen, weil die Dinge nicht so sind, wie ich sie gerne hätte. Essen, weil ich nicht so bin, wie ich sein möchte – mit jedem Bissen weniger …

Zum Glück habe ich mittlerweile die Klopfakupressur (früher EFT) entdeckt – und welche Freude darin steckt, heraus zu finden, wonach man wirklich hungert und wie und womit man sich nährt (Ich finde die 5-Elemente-Küche einfach genial)! Sehr gerne mache ich Sie auf lebenshungrig, den Blog von Simone Happel, aufmerksam, in dem es um das Thema Essstörungen geht – sehr spannend und interessant.

Frau Happel hat im Oktober 2013 ein Interview mit mir zum Thema Essstörungen und EFT geführt, auf das ich hier gerne noch einmal aufmerksam möchte.

Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Frühling!

Ihre
Monika Richrath

de_DEDeutsch