Warum verliebe ich mich immer in den Falschen oder die Falsche?

Warum verliebe ich mich immer in den Falschen oder die Falsche?

Die Liebe ist für hochsensible Menschen ein wirklich schwieriges Stress-Thema. Die Hochsensibilität führt vielleicht dazu, dass wir vieles besonders schwer nehmen (z. B. Kränkungen), besonders viele Ängste entwickeln (z. B. bevor wir jemandem unsere Liebe gestehen) oder es vielleicht auch gar nicht wagen, auf jemanden zuzugehen. Und natürlich leiden wir unendlich, wenn es vorbei ist. Manchmal jahrelang (glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche)!

Kennen Sie diese Situation?

Sie lernen irgendwo jemanden kennen, den oder die sie sehr attraktiv finden und sie kommen zusammen. Aber es dauert nicht lange, bis erste Probleme auftauchen. Er oder sie zieht sich innerlich zurück, ist ausweichend, will sich meistens nicht festlegen. Aber es ist nicht immer so. Manchmal gibt es auch sehr intensive Momente, in denen sie einander offenbaren können. Davon oder dafür leben sie. Aber diese Momente werden immer seltener und hören irgendwann ganz auf. Oder Sie stellen fest, dass ihr Traumprinz oder Ihre Traumprinzessin das Interesse an Ihnen verliert oder sich womöglich jemand anderem zuwendet (was Sie vielleicht gar nicht wissen) oder Sie verlässt (manchmal von heute auf morgen) und Sie wissen nicht wohin mit sich vor lauter Liebeskummer.

Oder Sie sehnen sich ganz verzweifelt nach Liebe,

aber Sie finden einfach nicht die richtige Person, mit der Sie sich eine Beziehung vorstellen können? Oder Sie verlieben sich grundsätzlich nur in Menschen, die bereits anderweitig gebunden sind? Oder Sie interessieren sich grundsätzlich nur für den Typ „Bad Boy“ oder „Bad Girl“, wo Sie schon von vornherein wissen, dass es nur für eine Nacht, oder eine Woche ist? Oder Sie haben grundsätzlich nur Affairen, weil Sie Angst davon haben, dass jemand herausfinden, wie Sie wirklich sind und Sie verlassen könnte?

Irgendwann bekommt das ganze so eine Eigendynamik, Beziehungen haben dann überhaupt keine Chance mehr sich zu entwickeln, weil die Angst, dass es zu Beziehungsabbrüchen kommen könnte, immer größer wird  und die Beziehungsabbrüche sich mehren …

Permanent zurückgewiesen zu werden kann verflucht weh tun.

Dann zweifelt man an sich selbst und fragt sich vielleicht, ob man vielleicht nicht liebenswert ist in dem Sinne, ob man es wert ist, geliebt zu werden? Das produziert noch mehr Schmerz und Verzweifelung und treibt eineN in eine Art einsame Abwärtsspirale.

Ich möchte Ihnen dazu gerne einmal etwas sagen – was Sie vermutlich nicht gerne hören. (Aber glauben Sie mir, ich war zehn Jahre lang Single und weiß ganz genau, wovon ich spreche. Ich habe einmal fünf!!! Jahre (ich finde das selbst so unglaublich mittlerweile) in einer Art Nichtbeziehung ausgeharrt, in der ich überhaupt keinen festgelegten Status hatte – nur die Gewissheit, dass ich geliebt wurde. Meine Ex-Partnerin und ich haben über zehn Jahre gebraucht, um uns in einer festen Beziehung miteinander wirklich aufeinander einzulassen …)

Beziehungen sind schwierig für hochsensible Menschen

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Die Einsamkeit rufen Sie selbst hervor

Bevor Sie nun empört „Blöde Kuh“ schreien, Ihren Computer oder Ihr Handy an die Wand werfen, lesen Sie bitte einfach erst einmal weiter. Natürlich ist dies nicht im Sinne von „Sie sind es selbst schuld“ gemeint. Ganz im Gegenteil, Sie können überhaupt nichts dafür – jedenfalls nicht, solange Sie nicht wissen warum.

Es geht außerdem auch nicht darum, wie Sie sich eine Beziehung vorstellen oder wie Ihr Partner/Ihre Partnerin sein soll, damit Sie es schön miteinander haben. Es geht auch nicht darum, was Sie miteinander tun und lassen (das wird erst später wichtig!) Die einzige Frage, die Sie sich stellen können, wenn Sie da raus wollen ist:

Wie fühlt Liebe sich für Sie an?

Es ist völlig gleich, dass Sie eigentlich etwas anderes wollen. Maßgeblich ist in diesem Zusammenhang, wie Sie großgeworden sind, wie Ihre Beziehungspersonen sich Ihnen gegenüber verhalten haben.

Bindung

ist für Menschen genau so wichtig wie Nahrung, Schlaf, Bewegung usw. Bindungsforschern zufolge sind die ersten drei Lebensjahre bindungstechnisch entscheidend. Die Beziehungsregeln, die wir in dieser Zeit lernen, legen fest, wie wir später durchs Leben gehen, welche Beziehungen wir leben und wie gesund wir sind. Mittlerweile weiß man sogar um den Zusammenhang von Erkrankungen im späteren Leben und belastenden frühkindlichen Bindungserfahrungen (Mehr dazu an anderer Stelle auf diesem Blog).

Vier Bindungsstile

Vielleicht haben Sie schon einmal von den vier Bindungsstilen gehört, die der Psychiater und Psychoanalytikers John Bowlby entwickelte. Anfang der 60er Jahre wurden diese noch angezweifelt, was die Fachwelt aber zwischenzeitlich aufgegeben hat, da sie durch viele Studien bestätigt wurden.

1. Die sichere Bindung

In einer sicheren Bindung hat ein Baby das Gefühl, dass die Bindungsperson sich ihm gegenüber feinfühlig verhält, auf seine Bedürfnisse eingeht und Zuverlässigkeit bietet, so dass es sich emotional in Sicherheit fühlt. Ein sicher gebundenes Kind wird weinen, wenn die Mutter weggeht, lässt sich aber leicht nach ihrer Rückkehr beruhigen. Ein solches Bindungsmuster sollen 60 bis 65 % aller Kinder erleben. Es führt dazu, dass das Kind eine gewisse Widerstandskraft gegen psychische Belastungen entwickelt und Empathie empfinden kann.

2. Die unsicher-vermeidende Bindung

In einer unsicher-vermeidenden Bindung hat das Baby das Gefühl, dass es von den Eltern keinen Schutz und keine Sicherheit bekommt und dass es alleine zurecht kommen muss. Das Baby unterdrückt daraufhin sein Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung. Ein Kind, das so aufwächst, wird gar nicht darauf reagieren, wenn die Mutter weggeht, und auch nicht, wenn sie wiederkommt. Trotzdem reagieren sie körperlich sehr heftig. Dieses Bindungsmuster sollen 20 bis 25 % aller Kinder erleben. Kinder, die so aufwachsen, sind weniger widerstandsfähig gegen emotionale Belastungen.

3. Die unsicher-ambivalente Bindung

Diese ähnelt der unsicher-vermeidenden Bindung, beinhaltet aber, dass die Eltern chaotisch auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren, mal erfüllen sie diese, manchmal lehnen sie sie ab. Bei Problemen ziehen sich solche Kinder eher zurück und sind gestresst in Gegenwart ihrer Eltern, auch wenn sie sich an ihre Eltern klammern können. Diesen Bindungsstil sollen 10 bis 15 % aller Kinder erleben. Kinder, die so aufwachsen, können sich weniger gut in andere Menschen hineinversetzen.

4. Die Desorganisierte Bindung

Immerhin 5–10 % aller Kinder sollen in desorganisierten Bindungen aufwachsen. Da kann man sich auf überhaupt nichts mehr verlassen. Erregung und Anspannung der Mutter wechseln ab mit Vernachlässigung und Desinteresse. Im Zustand der Erregung kann die Mutter dann eher eine Bedrohung für das Kind darstellen. Desorganisiert gebundene Kinder laufen z. B. nach der Trennung auf die Mutter zu, aber drehen auf halbem Wege wieder um oder zeigen Zeichen von Stress, wenn sie mit ihrer Bindungsperson zusammenkommen.

Haben Sie sich dort irgendwo wiedererkannt?

Erkennen Sie das Muster Ihrer Beziehungen wieder? Verstehen Sie, dass, wenn das Verhalten Ihrer Eltern gegenüber eher vermeidend, ambivalent oder desorganisiert war, es für Sie einfach sehr schwierig ist, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, die sich durch Kontinuität, Nähe und Intimität auszeichnen? Sie ziehen dann Menschen an, die ebenso aufgewachsen sind und ein Problem mit Nähe, Intimität und Kontinuität haben. Das können dann Menschen sein, die sich im Kontakt mit anderen hauptsächlich auf Sexualität konzentrieren, Menschen, die sich zurückziehen, sobald es schwierig sind, Menschen, mit denen man einerseits sehr intensive Momente erleben kann, bei denen man andererseits aber auch öfter das Gefühl hat, dass es gar keine Nähe gibt. Gerade letzteres kann einen zur Verzweifelung treiben.

Wenn sich Ihnen nicht erschließt, worauf ich hinaus will, empfehle ich Ihnen den Film „Love Alien“ zu sehen. Ein junger Mann, Wolfram Huke, filmt sich selbst auf der Suche nach Liebe, das ist absolut herzzerreißend. Achten Sie vor allen Dingen auf die Szene mit der Mutter.

Hier können Sie sich ein Interview des SWR mit Wolfram Huke ansehen.

Wie können Sie es jetzt schaffen, Ihre Beziehungsmuster zu verändern?

Machen Sie sich bewusst, dass es einfach nicht ausreicht, sich andere Beziehungen zu wünschen – solange Sie auf das gepolt bleiben, was Sie zuhause erlebt haben, werden Sie immer wieder Menschen in ihr Leben ziehen, von denen Sie ganz genau das bekommen, was Sie zuhause auch bekommen haben. Menschen, die sich anders verhalten, finden Sie dann gar nicht attraktiv – das ist leider so. Nur ganz wenige Menschen haben einen so starken Willen, dass sie mit schierer Willenskraft etwas vollkommen Anderes in ihr Leben holen.

Aber es ist auf jeden Fall möglich, hier einen Schalter umzulegen! Die Klopfakupressur eignet sich wunderbar dazu, die bisherige Bindungsprogrammierung aufzulösen.

Erst einmal brauchen Sie Klarheit über das was war. Sie brauchen außerdem Geduld – wie immer.

Hier ist eine Übung für Sie

Schreiben Sie Antworten auf die folgenden Fragen auf.

  • Überlegen Sie doch einmal bitte, wie Sie zuhause groß geworden sind.
  • Was haben Sie bekommen, bzw. was haben Sie nicht bekommen?
  • Fällt Ihnen ein Wort ein, das das Verhalten Ihrer Eltern beschreibt?
  • Wie würden Sie das Verhalten Ihrer Partner oder Partnerinnen beschreiben?
  • Sehen Sie Parallelen?

Wenn Sie Ähnlichkeiten gefunden haben, versuchen Sie daraus einen Klopfsatz zu bilden und beklopfen Sie das Thema.

Sie können auch Sätze klopfen wie „Auch wenn ich nicht weiß, wie sich Liebe eigentlich anfühlt usw.“

Wie sind Sie großgeworden? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

Lustiges Zeug schreiben und kleine Wesen zeichnen

Lustiges Zeug schreiben und kleine Wesen zeichnen

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich das Buch „Krebs ist wenn man trotzdem lacht“ der Autorin Sabine Dinkel rezensiert. Obwohl wir uns gar nicht persönlich kennen, ist mir Frau Dinkel irgendwie ans Herz gewachsen und ich freue mich, wenn ich dazu beitragen kann, sie selbst und das was sie macht, noch viel mehr Menschen vorzustellen. Außerdem hatte ich noch die ein oder andere Frage.  So ist dieses schöne Interviewgespräch entstanden.

Das Thema „Hochsensibilität“ kommt darin übrigens nicht vor, es gab so viele andere Dinge, die ich gerne wissen wollte … denn manchmal, wenn man voneinander weiß, dass man hochsensibel ist, ist das auch gar nicht mehr so interessant 😉

 

Sabine, wie bist du auf die Idee gekommen, einen Ratgeber für Menschen mit Krebserkrankungen zu schreiben?

Nach meiner Schockdiagnose war ich händeringend auf der Suche nach Lesestoff, der mich tröstet und ermutigt. Doch bei den meisten Ratgebern hab ich mich zu 95 % gegruselt.

Ich hatte die Wahl zwischen furchterregenden Erlebnisberichten, esoterischen Heilsversprechen, religiösem Klimbim, Ernährungs-Gedöns, Verschwörungstheorien, schonungslosen medizinischen Abhandlungen oder kämpferischen “Tschakka-Büchern”.

Nix, wo meine Seele “Hier!” schrie oder Lesehunger ausgelöst wurde. Ganz im Gegenteil: ich wurde immer ängstlicher und frustrierter.

Da dachte ich: “Das geht so nicht! Ich will beweisen, dass es auch anders geht. Und zwar mit Humor und alltagstauglichen Praxistipps.

Du hast also das Buch geschrieben, das du zum Zeitpunkt deiner Diagnose selbst gern gelesen hättest …?

Ja, genau, denn ich wollte damals so gerne liebevoll an die Hand genommen werden. Daher war mir wichtig, das Buch so zu schreiben, als würde ich einer frisch an Krebs erkrankten Freundin ermutigend zur Seite stehen. Und ihr erklären, wie sie während und nach der Therapie gut für sich sorgen kann.

Hat sich durch den Schreibprozess für dich selbst etwas an der Gesamtsituation verändert?

Durch das Schreiben hat sich mein Denken nochmal positiv verändert. Mir wurde nochmal sehr bewusst, was ich da in den letzten Monaten eigentlich alles gestemmt hatte und dass ich in den Krisen zuvor – Burnout, Krebserkrankung meiner Mutter, Verlust beider Eltern im Abstand von nur einem Jahr, Auflösung des Elternhauses – eine fette Portion Resilienz gewonnen hatte.

Und dass mir zu einem großen Prozentsatz Humor und ein spielerischer und bewusster Umgang mit Sprache dabei geholfen haben. So nenne ich Beispielsweise meine Erkrankung Schnieptröte, meine Angst Hildegard oder mein Rezidiv Bauchfellflöhe. Das klingt nicht so bedrohlich und baut auch kommunikative Brücken zu den Gesunden. Die trauen sich eher, mit mir über Flohkati und Flohrian zu sprechen als über Metastasen.

Zusätzlich gebe ich nur Empfehlungen weiter, die absolut praxisnah und von mir auf Herz und Nieren geprüft sind. Sie müssen niedrigschwellig sein und dürfen nicht noch zusätzlich für Mühsal sorgen und zu hohe Anforderungen stellen.

Ich finde es nämlich total nervig, dass in vielen Ratgebern – zusätzlich zum ohnehin komplett auf den Kopf gestellten Alltag – auch noch verflixt viele Ratschläge lauern, für die man erst richtig ackern muss. Dazu gehören für mich z. B. das viel propagierte Meditieren zu lernen, sich brav ins Fitness-Studio zu schleppen oder die komplette Ernährung umzustellen. Das sind zusätzliche Anforderungen, die nach so einer Diagnose nicht gerade sexy klingen und auch Gesunden ständig um die Ohren geballert werden. Dabei geht es doch auch anders!

Beim Schreiben des Ratgebers ist mir nochmal bewusst geworden, dass ich zu 100 % hinter dem Geschriebenen stehe. Und das gibt mir ein echt gutes Gefühl. Zudem fühle ich mich innerlich “aufgeräumt”.

Das hat mir an deinem Buch so gut gefallen! Es hat mir sofort eingeleuchtet, dass, wenn ich keinen Hunger habe, ich mich freuen kann, wenn der Appetit auf ein Stück Kuchen kommt, und es besser ist, dann ein Stück Kuchen zu essen als gar nichts …

Du hast deine Erfahrungen mit der Erkrankung ja auch noch in einem zweiten Buch verarbeitet …

Richtig. Unmittelbar nach meiner Diagnose war ich so gefrustet, dass ich nicht wusste, wohin mit meinen Ängsten und Kümmernissen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich natürlich noch überhaupt keinen Gedanken daran, jemals ein zweites Buch zu schreiben. Ich fing aus purer Verzweiflung an, kleine tragikomische Comics zu zeichnen.

Im Krankenhaus bekamen die Schwestern irgendwann mit, was ich da zeichnete. Es wurde geschmunzelt und gekichert, die Comics herumgereicht – und man ermunterte mich, damit weiterzumachen. So merkte ich, dass ich mit den Zeichnungen einfach viel besser erklären konnte, was “Krebs haben” eigentlich bedeutet und dass es trotz Krankheit ganz viele Gelegenheiten zum Lachen gibt.

In den Comics steckt halt auch ein gewisser Unterhaltungswert, der es den Gesunden viel leichter macht, Berührungsängste abzubauen und so mit mir in Kontakt zu bleiben. Es kommen z. B. auch Freunde, Bekannte und Schwestern darin vor, die sich diebisch darüber freuen, wenn sie sich darin als Comic-Figur entdecken. Mein Mann liebt zum Beispiel die Tolle, die ich ihm immer zeichne. ;o)

Die tolle Resonanz beflügelte mich, damit weiterzumachen.

Über 15 Monate habe ich Comics gezeichnet und dazu kleine Erlebnisberichte auf Facebook geschrieben. Und die gibt es jetzt als professionell gestaltetes eBook (ca. 180 Seiten) mit dem Titel “Meine Arschbombe in die Untiefen des Lebens”. Sozusagen ein Einblick in mein Tagebuch oder hinter die Kulissen.

Sabine, dein Comic-Tagebuch ist sehr persönlich, du lässt uns hautnah mitfiebern. Sind dir nie Bedenken gekommen diesbezüglich?

Oh doch, ich hatte viele Bedenken, gerade WEIL es so persönlich ist! Ich hatte ja auch lange Zeit überhaupt nicht daran gedacht, damit mal “so richtig” rauszugehen. Erst die permanente Ermutigung durch Freunde und meine Facebook-Community hat mich aufgerüttelt, eine Veröffentlichung überhaupt in Erwägung zu ziehen. Und so hab ich mich dann eines Tages tatsächlich zur Veröffentlichung entschlossen und das eBook mit Hilfe eines kleinen Teams professionell umgesetzt.

Ich finde es echt toll, dass du das machst und uns teilhaben lässt! Und eben weil das so ist, bewirkst du bei mir auch in einem gewissen Sinne eine Form von Heilung – letztes Jahr ist meine Mutter an ALS gestorben und ich fand es immer so furchtbar, dass sie sich so für ihre Krankheit geschämt hat, obwohl es da gar nichts zu schämen gibt … Ich kann es nicht genau erklären, aber es gibt einen Zusammenhang zwischen dem, wie meine Mutter mit ihrer Krankheit umgegangen ist und dem, wie du damit umgehst … irgendwie hebst du das, was ich mit meiner Mutter erlebte habe, ein Stück auf … Vielen, vielen Dank dafür! Das wollte ich dir immer schon mal sagen 😉 Ich kann mir ziemlich gut vorstellen, dass es noch ganz viele unter deinen FollowerInnen gibt, denen dein offensiver Umgang mit der Schnieptröte etwas schenkt …

Das mit deiner Mutter tut mir wirklich sehr leid. Besonders berührt mich ihre Scham für die Erkrankung. Ich kenne diese Scham ebenfalls von meiner Mutter, die sich auch für ihre Erkrankung (Hirntumor) geschämt hat. Somit kann ich auch sehr gut nachempfinden, wie es dir als Tochter gegangen sein muss. Sowas zu erleben macht so unfassbar traurig.

Meine Eltern sind typische “Kriegskinder” und haben mir ein sehr bedrohungsfokussiertes Denken vorgelebt. Jedes Hindernis wurde schnell zu einem Drama und stets nur die negativen Aspekte gesehen. So als hätten meine Eltern in Krisen zusätzlich noch eine schwarze Brille aufgesetzt. So wurde das Doofe dummerweise immer doofer.

Das hat mich sehr geprägt und unfassbar belastet – doch zum Glück eine Art Gegenbewegung bei mir ausgelöst. Denn ich weiß ja aus eigener Erfahrung, wie lähmend und deprimierend ein bedrohungsfokussiertes Denken auch für das Umfeld ist. So wollte ich nie werden! Sowas wollte ich nie auslösen!

Ich setze mir zwar auch keine rosarote Brille auf – das wäre angesichts meiner Erkrankung auch nicht stimmig – aber zumindest eine gelbe. Die lässt alles in viel freundlicher erscheinen und hilft mir dabei, Lösungen und Chancen zu erkennen. Probleme und Stolpersteine werden von der Brille zumindest für eine Weile herausgefiltert.

Damit warst und bist du auf jeden Fall sehr erfolgreich und inspirierend! Was für ein Gefühl hast du selbst denn nach der Veröffentlichung (bislang gibt es den Comic ja nur online)? Gibt es Pläne für eine Veröffentlichung des Comics in Buchform?

Ich habe jetzt nach der Veröffentlichung das Gefühl, endlich noch freier zu sein. Freier von alten Denkmustern “Sowas macht man nicht, das ist peinlich!”, “Das geht niemanden was an!” oder “Wer bitte schön will denn schon freiwillig etwas was über deine grauslige Erkrankung lesen?”.

Die Rückmeldungen waren bisher alle total positiv und wohltuend. Der Comic wird täglich mehrmals heruntergeladen. Was mein Herz besonders hüpfen lässt: nicht nur Erkrankte oder Zugehörige lesen den Comic oder den Ratgeber. Sondern auch Gesunde!

Sich freiwillig mit einer solchen Erkrankung zu beschäftigen erfordert aus meiner Sicht viel Mut und Neugier, denn man könnte seine Lesezeit schließlich auch mit lustigeren Büchern verbringen. Wenn dann so schöne Rückmeldungen kommen, freut mich das immer wieder besonders.

Oh ich kann dir versichern, dass es kein Stück peinlich ist … Aber es wäre doch auch ein tolles Buch, gerade wegen der Comics. Online lassen die sich nicht so richtig gut lesen. Gibt es etwas, was gegen eine Veröffentlichung als Buch spricht?

Sehr gerne würde ich das Buch auch gedruckt anbieten. Daher habe ich das Buch auch gleich vom Layout so gestalten lassen, dass es prinzipiell sofort gedruckt werden könnte.

Gegen eine Veröffentlichung als Buch spricht momentan, dass ich keinen Kopf habe, mir einen Verlag zu suchen oder es im Selbstverlag herauszubringen. Auch weiß ich derzeit nicht, welche weiteren Kosten damit für mich verbunden wären.

Hätte mein kleines Team aus Designern, Lektor, technischem Support, PR mir nicht zu einem Großteil deren Dienstleistungen (Layout, Covergestaltung, Lektorat) geschenkt, hätte ich das Projekt finanziell gar nicht umsetzen können. Doch wenn mein Buch nicht nur inhaltlich sondern auch grafisch überzeugen soll, will ich einfach Profis an meiner Seite. Die LeserInnen sollen ja was für ihr Geld bekommen.

Und mit der der Qualität von Books on Demand bin ich überhaupt nicht zufrieden. Alle Bücher, die ich mir selber via BOD bestellt habe, wellen sich unmittelbar nach dem Auspacken und sehen dadurch schnell krumm und schief aus. Meistens wird beim Papier oder dem Karton nicht die Laufrichtung beachtet oder bei der Oberflächenveredelung des Kartons geschlampt. Das gefällt mir einfach nicht. Und die Bücher haben ja trotzdem ihren Preis – da soll wenigstens die Qualität stimmen.

Noch dazu: ein Buch in einem Verlag herauszubringen dauert im Durchschnitt 1,5 bis 2 Jahre bis zur Veröffentlichung. Die Zeit habe ich nicht. Ich will JETZT etwas bewegen!

Ja, da hast du natürlich recht. Aber du hast dafür entschieden, ihn online einfach so oder gegen Spende zum Download anzubieten, weil …?

… ich mich so über die Rückmeldungen freue!

Wenn mir die LeserInnen zurückmelden, dass sie sich an manchen Stellen “schibbelig” gelacht haben, bin ich happy. Manche sagen, sie mussten auch zwischendrin weinen, wobei ich noch nie nachgefragt habe, an welchen Stellen eigentlich.

Gleichwohl lasse ich die Leser nie allein mit ihrem Kummer. Entweder sie dürfen auf der übernächsten Seite schon wieder erleichtert aufatmen oder ich nehme sie bei den gruseligen Passagen wohlmeinend an die Hand. Mein Mann hat den Comic schon mehrfach gelesen, obwohl er all das miterlebt hat und nicht wirklich Lust auf „Flashbacks“ hat. Doch der Comic ist halt so gestaltet, dass selbst ich mich traue, da immer wieder reinzuspicken.

Kurzum: Mit dem Comic kann ich anderen Mut machen und kläre nebenbei über die Erkrankung auf. Noch dazu – für mich mit das Wichtigste – kann ich mit meinen Bildern und Geschichten Menschen zum Lachen zu bringen und so die Krankheit ihres Stigmas berauben. Das ist ein bisschen so, wie bei einer deftigen Tragikomödie. Ein bisschen Drama gehört schon dazu.

Krebs wird dadurch zwar nicht sexy, aber so gruselig wie er mal war, ist er zum Glück schon lange nicht mehr. Und mit einer Portion Ulk lässt sich auch der größte Mist besser ertragen, siehe Trump. Satiriker leben davon!

Das stimmt. Für mich war die überraschendste Erkenntnis in allem, was du schreibst, dass Gesundheit vollkommen relativ ist, also, dass auch, wenn eine vollständige Heilung (bzw. das, was im Allgemeinen darunter verstanden wird) nicht geschieht, das Leben trotzdem gut sein kann. In diesem Zusammenhang fände ich es natürlich spannend zu erfahren, was für dich ein erfülltes Leben ausmacht …?

Ja, das ist ein Aspekt, der auch mir erst jetzt so richtig bewusst geworden ist. Man denkt im ersten Augenblick, alle chronisch Kranken müssten permanent unglücklich sein, was ja totaler Quatsch ist. Ich habe so lebensfrohe Vorbilder, die täglich von Morbus Chron, MS oder ALS gepiesackt werden, die vor allem auch Gesunde mit ihrem Lebensmut anstecken. Das ist doch faszinierend!

Was mein jetziges Leben schön macht sind vermeintlich einfache Dinge:

  • Appetit haben und das essen und trinken können, was ich möchte.
  • Morgens ausschlafen können und zwei Stunden Zeit zum wach werden haben.
  • Vormittags nach Möglichkeit keine anstrengenden Termine wahrnehmen müssen.
  • Lustiges Zeug schreiben und kleine Wesen zeichnen.
  • Die Natur in Mecklenburg oder Dänemark genießen.
  • Spannende und schön geschriebene Romane lesen.
  • Abends Serien auf Netflix inhalieren.
  • Mich mit Wärmflasche, Hunden und Mann in eine flauschige Decke mummeln.
  • Nachts gut zu schlafen und bunt zu träumen.
  • Lachen!
  • Ich liebe es, neue Menschen kennenzulernen – selbst wenn es “nur” virtuell ist. Und Menschen zu helfen, denen es gerade nicht so gut geht.Und nicht zu vergessen:
    All die warmherzigen und lustigen Menschen um mich herum, vor allem mein Mann und meine fröhlichen Hundedamen. Das alles erfüllt mich und geht auch mit chronischer Schnieptröte! Und coachen kann ich damit sogar auch noch.

Sabine, glaubst du eigentlich an eine höhere Kraft?

Nicht so, dass ich sie gut in Worte fassen könnte.

Ich zucke beim Wort “Spiritualität” zusammen, bin weder religiös verzückt noch esoterisch angehaucht. Das macht es für mich nicht gerade einfacher, mir da ein eigenes Bild zu machen.

Meine Erkrankung bringt mit sich, dass ich wohl leider nicht in die Fußstapfen von Johannes Heesters trete. Daher bin ich gerade dabei, mir etwas für „das Danach“ zu erarbeiten. Das mache ich zusammen mit meiner Lebens- und Sterbeamme Claudia Cardinal. Sie hilft mir dabei, immer wieder ans Leben anzudocken, und mich parallel dazu auf “die andere Seite” vorzubereiten.

Derzeit habe ich die Hausaufgabe, das Wünschen zu üben. Ich schreibe mir dazu z. B. eine Zeitlang abends Wünsche in ein Notizbüchlein. Dazu gehören z. B. solche wie “Ich habe Appetit und freue mich auf das, was ich esse.”, “Ich bekomme bis Jahresende 20 schöne Rezensionen auf Amazon” oder “Ich bin geheilt”.

Und da bereits diese Übung so schöne erste Früchte trägt, fange ich an, eine eventuelle “höhere Kraft” in Erwägung zu ziehen. Und diese immer wieder herauszufordern und zu testen. So werde ich immer mutiger und erlebe sehr wundersame Dinge.

Mal gucken, was ich noch so ergibt.

“Lebens- und Sterbeamme” klingt toll. Das hat mir schon in deinem Buch sehr gut gefallen. Und sich “aktiv auf die andere Seite vorbereiten” klingt unglaublich stark. Ich finde, so etwas könnten wir alle gebrauchen, egal, wie nah oder fern dieser Augenblick ist …

 Sabine, gibt es irgendetwas, was du gerne noch sagen möchtest?

Neulich sagte meine liebste und langjährigste Freundin zu mir: “Seitdem du Krebs hast, wirkst du viel lebensfroher.” An diesem Satz kaue ich immer noch herum – im positiven Sinne. Das bringt mich zu dem Schlusssatz:

Liebe Leute,
bitte wartet nicht erst auf eine doofe Diagnose, um wertzuschätzen, was es alles an schönen Dingen und Momenten in eurem Leben gibt. Und holt euch unbedingt professionelle Hilfe, wenn euch die wirklich existenziellen Themen des Lebens um die Ohren fliegen. Ihr tut es für euch – und für die Lieben die euch lieben. Es ist schlimm für euer Umfeld, wenn ihr euch nicht helfen lasst, um wieder selbstwirksam zu werden. Verharrt nicht in der Opferhaltung!

„Glück ist auch eine Überwindungsprämie.“ (Jens Corssen, Psychologe)

Das ist ein schönes Schlusswort! Vielen Dank Sabine für deine Geduld (mir scheint, ich habe dich ganz schön gelöchert …)

Sehr gerne. Ich fühle mich überhaupt nicht gelöchert. Dank deiner spannenden Fragen fühle ich mich schon wieder herrlich geklärt. Ich danke dir für dein ehrliches Interesse.

Warum Stress dick macht

Warum Stress dick macht

Stress ist ein echter Dickmacher. Als hochsensibler Mensch ist man meistens ganz besonderen Stressbelastungen ausgesetzt. Dies liegt einfach in der Natur der erhöhten Reizempfindlichkeit. Schlimm wird es dann, wenn sich die Stressspirale immer weiter nach oben schraubt – und parallel dazu das Gewicht nach oben geht…

Wenn Du unter Übergewicht leidest, hast du vielleicht schon selbst versucht, den allseits verbreiteten munteren Ratschlägen wie „Iss doch einfach weniger und bewege dich mehr!“ zu folgen und sind daran gescheitert; haben sich vielleicht hinterher schuldig gefühlt, als Versagerin. Kurz: hinterher ging es Ihnen noch schlechter und vor lauter Stress haben Sie vielleicht sogar noch zugenommen?

Lassen Sie mich eines sagen: mit diesem Ansatz werden Sie sich selbst und Ihrem Körper nicht gerecht. Ihr Körper ist keine Maschine, die von Ihrer Psyche getrennt seine Arbeit verrichtet, sondern vielmehr sehr eng mit dieser verbunden.

Auch wenn wir es im Allgemeinen nicht zur Kenntnis nehmen:

unsere Emotionen lösen im Körper immer Reaktionen aus. Manchmal sind die Reaktionen so stark, dass wir gar nicht umhin können, sie wahrzunehmen: z. B. wenn wir verliebt sind, kann unser Herz stark klopfen, wenn wir bloß an ihn oder sie denken, wir bekommen weiche Beine bei der Vorstellung etwas zu tun, was völlig über unseren gewohnten Handlungsrahmen hinausgeht, z. B. jemand fremden anzusprechen …

Die vielen kleinen Reaktionen, mit denen unser Körper auf das reagiert, was wir erleben, nehmen wir meist weniger wahr, z. B., wenn wir den Kopf einziehen oder uns verspannen, wenn wir uns kritisiert fühlen.

Mit Emotionen reagieren wir also auf das, was um uns herum geschieht. Dies hat auch eine evolutionäre Komponente, letzten Endes sorgen unsere Emotionen für unser Überleben. Sie wissen schon, der Säbelzahntiger, dem wir in der Vergangenheit vielleicht einmal gegenübergestanden haben.

Unser ganzer Körper schaltet in Millisekunden in unser uraltes Notfallprogramm: Herzfrequenz und Atmung beschleunigen sich, der Blutdruck steigt, alle anderen Körperprozesse, für die Energie benötigt wird, kommen zum Erliegen. Denn die Energie wird ausschließlich für die potentielle Bedrohung gebraucht.

Woher kommt eigentlich die dafür notwendige Energie?

Der Körper nimmt u. a. über die Nahrung  die Makronährstoffe Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette auf, die er dann in einzelne Bestandteile zerlegt. Diese können dann vom Organismus in noch einfachere Bestandteile zerlegt werden (Katabolismus) um dann für den Aufbau von Speicherstoffen verwendet zu werden (Anabolismus).

Adenosintriphosphat (ATP), das schon im Artikel HPU erwähnt wurde, funktioniert als Akku einer Zelle und hat die Aufgabe, Energie zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben. Die Speicher haben allerdings nur geringe Kapazitäten. Neue Energie muss permanent neu hergestellt werden.

Der Körper nutzt hauptsächlich Kohlenhydrate zur Energiegewinnung. Kohlenhydrate bestehen aus Zuckermolekülen, die je nach Aufbau (Einfach,  Zweifach- und Vielfachzucker) schnell oder über einen längeren Zeitraum verstoffwechselt werden. Im Körper stehen dazu verschiedene Energieträger zur Verfügung, nämlich ATP, Kreatinphosphat, Glykogen und Fette. Die aus diesen Trägern gewonnene Energie steht dem Körper aber nur in jeweils begrenzten Zeiträumen zur Verfügung, die von ein paar Sekunden (Kreatinphosphat), über ein paar Minuten (Abbau von Glukose/Glykogen) und länger (Kohlenhydrate und Fette) reichen können.

Denn neben Glukose sind auch Fette (Lipide) und ihre Abbauprodukte wichtige Energielieferanten. Sie enthalten sogar doppelt soviel Energie (9,3 kcal/g) wie Kohlenhydrate (4,1 kcal/g). Allerdings lassen sich Fettsäuren schwieriger freisetzen als Kohlenhydrate. Um Fette zu spalten werden Galle und Pankreassaft benötigt, die erst später im Verdauungskanal im Duodenum zufließen, wenn die Nahrung sich schon eine Weile im Körper befindet.

Wichtig ist sich dabei vor Augen zu halten, dass es rein biologisch gesehen keinen Unterschied macht, ob es sich um körperliche oder emotionale Belastungen handelt. Denn alles, was über die Aufrechterhaltung des Grundumsatzes von ATP hinausgeht (egal, ob es sich um emotionale Belastungen oder körperliche Anstrengungen handelt) wird nur möglich gemacht durch eine Erhöhung des Energiestoffwechsels.

Zurück zum Stress: Wenn die Belastungen sich nicht reduzieren, und der Stress chronisch wird, führt dies langfristig zu einer Entgleisung des Stoffwechsels. Es wird viel Energie verbraucht, also muss schnelle Energie her. Dafür sollen Kohlenhydrate sorgen. Heißhungerattacken nehmen zu. Der Fettabbau wird eingestellt.

Übrigens haben Wissenschaftler der Ohio State University aufgezeigt, dass Versuchspersonen im Stresszustand weniger Kalorien verbrennen als nichtgestresste.

Auch Cortisol wirkt auf den Stoffwechsel

Das Hormon Cortisol ist an vielen Vorgängen im Körper beteiligt. Es beeinflusst den Blutzucker, Fettstoffwechsel, es wirkt entzündungshemmend und es verzögert die Wasserausscheidung. Eigentlich ist Cortisol ein Anti-Stress-Hormon, das bei Stress ausgeschüttet wird, um dem Körper zu helfen, besser mit der Belastung fertigzuwerden. Aber wenn der Stress chronisch wird, und der Cortisolspiegel permanent zu hoch ist, kann dies langfristig zu einer Nebennierenschwäche führen. Ein erhöhter Cortisolspiegel kann uns dazu verleiten, falsche Strategien zu wählen, z. B., indem wir uns dann für Fast Food entscheiden, anstatt für eine wohltuende warme Suppe.

Die Situation hat natürlich auch

eine emotionale Komponente.

Oft haben wir uns angewöhnt, uns mit Essen zu trösten (ich selbst kann mich davon leider auch nicht frei sprechen). Wir versuchen dann, das, was wir im Außen nicht bekommen können, uns durch das Essen selbst zu geben – selbst, wenn das Ergebnis nur so lange anhält, wie die Nahrungsaufnahme dauert. Oft bekommen wir dann aber nicht mal das, weil uns der Trost durch das schlechte Gewissen vergällt wird.

Manchmal versuchen wir auch, Gefühle (gleich welcher Art) mit Essen wegzumachen, indem wir Dinge in uns hineinstopfen – damit machen wir uns sozusagen selbst mundtot. Manchmal ist uns dies bewusst. Häufig aber auch nicht. Gefühle wahrzunehmen und sie auszuhalten kann sich beängstigend anfühlen.

Was kann man dagegen unternehmen?

Sie können z. B. klopfen. Mit der Klopfakupressur haben Sie in einer solchen Situation viele verschiedene Hebel, an denen Sie ansetzen können: Sie können nicht nur die Belastungen und hinderliche Glaubenssätze auflösen, sondern auch wieder einen Zugang zu Ihren Gefühlen finden. Denn Gefühle kann man erst loslassen, wenn man bereit ist sie wahrzunehmen.

Das kuriose daran ist, dass Gefühle häufig gar nicht so schlimm sind wie unsere Angst vor ihnen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung … Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig es gerade für uns hochsensible Menschen ist, uns auszudrücken, uns mitzuteilen und zu lernen, dass wir gut sind, so wie wir sind und uns anderen Menschen auch mit unseren negativen Gefühlen zumuten dürfen. (Denken Sie immer daran, dass die das auch tun – ohne Sie vorher zu fragen).

Probieren Sie die Klopfakupressur einfach einmal aus. Hier ist ein Mitklopfclip, den Sie an Ort und Stelle ausprobieren können.

Haben Sie selbst schon einen Zusammenhang hergestellt zwischen Ihrer Hochsensibilität und Ihrem Gewicht? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

Krebs ist wenn man trotzdem lacht – eine Rezension

Krebs ist wenn man trotzdem lacht – eine Rezension

Ich muss zugeben, als ich das erste Mal das Buch der Autorin Sabine Dinkel „Krebs ist, wenn man trotzdem lacht“, in den Händen hielt, bin ich innerlich ein bisschen zurückgezuckt vor dem Titel, der mir ganz plötzlich etwas anstößig erschien. Ich las weiter „Wie ich von heute auf morgen Krebs hatte und wieder zu neuem Lebensmut fand“ und riss ich mich zusammen (schließlich wollte ich dieses Buch unbedingt rezensieren. Beherzt schlug ich die erste Seite auf und begann zu lesen.

Schon im ersten Kapitel begann ich zu kichern.  Sabine Dinkel hat einfach einen ganz unnachahmlichen Schreibstil, unglaublich komisch, ein bisschen schnoddrig, ehrlich, selbstironisch und voller Humor. Bei alledem ist „Krebs ist, wenn man trotzdem lacht“ eigentlich

ein unglaublich informativer Ratgeber,

den man gerne allen Menschen mit doofen Krankheiten in die Hand drücken möchte, weil er eine sehr aufrührerische und mitreißende Energie hat. Und das alles, ohne die LeserInnen mit Samthandschuhen anzufassen. Nein, Sabine Dinkel hat eine andere Taktik: neue Begriffe müssen her: der Krebs wird zur Schnieptröte, die Krebs-Diagnose zur Doof-Diagnose, Metastasen zu Doofmanns-Gehilfen, die Chemo zur Schorle grün-weiß …

Die Autorin wurde eines Tages selbst ganz überraschend mit der Diagnose Eierstock-Krebs konfrontiert. Die vorhandene Literatur fand sie viel zu runterziehend, ungeeignet für die in dieser Zeit so ungemein wichtige moralische Unterstützung. Also schrieb sie selbst nach einer Zeit der Eingewöhnung auf „Planet Schnieptröte“ das Buch, das sie zum Zeitpunkt der Diagnose gerne gehabt hätte.

Inhaltlich ist das Buch wunderbar organisiert

Zum einen geht es sehr viel um Organisatorisches und auch wenn das ein wenig drüsch klingt, fand ich einiges davon geradezu revolutionär: zum Beispiel, dass man sich ein richtiges Helferteam zusammenstellt, das nur zum Teil aus medizinischem Fachpersonal besteht. Dazu gehören z. B. auch Freunde, Verwandte und Bekannte, die z. T. auch bestimmte Aufgaben übernehmen können wie sich um Haustiere kümmern, Blumen gießen usw.

Oder dass man sich die Zeit nimmt, Fachmediziner zu suchen, mit denen man sich wohl fühlt, ebenso wie Psychoonkologen (den Begriff hatte ich noch nie zuvor gehört). Oder wie man seine Unterlagen sortiert, mit medizinischem Fachpersonal umgeht usw.

Letzten Endes geht es darum, dass man diese organisatorischen Fragen bewusst im Sinne des eigenen Wohls regelt, anstatt sich einfach nur irgendwie durchzuwurschteln und sich mit den Gegebenheiten abzufinden.

Das allerwichtigste ist aber:

Wie gehe ich mit mir selbst um?

Wie begegne ich dem Krankheitsstress, was kann ich tun, um trotzdem den Kopf oben zu halten, mich selbst nicht aufzugeben, wie und wohin kann ich meine Gedanken steuern (denn das geht!), was kann ich für mich tun, wenn unangenehme Dinge anstehen, vor denen ich mich vielleicht fürchte, wie Behandlungen, Operationen, Gespräche usw. Was ist, wenn Metastasen auftreten? Wie kann ich souverän bleiben oder meine Souveränität zurückbekommen?

„Lachen kann einem die schlechte Laune verderben“

Alleine, wenn ich diesen Spruch angucke, muss ich kichern. Humor ist für die Autorin ein Schutzfaktor erster Klasse und Humor zieht sich durch das Buch von der ersten bis zur letzten Zeile. Ich bin sicher, ich habe noch nie einen so lustigen Ratgeber gelesen. Und das liegt nicht daran, dass ich keine primär Betroffene bin, denn ich komme im Freundes- und Bekanntenkreis immer häufiger mit Krebs in Berührung.

Apropos Freundes- und Bekanntenkreis: Auch für Angehörige, Familie und Freunde gibt es ein Kapitel, das ich extrem hilfreich fand. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es sein kann damit umzugehen, Angst zu haben, etwas Falsches zu sagen, nicht genug Unterstützung zu bieten usw.

Beim Humboldt Verlag gibt es übrigens wunderbares Promomaterial, das Sie bestellen und weiterverteilen können , z. B. das Krebs Bullshit Bingo auf dem blöde Sprüche stehen wie „Man sieht es dir gar nicht an“ oder „Ach, das haben ja heutzutage so viele“, „Krebs ist doch auch eine Chance!“ usw.

Das Buch ist äußerst zielgruppenfreundlich gestaltet

Da das „Chemobrain“ einem schon mal das Gehirn vernebeln kann, so dass nicht sehr viel Konzentration vorhanden ist, ist der Text in sehr viele kleine Häppchen unterteilt, mit Sprüchen von MitpatientInnen und anderen Autorinnen garniert, so das das Buch wirklich sehr einfach zu lesen ist. An der Aufmachung des Buches ist mir auch das ausgewählte Papier ganz besonders aufgefallen, es ist schwer und glatt und schön anzufassen.

Alles in allem habe ich bei der Lektüre allerhand gelernt. Zwar weiß ich aus eigener Erfahrung, dass körperliche Gesundheit ein relativer Zustand ist, habe aber beim Lesen dieses Buches gemerkt, dass ich noch korrekturwürdige Überzeugungen habe, was Krebserkrankungen angeht. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Lesen Sie das Buch am besten selbst und /oder verschenken Sie es großzügig.

Von Sabine Dinkel werden Sie auf diesem Blog sicherlich noch mehr hören. Ein Interview mit der hochsensiblen Autorin ist in Arbeit 😉

Übrigens hat Frau Dinkel ihre Erfahrungen mit der Krebserkrankung auch in einem Comic verarbeitet, den Sie im Internet herunterladen können. Hier geht es zu Meine Arschbombe in die Untiefen des Lebens.

Hier geht es zum Blog von Frau Dinkel – und weil sie sehr aktiv ist in den sozialen Netzwerken, können Sie ihr gerne folgen unter den folgenden Links:

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P.S. Meine Vorbehalte wegen des Titels haben sich übrigens im Null Komma nichts aufgelöst. Wenn Sie das Buch lesen, werden Sie verstehen, warum.

 

Bild: Ruth Frobeen

Sabine Dinkel
Krebs ist, wenn man trotzdem lacht*
Wie ich von heute auf morgen Krebs hatte und wieder zu neuem Lebensmut fand
humboldt Verlag, ISBN 978-3-86910-412-6
19,99 EUR

Promomaterial bestellen bei:
PR & Werbung humboldt
may@schluetersche.de

 

Elektrosensible spüren etwas, was alle Menschen betrifft

Elektrosensible spüren etwas, was alle Menschen betrifft

Immer öfter wird in den Medien vor einem Übermaß an „digitalem Konsum“ gewarnt. Was ich in diesem Gespräch erfahren habe, fand ich ziemlich erschreckend, zumal ich vergangenes Wochenende einen regelrechten Ekel vor meinem Handy entwickelte, nachdem ich längere Zeit damit gefilmt hatte. Meine Gesprächspartnerin Karin Chlupaty hat schon in den Anfängen des Mobilfunknetzes herausgefunden, dass sie elektrosensibel ist und sich zur Aktivistin entwickelt.

Karin, du bist als Aktivistin in Sachen “Elektrosensibilität” unterwegs. Was versteht man unter diesem Begriff?

Bei Wikipedia werden Menschen als elektrosensibel bezeichnet, die angeben, elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder (EMF) wahrnehmen zu können. Solche Felder werden von elektrotechnischen Anlagen erzeugt und sollen den sog. Elektrosmog verursachen. Quellen der primär technisch genutzten EMF sind zumeist Mobilfunk, Rundfunksender, Radargeräte, DECT-Telefone, WLAN, Mikrowellenherde oder Bluetooth.

Was bedeutet das nun für mich?

Wenn ich mich in Räumen aufhalte, in denen Wlan eingeschaltet ist, entwickelt sich für mich ein zunehmender Schmerz in den Nerven. Angefangen von Schwindel, Übelkeit, das Gefühl betrunken zu sein bis hin zu Versagen einzelner Muskelgruppen. Weiterhin entwickle ich nach ca. von zwei Stunden ein instinktives Fluchtverhalten mit starken Stresssymptomen (schwitzen, Herzrasen, beschleunigte Atmung, Flucht). Ist Wlan vorhanden kann ich so gut wie gar nicht schlafen. Hierzu muss man wissen, dass Wlan z. T. auf der gleichen Frequenz arbeitet, wie die Frequenzen im Gehirn.

Bei Mobilfunk habe ich ähnliche körperliche Probleme, die nicht ganz so stark ausgeprägt sind. Hinzu kommt noch ein “Tinnitus”. Je nach Nähe zu einem Funkmast sind die Ohrgeräusche stärker oder schwächer. Aber auch bei Stromleitungen, die nicht geschützt sind, entwickeln sich Ohrgeräusche.

Beim Umgang mit einem Smartphone spüre ich ein Kribbeln in den Fingern und Händen.

Elektrosensibilität könnte man auch als “Allergie” gegen elektromagnetische Felder und Funk bezeichnen.

Wie bist du denn darauf gekommen, dass du elektrosensibel bist? Ich könnte mir vorstellen, dass es gar nicht so einfach ist, das herauszufinden?

Das habe ich schon recht früh gemerkt. So in den neunzigern, als das Mobilfunknetz noch ganz am Anfang stand. Damals musste man/frau sich noch an einigen Stellen aus dem Fenster lehnen, um überhaupt ein wenig Empfang zu haben. Ich konnte immer spüren, wenn ich in die Nähe eines Mastes kam. Und ich konnte so ganz gut den Unterschied zwischen “Mast in der Nähe” und “kein Mast weit und breit” spüren. Je mehr das Netz ausgebaut wurde, desto schwieriger ist es, einen Unterschied wahrzunehmen. Mittlerweile haben wir ja einige Funkfrequenzen und ein “gut ausgebautes” Mobilfunknetz. Das heißt, ich spüre ständig die Auswirkungen auf meinen Körper. Auch bei Wlan ist es ähnlich. Anfangs hatte noch jeder Router einen Knopf zum einschalten (!) von Wlan. Heutzutage gibt es meistens nicht mal mehr einen Knopf zum Ausschalten. Und wenn doch, ist dies noch lange keine Sicherheit, dass z.B. Telekom nicht das Wlan ToGo freigeschaltet hat. Die Ausschaltung von Wlan ToGo muss man dann bei der Telekom beantragen. Im Büro haben wir kein Wlan und zu Hause auch nicht.

Eine meiner beiden Töchter hat mich vor ca. Sechs Jahren ausgetestet. Ich bin einkaufen gegangen und sie hat bei mir zu Hause das Wlan eingeschaltet. Sie war schon sehr erstaunt, als ich reinkam und sie als erstes auf das eingestellte Wlan angesprochen habe.

Ich stelle mir vor, dass es immer schwieriger wird, WLan-freie Zonen zu finden, vor kurzem hatten z. B. die Supermärkte in meiner Umgebung die Ankündigung, dass es nun auch im Supermarkt Wlan gibt … ?

Ja, da hast du recht. Nicht nur in den Supermärkten, Museen, bei Ärzten und auch in Zügen gibt es immer häufiger Wlan. Und das obwohl z. B. auch das Bundesamt für Strahlenschutz folgende Empfehlung gibt:

Elektrosensibilität kann auch hochsensible Menschen treffenEmpfehlungen und Vorsorge

1.) Vom Hersteller angegebene Mindestabstände (WLAN, Bluetooth Klasse 1) beachten.

2.) Der Trend zu portablen und mobilen Funkanwendungen führt insgesamt zu einer vermehrten Belastung gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt generell, die persönliche Strahlenbelastung zu minimieren, um mögliche, aber bisher nicht erkannte gesundheitliche Risiken gering zu halten. Einfache Maßnahmen sind hierfür:

  • Kabelverbindungen bevorzugen, wenn auf Drahtlostechnik verzichtet werden kann.
  • Die Aufstellung von zentralen WLAN-Zugangspunkten in unmittelbarer Nähe der Orte vermeiden, an denen sich Personen ständig aufhalten, zum Beispiel am Arbeitsplatz.
  • Falls vorhanden, die Reichenweitenbegrenzung einstellen, um die maximale Strahlungsleistung zu reduzieren.

Weitere Informationen zu Vorsorgemaßnahmen finden Sie auch unter www.bfs.de/elektro

Im elektrosensiblen Ghetto leben?

Das findet nur nirgendwo Beachtung. Mir ist es zum Glück noch möglich, mich bis zu zwei Stunden in Räumen mit Wlan aufzuhalten. Sonst könnte ich nicht mehr zum Zahnarzt oder ins Museum gehen. Aber ich kenne auch Menschen, die auch das nicht mehr können. Deren Leben ist noch weitaus mehr eingeschränkt, als meines. In der Rhön hat sich ein Verein gegründet, der ein Haus gefunden hat, das Strahlungsarm ist. Hier gibt es eine sogenannte “Weiße Zone”. Das bedeutet für mich, dass ich bei Bedarf dort Urlaub machen könnte und mich von den Funkstrahlen in Bonn erholen könnte. Denkt man die Idee aber weiter, ist es ein vorstellbares Szenario, dass elektrosensible Menschen in einer Art Ghetto leben werden. Das finde ich gruselig.

Oh, so weit habe ich noch gar nicht gedacht. Das ist wirklich gruselig. Ich selbst bin nicht so wirklich technikaffin, eine Sache, die mir nicht wirklich klar ist, ob man die ganze neue Handytechnik, Tablets usw. Gar nicht nutzen kann im Grunde, wenn man elektrosensibel ist. Oder gibt es Alternativen?

Alternativen können kabelgebundene Computer (Lan-Kabel) und Telefone sein. Aber auch hier kenne ich Menschen, die sich gar nicht erst an einen Computer setzen können. Dann gibt es immer häufiger Techniken, die einen vor der ganzen Strahlung schützen sollen (Sticker aufs Handy kleben, irgendwelche Kästchen aufstellen und so weiter z. B. https://www.i-like.net/de/ ). Ich bin mir nicht sicher, was hiervon einfach nur Scharlatanerie ist und was wirklich hilft, da es unterschiedliche Erfahrungen gibt und unterschiedliche Empfindungen. Aber insgesamt hat sich die Technik schon weiterentwickelt. Irgendwann werden Alternativen auf den Markt kommen (z. B. die Visible Light Communication (https://www.fraunhofer.de/de/forschung/forschungsfelder/kommunikation-wissen/kommunikationssysteme-breitbandkommunikation/visible-light-communication.html). Wenn aber dann die ganzen elektrisch betriebenen Autos unterwegs sind, die selber fahren können – was nur mit Hilfe von Funk möglich ist – weiß ich nicht, wie sich die elektrosensiblen Menschen verhalten können/sollen.

Zum Verständnis:

Elektrosensible Menschen spüren etwas, was alle Menschen betrifft.

Nur, weil ich nichts spüre, wenn ich stundenlang mit dem Handy am Ohr telefoniere oder ständig im Wlan-Bereich sitze, arbeite oder ähnliches, heißt das nicht, dass die gesundheitlichen Wirkungen ausbleiben. Es gibt unzählige Studien, die belegen, dass Funkstrahlung Krebs hervorrufen … können. Ameisen z. B. telefonieren in der Regel ja nicht, aber unter Einfluss von Mobilfunk versagt ihr Nervensystem (https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=1157).

Ich könnte hier noch stundenlang gruselige Ergebnisse aufzählen, denke aber, dass das nicht der Sinn dieser Seite ist. Wenn ich  mich verlaufe in meinen Erzählungen, gib mir Bescheid.

Karin, ich kenne das selbst. Ich hatte einmal eine Zeit, da lebte ich in einem 1Zimmer-Appartment, wo ich mich extrem unwohl fühlte mit der Fritzbox im gleichen Zimmer, da habe ich sie in den Flurschrank verbannt, in einem Pappkarton, dann ging es. Danach hat sich das aber irgendwie gelegt.

Eine Frage noch: wie unterscheiden sich D-Lan und W-Lan?

Wlan funkt in einem vorher festlegbaren Umkreis. Dieser ist in der Regel voreingestellt und beträgt ca. 300 Meter (was absolut unnötig ist). Man kann den Umkreis reduzieren. So ganz genau kenne ich mich da nicht aus, aber ich glaub eine Reduzierung auf 30 Metern ist möglich. Dlan funkt über die Stromleitungen. Da kann es z. B. passieren, dass ich in einem Wohnblock lebe, der sagen wir drei Eingänge hat mit je 8 Mietparteien. Je nach Baujahr und Qualität von diesem Wohnblock kann es sein, dass alle Mieter über das Stromnetz die Funkstrahlung von meinem Dlan abbekommen. Die meisten denken, dass sie mit Dlan auf der sicheren Seite sind. Das ist leider ein Trugschluss.

Weder Dlan noch Wlan sind gesund. Siehe hierzu auch Artikel bei www.diagnose-funk.de oder www.buergerwelle.de. Technische Details kann ich keine weitergeben.

Jetzt bist du über all dem ja irgendwie zur Aktivistin in Sachen Elektrosensibilität geworden, welche Möglichkeiten gibt es für andere Menschen hier aktiv zu werden?

Es gibt da mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann man über eine Anzeige versuchen gleichgesinnte Menschen zu finden. So habe ich es gemacht und hierdurch ist eine nette Gruppe entstanden. Allerdings muss ich dazu sagen, dass den meisten Menschen nicht bewusst ist, dass ihre Probleme, sei es körperlicher oder seelischer Natur, durch Elektrosmog kommt. Und diejenigen, die es ahnen, sind häufig sehr belastet und haben wenig Möglichkeit, aktiv zu werden. Ich höre immer wieder von Betroffenen, dass die Menschen als depressiv oder gestört hingestellt werden. Es gehört Mut dazu, öffentlich dazu zu stehen, dass man elektrosensitiv ist und dann auch noch zu handeln.

Man kann bei vielen Vereinen Mitglied werden (Diagnose-Funk, Buergerwelle, Weiße Zone Rhön). Wie hier die Mitarbeit aussieht, kann ja jeweils verhandelt werden.

Insgesamt gibt es viel zu wenig Aktivitäten, nicht zuletzt auch, weil hinter dem Mobilfunk eine mächtige Industrie steht. Das Thema ist politisch nicht wenig heikel. Zum Glück gibt es immer häufiger Artikel in Zeitungen, die vor dem “Digitalen Konsum” warnen.

Und wer das Internet dann nutzt, um sich weiter zu informieren, findet die Informationen auch.

Eine letzte Frage habe ich noch: Siehst du für dich einen Zusammenhang zwischen Elektrosensibilität und Hochsensibilität?

Ich denke, dass es da einen Zusammenhang gibt. Vielleicht insofern, als dass Menschen, die hochsensibel sind, eher die Elektrosensibilität spüren und einordnen können. Wir haben einfach mehr Antennen für die Dinge und einen ganz anderen Blick auf das Leben und sehen Zusammenhänge, wo andere nichts von ahnen.

Vielen Dank für das Interview, Karin. Das ist ja hochgradig spannend und ein ganzes Themengebiet, mit dem ich mich noch näher beschäftigen möchte.

Gerne! Vielen Dank auch!

Die 5 Grundbedürfnisse Ihres Körpers

Die 5 Grundbedürfnisse Ihres Körpers

Die Grundbedürfnisse unseres menschlichen Körpers sind nicht anders als die anderer Lebewesen. Allerdings haben wir Menschen im Gegensatz zu diesen jedoch die Tendenz, unsere Bedürfnisse nicht zu achten und auszuleben. Für den Körper bedeutet das Stress. Für hochsensible Menschen, die per se häufig mit dem Körper auf Kriegsfuß stehen, ist es besonders wichtig, auf die Erfüllung dieser Grundbedürfnisse zu achten. Grund genug für mich, mir in diesem Artikel Gedanken über diese fünf Grundbedürfnisse zu machen.

1. Grundbedürfnis: Atmung

Um zu leben zu können, braucht unser Körper Luft. Beim Einatmen nehmen wir Sauerstoff aus der Atemluft auf, der über das Blut in das Gewebe und zu den Zellen transportiert wird und für Stoffwechselprozesse notwendig ist. Dabei entsteht Kohlendioxid, das durch das Blut zur Lunge transportiert und dort abgeatmet wird.

Die Mitochondrien

Vielleicht haben Sie schon einmal von den Mitochondrien gehört. Die 70 bis 100 Billionen Körperzellen des menschlichen Körpers enthalten eine Zellmembran, einen Zellkern und verschiedene sog. Zellorganellen. Darunter versteht man eine kleine, abgeschlossene Funktionseinheit in der Zelle, die eine ganz spezifische Aufgabe hat. Die Aufgabe der Mitochondrien ist es in erster Linie, unsere Lebensenergie zu produzieren (die man auch ATP nennt). Deswegen werden die Mitochrondrien auch „Kraftwerke der Zelle“ genannt. Um wie vorgesehen Energie produzieren zu können, brauchen die Mitochondrien u. a. Sauerstoff, den wir durch die Atmung mit der Luft aufnehmen. Und da wird es schon schwierig, denn sehr, sehr viele Menschen atmen eher flach, in die Brust hinein. Unser Körper lernt, mit wenig auszukommen.

Tiefe Bauchatmung

Zwar kommen wir auch so „über die Runden“, besser ist es jedoch, tief in den Bauch hinein zu atmen. Das Zwerchfell (ein Muskel zwischen Bauch- und Brustraum) zieht sich zusammen, wenn wir tief einatmen, die Lungenflügel können sich weiter nach unten ausdehnen und wir können bis zu 80 % mehr Sauerstoff aufnehmen. Der Körper wird also insgesamt mit sehr viel mehr Sauerstoff versorgt und kann mehr Energie bereitstellen.

Ich hatte in diesem Zusammenhang mal ein etwas denkwürdiges Aha-Erlebnis. Vor einigen Jahren habe ich einen Kurs besucht zum Thema „Auftreten in der Öffentlichkeit“, bei dem es auch um Atmung ging. Ich habe an einem Tag sehr bewusst und tief geatmet und war vollkommen verblüfft, dass ich plötzlich mehr Energie hatte als vorher. Ich atmete offenbar sehr schlecht.  Als ich darüber nachdachte, warum das so war, ist mir eingefallen, dass meine Mutter zu mir als Kind sehr häufig sagte,

ich solle den Mund schließen, weil das nicht schön aussehe,

wenn mein Mund offen sei. Ich habe mir also Mühe gegeben, meinen Mund nun immer zu schließen und ich habe mir gleichzeitig angewöhnt, nur noch flach zu atmen, mich mit dem Atem abzufinden, den ich mit einem geschlossenen Mund erzeugen konnte. Und das mache ich immer noch so, wird mir beim Schreiben dieses Artikels klar … Puh …

Das Atmen an sich hat natürlich auch eine Komponente, die über das rein biologische hinausgeht. Zu atmen, bedeutet auch, das Leben selbst aufzunehmen …

2.  Grundbedürfnis: Wasser und Nahrungsmittelaufnahme

Unser Körper braucht Wasser und Nährstoffe um zu funktionieren. Der menschliche Körper besteht zu 65 % aus Wasser. Ohne ausreichend Wasser funktioniert der menschliche Stoffwechsel nicht richtig. Wasser regelt nicht nur die Herzkreislauffunktion, den Wärmehaushalt und die Verdauung, löst Salze und Mineralstoffe, es dient auch als Transportmittel für Nährstoffe und Abbauprodukte. Ca. 2–3 l Wasser verliert der Körper in etwa im Laufe eines Tages durch schwitzen, atmen und Ausscheidungen – dieser Verlust muss über Nahrung und vor allem über Getränke wieder ausgeglichen werden.Wasser ist unverzichtbar für hochsensible Menschen

Obwohl ich selbst ganz genau weiß, wie es geht, finde ich es immer wieder schwierig, hier auf einem ganz konstanten Level zu bleiben. Eigentlich weiß ich ja, dass abgekochtes, warmes Wasser für meinen Körper absolut paradiesisch ist, schaffe es aber leider immer nur anfallsweise dem zu entsprechen. Da muss ich für mich selbst auch noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Das abgekochte warme Wasser wird z. B. in China verwendet. Wenn Sie es einmal probieren wollen: kochen Sie Wasser ca. 10–20 Minuten, füllen Sie es in eine Thermoskanne und trinken Sie es über den Tag verteilt. Ich finde es ausgesprochen wohlschmeckend (leicht süßlich), umso unverständlicher ist mir mein eigener innerer Widerstand …

Was die Nahrungsmittelaufnahme angeht ist es noch schwieriger. Es hat sich als äußerst kompliziert erwiesen, sich einen Weg zu bahnen durch die vielen Ernährungsstile und Angebote, bei dem einen darf ich dieses essen, was bei einem anderen absolut tabu ist.

Bei gluten- und laktosefrei war ich ja schon angekommen.

Kürzlich habe ich versehentlich bei einem Systemneustart meine umfangreiche Rezeptsammlung aus dem Computer gelöscht. Ich bin geneigt, darin ein Zeichen zu sehen, dass neue Wege gefragt sind. Mich weniger an Ernährungsdogmen zu orientieren, sondern an meiner individuellen Verträglichkeit, die vermutlich auf gluten-, und laktosefrei hinauslaufen wird, fettarm und low carb. Als neue Herausforderung wird noch „zuckerfrei“ hinzukommen. Als hochsensibler Mensch hat man ja sehr häufig mit Unverträglichkeiten usw. zu tun, ich denke, der einzige Weg ist es, diese auch zu beachten, um in irgendeiner Weise voran zu kommen.

Auch hier gilt wieder, dass auch auf einer höheren Ebene wichtig ist, sich anzusehen, was wir uns eigentlich einverleiben und ob uns das wirklich nährt?

3. Grundbedürfnis: Verdauung

Verdauung bezeichnet den Vorgang der Zerkleinerung und Aufspaltung der aufgenommenen Nahrung in ihre Bestandteile, die dann über das Blut zu den Zellen transportiert werden. Diese beginnt bereits im Mund (bzw. sollte im Mund beginnen), durch gründliches Kauen wird die Nahrung zu einem Brei zerkleinert und mit Speichel gemischt, das dabei entstehende Enzym Amylase ist zuständig für die Verdauung der aufgenommenen Kohlenhydrate.

Nächste Station ist der Magen: hier wird der Nahrungsbrei mit Magensäure vermischt, Keime und Bakterien in der Nahrung werden durch die aggressive Magensäure abgetötet. Im Magen wird die Verdauung der Eiweiße eingeleitet, durch Freisetzung bestimmter Enzyme.

Weiter geht es in den Dünndarm. Der erste Abschnitt des Dünndarms wird Zwölffingerdarm genannt, Verdauungssäfte und Enzyme aus der Leber und Bauchspeicheldrüse fließen in den Zwölffingerdarm, wo sie für eine Aufspaltung der Nahrung in kleinste Bestandteile sorgen. Die Nährstoffe werden durch die Wand des Dünndarms in die Blut- und Lymphgefäße transportiert, von wo aus es weiter zur Leber geht.

Übrig bleiben nur noch unverdauliches und Flüssigkeit. Die Flüssigkeit wird im Dickdarm entzogen und der unverdauliche Rest an den Enddarm gegeben und wieder ausgeschieden. Soweit die Theorie.

Leider ist es in der Praxis oft schwierig, viele Organe sind an diesem Vorgang beteiligt.  Außerdem ist das ganze System äußerst störanfällig.

Vor allen Dingen Stress kann dafür sorgen, dass

der Verdauungsvorgang entweder zum Erliegen kommt,

sich beschleunigt oder verlangsamt (je nach Typ). Ich kann wirklich selbst ein Lied davon singen, mit einer mehr als 30 Jahre alten chronischen Gastritis, dem Zwölffingerdarmdurchbruch usw. Alleine das gründliche Kauen fällt mir unendlich schwer (obwohl ich natürlich sehr genau merke, dass es mir gut tut).

Schwierigkeiten mit der Verdauung hat auch wieder eine seelische/emotionale Komponente: Wie gut kann man Neues verdauen? Bei Louise Hays fand ich den Hinweis, dass Verdauungsstörungen mit Furcht und Ängstlichkeit zu tun haben, mit einer Unfähigkeit, Neues freudig aufzunehmen …

4. Grundbedürfnis: Ausscheidung

Ausscheidung bedeutet in der Biologie und Medizin übrigens nicht einfach nur die Abgabe unverdaulicher Nahrungsbestandteile, sondern grundsätzlich den Prozess der Abgabe von Stoffen aus dem Körperinneren an die Körperoberfläche um sie aus dem Körper zu entfernen. Es gibt verschiedene Mechanismen der Ausscheidung, dazu gehören neben der Defäkation auch das Wasserlassen, Erbrechen, ja sogar die Atmung.

Fehler, oder Probleme, die bei den vorherigen Bedürfnissen aufgetreten sind, treten hier noch einmal zu tage, zum Beispiel, wenn man falsche Dinge isst, die der eigene Körper nicht richtig verarbeiten kann, nicht gut genug kaut und die Nahrung nicht richtig verdaut wird, oder die Ballaststoffe fehlen, wird es vermutlich auch mit der Ausscheidung Probleme geben. Verstopfung, Hämorrhoiden, Blasenkrankheiten usw können die Folge sein.

Die seelisch-emotionale Komponente dabei sind Schwierigkeiten mit dem Loslassen grundsätzlich.

Oh je, da bin ich wieder bei der Hochsensibilität angelangt.

Ein Merkmal der Hochsensibilität ist es ja z. B., dass man Reize besonders schnell aufnimmt, aber schwerer wieder loslassen kann. Dabei kann es sich um alles Mögliche handeln: Ideen, Denkweisen, Vorstellungen über sich selbst und die Welt …

Sehr interessant fand ich die Idee, Hämorrhoiden seien auf das Gefühl von Überforderung der Ereignisse des eigenen Lebens zurückzuführen, die ich in einem Buch gefunden habe. Vielleicht gestalte ich hierzu demnächst mal eine kleine Umfrage 😉

5. Grundbedürfnis: Bewegung

Über die Bewegung habe ich schon einmal einen Blogbeitrag geschrieben. Aber dass wir einfach mehr Bewegung brauchen, kann wohl nicht oft genug gesagt und betont werden. Wir sind einfach nicht für das Leben gemacht, das wir heute führen: mit stundenlangem Herumsitzen, erst im Büro, dann vor dem Fernseher und relativ wenig Bewegung zwischendurch. Vielleicht sollten wir überhaupt nicht sitzen, und uns nur dann und wann einfach hinlegen?

Die Bewegung rundet übrigens die anderen Bedürfnisse mit ab: denn wenn wir uns viel bewegen, kann dies auch Schwierigkeiten in den anderen Bedürfnissen etwas ausgleichen – vermutlich haben Sie diese Erfahrung selbst schon einmal gemacht.

So, ich habe hier nun schon verschiedlich meine eigenen Schwierigkeiten mit der Erfüllung dieser Grundbedürfnisse anklingen lassen und freue mich wie immer, wenn Sie uns erzählen, wie gut oder schlecht Sie mit diesen Grundbedürfnissen zurecht kommen.

Herzlichst,

Ihre
Monika Richrath

de_DEDeutsch