Es tanzt mich

Es tanzt mich

Gibt es eine Sache für Sie, bei der Sie sich mit Ihrem Körper richtig wohl und verbunden fühlen? Etwas, wobei Sie sich sicher fühlen?

Bei mir ist das das Tanzen.

Schon Ende letzten Jahres ist mir aufgefallen, dass ich mich beim Tanzen, also auch auf der Tanzfläche, einfach sicher fühle. Und dass ich, wenn ich dafür sorgen, dass ich mehr Tanzen kann, auch

den Sicherheitsfaktor in meinem Leben erhöhe.

Das war selbst schon vor Corona mit vielen Schwierigkeiten verbunden.  Nicht nur, weil die guten alten Diskotheken, in denen ich mir in meiner Jugend die Nächte um die Ohren geschlagen habe, verschwunden sind und Clubs erst dann aufgemacht haben, wenn ich schon im Bett lag. Und jetzt gibt diese Sonderlage. Es gibt einfach keine Parties. Das ist ja auch richtig, von wegen Ansteckungsgefähr usw. – ich würde auch auf keine Party gehen, wenn es eine gäbe. Trotzdem finde ich das  von allen schwierigen Dingen  am schwierigsten auszuhalten.

Es hatte sich auch als äußerst schwierig herausgestellt, eine Begleitung für solche Unternehmungen zu finden, weswegen ich es aufgegeben hatte, andere zu fragen und mich nur noch an mir selbst orientierte: Ob ich es heute abend schaffen würde, mit allen Widrigkeiten klar zu kommen? Meistens war ich recht entschlossen, dafür zu sorgen, dass ich diese Sache, die so gut für mich ist, bekommen kann, allen Widrigkeiten zum Trotz.

Ohnehin hätte ich dazu für die Location meiner Wahl in die nächste größere Stadt fahren müssen, was ohne Auto zwar machbar war, aber doch einer kleinen Expedition gleichkam, für die ich emotional in der richtigen Verfassung sein musste. Am Wochenende gab es immer junge betrunkene Menschen im Zug. Irgendjemand kotzte immer. Das musste man dann aushalten. Hochsensibilität lässt grüßen.

Jetzt gilt diese Stadt als Risikogebiet.

Im Laufe der Jahre habe ich auch meine musikalischen Ansprüche heruntergeschraubt. Am liebsten tanze ich zu House, Trance und Elektromusik, mit viel Rhythmus und Bässen, statt dessen läuft es manchmal auf Schlager hinaus. Ich habe gelernt mich anzupassen, mit dem auszukommen, was ich bekommen kann. Denn was zählt, ist die Bewegung.

Na ja, fast. Auf körperlicher Ebene ist für mich wichtig, dass Tanzen Stress abbaut.

Beim Tanzen schaltet sich (jedenfalls bei mir) meistens der Kopf ab, der Körper übernimmt und ich fühle mich ganz und gar mit meinem Körper verbunden. Schließlich ist Tanzen auch eine Form des Selbstausdrucks, wenn wir tanzen, stellen wir dar, wie wir die Musik erleben.

Ich tanze also bin ich

Der Kopf schaltet sich ab. Es gibt nur noch die Musik und mich. Und die pulsierende Energie der anderen Menschen um mich herum, die mir auf magische Weise auch Energie verleiht (die dann noch Tagelang anhalten kann). Ich persönlich kenne

keine bessere Möglichkeit in Gegenwärtigkeit zu versinken.

Denn am Tanzen auf Parties ist auch schön, dass ich mich dabei mit vielen, vielen anderen Menschen verbinden kann, ohne dass ich mit ihnenn sprechen oder sonstwie Kontakt aufnehmen muss. Wir sind einfach Teil einer großen, pulsierenden Masse, die gerade in Gegenwärtigkeit hingegeben ist.

Einer meiner Lieblingslocations ist der Tanzspaß in Köln. Das ist so richtig nach meinem Geschmack. Dort ist die Tanzfläche schon um 20:30 gefüllt, es tummeln sich jung und alt, vornehmlich aus der Heilerszene. Wenn ich Glück habe und einer meiner Lieblings-DJs auflegt, kann dann auch schon um die Uhrzeit ein Techno- oder Trancestück laufen.

Als ich das erste Mal dorthin kam, lief gerade ein Stück von Anne Clark. Alle fingen an, vor Begeisterung zu schreien, auch die Männer. Ich habe fast vor Rührung geweint …

Mir kommt gerade in den Sinn, dass ich vielleicht

meine Jugend nur deshalb überlebt habe,

weil ich sehr, sehr, sehr viel tanzen gegangen bin. Nach ein paar Stunden Tanzen ist es

praktisch unmöglich, mich über irgendetwas aufzuregen.

Was auch immer vorher in mir gegärt hat, ich habe es in Bewegung verwandelt und freigesetzt.

Eine Sache gibt es natürlich, die sehr kontraproduktiv ist: Wenn ich zum Tanzen ausgehe und dann gar nicht tanzen kann. Auf manche Musik kann ich mich trotz heruntergeschraubter Ansprüche nicht bewegen (Rap und Reggae ist für mich ein Alptraum, wo ich das Gefühl habe, mit Tönen beworfen zu werden). Und manchmal gefällt mir etwas natürlich wirklich überhaupt nicht.

Meine Beziehung zur Musik läuft über Bewegung

weniger über Worte. Zuhause höre ich fast nie Musik (aber wenn ich unterwegs bin). Das fehlt mir auch überhaupt nicht. Die Stille hilft mir, besser bei mir zu sein.

Apropos bei mir sein: Abgesehen von dem ganz grundsätzlichen Einssein mit einer tanzenden Masse kann ich beim Tanzen keine Verbindung zu anderen aufnehmen. Blickkontakt usw. finde ich viel zu kompliziert, das reißt mich sofort aus meiner Verbindung mit der Musik. Und die ist auf der Tanzfläche das Allerwichtigste für mich.

Mir ist erst in letzter Zeit so richtig klar geworden, welche Bedeutung Tanzen für mich hat.  Und dass es nicht reicht, nur mal ab und zu mal auf eine Veranstaltung tanzen zu gehen. Eigentlich muss ich mich wöchentlich austoben. Noch besser: täglich.

Zum Ende des letzten Jahres hatte ich allerlei bislang nicht genutzte Möglichkeiten gefunden: z. B. eine dynamische Tanzmeditiation am morgen, ein Barfußtanzen am Abend. Events von Tanztherapeuten. Tanztherapeutische Selbsterfahrung klingt auch spannend für mich.

Noch bevor ich diese Möglichkeiten untersuchen konnte, habe ich sie schon wieder verloren. 

Dummerweise habe ich mir die unselige Angewohnheit angeeignet, mich morgens sehr früh zur Arbeit an den Computer zu setzen. Vor kurzem habe ich dann mal mit mir ganz kurzen Prozess gemacht und habe wieder begonnen, täglich vor dem Frühstück ein bisschen zu tanzen. Mich wild zu schütteln zu irgendwelchen Technorhythmen. Na also, geht doch … Mein Körper findet’s himmlisch. Der Rest von mir auch 🙂

Wie ist es mit Ihnen? Tanzen Sie gern? Oder welche Sache machen Sie, die Ihnen dabei hilft, sich mit Ihrem Körper sicher zu fühlen? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

bild: Geralt von Pixabay

 

Was ist Energy Tapping?

Was ist Energy Tapping?

Wenn Sie mir schon eine Weile folgen, wissen Sie vielleicht, dass ich dem Energy Tapping, dem sog. Positiv-Klopfen, einer sehr besonderen Klopfakupressur-Technik, ziemlich lange Zeit sehr ablehnend gegenüberstand. Für mich ist es eben so, dass ich es für sehr wichtig halte, sich mit seinen vermeintlichen negativen Gefühlen zu beschäftigen, denn erst, wenn man diese annimmt, können sie sich auch verabschieden.

Dieser Meinung bin ich immer noch. Allerdings habe ich in der Zwischenzeit das Energy Tapping selbst ausprobiert und

bin vollkommen davon begeistert.

Energy Tapping wurde von der Klopfpionierin Sylvia Hartmann entwickelt. Energy Tapping hat einen vollkommen anderen – lösungsorientierten – Ansatz, als das „herkömmliche“ Klopfen. Dabei geht es nämlich darum,

die energetische Ausstrahlung des Körpers gezielt dahingehend zu verändern,

dass man dem Energiekörper, den jeder von uns hat, genau das gibt, was er im Augenblick benötigt. Man beschäftigt sich also nicht mehr mit Gründen und Ursachen für bestimmte Probleme und Schwierigkeiten, sondern versucht, Stress eher mit den Lösungen zu verändern. Das ist äußerst verblüffend.

Diese Art des Klopfens könnte also für all jene vorteilhaft sein, die das Klopfen aufgrund der Beschäftigung mit negativen Emotionen ablehnen, aber auch für diejenigen, die beim herkömmlichen Klopfen zu sehr von Emotionen aufgewühlt und überfallen werden (so dass sie in einen Ausnahmezustand hineingeraten). Für Menschen, die aufgrund von Hochsensibilität schnell in Stresszustände hineingeraten, also auch sehr geeignet. Auch, weil es sich möglicherweise sehr viel sicherer anfühlen mag als das Erforschen von verdrängten Emotionen.

Aber auch hier gilt natürlich, dass man sich in winzigkleinen Schritten vorwärts bewegt. Man klopft dabei nicht jeden Tag das gleiche, sondern muss sich jedes Mal neu überlegen:

was brauche ich JETZT?

Ich finde es auch wesentlich zeitaufwändiger als meinen  eigenen (ganz minimalistischen) Ansatz, betrachte es aber mittlerweile als eine äußerst wertvolle Ergänzungsmethode, die ich auch dann und wann gerne einsetze.

Am besten ist, Sie beurteilen selbst und klopfen alle drei Videos mit. Dann können Sie am besten selbst ermessen, wie wertvoll das Energy Tapping für Sie ist. (Die Videos stammen aus einer Rauhnacht-Reise, wundern Sie sich daher nicht, dass vom 27. Dezember die Rede ist.) Was man aber sehr gut sehen kann, finde ich, ist, wie sich meine Ausstrahlung über die drei Videos hinweg deutlich verändert.

So, und jetzt geht es los. Stellen Sie sich ein Glas Wasser bereit, trinken Sie nach jedem Video etwas und machen und sprechen Sie mir alles nach.

 

Vielleicht merken Sie schon nach dieser ersten Runde, dass sich etwas in Ihnen verändert? Aber jetzt geht es noch weiter, wir hängen noch eine weitere Runde dran. Denken Sie bitte daran, zwischendurch Wasser zu trinken.

Das war immer noch nicht alles. Wir hängen noch eine weitere Runde dran. Meiner Erfahrung nach gibt es in der dritten Runde immer noch einen ganz besonderen Schub, wegen der „Universumsenergie“. Vielen Menschen fällt es übrigens durchaus nicht leicht, sich „so viel“ Energie zu wünschen …

Wie ist es Ihnen gegangen mit dieser dreifachen Klopfrunde? Konnten Sie sich so viel Energie wünschen? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

Bild von Denise Husted auf Pixabay 

Was bei Trauma im Gehirn passiert

Was bei Trauma im Gehirn passiert

In den vergangenen Monaten habe ich mich sehr intensiv mit dem Wesen von Trauma beschäftigt. Und natürlich auch mit der Frage, ob es

einen Zusammenhang geben könnte zwischen Hochsensibilität und Trauma.

Zunächst einmal habe ich herausgefunden, dass Trauma nicht ein Ereignis bezeichnet, wie dies durchaus üblich ist im Sprachgebrauch, sondern eher ein inneres Erleben, bzw. einen inneren Zustand – zunächst in Bezug auf ein Ereignis, welches aber im weiteren Verlauf nicht auf ein Ereignis beschränkt bleiben muss, sondern sich auch auf andere Ereignisse erstrecken kann, die die Erinnerung an das Ursprungsereignis wecken. Man nennt das „Triggern“. Es passiert häufig vollkommen unbewusst, z. B. auf einer Ebene der körperlichen Wahrnehmung, auf die wir bewusst keinen Zugriff haben. Du kennst das sicherlich selbst, dass einen

bestimmte Gerüche im Nullkommanix in die Kindheit zurückversetzen.

Mir selbst geht es immer ganz intensiv so, wenn ich bestimmte Oldies im Radio höre, dann bin ich sofort wieder in der Zeit, als dieses Stück rausgekommen ist, meistens in der Pubertät (das war die Zeit, wo ich Musik am intensivsten gehört habe). Und – ich bin dann meistens auch sofort in einer entsprechenden melancholischen Grundstimmung, die diese Zeit geprägt hat. Sehr sehr melancholisch.

Kürzlich habe ich in dem Beitrag schwarze Erinnerungen (bei dem es um die sog. Kinderverschickung geht), erzählt, dass ich immer noch einen Würgereiz durch den Geruch heißer Milch bekomme, obwohl die dazugehörigen Ereignisse mehr als 50 Jahre zurück liegen. Ich habe mich in letzter Zeit auch gefragt, ob ich mich mit kalten Duschen so wahnsinnig schwer tue, weil es in jenem Kinderheim Praxis war, die Kinder einmal täglich mit kaltem Wasser abzuspritzen …? Ich werde es vermutlich nie herausfinden, aber möglich wäre es schon.

Kinderverschickung hat sich als Trauma entpupptLetzten Endes war es tatsächlich meine intensivere Beschäftigung mit dem Thema Kinderverschickung, die bei mir

sehr viel in Sachen Trauma in Bewegung gesetzt hat.

Plötzlich begann ich mich, ganz blöd zu fühlen, ohne zu wissen, was wirklich los war. Nachdem mir jemand erzählt hat, was sie noch aus dem Heim wusste, sind auch ein paar Erinnerungen zurückgekommen. Die blöden Gefühle haben sich intensiviert. Und ich wusste irgendwann, dass ich jetzt auch nicht mehr zurück kann. Die Katze war aus dem Sack und es war mir klar, dass ich in recht absehbarer Zeit mich um eine Traumatherapie in einer entsprechenden Praxis in regelmäßigem Rahmen bemühen muss, auch wenn ich eigentlich immer noch dachte, ja, demnächst mache ich das.

Aber das Jahr hat sich dann so krass gestaltet, dass ich irgendwann gezwungen war, etwas zu unternehmen. Ich brauchte professionelle Hilfe. Was dazu führt, dass ich jetzt in der Lage bin, Ihnen allerhand zum Thema Trauma zu erzählen, denn ich habe mich recht intensiv mit Bessel van der Kolk und Peter Levine beschäftigt, während ich gleichzeitig in der Lage bin, selbst von ihren Forschungen zu profitieren.

So habe ich herausgefunden, was bei Trauma im Gehirn passiert.

Peter Levine hat eine Methode namens Somatic Experiencing entwickelt, bei der es darum geht, wieder in Verbindung zu kommen mit seinen körperlichen Empfindungen. Denn:

der Körper vergisst nichts

und speichert das Erlebte im sog. Körpergedächtnis ab.

Leider nicht in wohlsortierte und beschriftete Schubladen. Vielmehr ist es so, dass viele Empfindungen und Erinnerungen unseres Körpergedächtnisses chaotisch und unbenennbar erscheinen.

Dies mag daran liegen, dass sich in einem traumatischen Zustand das sog. Broca-Areal abschaltet. Das Broca-Areal ist eines der Sprachzentren im Gehirn und wenn die Funktion beeinträchtigt ist, fällt es uns schwer, unsere Gefühle und Gedanken zu beschreiben, nicht nur anderen gegenüber, sondern auch uns selbst.

Im Gegenzug dazu wird ein anderer Bereich im Gehirn aktiviert, das sog. Brodman Areal 19, ein Bereich im visuellen Kortex, der Bilder registriert, sobald sie im Gehirn eintreffen.

Dies hat der Wissenschaftler Dr. Bessel van der Kolk gemeinsam mit Kolleg:innen herausgefunden, als er die Reaktion von Probanden auf Flashbacks mit bildgebenden Verfahren untersuchte.

Das ist aber noch nicht alles.

Vielleicht werden aus misshandelten Kindern hochsensible KinderWir verlieren ebenfalls das Gefühl für Raum und Zeit.

Außerdem übernimmt ab einem bestimmten Zeitpunkt das emotionale Gehirn die Führung, das weder vom Bewusstsein gesteuert wird, noch verbal kommuniziert. Bei starken Erregungszuständen stehen Gehirnbereiche, die bei einer Integration/Verarbeitung des Erlebten helfen sollen, nicht mehr zur Verfügung. Das Erlebte wird im Gehirn dann nur noch bruckstückhaft abgespeichert, in Form scheinbar zusammenhangloser Bilder, Geräusche, Empfindungen, Gefühle und Sinneswahrnehmungen.

Und es ist genau dieses

Zusammenhanglose unserer verschiedenen Empfindungen, die Trauma so schwierig und quälend macht.

Auf der einen Seite können wir sehr stark getriggert werden durch eben jene Sinneswahrnehmungen – was nichts anderes bedeutet, als dass wir von einer Sekunde zur anderen in einem Superstresszustand sind, ohne zu wissen, wie wir dort hingekommen sind oder warum und wie wir wieder heraus kommen können.

Auf der anderen Seite fällt es uns schwer, mit anderen darüber zu reden, weil uns die Worte dafür fehlen, weil diese Empfindungen und Emotionen in Sekundenbruchteilen auftauchen und trotzdem kaum greifbar sind. Falls die Trauma Erfahrungen, die wir gemacht haben, in einem Alter in der Kindheit stattfanden, in dem wir sowieso noch keine Worte hatten, wird es noch schwieriger.

Trauma Erlebnisse leben auf jeden Fall in uns weiter.

Über die Jahre verlieren sie nichts an Intensität (jedenfalls nicht, wenn wir uns nicht aktiv im Rahmen einer Traumatherapie damit auseinandersetzen). Denn um ein Erlebnis in die eigene Geschichte und auch in das eigene Körperempfinden integrieren zu können, brauchen wir Kohärenz, wir müssen einen Zusammenhang herstellen, der bei der Integration und Verarbeitung des Erlebten hilft.

Ein anderer, ebenfalls sehr wichtiger

Aspekt bei der Entstehung eines Traumas ist,

ob Menschen in der Lage sind, sich in der jeweiligen Situation zu bewegen, aktiv zu werden um sich selbst zu schützen. Werden sie daran gehindert und fühlen sich selbst hilflos, allein und ausgeliefert, in der Falle, kann es zu einer Trauma Reaktion der Erstarrung kommen.

Peter Levine unterscheidet sogar in der Intensität der Erstarrung, je nachdem ob die Muskeln sich versteifen oder kollabieren und schlaff werden, wie es der Fall ist, wenn man glaubt zu sterben.

Sich tot stellen

ist bei Säugetieren dazu da, das Überleben zu sichern, z. B. einen betäubten Bewusstseinszustand hervorzurufen, in dem körpereigene Endorphine ausgeschüttet werden, die den Schmerz stillen. Häufig findet in diesem betäubten Zustand auch eine Dissoziation statt, in der die Person die eigenen Erlebnisse so erlebt, als stößen sie einer anderen Person zu. So kann das eigentlich Unerträgliche erträglich gemacht werden.

Wenn wir in eine belastende Situation geraten, stehen uns normalerweise drei verschiedene Verhaltensweisen zur Verfügung: Angriff, Flucht oder Erstarrung (Im Zusammenhang mit Trauma spricht man von der fight flight freeze Reaktion). In jedem Fall aber werden in der Situation Stresshormone ausgeschüttet. Diese Stresshormone bleiben so lange aktiv, bis die Situation integriert und aufgelöst werden kann. Ist das nicht der Fall, kommt es entweder zu

Flashbacks (Momente sensorischer Erinnerung) oder Reinszenierungen,

die beide jeweils wieder neue Stresshormone freisetzen. Dies führt dazu, dass es bei traumatisierten Menschen einerseits sehr lange dauert, bis Stresshormone abgebaut werden und der Körper in einen Normalzustand kommen kann. Andererseits steigt der Stresspegel auch bei relativ geringen Anlässen sehr schnell wieder sehr hoch an. Trauma wird also im Körper gespeichert.

Trauma verändert unser Gehirn und unseren Körper Zu Silvester in den Rauhnächten feiert man den Übergang vom alten in das neue Jahr

Aber das ist noch längst nicht alles. Durch ein Trauma verlieren wir häufig auch die Verbindung zu uns selbst, die vor allem durch den Körper stattfindet. Wir verlassen durch Trauma unseren Körper, wir verlernen, auf unseren Körper zu hören, wenn uns der Körper Signale sendet über unsere Empfindungen, die wir möglicherweise aber nicht haben wollen. Genauso wenig wie die damit verbundenen Gefühle wie z. B. Scham. Da fällt mir natürlich ein, dass superviele hochsensible/hochsensitive Menschen einfach hauptsächlich im Kopf sind und kaum im Körper. Es ist viel einfacher sich taub zu stellen und sich letzten Endes vor sich selbst zu verstecken. Aber die Sache hat einen Pferdefuß:  Wenn wir versuchen, die negativen Gefühle auszuschalten, schalten wir automatisch auch die schönen Gefühle mit aus.

Dieses Verhalten ist mehr als verständlich, natürlich, aber macht eigentlich überhaupt keinen Sinn. Abgesehen davon, dass wir uns von unserer Lebensfreude entfernen, verlernen wir die Fähigkeit zu unterscheiden, wann wir sicher sind und wann nicht. Außerdem entwickeln manche Menschen überhaupt Angst vor irgendwelchen Formen körperlicher Empfindungen.

Es erscheint auch logisch, dass bestimmte körperliche Symptome bei traumatisierten Menschen besonders häufig vorkommen, wie Hals- und Nackenschmerzen, Fibromyalgie, Verdauungsstörungen, Reizdarm, Asthma und chronische Erschöpfung. Und letzten Endes kann ein chronisches Trauma zu einer

Posttraumatischen Belastungsstörung

führen. Der Thalamus im Gehirn arbeitet dann nicht mehr richtig. Der Thalamus wird während des traumatischen Ereignisses und auch während Flashbacks einfach abgeschaltet. Was bedeutet, dass er dann vielleicht nicht mehr in der Lage ist, wichtige Sinneseindrücke von unwichtigen Sinneseindrücken zu unterscheiden, was wiederum bedeutet, dass wir uns

Die Hochsensibilität hat Nebennierenschwäche häufig mit im Gepäckständig im Zustand sensorischer Überlastung

befinden.

Spätestens hier wirst du sicherlich aufmerken. Denn da sind wir wieder bei den Symptomen, die Hochsensibilität u. a. ausmachen. Und auch bei der Gefahr chronischer Erschöpfung, die sich einfach aus der sensorischen Überlastung ergibt.

Die große Frage, die sich nun stellt, ist:

Was kannst du bei Trauma tun?

Vorweg: Eine Trauma Behandlung gehört ausschließlich in professionelle Hände. Bitte unternimm keinesfalls den Versuch, dein Trauma selbst zu klopfen. Das kann sehr böse ins Auge gehen – vor allen Dingen, wenn du nicht weißt, womit du es zu tun hast. Menschen, die das Klopfen noch nicht kennen, neigen oft dazu, die Intensität und Kraft der Klopfakupressur massiv zu unterschätzen. Nicht zuletzt deshalb habe ich die EFT klopftechnik für hochsensible an den Consicous EFT Ansatz von Nancy Forrester mitangepasst für den deutschsprachigen Raum mit dem Begriff Achtsames EFT. Dabei geht es darum,

Lernerfahrungen, die du in belastenden Kindheitserfahrungen gemacht hast, triggerfrei aufzulösen.

(Wenn du in der Kindheit belastende Erfahrungen gemacht hast, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du an ein Entwicklungstrauma gemacht hast, ziemlich groß. So wird es genannt, wenn man in seiner natürlichen Entwicklung beeinträchtigt worden ist.)

So oder so führen alle Wege aus dem Trauma hinaus über den Körper.

Tendenziell geht es u. a. darum, die Verbindung zu sich selbst wieder herzustellen, lernen, dem eigenen Körper und seinen Empfindungen  wieder Vertrauen zu schenken. Es geht auch darum, das chronisch erhöhte Stresslevel zu senken. Mit regelmäßigem Klopfen kannst du das erreichen. Oder Ängste reduzieren und das Sicherheitsgefühl stärken. Das ist alles mit Klopfen möglich. Du beginnst dann sozusagen an einzelnen Auswirkungen. Aber fange  bitte ganz klein an. (Und wenn du zu denen gehörst, die eigentlich Angst davor haben, was in ihrem Körper vor sich geht, klopfe am besten eine ganze Zeitlang leer.) Und wenn du dich nicht alleine traust, das zu beginnen, komm gerne in meinen Intensivkurs (Jahreskurs).

Das war sicher nicht das letzte Mal, dass ich mich mit dem Thema beschäftigt habe. Über Trauma gibt es noch so viel zu sagen, gerade im Zusammenhang mit Hochsensibilität.

Jetzt interessiert mich natürlich, wie es dir mit diesen Informationen  geht. Vielleicht möchtest du noch etwas ergänzen, von eigenen Erfahrungen erzählen? Wie immer freue ich mich, wenn du deine Kommentare mit uns teilst.

Von Herzen, Deine

Monika Richrath

Image by Gerd Altmann from Pixabay

37° – eine Rezension

37° – eine Rezension

Diese Rezension ist schon eine Weile fertig, aber ich habe mich nicht getraut, sie bei der Affenhitze zu posten 😉

Von Uwe Karstädt habe ich schon vor Jahren erfahren, aber jetzt erst bin ich offenbar wirklich bereit gewesen, mich mit einem Thema zu beschäftigen, das mich schon sehr lange umtreibt: Untertemperatur. Denn dass meine Körpertemperatur irgendwie unterirdisch ist und „nicht normal“ vermute ich schon wirklich lange, bestimmt 20 bis 30 Jahre.

Im Rahmen eines Kongresses bin ich wieder auf das Thema aufmerksam geworden und habe 37°: Das Geheimnis der idealen Körpertemperatur für optimale Gesundheit* von Uwe Karstädt endlich gelesen.

 

Obschon das Buch eher als schmales Büchlein daherkommt, verspricht der Untertitel

„Das Geheimnis der idealen Körpertemperatur für optimale Gesundheit“

nicht zu viel.

Wenn Sie, wie ich und viele andere meiner Leser*innen unter div. sog. „Autoimmunerkrankungen“ wie Hashimoto, Fibromyalgie oder vielleicht auch Nebennierenschwäche oder auch chronischen viralen Infekten leiden (wo alle diese „Zustände“ mit im Gepäck sein können), werden Sie diese Informationen zu schätzen wissen. Alle diese „Zustände“ gehen nämlich häufig mit

Untertemperatur 

einher.

Der Autor vertritt die These, dass unsere „Zustände“ entstanden sind aufgrund von Untertemperatur, da der Körper nur bei einer Körpertemperatur von ca. 37° richtig funktioniert. Und dabei gibt es lediglich einen Spielraum von einem halben Grad.

Das Wissen, dass Abweichungen der Körpertemperatur sich negativ auf die Funktionen des Körpers auswirken, ist sehr wohl bekannt, allerdings hat sich die Medizin so darauf verlegt, Fieber (also Abweichungen nach oben) zu bekämpfen, dass Abweichungen nach unten kaum beachtet werden.

Etwas sehr Interessantes ist in mir vorgegangen, als ich 37°* gelesen habe: Ich habe mich gefühlt, wie eine Blume, die sich zum Licht wendet, denn das, was Uwe Karstädt schreibt, leuchtet sofort ein. Weil man es so gut nachvollziehen kann. Weil man es von sich selbst kennt. Weil man die biologischen Prinzipien des Lebens kennt (Auch wenn man sie mal kurzfristig vergessen hat).

Nebenbei erfährt man auch noch ein paar äußerst interessante Zusammenhänge, z. B.

dass die Schilddrüse gar nicht adäquat arbeiten kann,wenn sie nicht von den Nebennieren richtig unterstützt wird.

Wenn also aufgrund einer chronischen Stressbelastung eine Nebennierenschwäche vorliegt, ist die Schilddrüse auch immer in Mitleidenschaft gezogen. Aha. So klar und einfach habe ich das bis jetzt noch nirgends gelesen. (Ich ziehe also daraus den Schluss, dass man sich bei Schilddrüsenproblemen immer auch mit den Nebennieren beschäftigen muss.)

Oder dass Entgiftung per se nicht korrekt ablaufen kann, wenn eine Untertemperatur vorliegt.

Allzuviel möchte ich Ihnen aber nicht verraten, lesen Sie das Buch selbst, staunen Sie und freuen Sie sich an den neugewonnenen Erkenntnissen.

Das Buch ist sehr übersichtlich strukturiert. Es geht zunächst um die Bedeutung der idealen Körpertemperatur. Dann befasst sich Uwe Karstädt mit der Frage, was das Absinken der idealen Körpertemperatur auf Hypothermie bedeutet und erst im Anschluss daran mit der Hypothermie selbst.

Uwe Karstädt beschäftigt sich in 37°* aber auch noch mit anderen Fragestellungen, die zu diesem Themenbereich gehören, z. B. was die Grundvoraussetzungen menschlichen Lebens aus der Sicht eines Heilpraktikers sind, was Enzyme für uns bedeuten und wie sich Untertemperatur auf die Funktion von Enzymen auswirkt. Außerdem geht es darum, welche Rolle Infrarotstrahlung in unserem Leben spielt.

Langsam werden wir zum Thema Heilung hingeleitet.

Unterwegs bekommen wir noch wirklich nützliche Informationen, z. B. dass wir uns durch Barfußlaufen mit wichtiger negativer Ionenstrahlung aufladen, was aber nur durch den direkten Kontakt mit dem Untergrund geschieht: ade frisch erworbene Barfußlaufschuhe 🙁

Oder dass viel zu viel getrunken wird heutzutage.

Wie kann man also feststellen, ob man an Untertemperatur leidet? Man besorgt sich ein spezielles Thermometer ohne Quecksilber (aber nicht digital) in der Apotheke und führt eine Woche lang Temperaturmessungen nach einem vom Autor vorgeschlagenen Schema durch.

Die Anhebung der Körpertemperatur kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Für Uwe Karstädt liegt der Königsweg in der Anschaffung einer Infrarotmatte (was aber seinen Preis hat).

Aber auch über das Essen lässt sich einiges erreichen, z. B. über die Zufuhr wärmender Nahrungsmittel (welche das sind, erfahren wir im Buch) und das Weglassen kühlender.

 

 

Uwe Karstädt
37°: Das Geheimnis der idealen Körpertemperatur für optimale Gesundheit* 
Kopp
ISBN 978-3-86445-436-6
19,99 EUR

Tief verbunden – eine Rezension

Tief verbunden – eine Rezension

Auf dieses Buch habe ich mein Leben lang gewartet! Diesem Umstand schreibe ich die Tatsache zu, dass ich es nur zwei Tage nach dem offiziellen Erscheinungstermin in Deutschland im Netz gefunden habe. Dabei folge ich der Autorin Diane Poole Heller schon eine ganze Weile.

Auf sie bin ich gestoßen im Rahmen eines englischsprachigen online Kongresses zum Thema Trauma. Schon damals hat mich begeistert und fasziniert, dass sie sich spezialisiert hat auf Beziehungswunden, bzw. das Thema „Bindung“. Ich hatte sogar geliebäugelt mit der von ihr angebotenen entsprechenden Ausbildung, habe aber schon gelernt, dass ich solche Dinge doch lieber in der Muttersprache tue. Umso mehr freut es mich, dass Tief verbunden* in deutscher Sprache erschienen ist.

„Wie wir alte Beziehungsmuster auflösen und dauerhafte Partnerschaften eingehen“,

lautet der Untertitel. Das Vorwort stammt von Peter A. Levine, dessen Schülerin Diane Poole Heller ist. Sie hat seine Methode Somatic Experiencing in ihre Arbeit einfließen lassen. Das Ergebnis ist wundervoll geworden.

Tief verbunden* besticht meiner Meinung nach durch einen sehr intensiven praktischen Ansatz, d. h., das Buch enthält sehr viele Übungen, die man zum großen Teil alleine durchführen kann.

Bevor ich mich der Gliederung zuwende, lege ich Ihnen noch ans Herz, vor dem Lesen

das Attachment Quizz

zu machen, das Diane Poole Heller auf ihrer Webseite anbietet (leider nur in englischer Sprache), aber ich empfand es als äußerst hilfreich, die eigenen Beziehungsmuster in Form einer Torte dargestellt zu sehn. Ich glaube, dass man sich mit dem Buchinhalt noch mal anders verbinden kann …

Das Buch ist superklar und logisch strukturiert: Nach dem Vorwort und der Einleitung stellt Diane Poole Heller

die verschiedenen Bindungstypen

vor. Dabei beginnt sie mit der sicheren Bindung zuerst. Vielleicht, weil sie davon ausgeht, dass der Wunsch und die Fähigkeit zu sicherer Bindung in allen Menschen biologisch verankert ist (Schon dies empfand ich als große Erleichterung, kein ganz und gar hoffnungsloser Fall zu sein). Manchmal haben wir das nur vergessen aufgrund von Strategien, die wir uns als Kinder aneignen mussten.

Bei der Beschreibung der verschienen Bindungstypen (sichere Bindung, vermeidende Bindung, ambivalente Bindung, desorientierte Bindung) geht es immer auch um die speziellen Ausprägungen und die Auswirkungen auf das eigene Leben, sowie der Darstellung nach außen.

Meines Erachtens nach ist dieses Buch für hochsensible Menschen super super spannend, denn auch wenn das Wort „Hochsensibilität“ an sich nicht fällt, geht die Autorin auf vieles ein,

was hochsensible Menschen häufig erleben:

zum Beispiel sind viele HSP extrem nüchtern und kopfgesteuert. Dies könnte daran liegen, dass Kinder, die nicht genug Unterstüzung, Präsenz und Verbundenheit erlebt haben, eher die linke Gehirnhälfte stärker entwickeln, wo es eher um Logik etc. geht. Dies ist nur ein Merkmal des vermeidenden Bindungstyps.

Aufgemerkt habe ich jedoch besonders im Teil, der sich mit der ambivalenten Bindung beschäftigt. Die ambivalente Bindung entsteht, wenn Eltern nicht beständig und sicher verfügbar sind, also mal da und dann wieder nicht und/oder sich uns gegenüber nicht angemessen verhalten, indem sie unsere Grenzen nicht respektieren etc.

Dies bedeutet, dass wir nicht lernen konnten, uns selbst zu regulieren, unser eigenes Gefühlsleben zu steuern und auch nicht, uns darauf zu verlassen, dass immer jemand für uns da ist. Dazu gehört übrigens auch, dass unsere Bedürfnisse vielleicht nicht erfüllt wurden und dass wir es nicht lernen konnten, gesunde Grenzen zu setzen.

Klingelt da was bei Ihnen?

Bei mir hat es beim Lesen von Tief verbunden* pausenlos geklingelt. Ich fand praktisch auf jeder Seite eine spannende Aussage oder Erkenntnis, obwohl ich durchaus mit den Grundzügen der Bindungstheorie vertraut bin.

Alleine das Lesen des Buches hat schon sehr viel in mir bewirkt. Vor allen Dingen eine große Erleichterung. Bisher fand ich es vor allen Dingen eher beschämend, jemandem nahe sein zu wollen und dies gleichzeitig zu fürchten. Ich empfand das als eine Art persönlichen Versagens. Aber das ist es nicht. Es ist einfach eine ganz normale Ausprägung eines ambivalenten Bindungsmusters.

Zuguterletzt geht es dann noch natürlich um Bindungstypen und Liebesbeziehungen, was sie jeweils ausmacht, was man tun kann um eine Beziehung zu finden, sie sicherer zu machen oder sich aus einer Beziehung zu lösen. Auch hier gibt es natürlich wieder Übungen.

Alles in allem kann ich Ihnen nur raten, sich Tief verbunden* unbedingt anzuschaffen (ich finde, es ist wirklich  eine Schatztruhe voller interessanter  nützlicher Informationen) und natürlich auch, mit dem Buch zu arbeiten, vor allen Dingen, wenn Sie unter Ihrer Hochsensibilität leiden und Beziehungen zu anderen Menschen Sie grundsätzlich in Stress versetzen. Ich bin sicher, da geht ganz viel und freue mich meinerseits auch schon darauf, die Übungen jetzt mal ganz in Ruhe zu machen.

Bleiben Sie gesund! Ich freue mich wie immer über Ihre Kommentare.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

 

 

Diane Poole Heller
Tief verbunden*
Kösel
ISBN 978-3-466-34751-3
20 EUR

Der Sinn des Ganzen

Der Sinn des Ganzen

Eigentlich war ich, seit ich mich erinnern kann, eine eingefleischte Pessimistin. Sozial gestört, depressiv, konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie sich das Leben eines optimistischen Menschen anfühlen könnte. Optimistische Menschen hatten für mich irgendwie „einen Hau weg“, die die bittere Realität verleugneten. 

Ich wusste noch nichts darüber,

dass Bewusstsein Realität erschafft.

Grundsätzlich ging ich davon aus, dass am Grunde von allem Traurigkeit ist und Freude nur eine dünne Oberfläche darüber.

So ging das mein ganzes Leben lang, über die frühen Jugend- bis in die mittleren Erwachsenenjahre, wo sich Dinge ganz langsam verschoben und entfalteten. Die Klopfakupressur hatte daran übrigens einen ganz entscheidenden Anteil.

Durch das Klopfen entdeckte ich zum einen das wahre Wesen der Dinge: Dass am Grunde von allem Freude ist und diese Freude von Trauer und Traurigkeit überlagert werden kann. Zum anderen entdeckte ich durch das Klopfen auch, dass ich keine gestörte, depressive Persönlichkeit bin, wie bis dahin angenommen, sondern dass in mir ein überaus fröhlicher, optimistischer Mensch steckt, ja sogar, dass

ich durch und durch Optimistin bin.

Noch eines habe ich seitdem gelernt (ich halte es für eine der wichtigsten Lektionen meines Lebens überhaupt!): dass alles, was mir in meinem Leben widerfährt, einen Sinn für mich hat. Auch wenn ich ihn nicht immer sofort zu erkennen vermag. (Tatsächlich dauert es manchmal sogar Jahre, bis ich sagen kann: gut, dass diese oder jene Sache, die ich mir so sehnlich gewünscht habe, nicht geschehen ist!) Das gilt natürlich auch für schwierige Dinge. Wenn ich z. B. nicht an Fibromyalgie erkrankt wäre, hätte ich vielleicht niemals den Mut gefunden, mich auf in ein Leben zu machen, das mir gemäß ist und mich noch viel, viel länger in Arbeitsstrukturen herumgequält, für die ich weder das psychische, noch das physische Rüstzeug besaß.  Vielleicht hätte es auch sehr viel länger gedauert, bis ich meine Hochsensibilität entdeckt hätte …

Ich will jetzt aber nicht zu weit abschweifen. Für mich sind meine neu (wieder)entdeckte Fröhlichkeit und mein unverbesserlicher Optimismus Meilensteine in meiner Entwicklung, die nicht nur mein ganzes Leben verändert haben, sondern sich immer wieder als äußerst nützlich erweisen, z. B. ganz besonders in der aktuellen Lage.  

Hatte ich mich in den ersten Tagen noch mitreißen lassen von der Berichterstattung in den Medien, habe ich aber sehr schnell gemerkt, dass mir das

sehr viel zusätzlichen Stress

verursacht. Ich fand die den ganzen lieben langen Tag lang zur Verfügung gestellten Informationen nicht wirklich hilfreich, da viel zu widersprüchlich, eher heizen sie die allgemeine Verwirrung an, als dass sie beruhigen. Also habe ich getan, was ich eigentlich immer tue: ich habe aufgehört, die Nachrichten zu gucken. Die wichtigsten Informationen wurden mir sowieso immer persönlich zugetragen.

Ich habe mich natürlich relativ bald gefragt,

was wohl der Sinn dieser Pandemie sein könnte?

Nach ein paar Tagen zuhause, als ich das erste Mal wieder rausging, habe ich unendlich gestaunt über die wunderbare, weiche, leichte Luft. Ich habe mich sofort in dieses neue Element verliebt. Wenn ich mich draußen aufhielt, wurde ich sofort leicht und froh, nur, weil dieses Schöne Neue um mich herum war.

Und natürlich konnte ich so zum ersten Mal ermessen, wie verseucht die Luft also normalerweise sein muss, wenn es jetzt so einen krassen Unterschied im Erleben gibt. Mir scheint, so etwas habe ich noch nie eingeatmet. (Aber ich weiß natürlich nicht, wie es als Kind war, damals gab es ja sehr viel weniger Autos als heute.)

Es ist vielleicht etwas schräg, aber ich habe das Gefühl, dass die Natur durch die schöne Luft für mich viel erreichbarer geworden ist. Jetzt möchte ich draußen sein, nicht nur, weil die Sonne scheint, sondern weil ich mit allem verbunden sein und mich als Teil der Natur erleben möchte …

Diese schöne, neue Luft empfinde ich als ein Geschenk, auch als ein Sinn-Geschenk. Und dann lief auch noch auf Terra X ausgerechnet der Dreiteiler „Anthropozän“, in dem es um die Veränderungen geht, die der Mensch auf der Erde bewirkt (hat). In der Folge „Luft“ erzählt ein Mensch von der Nasa dem Moderator Dirk Steffens, dass jedes Jahr acht Millionen Menschen sterben, deren Tod direkt auf die Luftverschmutzung zurückzuführen ist. Acht Millionen jährlich? Irgendwie kann ich die ganze Corona-Aufregung nicht wirklich verstehen. Da fehlen mir die Relationen, für mich nehmen sich die 200.000 Corona-Toten (zum Zeitpunkt an dem ich diesen Artikel schrieb) weltweit ja fast lächerlich dagegen aus … Ich bin ja keine Wissenschaftlerin, aber es wäre durchaus denkbar, dass die Menschen, die an Corona sterben, sowieso in den acht Millionen enthalten sind, da die Luftverschmutzung sich ja vor allem auf die Atemwege auswirkt.

Eine andere Sache, die ich ebenfalls sehr genossen habe (und ich denke, viele hochsensible Menschen werden mir da zustimmen), ist die Stille auf den Straßen, der reduzierte Verkehr, das fehlende Gewusel …

Auch in mir selbst ist es schlagartig ruhig geworden.

In der letzten Zeit bin ich sehr viel unterwegs gewesen. Jetzt fand ich es sehr wohltuend, viel, viel Zeit in meiner Wohnung zu verbringen und meinen eigenen Raum in aller Ausführlichkeit zu genießen.

Interessanterweise habe ich ganz von alleine, ohne, dass ich es mir irgendwie vorgenommen hätte, einen ruhigeren Gang eingeschlagen. Mir wurde bewusst, wie erschöpft und ruhebedürftig ich im Grunde genommen bin und habe ganz ohne schlechtes Gewissen meinen Blog erstmal auf Eis gelegt und mich weitestgehend aus den sozialen Netzwerken zurückgezogen. Auch das fand ich sehr angenehm. Auch die Ruhe im oder auf dem Computer hat mir gut getan. Ich habe sogar darüber nachgedacht, das Bloggen aufzugeben. Mich aber dagegen entschieden. Ich habe noch so viel vor und so viel zu sagen. Aber vielleicht kommt in absehbarer Zeit nur noch alle zwei Wochen ein neuer Artikel, das habe ich noch nicht entschieden.

Über Whatsapp bekam ich in der Sinnfrage einen kleinen Clip, in dem es darum ging, dass ein Sinn dieser Krise sein könnte, uns an

die Wichtigkeit des menschlichen Kontakts zu erinnern.

Das erscheint mir auch ein sehr guter Sinn zu sein. In der ersten Woche habe ich auf der Straße allen Menschen ins Gesicht gesehen, weil es etwas sehr Kostbares geworden war. Später habe ich begonnen, mehr zu telefonieren und mich auszutauschen …

Jetzt bin ich allerdings ziemlich traurig, die Maßnahmen wurden vor kurzem gelockert und schlagartig war es vorbei mit der guten Luft …

Mittlerweile ist das Tragen von Masken Pflicht und das finde ich wirklich sehr gruselig und verunsichernd. Ich merke, dass jedes Mal, wenn mir ein Mensch mit Maske begegnet, eine ganz archaische Furcht in mir aufsteigt, weil es mir durch die Bedeckung des Mundes schwer fällt, den Menschen einzuschätzen in dem Sinne von „Freund oder Feind“ und grundsätzlich ich das Tragen von Masken mit Terrorismus und Kriminalität in Verbindung bringe …

Wie geht es Ihnen? Welchen Sinn können Sie in dem ganzen entdecken? Wie geht es Ihnen mit der Maskenpflicht? Ich freue mich, wenn Sie mir schreiben und Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Herzlichst, Ihre

Monika Richrath

P.S. Falls Sie das Klopfen mit der Klopfakupressur mal ausprobieren möchten, können Sie sich hier in meinen kostengünstigen E-Mail-Kurs eintragen.

 

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