Du bist umwerfend – eine Rezension

Du bist umwerfend – eine Rezension

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Wenn Ihnen noch ein kleines Weihnachtsgeschenk für einen lieben Menschen fehlt, habe ich hier noch eine last Minute Empfehlung für Sie. Danach geht dieser Blog bis zum 20. Januar 2019 in seine wohlverdiente Winterpause, sofern wir uns nicht vorher bei der Klopfreise zu dir selbst sehen.

Das „Schlechte“ mal vorweg

Es hat sehr lange gedauert, bis ich dieses Buch meiner lieben Kollegin Sandra Tissot in die Hand nehmen wollte, was daran lag, dass mich das Äußere so überhaupt nicht anspricht. Der Kussmund ist sehr schön (als lebenslange Bonnerin habe ich ein sehr positives Verhältnis zu Kussmündern, da er jahrzehntelang im Logo der Stadt Bonn vorkam) – aber die Mauer eben gar nicht, noch dazu eine Backsteinmauer. Der Kussmund hätte auf Samt oder einen anderen edlen Stoff gehört, das hätte zum Inhalt gepasst.

Der Inhalt hat mich sehr angenehm überrascht

Ich denke, dies ist ein sehr schönes Buch vor allem vor hochsensible Menschen. Das sage ich nicht nur, weil ich selbst hochsensibel bin und weiß, dass die Autorin auch hochsensibel ist, sondern weil es darin um Themen gibt, die für hochsensible Menschen besonders interessant sind. Das Wort „Hochsensibilität“ kommt im ganzen Buch überhaupt nicht vor. Und „hochsensibel“ nur einmal auf Seite 85. Ich fand das nicht weiter tragisch.

Es geht darum, sich seiner selbst bewusst zu werden,

eine authenthische Persönlichkeit mit Strahlkraft und Selbstbewusstsein zu entwickeln, die andere fasziniert. Um ein

„Magic“ werden

zu können, ist es aber notwendig, sich mit einigen Schwierigkeiten, wie sie sich in der Hochsensibilität entwickeln, auseinanderzusetzen, wie z. B., sich abzugrenzen, lernen „Nein“ zu sagen, zu seiner Unvollkommenheit zu stehen (der allgegenwärtige Perfektionismus), usw. Die Kapitel bauen dabei ganz logisch aufeinander auf und führen Sie auf ganz stringente Weise zur

„magischen Strahlkraft“

Das alles in einem ziemlich kleinen Büchlein. Aber man hat sehr lange etwas davon, jedenfalls wenn Sie die vorgeschlagenen Übungen und Inspirationen richtig umsetzen. Das kann ja durchaus schon einmal dauern. Manche Übungen fand ich geradezu genial, wie z. B. der „Heldenanzug“ (anzuziehen in Bedrängnis) oder „der Grübelfalle entkommen“ (Probleme auf Wiedervorlage legen und sich aktiv Zeit dafür nehmen, eine Lösung zu finden). Im ersten Kapitel geht es zum Beispiel um eine „nüchterne Bestandsaufnahme“ und darum warum man sich selbst eigentlich dauernd unterschätzt und wie man seine Beziehungen verbessert. Verschiedene Vorschläge habe ich gleich umgesetzt. Jedesmal, wenn ich an einem Spiegel vorbeikam, habe ich mich angelächelt und gesagt „Du bist einfach umwerfend“ – ganz wunderbar. Nach ein paar Mal war ich bester Laune. Auch mit den vorgeschlagenen Komplimenten an andere habe ich es versucht und tatsächlich zu jemandem gesagt „Du bist umwerfend“ – ein phänomenaler Erfolg. Beides will ich auf jeden Fall beibehalten. Und wissen Sie was? Gestern habe ich angefangen, diese Rezension zu schreiben und bin abends tanzen gegangen. Und da kommt doch auf der Tanzbühne ein Mann zu mir und sagt mir, ich hätte so einen einmaligen Hüftschwung, der ihm sehr gut gefalle und dass es den bestimmt nur einmal gibt auf der Welt! Wow, so was habe ich schon seit mindestens 20 Jahren nicht mehr erlebt. Ich bin gleich um ein paar Zentimeter gewachsen … also, 2019 wird das Jahr der Komplimente 😉

Äußerst positiv finde ich die Du-Anrede

für den/die LeserIn. Es stimmt schon, dass der Inhalt dann mehr, bzw. besser bei mir einsickert. Weniger gut hat mir gefallen, wenn die Autorin explizit weibliche oder männliche Leser anspricht, das geriet dann meistens klischeehaft und ich fühlte mich überhaupt nicht angesprochen. Die große Gliederung hätte es übrigens auch nicht gebraucht, bzw. fand ich eher irritierend.

Mein Fazit

Auch wenn es in Du bist umwerfend um ein Thema handelt, das für mich wirklich nicht neu ist und mit dem ich mich im Laufe meines Lebens in den unterschiedlichsten Formen bereits auseinandergesetzt habe (in Form von Büchern, Seminaren, Workshops usw.), und ich mich schon für ziemlich authentisch halte, fand ich dieses kleine Buch trotzdem sehr inspirierend, weil es mich an einige Dinge erinnert hat, die ich vergessen habe und an andere, an denen ich wirklich noch arbeiten könnte (man wird mit sich selbst ja niemals fertig). Mit knapp 15 EUR Kaufpreis ist es sicherlich ein schönes Geschenk.

Ich wünsche Ihnen schöne Festtage! Kommen Sie gut ins neue Jahr!

Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.  

Herzliche Grüße,

Ihre Monika Richrath 

Bildnachweise: Pixabay

Du bist umwerfend – Werde dir deiner selbst bewusst
Sandra Tissot
dielus edition
ISBN 978-3-9819383-2-
14,99 EUR

 

Wie ich meine Hochsensibilität entdeckt habe

Wie ich meine Hochsensibilität entdeckt habe

Die Tage ist mir im Netz ein Test über den Weg gelaufen, der für meinen eigenen Weg eine Schlüsselrolle gespielt hat.

Ich glaube, ich habe noch nie erzählt, wie ich eigentlich herausgefudnen habe, dass ich hochsensibel bin. Dies ist eine gute Gelegenheit, es nachzuholen.

In der zweiten Hälfter der 1990er war ich schon unterwegs in Richtung meines mittlerweile 3. Burnouts und habe versucht, so viel wie möglich über mich herauszufinden.

Eines Tages stieß ich im Internet auf eine englischsprachige Seite, die Keirsey.com heißt, auf der man einen Persönlichkeitstest machen konnte (damals unentgeltlich).

Bei diesem Test geht es um

vier verschiedene Temperament-Grundtypen:

Artisan, Guardian,  Idealist, Rational. Diese lassen sich auch wieder jeweils in 4  verschiedene Grundtypen unterteilen, die jeweils mit einem Kürzel bezeichnet werden:

Artisan: Promoter (ESTP), Performer (ESFP), Crafter (ISTP), Composer (ISFP)

Guardian: Supervisor (ESTJ), Provider (ESFJ), Inspector (ISTJ), Protector (ISFJ)

Idealist: Teacher (ENFJ), Champion (ENFP), Counselor (INFJ), Healer (INFP)

Rational: Fieldmarshal (ENTJ), Inventor (ENTP), Mastermind (INTJ), Architect (INTP).

Ich denke, dass ich so gerne Persönlichkeitstest machte, war auch der Tatsache geschuldet, dass ich keine richtige Vorstellung davon hatte, wer ich eigentlich war und von mir  selbst ohnehin nur ein sehr verzerrtes Bild hatte, weil ich meine vermeintlichen schlechten Eigenschaften überdeutlich wahrnahm, mir meiner positiven Qualitäten aber in keinster Weise bewusst war.

Ich habe also diesen Test gemacht und mein Testergebnis war:

Idealist Healer

Dort stand damals auch, dass nur 1 % aller Menschen zu diesem Typ gehören. Ich war wie vom Donner gerührt. Audrey Hepburn (mit der ich mich Zeit meines Lebens irgendwie verwandt gefühlt habe) sollte übrigens auch eine idealistische Heilerin sein.

Nur 1 %

Das erklärte alles. Das erklärte, warum ich mich so anders fühlte als alle anderen. Ich WAR anders. Es lag nicht daran, dass ich irgendwie unfähig war, mit anderen zurecht zu kommen (obwohl das ja auch eine sehr lange Zeit in meinem Leben tatsächlich so war), oder dass ich mir etwas einbildete, es war tatsächlich so.

Eine zentnerschwere Last fiel von meinen Schultern

Die Last meines eigenen Selbsts, die Last meines bisherigen Lebens. Ich hatte die Erklärung für mich selbst gefunden. Und ich SOLLTE wohl so sein, ich war offenbar so gedacht, das heißt, das meine bisherigen Erfahrungen, so bitter sie vielleicht gewesen waren, einen Sinn hatten (auch wenn ich ihn vielleicht erst einmal nicht erkennen konnte).

Falls ich jemals in die Verlegenheit kommen sollte, mein Leben auf fünf Schlüsselmomente reduzieren zu müssen, dann wäre dies mit Sicherheit einer. Denn dies war der Moment, in dem ich begann, Vertrauen zu fassen. Vertrauen in mich selbst, in die Welt und ja, auch ins Universum. Es war ja sozusagen alles gut.

Wenn Sie mögen schauen Sie sich die Seite mal an, ich weiß nicht, ob es die englische Sprache ist, aber jedes Mal, wenn ich lese, was dort über den Idealist Healer steht, werde ich total gerührt …

Da der Text ja auf englisch war, habe ich noch weiter nach dem Test in deutsch gesucht und habe diesen Test auch gefunden. Dort bekam ich sogar noch die Abkürzung INFP mit auf den Weg. Damit habe ich dann weiter gegoogelt und bin ganz schnell irgendwo in einem Forum gelandet (von denen es damals noch viele gab). Dort tauchte dann ganz schnell

der Begriff „hochsensibel“

auf.  Ach?  Diese Bezeichnung war mir vollkommen neu, aber natürlich sofort einsichtig. Dort wurde das Buch von Elaine Aron erwähnt, das damals das einzige erhältliche Buch zum Thema war. Ich habe es mir sofort bestellt, mich innerhalb von zwei Tagen hindurchgefräst. Aber dann

war es das leider für die nächsten Jahre.

Obwohl ich mich zu 100 % erkannte und endlich gesehen fühlte, fing ich zunächst einmal gar nichts mit diesem Wissen an. Es war mir damals nicht klar, dass

Erkennen ein wichtiger Schritt

ist, aber eben nur ein winzigkleiner Schritt im Vergleich zu den vielen Schritten, die die Integration und Umsetzung in das eigene Leben mit sich bringt. So hat es alles in allem noch ein paar Jahre gedauert, bis ich bereit war, mein Leben meiner Hochsensibilität anzupassen und nicht umgekehrt. Heute weiß ich

die Umsetzung ist ein lebenslanger Prozess

der nie aufhört, aber manche Schritte sind eben größer und wichtiger als andere. Das Klopfen hat mir dabei wirklich sehr geholfen, weil ich so zu mir selbst gekommen bin, und begonnen habe, mich selbst wichtig zu nehmen meine eigenen Bedürfnisse nicht mehr in den Hintergrund zu stellen, sondern mich vielmehr von ihnen leiten lasse.

Wie haben Sie herausgefunden, dass Sie hochsensibel sind? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

P.S. Der Test beruht übrigens auf Persönlichkeitstypen, die C.G. Jung entwickelt hat und dann von Isabel Briggs Myers/Katharine Cook Briggs zum Myers-Briggs Typenindikator und David Keirsey zum Keirsey Temperament Sorter weiterentwickelt wurden.

Ich mache diesen Test immer wieder mal ganz gerne zwischendurch und bin mittlerweile nicht mehr so auf die „Heilerin“ festgelegt, sondern finde mich gelegentlich auch in der „Beraterin“ wieder. Das passt ja auch gut 🙂

Bildnachweise: Pixabay

Was Überforderung mit Bindungserfahrungen zu tun hat

Was Überforderung mit Bindungserfahrungen zu tun hat

In der letzten Zeit bin ich einer überwältigenden Fülle von aufregenden Informationen begegnet, die ich hoffentlich so nach und nach auf diesem Blog aufbereiten und Ihnen zur Verfügung stellen kann.

Sehr spannend ist zum Beispiel der Zusammhang zwischen erlebten

Bindungserfahrungen in der Familie

und einer als grundsätzlich und absolut erlebten Überforderung. Es stellt sich natürlich die Frage, inwieweit dies mit der eigenen Hochsensibilität zusammenhängt, oder ob sie vielleicht durch den permanenten Stress verstärkt wird? Mir scheint, dass dies einer der wichtigsten Artikel ist, die ich seit dem Bestehen meines Blogs überhaupt geschrieben habe.

Wie ein Schwamm

Vielleicht haben Sie schon einmal gehört, dass das, was wir in den ersten Lebensjahren erleben, prägend ist für unser ganzes späteres Leben. Im Alter von zwei bis sechs Jahren befindet sich das kindliche Gehirn im Delta- und Thetazustand. Zum Vergleich: Wenn wir meditieren oder tiefenentspannt sind, befindet sich unser Gehirn bei 3–8 Hz im Thetazustand, der Deltazustand tritt bei 0,4–3 Hz bei Bewusstseinszuständen wie Tiefschlaf, Tiefenhypnose oder Trance auf. Leichte Entspannung entspricht hingegen dem Alpha-Bereich von 8–12 Hz. Unser ganz normales Alltagsbewusstsein hingegen bewegt sich im Beta-Zustand bei einer Frequenz von 13–21 Hz. Bei erhöhter Alarmbereitschaft verändert sich die Frequenz noch weiter in einen Bereich von 21–38 Hz.

Bei den Delta- und Thetazuständen des Gehirns handelt es sich um sog.

hypnogogische Trancezustände.

In diesen Zuständen wird alles, was das Kind wahrnimmt und erfährt, ohne Bewertung im Unterbewusstsein  (was eigentlich ein Unbewusstsein ist) abgespeichert. Hypnotherapeuten rufen diese Gehirnzustände in der Hypnose hervor, um neue Verhaltensweisen im Unterbewusstsein ihrer Klienten zu verankern.

Allerdings beginnt das Kind erst im Alter von sieben Jahren ein analytisches Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln. Für das Kind ist daher erst einmal

alles wahr und richtig, was es hört und sieht.

Und es kann gar nicht anders, als alles, was es erlebt, in einen direkten Zusammenhang mit sich selbst zu setzen, weil ihm die Voraussetzungen dafür fehlen, etwas kritisch zu prüfen und es dann vielleicht zu verwerfen. Natürlich wird immer auch versucht, das Erlebte in einen Kontext einzuordnen, z. B., ich bin schuld, weil der Vater oder die Mutter sich ärgern oder weil ich nicht genüge, ist der Vater oder die Mutter vielleicht weggegangen. Sie sehen es schon:

So entstehen Glaubenssätze, die unser ganzes Leben blockieren

Ist dieser Glaubenssatz erst einmal entstanden, werden wir immer wieder neue Erfahrungen anziehen, die diesen Glaubenssatz zu bestätigen scheinen. Und jede neue Erfahrung sorgt dafür, dass sich das Erlebte wahr anfühlt.

Die meisten Glaubenssätze entstehen natürlich im Zusammenhang mit dem, was wir in unseren ersten Lebensjahren erfahren – meistens in der Familie.

Angeblich sollen 50% aller Menschen in Deutschland

in sicheren Bindungsmustern aufwachsen,

das bedeutet, dass sie sich als Kinder in der Famillie  sicher und geborgen fühlen. Natürlich gibt es auch mal Streit, das kann ja gar nicht ausbleiben. Aber im Prinzip dürfen sie Kind sein und die Eltern sind die Erwachsenen.

Seinerzeit war es die einzige offizielle Zahl, die ich finden konnte. Ehrlich gesagt halte ich sie für utopisch, aber das macht im Augenblick nichts. Gehen wir also davon aus, dass im Umkehrschluss die übrigen 50% aller Menschen in Deutschland in Familien aufwachsen, in denen sie sich einfach nicht sicher fühlen. (Wenn Sie mehr über die verschiedenen Bindungsmuster erfahren wollen, lege ich Ihnen diesen Artikel ans Herz).

Sicherheit ist eine der grundlegendsten Erfahrungen unseres Lebens

oder eben das Fehlen derselben.

Alles beginnt mit der Überforderung unserer Eltern (Wir könnten den Faden natürlich noch weiterspinnen zu den Großeltern und Ur-Großeltern, aber das führt jetzt einfach zu weit). Gehen wir einfach davon aus,

dass unsere Eltern überfordert sind

mit der eigenen Lebenssituation. Das kann viele Ursachen haben, z. B. traumatische Kriegserfahrungen, Bindungsschwierigkeiten, Krankheiten, fehlendes Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse usw. Vielleicht waren die Eltern noch gar nicht bereit für eine feste Bindung, haben dann aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft doch geheiratet, und noch weitere Kinder bekommen, ohne jemals das ganze Konstrukt zu hinterfragen. Dies ist

eine denkbar ungünstige Ausgangssituation.

Es kann natürlich auch sein, dass die Hochsensibilität eines Elternteils das Famillienleben beeinflusst, so dass sich vielleicht ein Elternteil zum inneren Rückzug entschließt, während ein anderer Elternteil die Situation durch aggressives Verhalten zu verändern versucht . Vielleicht werden die Eltern es einander übelnehmen, einander  „in die Falle gegangen zu sein“ und nun hier festzusitzen, ohne dies je gewollt zu haben. Vielleicht werden die Eltern häufig miteinander streiten, innerlich zueinander auf Abstand gehen, das Kind instrumentalisieren und missbrauchen als Verbündeten im Kampf gegen den jeweiligen anderen Ehepartner.

Für das Kind ist Sicherheit überlebenswichtig

Fehlende Sicherheit kann zum Beispiel bedeuten

  • das eigene Zuhause wie einen Minenfeld zu erleben (man weiß nie, wann die nächste Mine hochgeht)
  • das Verhalten der Erwachsenen ist vollkommen unverständlich
  • sich nicht geliebt und umsorgt zu fühlen
  • in Armut aufzuwachsen
  • die Eltern oder ein Elternteil ist krank
  • Fehlende Unterstützung und Zuspruch
  • sich selbst als vollkommen unwichtig zu erleben
  • Gewalt in der Familie
  • sexueller Missbrauch und Übergriffe

Es gibt also keine Beständigkeit. In dem einen Augenblick ist etwas so, aber es kann im nächsten Augenblick wieder ganz anders sein. Das Kind verliert das Bewusstsein für eine Art von Kontinuität. Das Leben besteht immer nur aus Augenblicken.

Das Kind wird versuchen, dafür zu sorgen, dass

seine eigene Sicherheit

wieder hergestellt wird. Entweder aus eigenem Antrieb, weil das eigene Überleben von der Sicherheit abhängt, oder auch, wenn es einen gefühlten Auftrag von den Eltern oder einem Elternteil erhält, ohne dass dieser jemals wirklich ausgesprochen werden muss. Es wird versuchen, es für seine Eltern wieder gut zu machen, z. B. indem es sich um einen Elternteil besonders kümmert. Es kann dann aber auch wieder erleben, dass die Eltern sich gegeneinander verbünden, zu einem Zeitpunkt, an dem es vielleicht gar nicht damit rechnet.

Aber da es ein Kind ist, ist es naturgemäß immer

mit dieser Aufgabe überfordert.

Was immer es auch tut, es wird nicht das richtige sein. (Es gibt natürlich leider auch Erwachsene, die so perfide sind, ihren Kindern diese Schuld zu suggerieren.) So entsteht ein Gefühl tiefer Schuld und tiefen Versagens, das grundsätzliche Gefühl nicht gut genug zu sein. Eine andere Strategie, die Kinder dann entwickeln können ist

am besten nicht aufzufallen

keine Wünsche zu äußern und keine Bedürfnisse anzumelden, am besten den Eindruck zu erwecken, nicht da zu sein, weil man so den Eltern am besten hilft. Sie ahnen es schon:

das Kind lernt so, dass es nicht wichtig ist,

dass seine Bedürfnisse nicht wichtig sind und das eigene Leben für die Eltern keine Relevanz hat, vor allen Dingen keine positive. Sie ahnen sicherlich schon, worauf es hinausläuft: ein Kind, dass in einem solchen Rahmen aufwächst, kann gar keine Selbstliebe und Selbstachtung entwickeln, denn von den Eltern bekommt es immer nur die eigene Unwichtigkeit gespiegelt.

Insgesamt erlebt sich das Kind als ohnmächtig, was sehr viel Stress auslöst und auch dazu führt, dass es keine Positivität und keine Freude entwickeln kann. Das ganze Leben bleibt grau in grau.

Diese Erfahrungen tragen wir bis in unser Erwachsenenleben hinein

Sie bestimmen fast unser gesamtes Handeln. Mittlerweile geht man ja davon aus, dass unser Gehirn zu 95% automatisch arbeitet, also von diesen Erfahrungen geleitet wird. Dies bedeutet, dass als Erwachsene das Erleben immer von dieser grundsätzlichen Überforderung bestimmt wird, einer Mischung aus der fehlenden Möglichkeit, sich zu entspannen, einer übergroßen Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen (möglicherweise geboren aus der ewig bestehenden Schuld, die man abzutragen versucht), einem fehlenden Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse sowie das Fehlen von positiven Gefühlen gegenüber dem eigenen Selbst (wie Selbstliebe, Selbstachtung, das Erkennen des eigenen Wertes).

Diese Erfahrungen tragen wir auch in unsere Beziehungen hinein,

denn sie sorgen dafür, dass wir Beziehungen grundsätzlich misstrauisch gegenüberstehen, weil wir die Erfahrungen eines positiven Gehaltens- und Unterstütztwerdens überhaupt nicht kennen. Sie sorgen dafür, dass wir die Dinge mit uns selbst abmachen, anstatt mit unseren PartnerInnen zu sprechen und sie sorgen vor allen Dingen dafür, dass wir in Beziehungen

keine Sicherheit erleben.

Vielleicht suchen wir uns PartnerInnen aus, mit denen das gar nicht möglich ist, mit denen sich die Erfahrungen unserer Kindheit eher wiederholen statt sie zu verändern, d. h., die Wahrscheinlichkeit, dass wir PartnerInnen wählen, die ihrerseits fehlende Sicherheitserfahrungen in der Kindheit gemacht haben, ist ziemlich hoch.

Dazu kommt noch, dass letzen Endes es dabei ja immer auch um die

Bindung zu sich selbst geht, die durch diese Bindungserfahrungen leidet.

Und wenn die Bindung zu oder an sich selbst fehlt, funktionieren ganz viele Dinge nicht so, wie sie sollten. Gerade solche Themen wie beruflicher und finanzieller Erfolg und Wohlstand – Sicherheitsthemen erster Klasse – leiden unglaublich darunter. Denn wie soll man erfolgreich sein, wenn man das Gefühl hat, dass man dies nicht verdient … oder glaubt nicht gut genug zu sein …

Die große Frage ist:

Wie können Sie das ändern?

Ich bin selbst so aufgewachsen und habe mir diese Frage natürlich auch gestellt. Denn mir ist so nach und nach gedämmert, dass ganz viele Dinge, die in meinem Leben nicht richtig laufen, eben mit diesen selbstsabotierenden Glaubenssätzen zu tun haben. Dazu kam noch, dass ich ein Interview mit Bruce Lipton gesehen habe, der von einem eigenen Augenblick der Selbsterkenntnis sprach, in dem er zu dem Schluss kam, dass er seine eigenen Glaubenssätze erst einmal löschen müsse. Tolle Idee fand ich. Denn mir war selbst schon klar:

auch Wohlstand hängt mit Bindungserfahrungen zusammen.

Gesagt, getan. Ich habe also eine Trancereise aufgenommen, in der es um die Löschung von alten Glaubenssätzen geht, die man von anderen übernommen hat, Glaubenssätze, die den Erfolg, das berufliche Fortkommen und Wohlstand behindern und sie durch Glaubenssätze ersetzt, die Selbstliebe, Selbstausdruck und Selbstwert steigern.  Vom Ergebnis bin ich so begeistert, dass ich mich dazu entschieden habe, sie für kleines Geld zum Verkauf anzubieten. Diese Trancereise sollten Sie mindestens 100 Tage täglich 1–2 Mal hören.

Ich bin sehr gespannt, welche Erfahrungen Sie damit machen. Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Herzliche Grüße,
Ihre
Monika Richrath

7 Fehler, die Coaches machen können

7 Fehler, die Coaches machen können

Die berufliche Selbstständigkeit ist für viele hochsensible Menschen der einzige Weg, überhaupt am Arbeitsleben teilnehmen zu können. Hier gilt es, die häufig mit der Hochsensibilität einhergehenden Wesenseigenschaften wie z. B. Empathie als Triebfeder für Veränderung zu nutzen – die eigene und die anderer. Viele hochsensible Menschen entscheiden sich daher dafür Coach zu werden. Dies bringt aber neue Herausforderungen mit sich. Ich habe daher in diesem Artikel 7 Fehler aufgelistet, denen ich in meinem Leben begegnet bin, manchmal sind sie mir bei anderen aufgefallen (als (potentielle) Klientin), die meisten habe ich aber selbst auch irgendwann einmal begangen …

1. Fehlende Empathie

Dass jemand Coach ist, bedeutet noch lange nicht, dass jemand dann unbedingt auch hochsensibel ist. Ich bin im Laufe der Zeit einigen Menschen online begegnet, die definitiv die Hauruck-Methode (oder besagt: Haudraufmethode) bevorzugen. Kürzlich war ich auf facebook einmal geschlagene fünf Minuten Mitglied einer Marketinggruppe, weil mir der Auftritt der Moderatorinnen ein physisches Unbehagen verursachte. Falls Sie auf der Suche nach einem Coach sind, ist es immer empfehlenswert, sich über die Person zu informieren. Ich selbst lasse mich nicht von jemandem coachen, der nicht hochsensibel ist. Zwar habe ich das noch nie so explizit festgelegt, ich vermute aber, dass ich das intuitiv mache. Aber selbst wenn jemand erwiesenermaßen hochsensibel ist, bedeutet das nicht automatisch, dass man immer empathisch behandelt wird. Mir selbst hat übrigens neulich auch jemand vorgeworfen, ich hätte es an Empathie mangeln lassen. Zum Glück kann ich damit mittlerweile ganz gut umgehen. Es kommt häufig vor, dass Menschen „einfach nur so“ mit mir sprechen und die Last ihres Lebens bei mir ablegen möchten. Sie können sich sicherlich vorstellen, dass das für mich ziemlich belastend ist. Viele Coaches bieten etwas Ähnliches an wie ich mit meinem Startergespräch. Man muss also nicht die Katze im Sack kaufen und kann schauen, ob die Chemie stimmt und ob man sich die Zusammenarbeit miteinander vorstellen kann. Zu fehlender Empathie gehört für mich auch ein

fehlendes bzw. unvollständiges Bewusstsein für die Bedürfnisse der Zielgruppe.

Diesem Fehler begegne ich vor allen Dingen online immer wieder. Einmal habe ich ein superspanndes Webinar besucht, das sich explizit mit dem Thema Hochsensibilität beschäftigte, die Organisatorin war hochsensibel, der Referent war hochsensibel, das Webinarthema beschäftigte sich mit Hochsensibilität. Dann war es aber so: es gab aber drei geöffnete Fenster: in einem war der Referent zu sehen. In einem anderen Fenster sah man die Moderatorin, die dauernd Geräusche machte und auf ihrem Computer herumklickte, im dritten Fenster lief der Chat. Ich bin dabeigeblieben, weil ich das Thema so spannend fand, aber hinterher war ich total erschöpft und auch empört über diese völlig unnötige Strapaze. Außerdem fand ich es so schade für den Referenten, der so natürlich nicht die Aufmerksamkeit bekam, die er verdient hatte …

2. Die eigene Methode für die beste halten

Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten zur Entfaltung und zum Wachstum. Als Coach verschreibt man sich meistens einer, höchstens zwei verschiedenen Methoden, die man dann für den universellen Weg für alle hält. Letzteres ist definitiv ein Fehler, weil man den individuellen Menschen dann nicht mehr wahrnimmt. Die Klopfakupressur ist zum Beispiel nicht für jeden was. Es gibt Menschen, die damit überhaupt nicht können. Das ist dann so. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Veränderung und Wachstum können nur dann geschehen, wenn Körper UND Geist gleichermaßen begeistert sind. Kürzlich hat mir jemand aus meinem Kontaktpool geschrieben: „Wenn Sie Gott gefunden haben, brauchen Sie nichts mehr.“ Autsch. Kontakt löschen. Schade. Das bringt mich direkt zu

3. Sich für unfehlbar halten

Ich versuche, relativ konstant meinen Kontaktkreis zu erweitern und schreibe Menschen an, von denen ich das Gefühl habe, es könnte passen. Auf Xing kommt es dabei häufiger mal zu Irritationen, dass ich, als Coach, andere Coaches anschreibe. Das finde ich ein wenig seltsam. Als wäre man dadurch, dass man als Coach arbeitet, unfehlbar, als hätte man nicht eigene Themen und Schwierigkeiten, die anzusehen und zu bearbeiten sich lohnen würde. Auch wenn ich Coach bin, bleibe ich ein Mensch mit menschlichen Schwierigkeiten, die erst dann aufhören, wenn ich tot bin. Mit so jemandem würde ich als Klientin niemals zusammenarbeiten. Für mich ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe das A und O im Coaching. Vor allen Dingen, aber nicht nur, als Klientin. Wie soll Veränderung in mir entstehen, wenn ich das Gefühl habe, mein Gegenüber ist mir überlegen?

4. Eigene Widerstände nicht reflektieren

Dieser Punkt ist mir besonders wichtig. Nachdem ich einmal ein längeres Seminar zu diesem Thema mitgemacht habe, ist mir auch klargeworden, warum. Dieser Punkt ist im Grunde genommen sehr eng mit Punkt 3 verbunden. Es sind ja immer zwei Menschen, die in einer Coachingbeziehung miteinander in Kontakt treten. Im vergangenen Jahr habe ich mich viel von anderen Menschen coachen lassen. Vor allen Dingen in einem Fall habe ich irgendwann bemerkt, dass ich mich nach dem Coaching viel schlechter fühlte als vorher. Was daran lag, dass mein Coach einfach auf ihren Methoden beharrt hat und sich überhaupt nicht damit beschäftigen wollte, warum etwas für mich nicht ging. Ich fühlte mich richtig schlecht, nicht gesehen. Spannenderweise kam das Seminar zum Thema Widerstände genau zu diesem Zeitpunkt in mein Leben und ich konnte mich entscheiden, dieses Coaching zu beenden – damit fiel eine Last von meinen Schultern. Ich fühlte mich wie befreit!

5. Coacheritis

Eine sehr gute Methode, andere Menschen vor den Kopf zu stoßen und gegen sich aufzubringen ist die Coacheritis, die vor allen Dingen frischgebackene Coaches gerne befällt. Das hängt natürlich eng mit Punkt 2 zusammen, mit der Begeisterung für die eigene Methode und ihren Möglichkeiten. Das möchte man gerne in die Welt hinaustragen (gerne auch in den Freundeskreis)! Leider schießt man dabei häufig über das Ziel hinaus. Andere Menschen möchten nicht gedrängt werden, dieses oder jenes Problem zu bearbeiten. Am liebsten mit einem selbst. Sie möchten selbst entscheiden, ob und wann sie das Problem bearbeiten und mit wem. Ich vermute, es bringt praktisch niemals was, wenn Sie zu jemandem sagen, „Das könntest du mal bearbeiten.“ Denn damit erheben Sie sich automatisch in eine übergeordnete Position und die Augenhöhe ist sofort flöten. Für den oder die andere ist das unangenehm. Ab sofort hat sie überhaupt keinen Grund mehr, mit ihnen zusammenzuarbeiten – wenn sie es je in Erwägung gezogen haben sollte. Ich kenne so eine Person, die mit anderen praktisch nur als Coach spricht. Das ist grottenunangenehm. Auch wenn ich vermute, dass das letzten Endes nur Tarnung ist und anderes verbergen soll, vermeide ich Begegnungen mit dieser Person.

6. Zu viel Werbung

Die meisten hochsensiblen Menschen sind extrem allergisch gegen Werbung – jedenfalls so lange, bis sie selbst Coach werden und sich mit der Notwendigkeit auseinandersetzen müssen, Werbung zu betreiben um auf sich aufmerksam zu machen. Zu diesem Thema möchte ich auf jeden Fall noch einmal einen extra Artikel schreiben – ich denke, das lohnt sich. Ich bin selbst schon mal aus einer Gruppe bei facebook rausgeflogen, weil ich meinen Blogbeitrag gepostet habe und in der Seitenleiste mein Buch zu sehen war. Damals war ich ganz schön empört, dass sich jemand darauf fokussierte statt auf den interessanten Artikel … Ich habe daraus aber gelernt und halte mich von solchen Gruppen fern, bzw. lese die Gruppenbeschreibungen vorher aufmerksamer 😉 Von TeilnehmerInnen meines kostenlosen Kurses habe ich schon öfter die Mitteilung erhalten, dass sie meinen Auftritt als unaufdringlich empfinden, das freut mich natürlich. Offenbar habe ich das richtige Maß gefunden  …

7. Mangelempfinden

Ich bin jetzt ja schon ein paar Jahre dabei und ich kann sagen, dass ein Mangeldenken wirklich äußerst schädlich ist. Vor allen Dingen für einen selbst, weil Verbitterung ziemlich ausufern kann und völlig unnöter Stress ist. Das kann praktisch alles beinhalten, z. B. wenn man denkt, man kennt so viel potentielle KlientInnen, denen man viel Gutes tun könnte, aber die kommen nicht einmal auf die Idee, zu einem zu kommen! Dazu möchte ich gerne etwas anmerken. Sie können niemals wissen, was für jemand anderen gut ist. Jeder hat seine Gründe dafür, etwas zu unternehmen oder eben weiter zu leiden. Möglicherweise möchten die, die Sie als potentielle Klienten betrachten, sich sowieso eher von jemandem behandeln lassen, der sie nicht kennt. Vielleicht würden sie sich im Coaching mit Ihnen unterlegen fühlen (Siehe Punkt 5). Vor allen Dingen möchten Sie vielleicht die Freundschaft mit Ihnen nicht aufs Spiel setzen … Wenn keine Klienten zu Ihnen kommen, hat das in erster Linie immer mit Ihnen zu tun und weniger mit anderen. Blockaden und Glaubenssätze können eine Rolle spielen, zum Beispiel, wenn Sie insgeheim glauben, keinen Erfolg zu verdienen. Dann ist es viel sinnvoller, aktive Glaubenssatzarbeit zu betreiben, statt sich zu grämen. Eine spirituelle Weisheit, die mir einmal auf einem online-Kongress über Geld zugeflogen ist: Es kann bei Ihnen niemand Kunde werden, wenn Sie auch bei niemandem Kunde sind. Stimmt zu 100 % – kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Als hochsensibler Coach können Sie unglaublich davon profitieren, sich mit anderen hochsensiblen Coaches zusammenzuschließen. Gedanken wie: „Die anderen könnten mir die KlientInnen wegnehmen“ sind nicht nur unglaublich unproduktiv und angsterzeugend, sondern auch unglaublich falsch. Coaching beruht weniger auf Methoden, sondern im wesentlichen auf Persönlichkeit – Ihrer! Die Menschen arbeiten mit Ihnen zusammen, weil Sie sie mögen, weil sie zu Ihnen Vertrauen haben und weil Ihre Geschichte ihnen vielleicht Hoffnung schenkt.

Was für Erfahrungen haben Sie gemacht als Coaches, oder auch als KlientIn? Es wäre auch ein guter Rahmen, sich über mich zu beschweren … 😉 Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare. 

Herzliche Grüße,

Ihre Monika Richrath 

Bildnachweise: Pixabay

Sieben gute Gründe keine Milch zu trinken

Sieben gute Gründe keine Milch zu trinken

Ich weiß schon sehr, sehr lange, dass Milch eigentlich nichts für mich ist. Dabei habe ich Milch als Kind und junge Erwachsene total geliebt. Bis ich 1997 oder 1998 diesen verhängnisvollen Magendurchbruch hatte. Danach war erstmal Schluss mit der Milch. Mir hatte damals jemand erklärt, dass durch die OP (man entfernte mir ein Stück des Magens) mir nun bestimmte Enzyme fehlen würden, so dass ich Milch nicht mehr verarbeiten könnte.

Damals war ich noch ganz anders in der Welt unterwegs. Von Hochsensibilität wusste ich noch gar nichts. Und ich hatte auch noch nicht angefangen, mich mit biologischen Zusammenhängen auseinanderzusetzen. Ich habe diese Aussage zur Kenntnis genommen, nicht weiter hinterfragt und mich als fortan als laktoseintolerant betrachtet. Jahrelang habe ich überhaupt keine Milchprodukte zu mir genommen außer Butter und Sahne (die sonderbarerweise immer gingen). Ach ja, und natürlich habe ich dabei (ich bin ja sehr experimentierfreudig) auch

Laktase-Tabletten

versucht. Sonderbarerweise funktionierten die Laktasetabletten aber nur manchmal, nicht immer. Und (das war so richtig dumm), ich habe immer erst hinterher gewusst, ob sie funktioniert haben. Oft saß ich da mit Bauchschmerzen – dann hatten sie eben nicht funktioniert.

Ich habe außerdem sehr schnell gemerkt, dass plötzlich ohne die Laktase-Tabletten die Sahne ganz schnell zum Problem wurde. Offenbar stellte der Körper seine minimale eigene Laktaseproduktion bei der Zufuhr von Laktase von außen einfach ein. Nicht gut. Gottseidank ließ sich der Prozess durch das Weglassen der Laktasetabletten wieder rückgängig machen.

Von daher war an der Milchfront erst einmal alles gut. Ich habe mich bestimmt 7 Jahre lang überwiegend vegan ernährt (wenn auch ganz bestimmt nicht so supergesund wie das heute mit veganer Ernährung verbunden ist). Dann wollte ich aber wieder andere Dinge essen, auch Fleisch usw.

Obwohl ich nach wie vor keine Milch trinke, sind Milchprodukte für mich zu einem echten Problem geworden. Vor allen Dingen Käse.

Nach Käse bin ich regelrecht manchmal süchtig

obwohl ich genau weiß, dass ich mich nach dem Genuss von Käse aufblähe wie ein Ballon, schlecht Luft bekomme und vor allen Dingen von einer alles verschlingenden und durch nichts zu besänftigenden Nervosität befallen werde – die letzten Endes auch das Einschlafen schwierig macht. Das nützt alles nichts. Manchmal stehe ich im Supermarkt Ewigkeiten vor dem Käseregal und starre sehnsüchtig wie ein Junkie auf den angebotenen Käse. Manchmal schaffe ich es, zu widerstehen, manchmal nicht. Es endet jedenfalls immer schlecht, wenn nicht.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin in solchen Fällen leider stets bereit, mir das nicht-widerstehen-können als persönliches Versagen anzukreiden. Das macht es natürlich auch nicht besser, ganz im Gegenteil.

Im Rahmen der Recherche für mein neues Buch über Schlafstörungen habe ich mich vor kurzem eingehender mit dem Thema Milch beschäftigt und ein paar schockierende Dinge über Milch herausgefunden.

Dass es nämlich jede Menge guter Gründe gibt, überhaupt keine Milchprodukte zu sich zu nehmen

– ganz gleich, ob man sie zu vertragen scheint oder nicht.

1. Grundsätzlich landet alles, womit die Kuh in Berührung gekommen ist, später in der Milch

Herbizide, Pestizide, Dioxine (Lt. WHO stammen 90% der von Menschen aufgenommenen Dioxine von Milch und Fleisch. Dioxin gilt als extrem giftige, krebsauslösende Chemikalie.), Blut, Kot, Bakterien und Viren, Hormone, Antibiotika usw. Die Kühe werden z. B. mit Antibotika gegen Euterentzündungen behandelt und bekommen offenbar vor der Geburt eines neuen Kalbes präventiv Antibiotika verabreicht.  Eine 2011 in der Zeitschrift Journal of Agricultural and Food Chemistry veröffentlichte Studie hat  ans Licht gebracht, dass ein einziges Glas Milch an die 20 verschiedene pharmakologisch aktive Substanzen wie Schmerzmittel, Antibiotika und Wachstumshormone enthielt (untersucht wurden Kuhmilch, Ziegenmilch und Muttermilch). Gruselig, oder?

2. Milch ist an sich für Menschen ein artfremdes Getränk

Es ist dazu bestimmt, den Nachwuchs der Kuh aufzuziehen. Darum enthält es jede Menge Wachstumsfaktoren, damit das Kalb schnell groß wird.  Für erwachsene Menschen ist die Aufnahme von IGF-1 (insulinähnliche Wachstumsfaktoren) nicht nur unsinnig, sondern ungesund. Denn diese Wachstumsfaktoren werden vor allen Dingen mit Zellwachstum in Verbindung gebracht, genauer mit dem Wachstum von Tumorzellen und zwar bei Brust,- Eierstock und Prostatakrebs.

3. Milch verhindert nicht das Risiko an Osteoporose zu erkranken,

sondern erhöht vielmehr das Risiko von Knochenbrüchen. Eine 2014 veröffentlichte schwedische Langzeitstudie, in der 60.000 Frauen 20 Jahre lang und 45.000 Männer 11 Jahre lang begleitet wurden, kam zu dem Ergebnis, dass der Verzehr von Milch das Risiko von Knochenbrüchen erhöhte. Das war aber nicht das einzige Ergebnis dieser Studie. Es kam ebenfalls dabei heraus, dass

4. die MilchtrinkerInnen sogar früher starben,

vor allen Dingen jene, die mehr als 3 Gläser Milch am Tag tranken (ca. 680 ml). Dieses Ergebnis wurde von den Forschern damit erklärt, dass Milch entzündliche Prozesse der unterschiedlichsten Art im Körper fördert und in Verbindung mit den erhöhten oxidativen Stresswerten, die sich ebenfalls bei den ausgemachten MilchtrinkerInnen fanden, Krankheiten auslöst. Die Bandbreite ist groß und reicht von Akne, Neurodermitis, Allergien, Reizdarm, Bluthochdruck, Arthritis, Osteoporose, chronische Nebenhöhlenentzündungen, bis hin zu Parkinson, Alzheimer und eben auch Krebs.

5. Der Verzehr von viel Milch im Kindesalter wird in Verbindung gebracht mit dem Entstehen von Diabetes Typ 1

Dazu gibt es einige Studien. Offenbar ist das Protein in der Milch, das Kasein, dafür verantwortlich. Dazu später noch mehr.

6. Milch verschleimt den Körper.

Sie können das ganz einfach selbst überprüfen, indem Sie eine Zeitlang alle Milchprodukte weglassen und dann Käse essen.

7. Die meisten Menschen können überhaupt keine Milch verstoffwechseln.

Wussten Sie, dass rund 75 % der Weltbevölkerung an laktoseintolerant ist? Diesen Menschen fehlt das Enzym Laktase, mit dem der in der Milch enthaltene Milchzucker aufgespalten wird, so dass dieser nicht vom Körper aufgenommen werden kann.In der Folge entstehen Magen-Darm-Beschwerden, wie Übelkeit, Blähungen, Durchfall und Erbrechen. Die Bandbreite an Symptomen geht aber noch viel, viel weiter, sie kann auch chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Schweißausbrüche, Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen und Schwindel auslösen …

Dass so viele Menschen keine Milch verstoffwechseln können, ist aber auch kein Wunder. Milch ist kein Getränk für Menschen. Darum sollen Kinder mit Muttermilch gestillt werden, dann bekommen sie die ihnen von der Natur zugedachte Nahrung. Im Netz habe ich den Hinweis gefunden, dass die Laktaseaktivität sowieso nach der Entwöhnung von der Muttermilch abnimmt. In Afrika oder Asien ist es daher vollkommen normal, Laktose nicht verstoffwechseln zu können. Dass es in Westeuropa, Australien und Nordamerika anders ist, liegt vermutlich in der langen Tradition der Weidewirtschaft.

Eine Laktoseintoleranz kann angeboren sein (absolute Laktoseintoleranz), sie kann aber auch vorübergehend oder erworben sein (sekundäre Laktoseintoleranz), z. B. durch Erkrankungen des Verdauungssystems, chronische Darmerkrankungen, Zöliakie, Darmparasiten, Alkoholmissbrauch, Chemotherapie, Mangelernährung, Divertikel, Gastrektomie etc.

Ich habe ja schon eingangs erwähnt, dass ich mich selbst lange Zeit für laktoseintolerant gehalten habe. Mir ist im vergangen Jahr so langsam gedämmert, dass das möglicherweise nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Ich habe verschiedene sog. laktosefreie Produkte ausprobiert und es ging mir trotzdem schlecht.

Jetzt bin ich darauf gekommen, dass ich offenbar

eine Kasein-Unverträglichkeit

habe. Milch besteht zu 80 % aus Proteinen, dem Kasein und zu 20 % Molkeneiweiß. Bei einer Kaseinunverträglichkeit reagiert der Körper auf die Kasein-Eiweißbestandteile, weil er sie nicht verwerten kann.

Foto: Couleur/pixabay

Die Symptome der Kaseinunverträglichkeit decken sich weitgehend mit denen der Laktoseintoleranz. Aber es gibt auch noch andere Symptome, z. B. Hautveränderungen, Urtikaria, Neurodermitis, Hautstörungen, Pickel, Pustel, Juckreiz und eine Neigung zu Ekzemen. Auch Juckreiz, Ekzembildung, Pickel Pusteln, Hautrötungen oder Allergische Rhinitis und allergischer Schnupfen.

Natürlich stelle ich mir dann auch die Frage, wie sich all das auf meine Hochsensibilität auswirkt, bzw. eher andersrum, inwieweit die Symptome durch meine Hochsensibilität verstärkt werden – weil ich ja alles, was in meinem Körper vor sich geht, wie mit einer Lupe vergrößert überdeutlich wahrnehme.

Besonders fatal: Kasein enthält sog. Kasomorphine, die suchterregendes Potential haben, sie docken direkt an unsere Opiodirezeptoren an und greifen so direkt in unser Gefühlsleben ein. Mir war sofort klar, dass dort die Nervosität, die mich nach dem Verzehr von Käse befällt, herkommen muss. Und dass es jetzt wirklich an der Zeit ist für mich, die Reißleine zu ziehen und den Verzehr von allen Milchprodukten auf ewig einzustellen und mich noch einmal sehr eingehend mit meiner Ernährung zu befassen. Ich habe einen Tipp für ein superspannendes Buch bekommen, das diesen Zusammenhängen noch näher nachgeht, darüber werde ich demnächst mehr berichten.

Hat dieser Artikel neue Erkenntnisse für Sie gebracht?  Was erleben Sie mit Milch? Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Ich wollte mich übrigens noch gerne für Ihre freundlichen Reaktionen auf meinen letzten Artikel bedanken, ich habe mich sehr getröstet gefühlt und mich anderen konstruktiven Dingen zugewandt anstatt mir die Haare zu raufen.

Ich gehe jetzt übrigens in eine Sommerpause, im Juli geht es mit frischer Energie dann wieder weiter.

Herzliche Grüße und eine schöne Zeit für Sie,

Ihre
Monika Richrath

de_DEDeutsch