Trauma in Liebesbeziehungen Teil 2 Alltag

Trauma in Liebesbeziehungen Teil 2 Alltag

Es ist gar nicht so leicht, jemanden kennenzulernen, vor allem nicht, wenn Hochsensibilität mit im Spiel ist. Erschwerend kommt hinzu, dass ich mich eher auf „Nebengleisen“ bewege. Ich selbst gehe zwar supergerne aus, aber der Großteil etwas älterer Frauen eher nicht. Man trifft sich einfach nicht mehr so selbstverständlich, wie das früher vielleicht der Fall war. (Ich habe meine SUCHE vor Corona begonnen übrigens.)

Von daher war es für mich ganz logisch und selbstverständlich, dass ich mich im Internet auf die Suche gemacht habe. Das hat wirklich seine Tücken und war ein Mega Stress: Alle, absolut alle Menschen, die ich bis dahin online näher kennengelernt habe,

hattenentwicklungstrauma kann entstehen wenn der vater psyschisch krank ist. eine psychische Erkrankung.

Das hat mich unglaublich frustriert. Natürlich wusste ich von mir selbst, dass es da noch einige Leichen im Keller gibt, die ich noch nicht angeschaut habe, aber ich kann über mein Leben REFLEKTIEREN, ich habe Ängste usw. weitestgehend hinter mir gelassen, ebenso wie Depressionen, ich komme mit mir und anderen Menschen wunderbar zurecht (sonst könnte ich meine Arbeit ja gar nicht machen). Trotz Trauma-Hintergrund. Grundsätzlich bin ich freundlich, friedlich und sehr sortiert. Erst, wenn jemand meine Knöpfe drückt, gerate ich aus dem Ruder. Was im normalen Alltag praktisch nicht vorkommt – äh, vorgekommen ist.

Wieso geriet ich bloß immer an Menschen mit irgendwelchen psychischen Störungen? Das war sowas von ABSCHRECKENd. Am Ende habe ich das sogar in mein Profil auf der Plattform geschrieben (was mir öfter mal wüste Beschimpfungen einbrachte).

Erst letzte Woche wurde das aufgelöst, durch einen Satz, den meine Coach einfach mal so fallen lies. Sie machte mich darauf aufmerksam, dass dieses Anziehungsmuster dadurch entstanden sein könnte,

weil mein Vater psychisch krank war.

Und ja, er war wirklich sehr, sehr krank. (Ich denke immer noch, er war eigentlich nicht richtig lebensfähig.)

Wie ich schon im ersten Teil von Trauma in Liebesbeziehungen geschrieben habe, ging es mir sehr gut, als ich X kennenlernte. Ich war eigentlich ein glücklicher Single und dachte, ich könnte mich

ruhigen Gewissens auf eine Beziehung einlassen,

in der uns beiden der jeweilige Trauma-Hintergrund der anderen bewusst ist. Das war ein totaler Trugschluss.

Letzten Endes waren mir meine eigenen Knackpunkte nicht wirklich bewusst. Sicher, es hatte Erlebnisse mit anderen Menschen gegeben, die

mich regelrecht für eine Woche verstörten,

aber ich hatte nicht verstanden, dass dies für mich 1 a Trigger waren und dass es sich bei der nachfolgenden Verstörung um eine Retraumatisierung handelte. (Davon gehe ich jedenfalls aus.) Von daher fühlte ich mich, als ich mich auf X einließ, zwar  gewappnet, war aber doch vollkommen schutzlos. Denn auf das, was ich dann erlebte, war ich in keinster Weise gefasst.

Unser erstes gemeinsames Weihnachten. Wir haben uns so gefreut, endlich einmal 10 Tage am Stück miteinander verbringen, endlich mal genug Zeit haben für alles …

Und dann kam alles ganz anders

Trauma bedeutet häufig nichts zu fühlenNach 4 oder 5 Tagen fuhr ich vollkommen verstört wieder nach Hause.

Weder erkannte ich X, noch mich selbst wieder. Das war nicht mehr die Frau, in die ich mich verliebt hatte. Die war irgendwie verschwunden. An ihre Stelle war eine herrische, rechthaberische, sehr gemeine Person getreten, die mich

dauernd runtermachte,

weil ich die Dinge nicht so handhabte wie sie. Was hat mich das gekränkt, dass sie sagte, ich könne ihre Patientin sein. (Natürlich hätte sie genauso gut meine Klientin sein können …) Erst machte sie mich klein,  anschließend behauptete sie, ich wäre ihr kein adäquates Gegenüber.

Ich selbst war auch irgendwie verschwunden. Entweder löste ich mich in Tränen auf, weil ich so überrumpelt war von ihrem Verhalten, oder ich zog mich ganz aus mir zurück, um nicht so klein dazustehen und mich nicht klein zu fühlen. Um gar nichts mehr zu fühlen tatsächlich. (Was sie dann wiederum triggerte).Für mich ist es jedenfalls ein hochgradiger Trigger, wenn jemand barsch mit mir spricht und gemein und herablassend wird. Vor allen Dingen, wenn ich mich gerade sicher fühle und es nicht kommen sehe.

bei trauma in beziehungen kommt es zu retraumatisierungJede Attacke war wie eine Art Überfall.

Ziemlich schnell ist bei mir so eine ganz tiefsitzende Unsicherheit aufgeploppt. Wenn ich jetzt das und das nicht mache, wird sie dann wieder über mich herfallen? Natürlich fühlte ich mich total bedroht in meiner ganzen Existenz. Weil ich offenbar nicht gut genug war. Und schuld an allem …

Und dieses Schuldgefühl war offenbar auch etwas sehr Altes. Meine Mutter hat uns immer vermittelt, dass sie ein ganz anderes Leben hätte haben können, wenn sie nicht Mutter geworden wäre, daraus ist bei mir offenbar so

eine Grundschuld

geworden, einfach nur, weil ich da bin, die hier auf einen fruchtbaren Boden fiel. Ich fühlte mich total schuldig, weil ich offenbar nicht eine adäquate Partnerin sein konnte. Und dann war da auch noch diese Verwirrung, die mich bisweilen in ihrer Gegenwart befiel, die vor allen Dingen dann kam, wenn sie mit mir mein Verhalten diskutieren wollte. Ich konnte mich dann weder erinnern, was ich gesagt hatte, noch was ich überhaupt gedacht hatte oder warum ich etwas hatte tun wollen oder nicht. Ziemlich schlimm eigentlich alles. Leider muss ich sagen, dass dies

ein sehr gutes Beispiel für eine desorganisierte Bindung,

ist, man liebt jemanden, vor dem man aber eigentlich auch Angst hat. Au weia!

Ich hatte schon vor einiger Zeit eine Ergotherapie begonnen. Dann machte ich mich daran, mir zusätzlich eine Traumatherapie zu suchen.Denn mir war klar, dass ich sonst nicht in dieser Beziehung klarkommen würde. Und das wollte ich doch. Ich wollte nicht bei der ersten besten Schwierigkeit aufgeben. Irgendwie hatte ich mich in die Vorstellung verrannt, ich würde jetzt noch mal einen letzten Versuch machen und alles geben und wenn das nicht funktionieren sollte, würde ich es auch nie wieder probieren.

Eine Sache gab es, die zwischen uns wirklich gut war und das war, das wir von Anfang an auf meine Initiative das Zwiegespräch einführten. Das sorgte immer wieder für gegenseitiges Aufeinander-zu-gehen, Verständnis, Mitgefühl usw.

Ich hatte mich ja schon mit verschiedenen Ansätzen von Traumaarbeit beschäftigt. Für mich war klar, dass ich es jetzt u. a. gerne mit Somatic Experiencing probieren möchte. Ich fand praktisch sofort eine Therapeutin.

Mit diesem FUNKEn änderte sich alles für mich. Es war, als hätte mein ganzes System nur darauf gewartet, dass ich endlich BEGINNEN kann, mich mit meinen Leichen im Keller zu beschäftigen.

Zu allererst habe ich begonnen zu fühlen.entwicklungstrauma folgen keine gefühle zeigen

Mehr zu fühlen als vorher. Vorher fand ich das Fühlen eher bedrohlich. Oder sagen wir mal, ich hatte meinen Fokus darauf gerichtet, meine Wahrnehmung zu ignorieren. Ich habe mein Überleben offenbar hauptsächlich dadurch gesichert, dass ich alles tat, was ich konnte, um anderen Menschen zu gefallen, bzw. sie nicht gegen mich aufzubringen. (Deswegen waren die Konfrontationen mit meiner Partnerin so existentiell bedrohlich für mich).

Durch die Therapien habe ich gelernt, dass es gut ist, in mich hineinzufühlen und mir Gefühle zu erlauben und anzusehen.

Zu fühlen, was etwas mit mir macht.

Und dass ich mich weigern darf, bestimmte Dinge zu tun, wenn ich mich damit nicht wohl fühle.

Natürlich haben X und ich auch über Weihnachten gesprochen.  Sie sagte mir was von inneren Anteilen, die nicht alle mit mir einverstanden seien. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich habe selbst eine kleine innere Familie (die zum damaligen Zeitpunkt aus 4 Personen bestand). Mit Klient*innen arbeite ich ganz häufig mit inneren Anteilen. Das Konzept der inneren Anteile ist mir also sehr vertraut.

Meine Lernerfahrung von Weihnachten war:

ich möchte nicht länger als 4 Tage in ihrer Wohnung sein. Das lag nicht nur am gefährlichen Terrain an sich, sondern daran, dass dort nicht mein Raum war. Und ich habe erst im Laufe der Beziehung verstanden, wie sehr ich diesen eigenen Raum in der Beziehung brauche. Und zwar nicht nur in der Beziehung, sondern ganz allgemein. Darüber habe ich hier schon einmal geschrieben. Ich fühlte mich also in ihrer Wohnung vollkommen entwurzelt. Zwar hatte ich schon bei der 2. Begegnung forsch eine Ablage für meine Sachen gefordert und bekommen, aber so lange ich bei ihr war, schwamm ich irgendwie. Ich durfte meine Sachen nur an bestimmten Orten abstellen usw.

Dort gab es EINFACH keine Sicherheit.

Wenn zwei Menschen zusammenkommen, haben sie meistens ja ganz eigene Gewohn- und Gepflogenheiten, wie sie ihr Leben meistern. Ich war total entsetzt, als mir klar wurde, dass X gekochtes Essen über Nacht auf dem Herd stehen lässt. Und erwartete, dass ich davon am nächsten Tag esse. Nun habe ich mir einmal eine ziemlich schwere Lebensmittelvergiftung zugezogen, weil ich Essen gegessen habe, das ich versehentlich nicht in den Kühlschrank gestellt hatte und mein damaliger Freund ganz unbekümmert meinte, natürlich könne ich das  noch essen … (Champignons habe ich danach jahrelang nicht essen können)… Als ich versucht habe, dagegen aufzubegehren, wurde sie sofort wieder ganz barsch und ich fiel in mich zusammen.

Nun, trotz allem haben wir uns zusammengerauft. Hauptsächlich, weil ich mich auf alles einließ, versuchte,

mich in ihr Leben zu pressen und anzupassen.

Vermutlich wären wir niemals sehr weit gekommen, wenn es die Fernbeziehung nicht gegeben hätte. Der sich durch die Fernbeziehung immer wieder ergebende Abstand hat dafür gesorgt, dass irgendwann immer wieder die Sehnsucht überhand nahm. Wir waren ja beide sehr verliebt. Trotz ihres manchmal sehr merkwürdigen Verhaltens habe ich daran nicht gezweifelt. Und wir hatten, wenn es uns gut ging, unglaublich viel Spaß und Freude miteinander.  Ich habe versucht,

das kleine Stimmchen in mir,

das sich ängstlich und unwohl und unsicher fühlte, nicht zu beachten. Im Allgemeinen ging das ganz gut. Schwierig wurde es vor allen Dingen dann, wenn wir beide nicht gut drauf waren. Und natürlich tat die Entfernung ihr Übriges. Die Zahl der täglichen Telefonate reduzierte sich nach und nach und auch das Gedichte-vorlesen gaben wir auf.

Schließlich schlug sie einen ersten Urlaub vor. Für mich übrigens etwas ganz Fremdes und Ungewohntes. Eigentlich mache ich gar keinen Urlaub. Die Idee dahinter war, dass wir doch mal Zeit am Stück miteinander verbringen sollten, nicht nur so kleine Häppchen. Am besten an einem Ort, wo wir beide gleiche Bedingungen hatten. Sie wollte unbedingt Entlastung von ihrem Alltag. Ich erklärte mich schließlich einverstanden, der Urlaub wurde gebucht.

Ich ging weiter in meine Therapien. Ich genoß es sehr, jetzt nicht mehr so abgeschnitten von meinen Gefühlen zu sein. Und weil ich besser mit mir selbst in Verbindung war, habe ich gemerkt, dass ich eigentlich

vollkommen erschöpft bin

von der Hin- und Her-Fahrerei. Die bis dahin ausschließlich von mir bewältigt wurde. Ein paar Tage vor dem Urlaub habe ich ihr dann gesagt, dass ich das nicht mehr kann und sie auch öfter mal zu mir kommen muss, bzw. wir uns abwechseln.

Daraufhin wollte sie nicht mehr mit mir in Urlaub fahren.

Tja, jetzt endet auch dieser Artikel mit einem Hänger … Ich denke, dieses Thema wird mich  noch eine ganze Weile beschäftigen.

Wie immer freue ich mich, wenn Sie diesen Artikel liken, kommentieren und weiterverteilen.

Von Herzen,

Ihre

Monika Richrath

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Trauma in Liebesbeziehungen

Trauma in Liebesbeziehungen

Schon länger haben Sie nichts PERSÖNLICHes mehr von mir gehört.  Abgesehen von dem Launch meines Intentensivkurses, dem Online Kurs Hochsensibilität, war ich vollkommen damit beschäftigt, meinen Kopf oben zu halten. Als ich von der Blogparade „Beziehungsgeflüster“ von Dr. Annette Pitzer und Steffi Linke erfahren habe, war natürlich sofort klar, dass ich an dieser Blogparade teilnehme. Es ist eine supergute Gelegenheit über Trauma und Liebe, über Trauma in Beziehungen zu schreiben – und über den damit verbundenen Stress. Meine eigene Liebesbeziehung ist vor einiger Zeit explodiert (direkt vor dem Kurslaunch), wegen des Trauma Themas. In diesem Artikel möchte ich einmal REFLEKTIEREN, wie sich ein Trauma und Liebe sich konkret auf mein Leben ausgewirkt haben. Dazu muss ich allerdings ein bisschen ausholen.

Vor ungefähr 30 Jahren wurde mir das Herz gebrochen

und ich wundere mich heute manchmal noch darüber, dass ich das überlebt habe. Denn ich hatte damals nichts. Nach nur 7 Monaten, in denen ich übergangslos vom Himmel in die Hölle rauschte, fand ich mich PLÖTZLICH ALLEIN wieder. Ich fühlte mich zerstört, vernichtet, denn ich hatte keine wirkliche Erklärung bekommen. Nur, dass ich mich in manchen Situationen nicht verhalten hatte, wie die andere es sich gewünscht hätte.

Also stand ich selbst als Person in Frage. Weil mir das immer wieder passierte, glaubte ich, an mir wäre etwas, was es anderen

unmöglich machte, mich zu lieben.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie von Hochsensibilität gehört, geschweige denn Entwicklungstrauma, ich hatte mich noch nie mit Selbsterfahrung beschäftigt, ich hatte keine Ressourcen. Ich hatte nichts. Ich hatte vor allem mich selbst nicht.

Verzweifelt wollte ich geliebt werden.

Wie Millionen anderer Menschen glaubte ich, ich würde mich besser fühlen, wenn jemand mich liebte. Mir endlich das geben, wonach ich mich so sehnte. Ich hatte so eine große Sehnsucht danach. Es hat sehr, sehr lange gedauert, diese Sehnsucht FALLEN zu LASSEN und zu verstehen, dass der SCHLÜSSEL darin liegt, dass ich mich selbst lieben muss. Es hat ungefähr 10 bis 20 Jahre gedauert, bis diese Erkenntnis wirklich bei mir angekommen ist. (Sie kennen das vielleicht auch, dass man etwas vom Verstand zwar begreifen kann, aber erst in der Lage ist, etwas zu tun, wenn die Erkenntnis in den Körper eingezogen ist.)

Für mich war diese vernichtende Erfahrung

der Startschuss fürs Leben.

Ich begann, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, mit meinem Leben, meinen Wünschen, meinen Bedürfnissen. Ich erfuhr von Hochsensibilität, lernte das KLOPFEN kennen und schaffte es, mich einmal gründlich durch mein Leben zu KLOPFEN und viele Glaubenssätze in Bezug auf mich und mein Leben aufzulösen.

in einer Beziehung mit Trauma zweifelt man am eigenen WertObwohl ich unglaublich viele Dinge verändern konnte:

Liebe blieb für mich etwas vollkommen Unerreichbares.

In mir war etwas kaputt gegangen. So als könnte diese Wunde nie wieder heilen. Ich blieb dann 10 Jahre lang Single. Anfangs habe ich gelitten wie ein Hund. In meiner Single Anfangszeit war der Sonntag der schlimmste Tag der Woche. Jeder Sonntag eine Art Super-GAU, an dem ich beweinte, was ich nicht hatte.

Später, gegen Ende meiner Singlezeit wurden Sonntage zu den besten Tagen. Weil es Tage ohne Verpflichtung waren, an denen ich ganz frei entscheiden konnte, was ich tun wollte.  Freiheit pur.

Ich habe also gemerkt und gelernt, dass ich die Zeit mit mir alleine sehr genieße und vor allen Dingen auch brauche (was mir vorher überhaupt nicht klar war), um mich von dem Stress aus Hochsensbilität zu erholen und mich wieder zu SAMMELN.

Irgendwann war ich auch wieder bereit für die Liebe.  Aber in den Beziehungen, die ich hatte, bekam ich einfach

nicht die Nähe, die ich mir so sehr wünschte.

Das lag natürlich auch an mir. Im Grunde genommen konnte ich Nähe nur sehr schwer aushalten, ich fand sie beängstigend und habe mir von daher meine Partnerinnen entsprechend ausgesucht – nicht bewusst natürlich. Irgendwann ist mir aufgegangen, dass ich offenbar meine Partnerin so auszuWÄHLEN schien, dass ich genau das Gefühl bekam, mit dem ich aufgewachsen bin: Gelegentliche Nähe, ja, aber nie, wenn ich es brauche oder mir wünsche. Ohne jede Verlässlichkeit. Kein sicherer Boden unter den Füßen. Niemals.

Vielleicht kennen Sie selbst auch das Gefühl, dass Sie jemandem sehr nahe sind und 10 Minuten später ist es so,

als hätte es die Nähe niemals gegeben?

Mich hat das sehr häufig zur Verzweifelung gebracht. Ich denke, es ist eine ganz typische Folgeerscheinung belasteter Bindungsmuster.

Außerdem litt ich sehr unter dem Gefühl, dass ich für meine Partnerinnen niemals der wichtigste Mensch zu sein schien. Es gab immer andere Personen, die wichtiger oder zumindest genauso wichtig waren. …

Am Ende kam ich zu dem Schluss, dass es mir

ohne Beziehung einfach besser geht.

Zumal ich wirklich gerne mit mir allein bin. Und aufgrund der Hochsensibilität EINFACH sehr spezielle Bedürfnisse habe. (Ich muss nur an den Stress denken, jemandem erklären zu müssen, dass Zusammenziehen deswegen grundsätzlich nicht in Frage kommt. Das können die wenigsten Menschen verstehen!)

Ich habe begonnen, mich mit Trauma zu befassen. Ich habe Bücher von Bessel van der Kolk, Peter Levine, Michaela Huber und Diane Poole Heller gelesen. Und nach und nach ist mir dann gedämmert, dass die Beziehung, in der mir das Herz gebrochen wurde,

eine ganz typische traumatische Beziehung

war. Dies bedeutet: 2 Menschen mit einem Trauma thema gehen eine Beziehung ein. Zuerst fühlt man sich total verstanden, weil der/die andere ähnliche innere Zustände kennt wie man selbst. (Meine Erfahrung ist übrigens, dass die Traumata völlig unterschiedliche Ursachen haben können, die Auswirkungen häufig aber einander ähneln.) Dieses Gefühl, gesehen, erkannt und angenommen zu werden ist unvergleichlich. Der Himmel sozusagen.

Aber dann, nach einem vergleichsweise kurzen Zeitraum (typischerweise 7 Monate), wenn der erste Lack ab ist,

melden sich mit Vehemenz die jeweiligen Lebensthemen zurück,

die im Zuge der Verliebtheit in den Hintergrund gerückt waren. Man hört vielleicht dann auf, den/die Partner*in mit Wohlwollen zu betrachten.

Er/sie wird jetzt ungewollt zu einem Triggerfaktor.

Beide fühlen sich jetzt nicht mehr sicher in einer Beziehung. So rauschen beide vom Himmel im Expresstempo in die „Hölle“. Und binnen kurzem fliegt die Beziehung in die Luft.

Auf Netflix gibt es eine Serie zu sehen mit dem Titel FEEL GOOD, wo diese Beziehungsdynamik auf geradezu schmerzliche Weise beschrieben wird. Es geht hier auch um zwei Frauen (aber natürlich wäre es nicht anders, wenn es um ein heterosexuelles Paar ginge oder sonstige Orientierungen und Ausrichtungen.) Sie lieben sich eigentlich, aber sicher fühlen sie sich miteinander nicht. Beide sind von Selbsthass zerfressen und jede auf ihre eigene Art haltlos. Sie möchten miteinander reden, aber es geht einfach nicht. Sie können nicht in Worte fassen, was sie bewegt, weil sie selbst sich überhaupt nicht verstehen, geschweige denn, dass sie kommunizieren könnten, was in ihren vorgeht. Vordergründig sieht es so als, als wäre das Drogenproblem der einen das Problem in der Beziehung. Die andere versucht ihrerseits alle Probleme mit Sex zu lösen …

Eine traumatische Beziehung …

DAS also war mir passiert. Trotzdem ist es mir nicht möglich gewesen, diese Frau loszulassen, über einen unglaublich langen Zeitraum nicht. Dadurch, dass ich ganz PLÖTZLICH verlassen wurde, hatte ich keine Möglichkeit, mit dieser Beziehung abzuschließen. Das hat mich in den Grundfesten meiner Existenz erschüttert, auch jetzt, 30 Jahre danach, träume ich noch manchmal von dieser Frau.

Irgendwann habe ich dann doch meinen Frieden damit gemacht – so halbwegs jedenfalls. Ich habe auch verstanden, dass in all meinen Partnerschaften (Männer und Frauen) es auf beiden Seiten diesen Trauma-Hintergrund gab. Obwohl ich von mir ganz lange Zeit überhaupt keine Ahnung hatte, woraus dieser Trauma-Hintergrund eigentlich bestand … Erst im Verlauf des letzten Jahres konnte ich für mich selbst AUFDECKEN, dass ich ein Entwicklungstrauma als Folge belastender Kindheitserlebnisse erlebt habe, dazu werde ich auf diesem Blog sicherlich noch eine Menge schreiben. Seltsamerweise gibt es dazu nur sehr wenig Literatur, obwohl das soviele Menschen zu betreffen scheint.

Soweit die Einleitung. Ich weiß, es ist lang, aber es ist wichtig. Jetzt kann ich in der Gegenwart ankommen.

Eigentlich war ich ein glücklicher Single.

Irgendwann ist in mir doch noch einmal der Wunsch nach einer Partnerschaft aufgekommen. Ich habe mich gefragt, wie es wohl wäre, mit jemandem zusammen zu sein, und alles Wissen, was ich in den letzten 30 Jahren über Beziehungen und über mich SAMMELN konnte, in dieser Beziehung umzusetzen? Ich habe mich auf die SUCHE gemacht und wurde nach allerlei Irrungen und Wirrungen schließlich dann von X gefunden. Ich habe darüber schon verschiedentlich geschrieben, z. B. in den Artikeln Wie Liebe sich anfühlt und katastrophale Bindungserfahrungen.

Unser erstes Date dauerte 3 Tage

Noch nie im Leben habe ich mit jemandem soviel gelacht. Ich fühlte mich irgendwie magisch, als sei ich zu dieser Person geleitet worden (zu dieser Zeit hörte ich täglich Meditationen zur Anziehung). Allen Ängsten zum Trotz habe ich mich eingelassen auf die Beziehung. Es gab mir eine gewisse Sicherheit, dass X fast das gleiche Alter hatte wie ich und eine ähnliche Sozialisation erlebt hatte, unser biografischer Hintergrund wies mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede auf. Und: wichtigster Punkt: wir hatten beide schon viel an uns gearbeitet, besaßen ein gewisses Maß an psychologischer und emotionaler Bildung und kannten unseren Trauma-Hintergrund, was von Anfang an von uns beiden auch immer wieder thematisiert wurde. Für mich waren das

gute Grundvoraussetzungen mich einzulassen.

Wir wohnten allerdings nicht in der gleichen Stadt.

Mein Gott, was war ich verliebt! Anfangs telefonierten wir 3 x täglich und lasen uns morgens um 7 Uhr Gedichte vor.

Ein wenig mit Schrecken habe ich gemerkt, dass ich mich so verliebt fühlte wie damals vor 30 Jahren. Einerseits war das gut. Offenbar hatte sich mein Herz wieder erholt. Aber was wäre, wenn mir das Herz wieder gebrochen würde? Ich habe mich zum Glück noch nie von Ängsten bremsen lassen. Irgendwie habe ich gedacht,

ich gebe der Liebe noch eine letzte Chance und gebe alles!

So nahmen die Dinge ihren Lauf. Aus unterschiedlichen Gründen konnte sie nicht zu mir kommen, weswegen ich ein richtiges Wanderleben begann – natürlich ohne zu registrieren, wie sehr mich das destabilisierte …

Wegen der Fernbeziehung hatten wir ja immer nur ganz wenig Zeit miteinander. Was haben wir uns auf Weihnachten gefreut! Weihnachten wollten wir endlich einmal 10 Tage am Stück miteinander verbringen.

Es wurde die totale Katastrophe.

Ich erkannte weder meine Partnerin, noch mich selbst wieder …

Im Laufe des Schreibens dieses Artikels ist mir klar geworden, dass ich dieses Thema ganz unmöglich in einen Artikel pressen kann. Mittlerweile gibt es schon eine ganze Artikelserie dazu. Wenn Sie mehr über Trauma in Liebesbeziehungen wissen möchten, abonnieren Sie doch meinen Blog. Im nächsten Artikel wird es darum gehen, wie sich Traumata konkret im Alltag einer Beziehung auswirken.

Vielleicht haben Sie sich hier soweit ja schon wieder erkannt? Wie immer freue ich mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Von Herzen,

Ihre

Monika Richrath

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Wie Sie sich mit der EFT-Klopftechnik in ein neues Lebensgefühl hineinklopfen

Wie Sie sich mit der EFT-Klopftechnik in ein neues Lebensgefühl hineinklopfen

Das ist eine echte Herausforderung für meine Hochsensibilität. Mein Leben fühlt sich im Moment als, als säße ich auf einem rasenden Zug, der immer mehr und mehr an Geschwindigkeit aufnimmt. Zwischendurch werden immer wieder einmal neue Waggons angehängt, was die Fahrt nicht verlangsamt, sondern beschleunigt. Stress pur.

Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich innerhalb so kurzer Zeit als Sprecherin auf vier verschiedenen Kongressen auftrete! Es ist natürlich sehr schön, auf das Thema Hochsensibilität aufmerksam machen zu können, und auf meine Arbeit mit dem Intensivkurs.

2010 habe ich meine erste Klopfausbildung angefangen. Die Idee, die

EFT-Klopftechnik mit dem Thema Hochsensibilität zu verbinden,

hatte ich relativ schnell. Es war eine sehr gute Idee, denn ich hatte ja das beste Studienobjekt für meine Zielgruppe, das man sich nur wünschen kann: mich selbst.

Auch wenn ich damals noch keine wirkliche Ahnung von Hochsensibilität hatte. Nur eines wusste ich: dass ich den Stress, die Ängste,

all das Unglück, aus dem mein Leben bestand,

das wollte ich nicht mehr. Obwohl ich natürlich fairerweise sagen muss, einen wirklich bewussten Entschluss mein Leben zu ändern, gab es nicht. (Das wurde wohl woanders entschieden.) Eines kann ich allerdings: Chancen wahrnehmen. Wenn mir etwas vor die Nase gesetzt wird, und ich weiß, oder merke, es ist gut für mich, dann packe ich zu. Und lasse nicht mehr los. Die Verbindung von Klopfakupressur mit dem Thema Hochsensibilität wurde mir übrigens genauso vor die Nase gesetzt. Die Idee für den Intensivkurs auch.

Ich hatte schon lange von einer Art Jahresgruppe geträumt, bin aber vor der eher hochpreisigen Natur zurückgeschreckt. Was irgendwie gut war, denn dann habe ich Andreas Goldemann getroffen und war sofort

fasziniert von seiner Art der Gruppenarbeit.

Ich wusste quasi sofort, dass ich meine Arbeit langfristig ähnlich ausrichten möchte. Das heißt, eine Form von thematischer Arbeit zu Hochsensibilität anzubieten, die zwar vom Angebot her allgemein, aber doch tiefgehend ist, aus der sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann individuell den größtmöglichen Nutzen ziehen können.

Irgendwann hatte ich meine Arbeit von Einzelstunden auf Sitzungspakete umgestellt. Was logischerweise dazu führte, dass ich meine Klientinnen und Klienten über einen mehr oder weniger langen Zeitraum in ihrem Leben begleiten konnte. Dabei hat sich herauskristallisiert, dass bei manchen Menschen sich innere Zustände etabliert haben, die

eine wirkliche Veränderung verhinderten,

auch wenn das Klopfen an sich durchaus wirkte.

Warum das so ist, bzw., worauf es ankommt, habe ich erst vor relativ kurzer Zeit verstanden. 2019 habe ich mich verliebt und das hat eine ganze Kaskade von Ereignissen in meinem Leben ausgelöst.

Letzten Endes hat es dazu geführt, dass ich begonnen habe, mich intensiv

mit dem Thema Trauma,

vor allen Dingen Entwicklungstrauma, zu beschäftigen. Ich habe nicht nur viel über Trauma gelernt, sondern habe selbst eine Traumatherapie begonnen. Was mir dabei geholfen hat, sehr viele Dinge in Sachen Hochsensibilität zu verstehen, z. B.

wo diese inneren Zustände herkommen,

die jegliche Veränderung sabotieren, auch wenn man sich das noch so sehr wünscht.

Und es wurde mir wieder ein passendes, aber sehr wichtiges Detail vor die Nase gesetzt, nämlich, wie man klopfen kann, für sich selbst klopfen kann, ohne dabei traumatische Trigger zu berühren und trotzdem Veränderung bewirken kann. Dabei geht es vor allen Dingen darum, in sich selbst ein Gefühl für Sicherheit aufzubauen. Zwei Dinge sind hierbei besonders wichtig:

Dies benötigt Zeit.

Man kann nicht über Nacht ein anderer Mensch werden. Ihr System hat sich in Ihrem aktuellen Zustand eingerichtet. Mag sein, dass es sich nicht gut anfühlt, aber es ist vertraut. Höchstwahrscheinlich wird sich Ihr System nur zögerlich auf Veränderung einlassen, aber das ist o.k. Sie benötigen diese Zeit.

Ich selbst habe diese Zeit natürlich auch benötigt. Wenn man aber bedenkt, dass ich 40–45 Jahre ein sehr unglücklicher depressiver Mensch war, und sich innerhalb von 1–2 Jahren fast täglichen Klopfens mein Leben vollkommen verändert hat, ist diese Zeitspanne sehr kurz.

In dieser Zeit habe ich herausgefunden, dass ich ein total fröhlicher, optimistischer Mensch bin.

Heute sprudele ich nur so über vor Lebensfreude

– meistens jedenfalls.

Was mich (vielleicht) von anderen Menschen unterscheidet, die keinen so durchschlagenden Erfolg mit der Klopfakupressur hatten, ist: Beharrlichkeit. Ich höre so oft von Menschen: „Ja, EFT kenne ich, habe ich mal gemacht, hat mir gut getan, hat gewirkt, habe ich aber aufgehört.“

Glauben Sie mir, ich bin gar nichts Besonderes. Es gibt nur einen Grund, warum ich es geschafft habe,

mich in ein ein ganz neues Lebensgefühl hineinzuklopfen:

ich bin einfach dabei geblieben! Die Klopfakukpressur entfaltet ihre stärkste Wirkung am besten langfristig. Das ist das ganze Geheimnis.

Was mich zu der letzten Zutat bringt: Klopfen mit Begleitung. Durch das Coaching habe ich schon gemerkt, dass Begleitung ein ganz entscheidender Faktor ist bei Veränderungsprozessen. Ich habe mir also Gedanken gemacht, wie ich Sie als Gruppe begleiten kann und dafür gute Lösungen gefunden.

Jetzt, wo alles beisammen ist, kann es losgehen:

mein Intensivkurs geht online!

Das Ziel des Kurses ist also, Ihnen die Möglichkeit zu geben, langfristig Stress, Überforderung und Erschöpfung aus der Hochsensibilität aufzulösen, damit Sie ein neues Lebensgefühl entwickeln können, in dem Sie sich sicher und wohl in sich selbst und der Welt fühlen können. Und damit das auch geschehen kann, ist der Kurs wirklich langfristig angelegt. Die einzelnen Module sind so aufgebaut, dass Sie zu dem jeweiligen Modulthema Informationen bekommen, es gibt eine u. a. eine jeweilige vorbereitende Übung zu der gemeinsamen Live-Klopfsession (die natürlich auch aufgezeichnet wird). Sie bekommen danach von mir eine Klopfanleitung bis zur nächsten Session. Alle zwei Wochen treffen wir uns online zu einer live Q+A Session, wo Sie mir Ihre Fragen stellen können.

Ich möchte noch betonen, dass in der Live-Klopfsession wir

alle gemeinsam an einem Thema arbeiten.

Ich habe hier ein sehr gut funktionierendes Workshop-Konzept entwickelt. Zu keinem Zeitpunkt werden wir die Themen einzelner Personen vor der Gruppe beklopfen. (Diese Arbeit von Gruppenarbeit ist in der Klopfergemeinde sehr verbreitet, finde ich aber für hochsensible Menschen vollkommen unpassend.)

Ihr täglicher Aufwand für den Kurs beträgt ca. 10–15 Minuten, aber Sie können natürlich auch mehr Zeit investieren. Es gibt in jedem Modul zahlreiche Bonustracks mit hilfreichen Übungen, die Sie je nach Belieben verwenden können, aber nicht müssen.

Der Kurs ist noch nicht vollständig fertig, was Ihnen die Gelegenheit gibt, die Inhalte noch mitzugestalten, wenn Sie das möchten.

Mir gibt es die Gelegenheit, Ihnen

den Kurs zu einem ganz unschlagbaren Preis anzubieten.

Ansonsten habe ich mir überlegt, den Kurs 4 mal im Jahr anzubieten, um Ihnen die Entscheidung für eine Teilnahme zu erleichern. Konkret bedeutet dies, dass Sie den Kurszugang vom 21. bis zum 27. April 2023 kaufen können. Sie können dann sofort starten. 

Mir ist wichtig, dass Sie sich ruhigen Gewissens für den Kurs entscheiden können. Es gibt kein Risiko für Sie. Sie können bis zu 30 Tage nach dem Kauf den Kurs zurückgeben, wenn es Ihnen nicht gefällt. Dann wird Ihnen der Betrag rückerstattet. Sie haben also nichts zu verlieren. Aber so unendlich viel zu gewinnen. Probeiren Sie es einfach aus. Ich zeige Ihnen, wie Sie entspannt Stress, Überforderung und Erschöpfung loslassen und in ein neues Lebensgefühl kommen können.

Am 21. April geht es los! Sind Sie dabei? Ich freue mich auf Sie!

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

 

Fühlen verboten –  wenn Eltern regelmäßig Alkohol trinken

Fühlen verboten – wenn Eltern regelmäßig Alkohol trinken

Eigentlich ist es unglaublich, dass ich mich noch nie mit dem

Thema Alkohol und Alkoholismus,

als Familienkrankheit beschäftigt habe.

Vielleicht ist es auch ganz typisch für das Thema Alkoholsucht, dass es einerseits auf sehr schreckliche Weise präsent ist. (Im Netz habe ich die Information gefunden, dass 6,7 % der 18–64jährigen Bevölkerung in Deutschland Alkohol in riskanter Weise konsumiert, wovon zwischen 1,6 und 2,7 % als alkoholabhängig gelten.) Auf der anderen Seite wird es aber relativ wenig thematisiert. In den sozialen Netzwerken ist mir hierzu noch nie ein Artikel begegnet.

Natürlich habe ich auch einen eigenen Zugang dazu, denn

ich bin das erwachsene Kind eines Alkoholikers.

Ich hatte durchaus schon seit Jahren auf dem Schirm, dass ich irgendwann, eines fernen Tages, mal über Alkoholismus schreiben muss.

Vor kurzem habe ich den Beitrag 10 belastende Kindheitserfahrungen veröffentlicht und eine dazu passende Umfrage erstellt. Es war mir schon klar, dass Alkoholismus in der Familie auf jeden Fall zu den Faktoren gehört, die zu belastenden Erfahrungen in der Kindheit beitragen und als Folge ein Entwicklungstrauma begünstigen. Als ich mir nach einer Zeit die Antworten ansah, war ich geschockt, dass

mehr als die Hälfte

angegeben hatten, dass sie mit einem süchtigen Elternteil aufgewachsen sind. Aufgrund dessen habe ich mir das Buch Familienkrankheit Alkoholismus* von Ursula Lambrou angeschafft.

Das war wie eine Offenbarung.

Wieder sind eine ganze Reihe von Puzzleteilchen meines Lebens an ihren Platz gefallen. Weil mir einfach nicht bewusst war, dass Kinder grundsätzlich am meisten darunter leiden, und welchen Stress es für sie bedeutet, wenn ihre Eltern trinken. Zumindest nicht das Ausmaß und die Folgen, die sich durch elterlichen Alkoholismus für Kinder ergeben.

Denn wenn Eltern alkoholkrank sind, werden

Kinder automatisch vernachlässigt.

Punkt. Der nicht trinkende Elternteil (sofern vorhanden) wird sich immer mehr um den trinkenden Elternteil kümmern und sorgen. Für die Kinder bleibt dann nicht mehr viel Aufmerksamkeit übrig. Die laufen dann eher so mit.

Eine Folge der Vernachlässigung in der Kindheit ist,  dass in den Kindern schon früh ein Gefühl von Wertlosigkeit entsteht, weil man nie wichtig genug zu sein scheint. Weil die anderen offenbar immer wichtiger sind.

Kinder, die in einem solchen Umfeld aufwachsen, entwickeln ganz typische Verhaltensweisen, die auch im Zusammenhang mit Hochsensibilität häufig vorkommen. Eine sehr wichtig Ursache ist:

Es gibt kaum/keinen Schutz.

Der trinkende Elternteil entwickelt sich zu einer möglichen Gefahrenquelle für die Kinder. Unvorhersehbares Verhalten,  Aggressivität  können dazu führen, dass Menschen, die mit viel Aggressivität in der Familie aufwachsen, den Zugang zu Wut nicht nur nicht mehr finden, sondern vollkommen verlieren. Was kein Wunder ist, wenn sie die Erfahrung von Kontrollverlust mehrfach erlebt haben. Der nicht trinkende Elternteil ist oft nicht in der Lage, die Kinder zu (be)schützen.

Es muss aber gar nicht sein, dass es tatsächliche Gewaltausbrüche gibt. Mein Vater war kein Schläger. Zwar gab es hin und wieder sog. (sehr schmerzhafte) Kopfnüsse, aber ich habe nicht das Gefühl, wirklich geschlagen worden zu sein. Trotzdem war in meiner Familie

latente Gewalt vorhanden

jedenfalls zu einem bestimmten Zeitpunkt, und es gab keinen Ort, an dem man wirklich sicher gewesen wäre.

Irgendwie waren beim Streichen der Türen alle Schlösser überpinselt worden, mit dem Ergebnis, dass es nicht ein Zimmer gab, das man hätte abschließen können. Wir haben uns beholfen, indem wir einen sehr schweren Schreibtisch vor die Tür des Kinderzimmers gestellt haben. Wir zwängten uns durch einen sehr engen Spalt hinaus und hinein.

Eines Abends hat mein Vater tatsächlich versucht, hereinzukommen, gab aber gleich auf, als er den schweren Gegenstand hinter der Tür spürte. Was er bei uns wollte? Keine Ahnung.

Eine Erfahrung, die ich mit vielen anderen traumatisierten Menschen teile, ist die, dass wir es kaum aushalten können,

wenn Menschen sich unvorhersehbar verhalten.

Da kann man sehr schnell getriggert werden. Auch durch scheinbare Kleinigkeiten. Die in den Augen anderen Menschen (ohne Trauma Hintergrund) eher unverständlich wirken.

Alkohol und Alkoholismus zuhause fördern HochsensibilitätWenn Alkoholismus eine Rolle spielt

in unserer Familie, spielen wir als Kinder kaum eine Rolle. Alles dreht sich um den trinkenden Elternteil. Unsere Wünsche, Erlebnisse und Bedürfnisse werden nicht beachtet. Sie scheinen für unsere Eltern nicht weiter wichtig zu sein.

Dies schränkt unsere natürliche Entwicklung ein. Wir können uns nicht richtig entfalten. Zum einen deshalb, weil uns kein Gefühl für den eigenen Wert vermittelt wird. (Was bedeutet, dass wir keine Selbstliebe, Selbstachtung und vielleicht auch kein Selbstbewusstsein entwickeln können.) Zum anderen aber

verlieren wir den Zugang zu unseren eigenen Gefühlen

nach und nach. Zuerst verstecken wir unsere Gefühle vor unseren Eltern und später vor uns selbst.

Wir sehnen uns weg.

Ich wollte immer von Zuhause weglaufen und habe Bücher verschlungen, in denen Kinder von zuhause wegliefen. Das waren meine Lieblingsbücher. Weil die jeweiligen Protagonist*innen den Mut dazu hatten. Was mich angeht, so gab es kleine Versuche abzuhauen, aber ich bin immer wieder nach Hause gekommen, freiwillig. Und so rechtzeitig, dass niemand etwas gemerkt hat. Ich glaube, ich wollte meiner Mutter keinen zusätzlichen Kummer bereiten.

So oder so, in einem Alkoholiker Haushalt

dreht sich alles um Geheimhaltung.

In erster Linie geht es darum, dass Menschen außerhalb nicht davon erfahren sollen, was in der Familie vor sich geht. „Das geht andere nichts an!“ Kennen Sie diesen Satz?

Als Kind hat man in einem derartigen Familiensystem die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass dies so bleibt.

Die Geheimhaltung setzt sich dann weiter fort, indem nicht über Gefühle gesprochen wird.

Bis das Fühlen selbst ein Problem wird.

Etwas zu fühlen, würde ja bedeuten, dass man sich der Vorgänge in der Familie äußerst bewusst bleibt.

Viele Kinder in einer solchen Lage entscheiden sich dann für eine Form des inneren emotionalen „Totstellens“. Für die Kinder geht es um existentielle Fragen, sie bekommen dann das Gefühl, um ihr Überleben kämpfen zu müssen.  Von daher müssen sie Überlebenstechniken entwickeln um mit schwierigen Situationen umgehen zu können. Nichts mehr zu fühlen ist eine solche Strategie.

Eine andere, sehr probate Technik (Und ich bin sicher, dass Sie hier besonders aufmerken werden), ist

das Übernehmen von Verantwortung.

Ohnmächtig, handlungsunfähig zu sein ist ein schreckliches Gefühl. Handeln zu können, etwas zu tun, scheint ein guter Weg aus Chaos, Angst und Unordnung heraus zu sein.

Dieses Verhalten kann sich aber im Laufe des Lebens verselbstständigen. Wenn wir immer Verantwortung übernehmen. Auch solche, für die wir gar nicht zuständig sind. Oder um die Dinge am Laufen zu halten, usw.

Wenn wir uns als Kinder immer wieder in Situationen wiederfinden, in denen wir keine Kontrolle haben, können wir das Überlebensmuster entwickeln,

alles unter Kontrolle haben zu wollen.

In einem gewissen Maß mag uns das gelingen. Aber letzten Endes ist das Leben nicht kontrollierbar. Menschen auch nicht. Besonders schrecklich ist es, dass wir anderen Menschen dann das antun, was uns selbst als Kind angetan wurde, als wir nicht wir selbst sein konnten. (Dazu habe ich noch eine andere Umfrage erstellt, die Sie hier finden).

Ganz wichtig ist natürlich, dass

wir kein Vertrauen in unsere Gefühle entwickeln können.

Es bedeutet auch, dass wir die Verbindung zu unserem Körper nicht mehr herstellen können und ihn verlassen, weil Fühlen einfach weh tut. Kein Wunder eigentlich, dass so viele hochsensible Menschen mit Schmerzen zu tun haben später in ihrem Leben.

Die jahrelange Geheimhaltung führt letzten Endes auch zu

Angst vor Nähe.

Es kann dabei durchaus sein, dass wir uns nach Nähe sehnen, sehr intensiv sogar, aber meistens ziehen wir dann eher die falschen Partner und Partnerinnen in unser Leben, die ebenfalls keine Nähe erfahren haben. So ist eine Neuauflage des alten Leids quasi schon vorprogrammiert. Dazu habe ich schon einmal einen Artikel geschrieben „Warum verliebe ich mich immer in den/die Falsche*n„.

Es braucht sehr viel persönliche Entwicklungsarbeit um hier etwas zu verändern. Es ist aber möglich. Das zählt letzten Endes. Mir hat die Klopfakupressur dabei geholfen, einen Zugang zu meinem eigenen Wesen zu finden und mich auf den Weg zu machen. Nach und nach habe ich gelernt, mit den Schwierigkeiten aus dem Entwicklungstrauma (was häufig eine Ursache von Hochsensibilität ist, bzw. sich häufig hinter dem persönlichen Erleben von Hochsensibilität verbirgt, besser umzugehen. Denn es ist nie zu spät, damit zu beginnen, sich das Leben leichter. zu machen Wenn Sie also Lust haben, mal in die Klopfakupressur hineinzuschnuppern, melden Sie sich zu einem meiner kostenlosen Kurse an.

Puh, das war jetzt ganz schön viel Input. Toll, wenn Sie bis zum Schluss durchgehalten haben!

Vielleicht mögen Sie Ihre Erfahrungen in Sachen Alkohol und Familie mit uns teilen?

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

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Mutterlos

Mutterlos

Vor ziemlich genau 5 Jahren ist meine Mutter gestorben. Seit ihrem Tod hat sich unser Verhältnis zueinander immer wieder verändert und gewandelt. Grund genug um einmal eine Art Zwischenbilanz zu ziehen. Möglicherweise bin ich auch nach fünf Jahren immer noch nicht „am Ende“ angekommen. Ich habe so viel gelernt über Hochsensibilität im letzten Jahr, aber auch über Trauma und es ist unmöglich für mich, beides voneinander zu trennen. Das liegt sicher an den belastenden Kindheitserfahrungen.

Mein Verhältnis zu meiner Mutter war immer sehr schwierig.

Sehr beladen mit unausgesprochenen und unaussprechlichen Dingen. Ich habe ihr immer irgendwie gegrollt, jahrzehntelang, ohne genau zu wissen, warum. Im Nachhinein denke ich, dass meine Mutter diesen Groll auch gespürt haben muss. Allerdings wurde er nie thematisiert. Wenn ich eins von meiner Mutter gelernt habe, dann das, wie man Dinge ausschweigt.

Immer habe ich das Gefühl gehabt, um meine Geburt ranke sich ein Geheimnis. Als Kind und Jugendliche habe ich oft das Gefühl gehabt, gar nicht zur Familie zu gehören, vielleicht bei der Geburt vertauscht worden zu sein. (Vielleicht kennen andere hochsensible Menschen das Gefühl, dass da keine Liebe ist, ja auch?) Vielleicht war mir schon

sich auf das neue Baby freuen war für meine Mutter nicht möglichals Kind bewusst, dass etwas fehlte, dass ich einsam war.

Einmal haben wir (einige meiner Geschwister und ich) unsere Mutter gefragt, für wieviel Geld sie uns verkaufen würde. Weiß der Geier, wie wir darauf kamen. Meine Mutter hat gelacht und gesagt, sie würde uns niemals verkaufen, wir seien doch ihr Liebstes auf der Welt. Ich weiß noch genau, wie erleichtert ich da war. Wie sich ein gewisser emotionaler Stress auflöste. „Sie liebt uns also doch“ habe ich gedacht. Ich hatte zwar nicht wirklich angenommen, dass sie uns verkaufen würde, aber offenbar habe ich mich in meinen ersten Kindheitsjahren emotional in einer Art Niemandsland bewegt.

Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich damals war. Vielleicht sieben oder acht Jahre, nicht mehr klein und noch nicht groß. Aber in gewissem Sinne hatte ich überhaupt keinen festen Boden unter den Füßen. Bis zu diesem Moment hatte es schon mehrere schwerwiegende Bindungsabbrüche gegeben.

Heute denke ich, dass diese Zeit vor allem

durch Bindungslosigkeit und Verbindungsstörungen geprägt

war. Demzufolge hatte ich überhaupt keine Vorstellung davon, was ich anderen Menschen bedeuten könnte.  Bis Mitte 40 (bevor ich die Klopfakupressur und Klopfen entdeckte), war ich mir überhaupt nicht sicher, dass überhaupt jemand, irgendjemand zu meiner Beerdigung kommen würde.

Heute weiß ich, dass dieses Gefühl einer (vielleicht krankhaften?) Bindungslosigkeit u. a. auch daher rührt, dass es bis auf den einen, eben erwähnten Augenblick, niemals ganz direkte Liebesbezeugungen gab. Nie habe ich so etwas gehört wie „Ich hab dich lieb.“ Das hat Spuren hinterlassen.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht,

ob sich diese Wunde jemals wirklich schließen wird.

Vor kurzem habe ich noch einmal den Film „Lion“* gesehen, den ich sehr mag. Jedes Mal heule ich Rotz und Wasser. Vor allem weil Saroo, um dessen Lebensgeschichte es hier geht (durch unglückliche Umstände von seinem Heimatland Indien nach Tasmanien verschlagen, wo er adoptiert wird) sich sein ganzes Leben lang der überschwänglichen und grenzenlosen Liebe seiner biologischen Mutter bewusst bleibt. Eine Liebe, die ich von meiner Mutter nicht bekommen habe.

Trotzdem haben sich Dinge verändert.

Ich habe meinen Groll losgelassen. Das ist ganz automatisch ohne mein Zutun geschehen, durch die Krankheit meiner Mutter.In der Hochsensibilität spielt Stress in der Pflege eine besondere Rolle

Ich habe herausgefunden, dass es keine Geheimnisse gibt um meine Geburt. Nur Überforderung im Alltag. Und eben auch, dass meine Mutter sich  aufgrund der Überforderung weder über die Schwangerschaft, noch auf mich gefreut hat. Vielleicht wollte meine Mutter mich auch nicht, das kann ich nicht mehr herausfinden. Und das will ich auch gar nicht genau wissen. Das, was ich weiß, ist schon schwierig genug für mich.

In den vergangenen fünf Jahren habe ich natürlich versucht, klarzukommen, mit dem, was ich herausgefunden habe. Das Tool meiner Wahl war dabei Matrix Birth Reimprinting von Sharon King (über das du auf meinem Blog mehrere Artikel finden kannst) und ich habe mir dazu professionelle Hilfe gesucht.

 Image by Schmidsi from Pixabay

Ein sehr wichtiger Teil von Matrix Birth Reimprinting ist es, dass man die Umstände seiner Geburt verändert und ich habe davon reichlich gebraucht gemacht. Zum Beispiel kam ich in einer wahnsinnig gemütlichen Baumhöhle zur Welt. Ähnlich wie die Wohnung von Kaninchen in Winnie the Poo, mein Vater, meine Geschwister sind alle da. Ich konnte ein Bonding direkt nach der Geburt mit meinem Vater nachholen, aber mit meiner Mutter gab es kein Bonding. Und ich habe über mehrere Jahre hinweg mehrere Sitzungen gehabt.

Zuguterletzt habe ich mich entschieden, noch einmal geboren zu werden und

neu geboren werden in einem baumhaus

Image by Schmidsi from Pixabay

mich selbst in Empfang zu nehmen.

Meine Mutter einfach loszulassen. Das war eine wunderschöne Sitzung, die in mir sehr viel verändert hat. Ich war so erleichtert. Danach hatte ich auch nicht mehr das Bedürfnis, dieses Thema zu bearbeiten.

Allerdings arbeitet es offenbar noch im Unterbewusstsein oder im Unbewussten. Vor einiger Zeit habe ich ja begonnen, mich endlich mit den traumatischen Ereignissen meines Lebens zu beschäftigen. Das führt offenbar dazu, dass ich das Gefühl habe, ich hätte überhaupt nie eine Mutter gehabt! Und dass mir das Gefühl trotz einer großen Familie allein zu sein, sehr präsent ist. Darum fühle ich mich gerade sehr mutterlos.

Natürlich habe ich auch Dinge von meiner Mutter bekommen. Sehr gute Dinge. Sie hat immer unsere Kreativität gefördert. Interesse an Kunst geweckt. Interesse an allem. (Heute glaube ich, dass meine Mutter eine Scannerin war.) Und sie hat mir diese wahnsinnigen spirituellen Erfahrungen geschenkt, die ich mit ihrem Tod und Sterben machen konnte. Erfahrungen, die mich auf immer verändert haben.

Aber es bleibt auch dabei, dass ich erst nach ihrem Tod das Gefühl hatte, jetzt wirklich frei zu sein, mein eigenes Leben zu leben. Das Leben ist wirklich voller Überraschungen.

Es kann natürlich sein, dass sich das alles noch einmal ändert, aber im Augenblick fühlt es sich nicht so an für mich.

Wie geht es dir mit deiner Mutter? Kennst du ähnliche Gefühle? Wie immer freue ich mich, wenn du mir schreibst.

Von Herzen,

Unterschrift Monika Richrath

Bild von Free-Photos von Pixabay 

 

10 belastende Kindheitserfahrungen

10 belastende Kindheitserfahrungen

Ich bin schon ziemlich lange davon überzeugt, dass Trauma, bzw. Entwicklungstrauma massive Auswirkungen auf den Körper, auf das Leben, auf die Persönlichkeitsentwicklung und vor allen Dingen auch auf die Gesundheit hat.

Eine traumatische Entwicklungsstörung entsteht durch sich wiederholende Erlebnisse als Kind, die in uns sehr viel Stress ausgelöst haben und uns darauf geprägt haben, in einer inneren Alarmbereitschaft zu sein.  Häufig ist dies auch mit vielen Ängsten und Sorgen verbunden (die einen dann auch im Erwachsenenleben nicht wirklich loslassen). Es ist davon auszugehen, dass diese Belastungen in der Kindheit in uns eine innere Landschaft anlegen, die wir dann als „Hochsensibilität“ empfinden. (Also eher eigentlich Vulnerabilität und natürlich ist auch klar, dass es an der jeweiligen persönlichen Resilienz und den Umständen liegt, wie intensiv die Ausprägung dann ist.)

Im Rahmen meiner Beschäftigung mit dem Thema Trauma bin ich immer wieder auf den Begriff

ACE (Adverse Childhood Event: Belastende Kindheitserfahrung)

gestoßen. Natürlich beschäftigen sich auch Wissenschaftler mit der Frage, ob die belastenden Kindheitserfahrungen sich auf das spätere Leben auswirken. Dabei sticht besonders die CDC-Kaiser-ACE Study heraus, über die 1998 ein Artikel im Journal of Predictive Medicine veröffentlicht wurde. Diese Studie wurde gemeinsam mit dem Center for Disease Control and Prevention und der privaten Krankenversicherung Kaiser Permanente durchgeführt. Die Studie enthält Daten von 17.421 Menschen, die in der Mehrheit weiß waren und eine akdemische Bildung erhalten hatten und über eine gute Gesundheitsversorgung verfügten. Mehr Einzelheiten über diese Studie finden Sie hier.

Diese Studie hat übrigens dazu geführt, dass viele Länder ebenfalls Studien über belastende Kindheitserfahrungen durchgeführt haben.

Graph showing how adverse childhood experiences are related to risk factors for disease, health, and social well-being. The lifespan is represented as an arrow ascending past the layers of a pyramid, beginning at Adverse Childhood Experiences and moving through Social, Emotional, and Cognitive Impairment; Adoption of Health-risk Behaviors; Disease, Disability, and Social Problems; and finally Early Death. Smaller arrows depict gaps in scientific knowledge about the links between Adverse Childhood Experiences and later risk factors. Charles Whitfield, M.D., Centers for Disease Control and Prevention

Nur kurz zu den Ergebnissen (denn eigentlich finde ich vor allem die Liste der Erfahrungen für uns interessant):

mehr als zwei Drittel Studienteilnehmer*innen

erlebten mindestens eine belastendes Ereignis in der Kindheit, eineR von 5  Teilnehmer*innen mindestens 3 . Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass belastende Ereignisse bedeuten, dass die Prävalenz chronischer Krankheiten, wie schweres Übergewicht, Krebs, Herzkrankheiten, Lungenkranktheiten, Schlaganfall, Diabetes, Depression, usw.) begünstigt wird. Dazu kamen noch Verhaltensweisen, die der Gesundheit nicht zuträglich waren wie Rauchen, Alkoholmissbrauch, Substanzmittelmissbrauch usw.) Es gilt als belegt, dass ein Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen den ACEs und negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und das emotionale Wohlbefinden besteht und dass dieses Risiko mit der Anzahl der ACEs steigt.

Wenn Sie sich weiter unten die Liste ansehen, dann werden Sie merken, dass es sich hierbei nicht um einmalige Vorkommen handelt, sondern eher um Zustände, die nicht punktuell, sondern vermutlich andauernd – wenn nicht sogar anhaltend über einen sehr langen Zeitraum – waren.

Ich möchte mich mit meine Liste nicht ganz sklavisch an die offizielle ACE-Liste halten, auch wenn sie im Wesentlichen übereinstimmt:

 

1. Süchtige Eltern

Dabei muss es sich durchaus nicht nur um Alkohol handeln, es kann sich auch um Sex, Spiele, Drogen, Arbeit, Essen, Fremdgehen, Fernsehen, Putzen usw. handeln. Was man dabei im Blick haben sollte: die Sucht geht immer, immer vor. Und der nichtsüchtige Elternteil ist dabei sehr häufig vor allem auf den süchtigen Elternteil bezogen, d. h., die Kinder bleiben eher außen vor und erhalten sehr viel weniger Aufmerksamkeit, abgesehen von allen anderen Schwierigkeiten, die die Sucht eines oder mehrerer Elternteile mit sich bringt. Ich stamme selbst aus einem Alkoholiker Haushalt und werde demnächst dazu noch mehr schreiben.

Auf jeden Fall gehört zur Liste der Konsequenzen das  (unangebrachte) Übernehmen von Verantwortung für die Familie, weil die Eltern selbst dazu häufig nicht in der Lage sind. Auch Verleugnung und Verdrängung sowohl nach innen (was eigene Gefühle angeht) als auch nach außen (was die Zustände in der Familie angeht) sind ebenfalls sehr wichtige Auswirkungen auf Kinder, deren Eltern süchtig sind.

2. Verbale Angriffe

In Ihrem Zuhause gibt es keine Ruhe, es gibt viel Streit in der Familie. Auch für Sie gibt es keine Liebesbeweise, nie bekommen Sie zu hören, dass Sie etwas gut gemacht haben, dass Sie geliebt werden o. ä. Statt dessen werden Sie dauernd runtergeputzt und man lässt keine Gelegenheit aus, Ihnen zu vermitteln, dass Sie einfach nicht wichtig sind. Häufig machen Sie die Erfahrung, dass ein Geschwisterkind durchaus geliebt oder bevorzugt behandelt wird, oder dass die Eltern oder ein Elternteil sich mit Geschwisterkindern gegen Sie verbünden.

3. Emotionaler Missbrauch

Sie müssen häufig als Partnerersatz für einen Elternteil herhalten, entweder, weil der Elternteil tatsächlich nicht mehr da ist, oder weil er sich abgewandt hat und emotional überhaupt nicht mehr verfügbar ist. Sie werden als Vertraute der Mutter benutzt und in Ehegeheimnisse eingeweiht, die sie nicht wissen wollen oder auf die Seite des Vaters gezogen und dienen als Verbündete. Sie dürfen kein Kind sein.

4.Vernachlässigung

Sie haben einfach das Gefühl, nicht zu zählen, bedeutungslos zu sein.  Und das ist das schlimmste von allem. Vielleicht haben Sie schon einmal von den Experimenten mit gegorenem Reis gehört, der jeweils unterschiedlichen Behandlungen unterzogen wurde (liebevoller Zuspruch, verbale Attacken und völliges Linksliegenlassen). Die Reisproben, die einfach nicht beachtet wurden, zweigten die schlimmsten Auswirkungen. Jemand der so aufwächst, wird Schwierigkeiten haben, sich selbst wichtig zu nehmen, Selbstliebe zu entwickeln und ein erfülltes Leben zu führen. Hier gibt es durchaus Überschneidungen mit anderen Punkten, zum Beispiel mit Punkt 2.

5. Gewalt

Dies kann sowohl sexuellen Missbrauch beinhalten, als auch tatsächlich köperliche Züchtigung und Schläge. Hier geht es um Grenzverletzungen, Vertrauensverlust, körperliche Unversehrtheit, aber es spielen auch noch andere Faktoren mit hinein. Vielleicht haben wir Verantwortung dafür übernommen, für die Sicherheit andere Familienmitglieder zu sorgen (manchmal zu Lasten unserer eigenen).

6. Verlassenwerden

Dies kann alles mögliche beinhalten. Vielleicht stirbt jemand, der für Sie eine wichtige Bezugsperson war. Vielleicht verlässt ein Elternteil tatsächlich die Familie, und der andere Elternteil ist mit der Sicherung des Lebensunterhaltes beschäftigt, so dass niemand sich mehr mit Ihnen beschäftigen kann. Es kann aber auch bedeuten, dass niemand jemals Zeit für Sie hat. Viele von uns hatten Eltern, die nach dem Krieg damit beschäftigt waren, sich eine neue Existenz aufzubauen. Die Kinder liefen einfach nur so mit.

7. Frühe Abbrüche in der Bindung

Vielleicht wurden Sie zur Adoption freigegeben oder wuchsen als Pflegekind bei anderen als den ursprünglichen Eltern auf, vielleicht sogar in einem Heim. Aber vielleicht war es nicht einmal so etwas Dramatisches, sondern viel Alltäglicheres. Vielleicht hat Ihre Mutter unter einer Postnatalen Depression gelitten, konnte sich nicht mit Ihnen anfreunden, sich nicht auf Sie freuen, musste (vielleicht sogar wiederholt) ins Krankenhaus oder war sonstwie abwesend.

8. Geschwister Trauma

Dies kann ebenfalls viele verschiedene Dinge beinhalten. Vielleicht war ein Geschwister krank und Sie standen daher immer im Schatten dieses Geschwisterkindes.  Vielleicht haben die Eltern auch ein Kind vor Ihrer Geburt verloren und Sie haben den (niemals ausgesprochenen Auftrag) diesen Verlust wieder gut zu machen. Vielleicht wurden Sie Zeuge eines traumatischen Erlebnisses eines Geschwisterkindes, dem Sie nicht helfen konnten. Vielleicht haben Ihre Geschwister Sie gequält. Vielleicht wurde ein Geschwisterkind wie das „goldene Kind“ behandelt (hier kann es durchaus Überschneidungen mit Punkt 2 geben) und Sie wie „Aschenputtel“ behandelt, das kommt gar nicht so selten vor.

9. Armut

In Armut aufzuwachsen ist eine Erfahrung, die sehr, sehr tief prägt, vor allen Dingen unsere Glaubenssätze über uns selbst und die Welt. Meistens haben unsere Eltern ein entsprechend geprägtes Weltbild, das wir als Kinder übernehmen, weil wir es nicht besser wissen. Dies beinhaltet zum Beispiel, dass wir nicht daran glauben, dass wir alles Gute dieser Welt verdienen und es auch in der Hand haben, etwas dafür zu tun, wir haben kein Bewusstsein für das Potential, das in uns schlummert und möglicherweise fehlt uns eine Art natürlicher Mut …

10. Ein oder beide Elternteile sind psychisch krank

Das ist ebenfalls ein sehr schwieriger Punkt. Psychisch kranke Elternteile sorgen dafür, dass man die Familie nicht als sicheren Ort empfinden kann, da sich die kranke Person immer wieder auf unvorhersehbare Weise verhält, und vielleicht auch dafür sorgt, dass die eigene Wahrnehmung in Frage gestellt wird. Als Kind hat man relativ wenig Möglichkeiten, den Wahrheitsgehalt von Behauptungen Erwachsener zu prüfen, sondern übernimmt deren Ansichten ungefiltert. Das ist sowieso schon schwierig genug, wenn ein Elternteil psychisch krank ist, kann dies bedeuten, dass man selbst in seinem Ausdrucksverhalten vollkommen gehemmt wird, weil man zur Zielscheibe der Angst und Unsicherheiten, des Spotts oder Zorns usw. des entsprechenden Elternteils wird. Auf jeden Fall

Und natürlich können auch hier wieder Verschränkungen mit anderen Punkten entstehen.

Das war ziemlich harter Tobak. Falls Sie jetzt aufgebracht sind, klopfen Sie bitte wie oben gezeigt. Ich selbst bin übrigens mit mindestens 5 der oben genannten Erfahrungen aufgewachsen.

Ich bin natürlich jetzt sehr neugierig, wie es mit Ihnen ist. Darum habe ich mal wieder eine Umfrage erstellt und bin meganeugierig, wie sie sich über die Zeit entwickeln wird.

Falls Sie Lust haben, Ihre Erfahrungen mit uns zu teilen, freue ich mich über Ihren Kommentar unter dem Artikel.

Von Herzen, Ihre

Monika Richrath

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